Fuji SLM 29 1.5 Disc: Warten auf den Startschuss

Fuji SLM 29 1.5 Disc: Warten auf den Startschuss

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Test: US-Hersteller Fuji hat sich in den vergangenen Jahren durch äußerst gelungene Räder und großes Engagement im Amateur- und Profibereich eine stetig wachsende Fanbase erarbeitet. Wir haben uns das neue SLM 29 1.5 Disc angesehen.

Fakten-Check

[tab:Übersicht]


2015_FUJI_SLM_29UVP:
2999€

Gewicht: 10,9kg

Rahmenmaterial: Carbon

Laufradgröße: 29″

Federweg: 100mm

Herstellerseite

[tab:Geometrie]

Größe S S/M M M/L
Oberrohr Waagrecht587mm604mm623mm642mm
Sitzrohrlänge394mm445mm483mm533mm
Sitzwinkel73737373
Lenkwinkel70707070
Steuerrohrlänge90mm100mm131mm120mm
Kettenstrebenlänge430mm430mm430mm430mm
Radstand1087mm1093mm1112mm1132mm
Stack597mm616mm634mm630mm
Reach413mm424mm443mm459mm

[tab:Ausstattung]

Bauteil Modell
GabelFox 32 Float 29 Evolution CTD Remote 15mm
LaufradsatzOval Concepts 400 CL
ReifenSchwalbe Racing Ralph 29×2.25" Evo
BremseShimano XT M785
BremsscheibenShimano SLX RT68 CL 180/160mm
SchaltwerkSRAM X0
UmwerferSRAM X0 DM 2-fach
SchalthebelShimano X0 2-fach
KurbelOval Concepts M620 38/26t
KassetteShimano SLX HG81 11-36
VorbauOval Concepts 713 6° 100mm
LenkerOval Concepts 650 710mm
SattelstützeOval Concepts 650
SattelOval Concepts 400

[tab:END]

Rahmen und Geometrie

fuji7Der voluminöse Rahmen des Fuji SLM 29 1.5 Disc fällt sofort ins Auge – das schwarz/orange Kohlefaser-Schmuckstück kommt mit den neuesten Standards: Einem tapered-Steuerrohr für integrierte Steuersätze, Ausfallenden für eine 142mm Steckachse, integrierte Zug- und Kabelführungen und Aufnahmen für ein PF30 Innenlager. Optisch besonders auffällig ist der Bereich um das Steuerrohr. Wie so oft bei modernen Carbonrahmen fällt dieser recht bullig aus – was sich im Falle des Fujis aber sehr schön in das Gesamtbild fügt. Bei der Oberfläche hat man sich bei Fuji für eine glänzende Beschichtung entschieden – wenngleich die Optik Geschmackssache ist, bietet der glänzende Klarlack doch einen entscheidenden Vorteil: Der Rahmen lässt sich sehr viel einfacher von Schlamm und Dreck befreien als ein mattes Pendant. Die interne Zugführung sorgt für eine aufgeräumte Optik, während die orangen (oder wahlweise auch roten) Decals ein wohltuender Farbtupfer sind, wenngleich ihre Form etwas uninspiriert wirkt – hier hätten die Designer ruhig etwas mutiger sein dürfen nach unserem Geschmack.

Die Geometrie des SLM 29 1.5 ist ausgesprochen sportlich – wie es sich für ein Rad in dieser Klasse gehört. Mit einem Reach von 424 bzw. 443mm in Größe M ist das Fuji etwas für Liebhaber längerer Räder und gestreckterer Sitzpositionen. Durch das kurze Steuerrohr und das damit einhergehende tiefe Cockpit erhält man außerdem recht problemlos eine ordentliche Sattelüberhöhung – etwas, das bei einigen 29″ Bikes der Konkurrenz noch immer ein Problem darstellt. Auffällig bei der Betrachtung der Geometriedaten sind außerdem die mit 430mm sehr kurzen Kettenstreben für ein 29″ Rad – wir sind gespannt, wie sich das im Fahrverhalten auswirkt.

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Ausstattung

Um es vornweg zu nehmen: Bei der Ausstattung des Fuji SLM 29 1.5 Disc gibt es viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Doch beginnen wir mit dem Positiven: Beim Antrieb ist ein Mix aus SRAM und Shimano verbaut. Während Schaltwerk, Umwerfer und Schalthebel allesamt aus SRAMs X0-Reihe kommen, wird auf einer SLX Kassette von Shimano geschaltet. Bezüglich der Schaltperformance wirkt sich der Herstellermix sicherlich nicht negativ aus, doch fällt die eher günstige SLX Kassette gegenüber der hervorragenden X0 Gruppe doch deutlich ab – insbesondere bezüglich des Gewichts. Über 100g schwerer ist die HG81 Kassette gegenüber dem X0 Pendant aus dem Hause SRAM.

Bei den Bremsen zeigt sich ein ähnliches Bild: Während die Shimano XT Bremsen wohl mit zum Besten gehören, was momentan am Markt erhältlich ist, verbaut Fuji bei den Bremsscheiben die günstigen 1-teiligen SLX Stopper, die nicht ganz so hitzeresistent sind, wie die höherwertigen, zweiteiligen Bremsscheiben. Auch wenn dies bei einem Cross Country Boliden wie dem Fuji zweitrangig ist, hätten wir uns bei der angepeilten UVP doch zweiteilige Scheiben gewünscht. Überhaupt nichts auszusetzen gibt es an der Fox Gabel an der Front. Die 2015er Float Evolution ist eine hervorragende und schön leichte Gabel, deren CTD-Dämpfung für jedes Fahrer- und Streckenprofil die richtige Einstellung bietet.

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Laufräder, Kurbel und Anbauteile kommen aus dem Hause Oval. Wer sich fragt weshalb: Der Hersteller Oval Concepts gehört zum selben Mutterkonzern wie Fuji und eine Kooperation bietet sich also nicht nur aus logistischen Gründen an. Großes Interesse weckte bei uns die doch recht exotische Kurbel: Die Oval M620 kommt mit der für 29er üblichen Abstufung in 38 und 26 Zähnen und setzt im Gegensatz zu anderen Kurbeln am Markt auf eine große Antriebswelle mit einem Durchmesser von 35mm. Das soll für zusätzliche Steifigkeit bei gleichzeitiger Gewichtsersparnis sorgen. Etwas problematisch ist die Tatsache, dass die große Welle auch ein spezielles Innenlager erfordert, das wegen des PF30 Standards im Rahmen verpresst ist. Wer sich also im Nachhinein für eine andere Kurbel entscheidet, braucht ebenso ein neues Innenlager, muss das alte aus- und das neue einpressen (lassen). Doch im Grunde genommen gibt es kaum Gründe für einen Tausch: Die Oval Concepts Kurbel ist relativ leicht, steif und die Kettenblätter haben eine gute Schaltperformance.

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Die Laufräder stammen ebenso von Oval Concepts – wenngleich der Satz kein Leichtgewicht ist, sind sie auch nicht übermäßig schwer und erwiesen sich im Test als steif und stabil. Die Reifen kommen von Schwalbe – die Wahl fiel hier auf den Evergreen Racing Ralph in der sehr guten Evo-Ausführung, die gleichzeitig auch Tubeless-ready ist. Vorbau, Sattel, Lenker und Stütze von Oval fügen sich optisch schön zum Rest und machen einen gut verarbeiteten Eindruck. Das Cockpit ist mit dem 100mm langen Vorbau und dem 710mm breiten Lenker mit 5mm Rise schön sportlich.

Auf dem Trail

Wir waren gespannt, wie sich das Fuji auf dem Trail schlagen wird. Vom ersten Moment an wird klar: Das Fuji ist ein Racebike – der lange Reach, die tiefe Front – man fragt sich beim Aufsitzen unweigerlich: „Wo ist die Startlinie?“ Die äußerst gelungene Geometrie sorgt dafür, dass die Power aus den Beinen direkt auf dem Boden landet und auch das Handling ist wirklich hervorragend. Die kurzen Kettenstreben machen das Fuji für ein 29er erstaunlich kompakt und wendig, lediglich an sehr steilen Rampen führt dies ab und an zu etwas wenig Druck am Vorderrad – doch das nehmen wir angesichts der ansonsten großen Vorteile gerne in Kauf.

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Der Antrieb funktioniert absolut perfekt. Die X0 Trigger mit dem dazugehörigen Schaltwerk bieten eine hervorragende Schaltperformance – das knackige Schaltgefühl und die extrem schnellen Gangwechsel unterscheiden sich merklich vom eher sanften Umwerfen, das man von Shimano kennt, doch passen sehr gut zum Charakter des Fujis. Die Gabel haben wir im Handumdrehen auf unsere Bedürfnisse eingestellt und auch diese fügt sich in das Performance-orientierte Gesamtkonzept: Die Fox ist in ihrem Charakter eher straff als komfortabel, doch das führt zu einem nur sehr geringen Kraftverlust und das Rad bleibt dennoch immer sehr gut kontrollierbar. Der Racing Ralph Reifen von Schwalbe ist eher ein Fall für trockene Verhältnisse: Der Rollwiderstand ist sehr klein und der Pneu dadurch verflucht schnell, doch wenn der Boden tiefer und die Bedingungen feuchter werden, stößt er schnell an seine Grenzen.

Fazit

Das Fuji SLM 29 1.5 Disc ist ein teuflisch schnelles Bike. Die sportliche Sitzposition, der steife Rahmen und die durchdachte Ausstattung machen das Rad zu einem rassigen Racebike. Ein paar Schwächen in der Ausstattung und das doch recht hohe Gewicht von 11kg trüben den Gesamteindruck ein wenig, auch wenn diese Makel auf dem Trail wohl nur den wenigsten Fahrern auffallen werden.

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.