Update zum E-Doping bei der CX-WM: „Überall hingen Kabel heraus“

Update zum E-Doping bei der CX-WM: „Überall hingen Kabel heraus“

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Cyclocross / Radsport: Wir sind in der Redaktion selbst alle noch ungläubig und schauen immer wieder auf den Kalender – nein, es ist nicht der 1. April und ja, wir werden momentan scheinbar tatsächlich Zeuge des ersten bestätigten Falls von E-Doping (oder Motor-Doping…) im Profiradsport. Nachdem die UCI gestern lediglich eine kurze Meldung veröffentlichte, kamen im Laufe des heutigen Vormittags immer mehr Details ans Licht, die leider allesamt tatsächlich auf einen Motor im Rad der jungen Belgierin Femke Van den Driessche hindeuten.

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Update 13:02 Uhr: Brian Cookson hat soeben auf einer Pressekonferenz den Fund eines Motors bestätigt. „Es ist kein Geheimnis, dass wir einen Motor gefunden haben und ja, wir glauben, dass es sich um technisches Doping handelt.“
Update 14:48 Uhr: In einem TV-Interview beteuert die Beschuldigte ihre Unschuld. Bei dem Rad hätte es sich um das eines Freundes gehandelt. Es sei ein altes Wettkampfrad von ihr, das sie ihm Ende letzter Saison verkauf hätte. So sei es zu der folgenschweren Verwechslung gekommen.

Angesichts der Ereignisse in den vergangenen 12 Stunden rückt der sportliche Aspekt bei der Cyclocross-WM im belgischen Zolder leider beinahe in den Hintergrund. Sollte sich das Motor-Doping bei einem Rad der U23 Fahrerinnen bestätigen – und danach sieht es momentan aus – wäre das eine Katastrophe für den Cyclocross-Sport, für den belgischen Verband, für alle Profis und für den Radsport allgemein.

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Das belgische Sportportal Sporza zitiert den UCI Koordinator Peter Van den Abeele mit den Worten „Unsere Kontrolleure haben am Start und auch während des Rennens im Fahrerlager Tests durchgeführt und einen Fall von technischem Betrug festgestellt.“ Der zu Beginn der vergangenen Saison eingeführte Eintrag im Regelwerk unter der Nummer 1.3.010 zum nun so oft zitierten ‚technischen Betrug‘ besagt: „Das Fahrrad soll ausschließlich über die Kurbel, die in einer Kreisbewegung durch die Beine des Fahrers bewegt wird, angetrieben werden, ohne elektronische oder andersartige Unterstützung“

vivax1Ein Verstoß gegen diese Regelung lässt im Grunde genommen nur einen Schluss zu: Es muss ein Motor in besagtem Rad verbaut gewesen sein. Der belgische Sportjournalist Martin Vangramberen bestätigt dies auch gegenüber Sporza: „Als sie die Sattelstütze herauszogen hingen Kabel aus der Unterseite. Danach wollten sie die Kurbel ausbauen – eigentlich kein Problem, doch sie saß fest. Genau dort war der Motor.“ Entgegen früherer Angaben handelte es sich jedoch nicht um das Rad, das die junge Belgierin und ehemalige Europameisterin Femke Van den Driessche während des Rennens der U23 benutzte. „Das Rad stand im Fahrerlager, gehörte Van den Driessche und wurde während der ersten Runde des Rennens kontrolliert.“ Genau deshalb beteuert Van den Driessches Vater gegenüber der belgischen Tageszeitung De Staandard ihre Unschuld: „Es handelte sich nicht um Femkes Rad. Es stand zwar im Fahrerlager, aber gehörte irgendjemandem aus dem Team, der manchmal mit ihr trainiert. Es sollte nie für den Wettkampf genutzt werden.“

Sowohl die Beschuldigte, als auch die anderen belgischen Fahrer und die Verbandsmitglieder seien geschockt berichtet Vangramberen weiter. Verbandspräsident Jos Smets hätte sogar geweint, heißt es. UCI-Präsident Brian Cookson gibt sich indes kämpferisch und sagt allen zukünftigen Betrügern den Kampf an. „Viele haben das Thema E-Doping belächelt, aber seit gestern wissen wir, dass es Fahrer gibt, die solche Technologien nutzen oder vielleicht bereits genutzt haben,“ konstatiert Cookson, bevor er jedoch eben jenen Fahrern eine Nachricht schickt: „Wir werden euch erwischen und euch bestrafen!“

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Auch einige Fahrer und Teamverantwortliche haben sich bereits zu den Vorfällen geäußert. So fordert Etixx-QuickStep Teamchef Patrick Lefevere via Twitter eine lebenslange Sperre für die Betrügerin und Cyclocross-Koryphäe Sven Nys stellt bereits sehr unbequeme Fragen: „Die Radsportgemeinschaft muss sich dem Thema stellen. Eine so junge Fahrerin kommt doch nicht von selbst auf eine solche Idee. Woher kamen die Einflüsse? Das muss dringend untersucht werden.“

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.