Test: Storck T.I.X. – Reinrassiges Cross-Sportgerät
Foto von Moritz Pfeiffer

Test: Storck T.I.X. – Reinrassiges Cross-Sportgerät

Test: Die Abkürzung T.I.X. steht für „This is Cross“. Ob Markus Storcks Crossrad diesen Anspruch erfüllt, testete Velomotion anhand des Storck T.I.X. Comp G1.

Erst seit einer Saison hat Storck Cyclocrosser im Programm. Doch von Kinderkrankheiten keine Spur: Das T.I.X. ist ein durchdachter Spaßgarant. Davon konnte sich Velomotion bei ausgiebigen Testfahrten überzeugen: Mehrere Wochen stand uns ein T.I.X. Comp G1 mit mechanischer Shimano Ultegra-Schaltung, hydraulischen Scheibenbremsen und DT Swiss-Laufrädern zur Verfügung. Mit 3.698,- Euro ist diese Kombination nicht günstig – doch Storck-Bikes haftete schon immer etwas Exklusives an.

Herzstück des Storck T.I.X. ist – natürlich – ein Rahmenset aus Carbon, das mit Oversized Steuersatz, komplett integrierten Zügen und Leitungen sowie Steckachsen daher kommt. Es liefert die Grundlage für ein bestechend geringes Gesamtgewicht: 8,5 Kilogramm bringt das getestete T.I.X. Comp in Rahmengröße L auf die Waage – inklusive der schweren SPD-Pedale des Testers wohlgemerkt. Dabei ist die Comp-Modellreihe im Storck-internen Vergleich sogar die günstigste und schwerste Variante. Die Pro- und Platinum-Versionen des T.I.X. drücken die Waage aufgrund ihrer leichteren Carbonfasern noch etwas mehr. Die Geometrien und Rahmen-Features sind identisch.

Storck T.I.X.

Hoher Spaßfaktor

Das geringe Gewicht des Storck T.I.X. macht sich im Gelände jederzeit positiv bemerkbar, insbesondere beim Cross-typischen Abspringen, Schultern und Tragen des Rades. Genauso leichtfüßig schießt es Anstiege hoch, nach engen Kurven lässt es sich spritzig beschleunigen. Die Fahrten mit dem T.I.X. machten schlicht und ergreifend richtig viel Spaß. Zum positiven Fahreindruck trägt die Geometrie maßgeblich bei. Oberrohr und Steuerrohr sind kurz. Daraus ergibt sich eine kompakte Sitzposition mit ordentlicher Sattelüberhöhung. Das T.I.X. wird hierdurch wendig, dynamisch und agil: Es will mit sportlicher Gangart durchs Gelände getrieben werden. Ein limitierender Faktor ist eher der Fahrer als das Material – wie der Tester beim Renneinsatz mit dem Storck T.I.X. feststellen konnte.

Storck T.I.X.

In punkto Steifigkeit, Fahrstabilität und Komfort gibt sich das Storck T.I.X. keine Blöße: Die Kraftübertragung ist über jeden Zweifel erhaben, auch bei hohen Geschwindigkeiten hält es sicher die Spur und trotz 31,8 Millimeter breiter Aluminium-Sattelstütze fühlt sich das Rad nicht übertrieben hart an. Darüber hinaus präsentiert sich das T.I.X. auch optisch harmonisch, etwa durch stimmige Rohrquerschnitte inklusive der filigranen Gabel oder das klassisch anmutende Rahmendesign mit weiß hinterlegtem Markenschriftzug.

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Also alles super? Nicht ganz. Die kurze Bauweise des Rahmens hat auch ihre Schattenseiten: Das in Größe L getestete Rad ist laut Homepage für Fahrer mit einer Körpergröße zwischen 182 und 192 Zentimetern geeignet. Rangiert man eher im oberen Bereich dieser Skala oder hat lange Beine, stößt man im Wiegetritt sehr schnell mit dem Knie an den Lenker. Zudem kann es zwischen Schuh und Vorderrad eng werden.

Storck T.I.X.

Gut gewählte Ausstattung

Die Ausstattung ist solide und verspricht viele problemlose Kilometer. Shimanos hydraulische Scheibenbremsen BR-RS785 verzögern hervorragend und jederzeit sehr gut dosier- und kontrollierbar. Die mechanische Shimano Ultegra-Schaltung bietet zuverlässig hohen Schaltkomfort. Lenker, Vorbau und Stützen produziert Storck selbst. Der im Griffbereich ovalisierte Oberlenker ist hingegen Geschmacksache.

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Die leichten DT Swiss R 23 Spline DB-Laufräder trugen zum sportlich-flinken Gesamteindruck des Rades bei. Ihr sattes Freilauf-Rattern macht zudem Spaziergänger aufmerksam und ersetzt eine Klingel. Pfiffig sind die Steckachsen: Anstelle von Schnellverschlüssen sind sie mit Torxschrauben gesichert. Der zugehörige Schlüssel wird in die Vorderradachse eingeschoben und darin durch kleine Gummiringe sicher fixiert. Einziger Wermutstropfen in punkto Laufräder: Die silbernen Naben stellen optisch einen Bruch dar zum sonstigen schwarz-weiß-blau von Rahmen, Anbauteilen und Komponenten.

Storck T.I.X.

Uneingeschränkte Kaufempfehlung?

Verdient das Storck T.I.X. bei so viel Lob eine uneingeschränkte Kaufempfehlung? Nein, denn das Rad ist mit Sicherheit nicht für jeden Fahrertyp die richtige Wahl. Es ist ein reinrassiges Sportgerät, das versierten Querfeldeinfahrern viel Freude bereitet und auch Cross-Novizen mit Ambitionen ins Gelände locken kann. Den sportlichen Anspruch des Rades unterstreichen verschiedene Faktoren: An Rahmen und Gabel finden sich keine Gewinde, um Schutzbleche oder gar einen Gepäckträger zu montieren. Wer mit dem T.I.X. ins Gelände geht, wird dreckig und will es auch so. Die leichteste Übersetzung des Rades mit 36 Zähnen am vorderen kleinen Kettenblatt und 28er Ritzel am Hinterrad entspricht zudem eher dem Leistungsvermögen gut trainierter Fahrer. Hobbysportler, die längere Touren mit Anstiegen kurzen intensiven Einheiten vorziehen, geraten damit schnell an ihre Grenze. Da ein Schaltwerk mit kurzem Käfig montiert ist, kann auch nicht rasch auf eine Kassette mit bergtauglicherem 32er-Ritzel umgerüstet werden.

Storck T.I.X.

Fazit – Storck T.I.X. Comp G1

Wer einen Cyclocrosser bei Rennen und ambitionierten Ausfahrten an die Grenzen bringen möchte, regelmäßig sportlich über Stock und Stein fährt und für das beim Crossen typische Auf- und Abspringen ein leichtes und angenehm zu schulterndes Rad sucht, findet im Storck T.I.X. einen treuen Begleiter mit hoher Spaßgarantie – das notwendige Kleingeld mal vorausgesetzt. Wer hingegen „nur“ im Winter abseits der asphaltierten Wege über Waldautobahnen und Feldwege fahren möchte, auf die Option eines Spritzschutzes nicht verzichten will und keinerlei Renn-Ambitionen hegt, wird das Potenzial des T.I.X. nicht vollständig ausnutzen.

Preis:

Für die getestete Version 3.698,- Euro

Für Modellvarianten zwischen 2.998,- Euro bis 5.798,- Euro

Web:

http://www.storckworld.com/cross-bikes/tix-comp-g1/

Storck T.I.X.

über den Autor

Moritz Pfeiffer

Moritz Pfeiffer ist ein waschechtes Kind der Jan-Ullrich-Tour. Seit Sommer 1997 ist er bei Wind und Wetter, Lizenz- oder Jedermannrennen, Radmarathons oder RTFs auf schmalen Reifen unterwegs. Geschichte und Spanisch studierte er im Rennrad-Paradies Freiburg, aktuell lebt und arbeitet er in Tübingen.

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