John Degenkolb: „Ich hatte bisher sehr viel Glück in meiner Karriere.“

John Degenkolb: „Ich hatte bisher sehr viel Glück in meiner Karriere.“

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Interview: John Degenkolb (Giant-Alpecin) fährt die bisher erfolgreichste Saison seiner Karriere. Mit Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix gewann er zwei Monumente des Radsports. Im Interview mit Velomotion blickt er zurück – und nach vorne.

John, Deine Siege bei Mailand-Sanremo und Paris-Roubaix liegen nun einige Wochen zurück. Welche Erinnerungen hast Du an diese beiden Tage? Hast Du schon richtig realisieren können, was Dir da gelungen ist?

Natürlich werden beide Tage einen festen und ganz wichtigen Platz in meinem Gedächtnis behalten. Für mich sind es zwei der schönsten Rennen, die ich kenne und die die Faszination Radsport verkörpern wie nur wenige andere. Insofern bin ich natürlich sehr stolz, dass ich mich in den Siegerlisten dieser Monumente verewigen konnte.

Wie haben Dich die deutschen Radsportfans bei der Bayernrundfahrt empfangen? Wo steht der Radsport in Deutschland – auch nach Erfolgen wie Deinen?

Der Empfang in Bayern war sensationell, und ich freue mich über den Zuspruch der Fans. Ich denke, Tony [Martin], Marcel [Kittel] und ich haben in den letzten drei Jahren viel erreicht und ein Stück Glaubwürdigkeit zurück gewonnen. Wir sind aber noch lange nicht am Ende des Weges angekommen. Es ist wichtig, dass auch in Deutschland von Fans und Medienvertretern erkannt wird, dass der Radsport sehr viel mehr zu bieten hat, als nur das gelbe Trikot bei der Tour de France.

Was macht die Faszination Radsport für Dich persönlich aus, und was empfiehlst Du denjenigen, die jetzt motiviert durch Deine Siege auf´s Rad steigen?

Für mich ist es einfach immer wieder schön, mit dem Rad unterwegs zu sein. Es gibt keine Fortbewegungsmöglichkeit, bei der man nur aus eigener Kraft einen vergleichbaren Bewegungsradius hat wie beim Radfahren. Wenn meine Erfolge dazu beitragen, dass Menschen zum Radfahren motiviert werden, freut es mich. Aber tun sollte es jeder ausschließlich für sich selber.

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2015 ist schon jetzt ein tolles Jahr für Dich. Wo können Dich die Fans in den kommenden Wochen fahren sehen, und was sind Deine weiteren Ziele in dieser Saison?

Ich fahre vor der Tour de France noch die Tour de Suisse und die Deutschen Meisterschaften in Bensheim. Dann versuche ich bei der Tour eine Etappe zu gewinnen. Und am Jahresende haben wir eine Weltmeisterschaft, die mir vom Kurs her liegen könnte [in Richmond, USA].

Ein Blick zurück und einer nach vorne: Was denkst Du über Deine bisherige Karriere, und was willst Du in fünf Jahren über den weiteren Verlauf sagen können?

Ich glaube, ich hatte bisher sehr viel Glück in meiner Karriere. Ich habe mich zurückblickend sehr oft richtig entschieden. Es wäre schön, wenn ich in fünf Jahren sagen könnte, dass ich trotz der großen Erfolge von diesem Jahr nicht nachgelassen habe und dass ich weiterhin sportlich ambitioniert geblieben bin.

John, vielen Dank für das Interview und alles Gute!

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über den Autor

Moritz Pfeiffer

Moritz Pfeiffer ist ein waschechtes Kind der Jan-Ullrich-Tour. Seit Sommer 1997 ist er bei Wind und Wetter, Lizenz- oder Jedermannrennen, Radmarathons oder RTFs auf schmalen Reifen unterwegs. Geschichte und Spanisch studierte er im Rennrad-Paradies Freiburg, aktuell lebt und arbeitet er in Tübingen.