Test: Fuji Cross 1.1 – Einfach crossen
Foto von Christopher Jobb

Test: Fuji Cross 1.1 – Einfach crossen

Test: Mit Alu-Rahmen und 1×1-Antrieb kommt das aktuelle Fuji Cross 1.1 sehr solide, schnörkellos, fast etwas nüchtern rüber. Dabei bietet es dank toller Ausstattung nicht nur einwandfreie Funktionalität, sondern auch eine Menge Fahrspaß. Wenn nur die Blumen nicht wären …

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Die Marke Fuji fällt einem nicht unbedingt als Erstes ein, wenn man Cyclocross-Produzenten aus Übersee aufzählt. Doch die US-Firma mit japanischen Wurzeln, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen, ist auf anderen Erdteilen gut etabliert, und zwar auch im Querfeldeinsport – so ist der vierfache US-Meister Jonathan Page auf den Rädern der Marke Fuji unterwegs.

Grund genug, mal einen Blick auf das Unternehmen zu werfen? Warum nicht, zumal unser Fuji Cross 1.1 mit interessanten Komponenten einer weiteren amerikanischen Firma ausgestattet ist. SRAM steuert seine Force CX1 bei, die sich mit 1×11-Getriebe und hydraulischen Scheibenbremsen im Gelände immer stärker durchsetzt. Die innovative Gruppe wird mit rund 1.000 Euro gehandelt; in entsprechend hohen Preisregionen bewegen sich die meisten Kompletträder mit der CX-1. Ein Alu-Rad für 2.499 Euro ist mithin also eine sehr preiswerte Möglichkeit, die Top-Teile von SRAM zu fahren.

Fuji Cross 1.1

Fangen wir ausnahmsweise mit der Gruppe an. Monokettenblätter sind im Querfeldeinsport ja nicht gerade neu; bereits in der Ära der Lenkerendschalthebel verzichteten Fahrer auf Umwerfer, Hebel und zweites Kettenblatt – der Erkenntnis folgend, das viele Kurse nur die Wahl zwischen flottem Tempo und Tragen bieten, leichte Gänge also mithin nicht viel bringen. Damals montierte man Kettenschutzringe, damit der Gliederstrang nicht abfiel; heute geht man dasselbe Problem mit einer Menge Technik an. Das „X-Sync“-Kettenblatt ist mit Zähnen ausgestattet, die einerseits im Wechsel nur in die Innen- oder Außenlaschen passen, andererseits besonders lang sind; das große Schaltwerk sorgt mit starken Federn und der speziellen Form für gleichmäßig hohe Kettenspannung. Außerdem bietet es einen praktischen Verriegelungsmechanismus, mit dem sich die Kette zum Radausbau entspannen lässt.

Der sichere Halt der Kette geht mit sehr geschmeidigen Schaltvorgängen einher, auf dem größten Ritzel ist der Lauf allerdings etwas rau – kein Wunder bei einer Übersetzung von 42×32. Diese entspricht übrigens ziemlich genau der Kombination 34×26 am Rad mit Doppelkettenblatt; der eine oder andere Fahrer könnte das an Steilstücken für etwas knapp bemessen halten.

fujicross11auss

Scheibenbremsen am Crosser müssen nicht mehr groß diskutiert werden, vor allem dann nicht, wenn sie so gut funktionieren wie die SRAM-Bremsanlage am Fuji. Dabei geht es gar nicht mal so sehr um die maximal mögliche Bremskraft, denn hier setzt die Verzahnung zwischen Reifenprofil und Untergrund die Grenze – und die ist beim Crossen schnell erreicht. Vielmehr ist es die Kombination von geringer Handkraft und perfekter Dosierbarkeit, die für viel Sicherheit sorgt und immer wieder erfreut. Die recht großen SRAM-Hebel liegen sehr gut in der Hand und sind eine perfekte Ergänzung des Fuji-Cockpits mit ovalisiertem Oberlenker und nicht sehr tiefen Bögen.

Der Lenker kommt wie die übrigen Anbauteile von Oval, einer Schwestermarke von Fuji, die manchmal vielleicht etwas unterschätzt wird, aber immer für Überraschungen gut ist. So ist der Sinn einer Carbon-ummantelten Alu-Stütze nicht auf den ersten Blick erkennbar, auf der Waage zeigt das Teil mit gerade mal 240 Gramm dann seine inneren Werte.

Oval steuert auch den Radsatz bei, der – wie in den mittleren und oberen Preislagen üblich – auf Faltreifen zugeschnitten ist. Am Fuji ist es ein Challenge Grifo, der für den Kontakt zum Untergrund sorgt, und diesen Job erledigt er mehr als zufriedenstellend. Der Reifen hat viel Grip, wobei sich das recht offene Profil nicht zusetzt; mit den roten Latexschläuchen von Challenge veredelt, ist auch das Rollverhalten top.

Zusammen mit den 24 mm breiten Felgen minimieren die Schläuche auch das Defektrisiko. Über Wurzeln und Steine kassierten wir auf unseren Testfahrten etliche Durchschläge, was bei einem Reifendruck unter 2,5 bar kaum zu vermeiden war, kamen aber immer ohne Defekt nach Hause. Was zeigt, dass auch ambitionierte Querfeldeinfahrer ohne Schlauchreifen glücklich werden können.

Fuji Cross 1.1

All diese Komponenten gruppieren sich um einen soliden Alu-Rahmen, der einen guten Eindruck macht. Das Oberrohr ist breit und flach, sodass sich das Rad gut tragen lässt; der Reifendurchlauf ist groß genug für eine dicke Schlammpackung. Am Hinterbau finden sich Gewindeösen für Träger oder Schutzblech. Die Vollcarbongabel ist auf eine 12er Steckachse ausgelegt, hinten kommt ein konventioneller Schnellspanner zum Einsatz, was freilich auch mit Scheibenbremse gut funktioniert – bis zum Testende blieb die Bremsanlage schleif- und damit geräuschfrei.

Fuji Cross 1.1 Fuji Cross 1.1

Mit 160 mm Steuerrohrlänge und 560er Oberrohr sitzt man nicht zu gestreckt auf dem Fuji. Der Lenkwinkel ist mit 72 Grad ziemlich steil für einen Crossrahmen, der Hauptrahmen sehr kurz. Alles zusammen ergibt ein sehr lebendiges, agiles Lenkverhalten, das für viel Fahrspaß sorgt.

Die Nachteile des Rahmen sind eher kosmetischer Natur. Schaltzug und Bremsleitung werden außen am Rahmen nach hinten geführt; die nicht genutzten Anschläge für den Umwerferzug stören optisch ein wenig. Immerhin ist die Hydraulikleitung zur vorderen Bremse in der Gabel integriert. Das fernöstlich anmutende Blumenmuster innen an den Gabelbeinen würde allerdings besser an ein Triathlonrad passen.

Sehr erfreulich ist hingegen das mit 8,46 Kilo sehr geringe Gewicht des Cross 1.1. Auch mit Pedalen (und den serienmäßigen Schläuchen) bleibt man knapp unter der Neun-Kilo-Grenze, was vor allem der leichten SRAM-Gruppe zu verdanken ist, aber auch Laufrädern und Anbauteilen. Übrigens bietet Fuji das Carbon-Modell Altamira CX mit identischer Ausstattung an, das für 500 Euro mehr ein knappes Pfund weniger auf die Waage bringt.

Fazit – Fuji Cross 1.1:

Ein Urteil über den US-Crosser zu fällen, fällt nicht schwer: Komponenten, Funktion und Fahrgefühl sind top, der Preis ist angesichts von Gewicht und Ausstattung sehr attraktiv. Um auf dem deutschen Markt zu punkten, sollte Fuji einzig über die Lackierung nachdenken.

Fuji Cross 1.1

Produkthighlights – Fuji Cross 1.1

  • Sehr hochwertige, funktionelle Ausstattung
  • Recht geringes Gewicht
  • Interessanter Preis

Preis und Web – Fuji Cross 1.1

über den Autor

Caspar Gebel

Caspar Gebel, Jahrgang 1968, sitzt seit mehr als 30 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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