Canyon Strive CF: Zwei zum Preis von Einem mit Shape Shifter

Canyon Strive CF: Zwei zum Preis von Einem mit Shape Shifter

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Test: Seitdem der Markt das Potenzial der Enduro Disziplin entdeckt hat gibt es viele technische Neuerungen. Hier werden ein paar Gramm gespaart, dort gibt es bessere Traktion, doch vor allem in Sachen Geometrie hat sich in den vergangenen zwei Jahren viel getan. Viele versuchen den perfekten Kompromiss zwischen Up- und Downhill zu schaffen. Die Koblenzer Ingenieure von Canyon gaben sich damit nicht zufrieden. Sie haben kurzer Hand entschieden dem Fahrer via Knopfdruck zwei Geometrien zur Verfügung zustellen, entstanden ist dabei das Canyon Strice CF mit der Shape Shifter Funktion, das wir in den letzten Wochen ausgiebig testen konnten.

Canyon hat mit dem Canyon Factory Enduro Team eins der derzeit stärksten Teams der Enduro World Series. Mit Fabien Barel hat man nicht nur einen mehrfachen Downhill-Weltmeister an vorderster Front, er ist auch ein versierter Ingenieur und kann sein Feedback vom Trail sehr präzise weitergeben.

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In den vergangenen Jahren sah man immer wieder ein abgeklebten Canyon Prototypen. Zwar war die Rahmenform deutlich erkennbar, doch das Wesentliche, die Anlenkung des Dämpfers war stets gut versteckt. Im vergangenen Sommer lüftete man das Geheimnis und präsentierte das neue Canyon Strive CF mit Shape Shifter, einer Funktion, die die Position des Dämpfers und somit die Geometrie verändert.

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Unser Testmodell, das Canyon Strive CF 8.0 Race, steht aus der Box da wie eine Eins. Der formschöne Carbonrahmen harmoniert perfekt mit der Electric Blue Lackierung und wirkt dank des vollständigen Colormatchs, wie aus einem Guss.

In Sachen Komponenten gibt es nur das Beste vom Bestem. Fahrwerk, Bremsen, Laufräder und Antrieb kommen mit Pike RCT, Monarch Plus DebonAir, Guide RS, X01 und Roam 40 vollständig von Sram beziehungsweise desen Tochterfirma Rock Shox. Ebenfalls von Rock Shox die Remotesattelstütze.

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Ein Highlight, dass uns vor allem optisch überzeugte, war das Cockpit. CNC gefrästes Aluminium gepaart mit feinsten Carbonfasren kommt mit dem Renthal Apex Vorbau und dem dazu passenden Carbon Fat Bar.

Erstmalig bei uns im Testverfahren waren zudem die Maxxis Highroller 2 an der Front und der Minion DHR am Heck. Beide kommen in einer Breite von 2.3 Zoll und tragen, trotz der mit 21 Millimeter nicht all zu breiten Felge der Roam 40 Laufrädern, ordentlich auf.

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Die Erwartungen an das Rad waren hoch, nicht ganz unbegründet, denn immerhin fahren die Teamfahrer das selbe System in der Enduro World Series und es wurde speziell auf ihre Bedürfnisse hin angepasst. Auffällig ist zu aller erst das Gewicht. 12,7 Kilogramm für ein Racebike ist ein beeindruckendes Gewicht, bedenkt man die zusätzliche Gasdruckfeder des Shape Shifters, der am oberen Dämpferpunkt angebracht ist. Die Gasdruckfeder ändert durch ein- beziehungsweise ausfahren die Position des Dämpfers und lässt sich vom Lenker aus mit einem Remotehebel am linken Griff bedienen. Die Geometrie verändert sich somit zwischen einem Downhill- und Uphill-Modus.

Geometrieänderung durch Shape Shifter

  • + 1.5 Grad Sitzwinkel (von 73.5° zu 75°)
  • + 1.5 Grad Lenkwinkel (von 66° zu 67.5°)
  • + 20mm Tretlagerhöhe

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Der Unterschied der beiden Modi ist deutlich spürbar und bringt für den Einsatzbereich einen großen Vorteil. Für den Uphill entsteht eine wesentlich aufrechtere Sitzposition und der Dämpfer zeigt sich, auch bei nicht eingeschalteter Plattform am Dämpfer, sehr steif. Ein Wippen des Hinterbaus ist somit fast gar nicht spürbar und die eingeleitete Kraft geht direkt ans Hinterrad.

Oben am Traileingang angekommen wird durch betätigen des Remotehebels und einem Kraftimpuls in den Dämpfer switcht dann der Dämpfer in den Downhill-Modus gebracht. Die Winkel schrumpfen, das Tretlager wird tiefer und man steht sehr viel satter im Bike. Allgemein ist steht der Fahrer sehr zentral über dem Rad und kann je nach Belieben mehr übers Vorderrad oder übers Hinterrad fahren.

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An den zweiten Hebel gewöhnt man sich schnell, so dass man ihn gerne auch für kleinere Gegenanstiege betätigt.

Neben dieser einzigartigen Technik weiß das Rad in jeder Lage zu überzeugen und gibt dem Fahrer viel Feedback und Sicherheit. Während die Maxxis Reifen in Sachen Rollwiderstand nicht in der Königsklasse mitspielen können, bieten sie enorm viel Komfort und ein hohes Maß an Grip. Das Fahrwerk arbeitet zudem sehr feinfühlig und zeigt sich sehr aktiv. Springen, Scrubben und Manuals kann das Rad mit Bravur und so ließen wir es auf der neuen Jumpline im Bikepark Schöneck einige Flugmeilen sammeln.

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Der Hauptrahmen ist in Größe M länger als der Durchschnittsrahmen und bietet somit viel Bewegungsfreiheit. In Kombination mit dem kurzen Apex Vorbau und dem steifen Lenker ist das Feedback sehr direkt und das Canyon folgt den Anweisungen des Fahrers unverzüglich.

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Fazit

Mehr ist manchmal wirklich mehr. Auch wenn das Gewicht unter der extra Gasdruckfeder des Shape Shifters leidet, überwiegen die tolle Funktion und die Vorteile des Systems. Im Uphill besticht das Strive mit einem sehr neutralen Hinterbau und angenehmer Sitzposition, im Downhill zeigt es sich als schluckfreudiges und sehr gut ausbalanciertes Enduro. Eine härtere Gangart kann das Rad gut und gerne ab, so dass es ein toller Allrounder auch für den Bikepark ist. Mit dem Strive CF bietet Canyon zwei Räder in einem. Das System der Geometrieveränderung geht toll auf und ist seine 3699 Euro mehr als wert.

Alle Informationen zu dem Rad gibt es unter www.canyon.com

über den Autor

Rick Schubert

Rick Schubert ist bei Velomotion der Mann für's Grobe. Alles, was Stollen hat, ist sein Metier. Kein Wunder, gehört er doch der BDR-Auswahl im Fourcross an. Zudem ist Rick Schubert als Fotograf für die Bildauswahl der meisten Testberichte verantwortlich.

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