Specialized Levo: Ein E-MTB wie ein Paukenschlag

Specialized Levo: Ein E-MTB wie ein Paukenschlag

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Markt: Spätestens seit der Eurobike im vergangenen Jahr sind E-MTBs ihrem Exotendasein entsprungen und finden sich in beinahe jedem Herstellerportfolio. Ab dem nächsten Frühjahr wird auch US-Hersteller Specialized eine ganze Reihe an Pedal-Assist Mountainbikes im Programm haben – die neue Modellreihe hört auf den Namen LEVO.

Ein E-MTB von Specialized – wieso? Für welche Zielgruppe?

Die Mountainbikes von Specialized standen für viele bisher symbolisch für ein sportives, performance-orientiertes Publikum. Wie passt in diese Philosophie also ein Mountainbike wie das Levo mit elektrischem Antrieb? Beugt sich der Hersteller aus Morgan Hill in Kalifornien dem Druck des Markts? Keineswegs betonen die Anwesenden Entwickler und Ingenieure unisono. Vielmehr steht das Specialized Levo für „Mehr Trail“. Der Elektroantrieb spricht nicht per Definition gegen eine sportive Ausrichtung des Levo, viel mehr eröffnet er völlig neue Möglichkeiten. Die Zeitersparnis im Uphill und auf dem Weg zum Trail resultiert in mehr Zeit auf der Strecke, dort wo man einfach immer sein möchte. Geometrie, Antrieb und Ausstattung sind überdies so konzipiert, dass das Levo auch auf dem Trail seinen sportlichen Charakter nicht verlieren soll.

„Das war von Anfang an unsere Vision,“ sagt Associate Product Manager Dominik Geyer. „Wir wollten ein sportives Pedal-Assist Rad, das sich von der großen Masse abhebt. Wir haben viele Jahre am Konzept entwickelt und gefeilt, bis es letztendlich genau so war, wie wir uns es vorgestellt hatten.“

Vier Modelle – vom 29er über Fatbike bis zum Trailfully

Man ist bei Specialized also zu 100% überzeugt vom mutigen Konzept des Levo. Mit vier Hauptmodellen und jeweils einigen Varianten, sowie zwei speziellen Frauenrädern bläst Specialized also im Frühjahr 2016 voll zum Angriff auf die Konkurrenz. Auffällig ist die häufige Wahl der 6Fattie, bzw. 27,5+ Reifen – lediglich am 29″ Hardtail, dem Turbo Levo HT 29 kommen „normalbreite“ Pneus zum Einsatz.

Turbo Levo FSR

    Turbo Levo FSR

    Das Topmodell der Levo-Reihe, das Turbo Levo FSR ist ein vollgefedertes Trailbike mit 140 bzw. 135mm Federweg und den Specialized-eigenen 27,5+ Reifen, die dank breiter Felgen für ein wirklich enormes Plus an Grip sorgen, gerade auch dank des Antriebs. Das Levo FSR wird in vier unterschiedlichen Ausstattungsvarianten kommen.
    Turbo Levo HT 6Fattie

      Turbo Levo HT 6Fattie

      Das Turbo Levo HT 6Fattie erinnert nicht nur optisch an das Levo FSR - es erbt nicht nur die flache, bergab-orientierte Geometrie vom vollgefederten Schwestermodell, sondern auch die 27,5+ Bereifung. Außerdem wird das Levo HT 6Fattie auch in einer speziell angepassten Women's Variante erhältlich sein.
      Turbo Levo HT Fat

        Turbo Levo HT Fat

        Mit dem Turbo Levo HT Fat hat Specialized fortan auch ein Fatbike mit Elektroantrieb im Programm. Es richtet sich vor allem an diejenigen, die gerne auf Entdeckungstour gehen und sich dabei von nichts aufhalten lassen möchten.
        Turbo Levo HT 29

          Turbo Levo HT 29

          Das vielleicht klassischste Modell in der Levo-Reihe. Ein sportives 29er Hardtail mit demselben, kräftigen E-Antrieb. Auch das Levo HT 29 wird in einer Variante für Männer sowohl als auch für Frauen erhältlich sein. Momentan liegen uns noch keine Bilder zum Rad vor.

          Das Herzstück des Specialized Levo – der Antrieb

          Angetrieben wird das Specialized Levo von einem eigens für Specialized von BROSE entwickelten Mittelmotor. Der 250W starke Antrieb ist so an keinem anderen Rad zu finden und wurde exklusiv für die Anforderungen des Levo für Specialized entwickelt und produziert. „Wir wollten keine fertige Lösung, die am Ende vielleicht nicht 100%ig auf unsere Anforderungen passt,“ betont Product Manager Marco Sonderegger beim Presselaunch in Leogang. Drei Leistungsstufen bietet der Antrieb: Turbo, Trail und Eco. Bei 25km/h ist jeweils schluss, die Modi unterscheiden sich lediglich im Grad der Unterstützung. Der Motor fügt sich auch optisch hervorragend in das Gesamtbild. Verantwortlich dafür ist primär seine Verkleidung – das Alu-Schmiedeteil ist das größte, je von Specialized produzierte. Mit insgesamt 3,4kg für Motor samt Verkleidung ist das Gewicht äußerst respektabel.

          Wer neugierig am Lenker des Levo nach der Steuereinheit für den Antrieb sucht, wird enttäuscht: Das Cockpit ist clean und aufgeräumt, keine Steuereinheit, kein Display. „Wir glauben nicht daran, dass die Mehrheit der Kunden ein riesiges Display am Lenker wollen,“ sagt Marco Sonderegger. Specialized geht hier wie so oft in der Vergangenheit einen mutigen Sonderweg. Die Steuereinheit für den Antrieb des Levo sitzt am in den Rahmen integrierten Akku. Drei Knöpfe und zehn LEDs – mehr gibt es dort nicht zu sehen. So lässt sich der Antrieb ein- und ausschalten und die drei Modi wählen, während die LEDs den Akkuladestand signalisieren. Der eine oder andere mag nun die Nase rümpfen – schließlich möchte man während der Fahrt nicht immer am Rahmen herumfummeln oder anhalten, um den Akkustand zu prüfen. Auch für diejenigen, die lieber alles im Blick haben, gibt es am Levo aber eine Lösung: Der Antrieb kommuniziert nämlich in Bluetooth und ANT+.

          „Wir möchten unseren Fahrern die Wahl lassen. Da unser Antrieb in offenen Protokollen kommuniziert, lässt er sich mit einer Fülle von am Markt erhältlichen Geräten bedienen,“ sagt MTB Marketing Manager Sam Benedict. Als Beispiel dient das Garmin Edge Touring Plus: Am Lenker montiert und mit dem Levo per ANT+ verbunden, zeigt der kleine Helfer nicht nur den Akkuladestand an, sondern man kann über das Display auch zwischen den drei Antriebsmodi hin- und herwechseln. „Die Möglichkeiten sind beinahe unbegrenzt,“ ergänzt Engineering Manager Jan Talavasek, „so kann man sich beispielsweise den Akkuladestand auch konstant auf einem ANT+ fähigen Fitnesstracker anzeigen lassen.“ So ist das Levo auch nicht an ein gewisses Endgerät gebunden – wenn sich diese über die Jahre weiterentwickeln, wird der Antrieb noch immer mit den modernsten Vertretern kommunizieren können.

          Integrierter Geschwindigkeits-, Kadenz und Leistungsmesser

          Auf dem Display solcher Endgeräte lassen sich auch die Daten der in das Levo integrierten Sensoren ablesen. Auch hier steckt eine ganze Menge im Levo drin: Neben den bei E-Bikes inzwischen fast obligatorischen Geschwindigkeits- und Kadenzsensoren bietet das Levo auch einen voll ausgewachsenen Leistungsmesser. Hier lässt sich die Leistung des Fahrers auslesen, mit oder ohne Unterstützung des Motors. Clever ist auch die Konstruktion für den Geschwindigkeitsmesser. Dieser sitzt gut versteckt an der Bremsaufnahme am Hinterrad – der dazugehörige Magnet wird an der Bremsscheibe montiert. „Wir mussten das Design für den Magneten mehrmals anpassen, doch inzwischen ist er mit allen am Markt erhältlichen Scheiben kompatibel,“ sagt Design Engineer Vincent Patureau.

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          Der Akku des Levo – Erbe des Turbo

          Verdutzte Blicke sind beim ersten Kontakt mit der Levo-Reihe sicher, denn neben des unauffälligen Motors sucht man vergebens nach einem wie oftmals bei der Konkurrenz optisch auffällig montierten Akku.levosti8 Wer das Specialized Turbo kennt, der weiß allerdings bereits, wo die Power für den Antrieb herkommt: Die Akkuzellen sitzen fest verpackt im Unterrohr des Levo, in einer eigenen, IP67-zertifizierten Ummantelung. Die hohe Zertifizierung verspricht sehr guten Schutz vor Witterungseinflüssen wie Wasser und Schlamm. Für die Montage wird der Akku von unten eingesetzt und oben via Inbus-Schraube fest am Rahmen fixiert. „Wir haben uns bewusst für die Fixierung per Schraube entschieden. Schnellverschlüsse rütteln sich gerade am E-MTB nach einer Zeit locker und verursachen ein unangenehmes klappern – das wollten wir auf jeden Fall verhindern,“ sagt Sonderegger. Produziert wird der Akku vom selben Hersteller wie der des Turbo – doch die Kapazität konnte deutlich erhöht werden. Je nach Ausstattungsvariante stecken darin 504 oder 405Wh.

          Mehr als nur eine Spielerei: Die Specialized App Mission Control

          Pünktlich zum Launch der Levo-Reihe im Frühjahr wird für Android und iOS-Geräte auch die neue Specialized Mission Control App verfügbar sein. Nur eine Spielerei? Weit gefehlt! Man macht mit dieser App gebraucht vom kommunikationsfreudigen Antrieb der Levos. Sie verbindet sich per Bluetooth mit dem Rad und so lässt sich mitunter der Antrieb feintunen, es gibt eine GPS-Navigation und ein wirklich einzigartiges Feature namens Smart Control.

          Motortuning

            Motortuning

            Die App ermöglicht es den Benutzern, die Betriebsmodi des Motors noch genauer auf die spezifischen Bedürfnisse anzupassen. Beispielsweise lässt sich so die Anfangsbeschleunigung regulieren.
            Smart Control

              Smart Control

              Ein besonders cleveres Feature ist "Smart Control". Der Fahrer gibt den Namen des Zielorts seiner Tour an und den im Ziel gewünschten Akkustand, und die App nutzt GPS-Daten um den Motor und damit den Verbrauch so zu regulieren, dass das Wunschergebnis erreicht wird.
              GPS Navigation

                GPS Navigation

                Auch für diejenigen, die gerne mit ihrem Gerät am Lenker fahren, bietet Mission Control viele Features: Neben einer Übersicht über die wichtigsten Daten wie Geschwindigkeit, Leistungsaufnahme und. Co ist auch eine Navigation an Bord. Das Kartenmaterial kommt von Openstreetmap.
                Antriebsdiagnostik

                  Antriebsdiagnostik

                  Natürlich bietet die Mission Control App auch allerhand Diagnosefunktionen. Wie steht es um den Akku? WIe steht es um die Leistungsaufnahme des Fahrers?
                  Fahrtenbuch

                    Fahrtenbuch

                    Wenn gewünscht, protokolliert die Specialized Mission Control App alle Fahrten.
                    Strava-Integration

                      Strava-Integration

                      Bei der Entwicklung der App arbeitete man eng mit Strava zusammen und kann pünktlich zum Launch eine vollständige Strava-Integration bieten.

                      Wichtig bezüglich der App sind Specialized vor allem drei Punkte:

                      1. Die App ist ein optionales Feature – zum Betrieb des Levo ist sie nicht erforderlich
                      2. Mission Control ist so konzipiert, dass die Einstellungen auch von technisch weniger versierten Benutzern problemlos bedient werden können.
                      3. Die Einstellmöglichkeiten sind begrenzt: Durch das Motortuning lassen sich weder Defekte provozieren, noch der Antrieb quasi unfahrbar machen.

                      Erste Probefahrt: Experiment geglückt!

                      Auf den herrlichen Trails rund um Leogang konnten wir uns bereits persönlich von der Performance des Specialized Levo überzeugen. Ganz ehrlich: Egal wie sehr man sich zuvor vielleicht gegen ein Mountainbike mit Motor gewehrt hat, eine Runde auf dem Specialized Levo mag so manchen Zweifler zum Fan zu machen. Wir hatten das Vergnügen auf dem Specialized Turbo Levo FSR Expert Platz nehmen zu dürfen. Das knapp 22kg schwere Bike kommt natürlich mit der 6Fattie Bereifung, SRAM Guide Bremsen mit 203mm Bremsscheiben, einer SRAM X01 Schaltgruppe, Rock Shox Pike an der Front und einem Fox Float im Heck.

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                      Dass man sich bei Specialized auch bezüglich der Ausstattung Gedanken über die besonderen Anforderungen eines E-Bikes gemacht hat, zeigt beispielsweise das eigens für die Kalifornier hergestellte Kettenblatt mit 34 Zähnen, das nicht wie die meisten seiner Pendants aus Aluminium, sondern stattdessen aus Stahl gefertigt ist. Die hohen Kräfte die durch den Antrieb wirken, sollen sich so nicht negativ auf den Verschleiß des Kettenblatts auswirken.

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                      Würde man nicht bei der ersten Pedalumdrehung nicht den für die meisten etwas ungewohnten Zusatzsschub durch den Motor spüren, man möchte kaum glauben, auf einem Pedal-Assist-Rad zu sitzen, so unglaublich leise ist der Motor. Selbst auf der Straße ist die Geräuschkulisse der 6Fattie Reifen größer, als die des Motors – faszinierend! Power hat der Antrieb ebenfalls mehr als genug: Viele Fahrer in unserer Gruppe schalten schnell vom Turbo-Modus eine Stufe herunter auf die weniger kraftvolle Einstellung Trail. So pedaliert es sich auch angenehm steile Hänge hinauf. Auch wenn es selbstverständlich und für einige vielleicht hämisch klingen mag: Die ganz große Stärke des Levo FSR ist seine Uphill-Performance. Damit ist jedoch nicht das lahme erklimmen von Forststraßen hinauf zum nächsten Trail gemeint, sondern die Trails selbst. Mit dem Levo FSR fährt man recht entspannt Trails nach oben, die man im Normalfall gerade so hinunterfährt.

                      Wurzelteppiche, Steinstufen und steile, verblockte Gegenanstiege: All das nimmt das Levo fast spielerisch – bergauf! Die Reifen grippen hervorragend und das sehr gut abgestimmte Fahrwerk schluckt die gröbsten Unebenheiten, ohne aber zu großes Sofafeeling aufkommen zu lassen. Nach einer Stunde kommen wir alle dennoch ganz schön ins Schwitzen – da soll nochmal jemand sagen, E-Bike fahren sei kein Sport. Auch in die andere Richtung bereitet das Levo FSR Freude, wenngleich sich hier das zusätzliche Gewicht durchaus bemerkbar macht. Das Rad ist etwas schwerfälliger und Fahrer die ansonsten sehr aktiv mit ihrem Bike arbeiten, werden sich etwas umgewöhnen müssen. Hat man jedoch einmal das nötige Vertrauen gefunden, macht das Levo mächtig Laune. Der Motor ist nun lediglich ein zusätzlicher Spaß-Faktor an einem ohnehin schon richtig schnellen Trailbike.

                      Wir können nur sagen, die Specialized Levo Reihe ist für fast jeden Mountainbiker einen Blick wert. Die Kalifornier gehen in vielerlei Hinsicht mit ihren E-MTBs eigene Wege, die sich jedoch in der Praxis allesamt auszahlen und das Levo zu einem wirklich tollen Erlebnis machen – auch für Elektro-Skeptiker.

                      über den Autor

                      Michael Faiß

                      Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.