Test: Endura Luminite 4 in 1 – Eine Jacke wie ein Schweizer Taschenmesser
Foto von Leo Binder

Test: Endura Luminite 4 in 1 – Eine Jacke wie ein Schweizer Taschenmesser

Test: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. So oder so ähnlich lautet eine ungeschriebene Regel für Radfahrer, Jogger, generell Sportler, die ihre Leidenschaft unter dem freien Himmel ausüben. Doch in der Praxis ist es oftmals gar nicht so einfach ’nicht-schlechte‘ Bekleidung zu finden. Die Endura 4-in-1 Luminite Jacke soll deshalb mit einem Universalkonzept einen möglichst großen Bereich abdecken und sich individuell anpassen lassen. Ob das Konzept aufgeht?

Kommen wir zuerst zum Konzept der Endura Luminite 4 in 1. Die in Neongrün und Rot erhältliche Jacke richtet sich primär an Pendler, die ihr Rad als Autoersatz nutzen, fünf Tage pro Woche, egal bei welchen äußeren Bedingungen. Wie der Name bereits vermuten lässt, versteckt sich hinter der dem grellgrünen Äußeren eine wahre Fülle an Funktionen. Endura verspricht auf der Webseite vollmundig ‚mehr Funktionen als ein Schweizer Taschenmesser‘. Im Grunde genommen handelt es sich bei der Luminite um zwei Jacken, die sich per Reißverschluss zu einer zusammenfügen lassen.

endura luminite 4 in 1

Endura Luminite 4 in 1: Außenjacke

Bei der Außenjacke haben wir es mit einer klassischen Hardshell-Regenjacke zu tun. Die in unserem Fall neongrüne Farbe sorgt in Verbindung mit zahlreichen großflächigen und intelligent platzierten Reflektoren für gute Sichtbarkeit bei Wind, Wetter und Dunkelheit. Ein besonderes Feature ist obendrein die LED Leuchte auf der Hinterseite, die der Jacke ihren Namen verleiht. Per Knopfdruck lässt sich die rote LED von außen anschalten, entweder dauerhaft, oder in zwei verschiedenen Blinkmodi. Die Lampe ist zwar ausreichend hell und gut sichtbar, ersetzt aber keinesfalls ein ordentliches Rücklicht am Rad – als Zusatzleuchte sorgt sie aber für deutlich verbesserte Sichtbarkeit in der Dunkelheit.

Die Lampe selbst ist von der Innenseite der Jacke zugänglich und lässt sich von hier entnehmen – zum Beispiel vor dem Waschen. Die CR2032 Knopfzelle versorgt die LED für viele Stunden mit Strom. Im Dauerbetrieb hielt eine Knopfzelle bei uns für 14 Stunden, bei den Blinkmodi erreichten wir sogar zwischen 30 und 40 Stunden mit einer Batterie. Ist diese dann aber doch mal leer, geht der Wechsel schnell und unkompliziert mit wenigen Handgriffen.

Die Jacke selbst ist sehr gut verarbeitet. Alle Nähte sind von innen verklebt, der Reißverschluss macht auch einen hochwertigen Eindruck und funktioniert ohne Hakeln. Unter den Armen finden wir großzügig bemessene Belüftungsöffnungen die sich per Reißverschluss öffnen bzw. schließen lassen. Darüber hinaus bietet die Luminite Außenjacke zwei Seitentaschen und eine Brusttasche. Bei letzterer entdecken wir auch eine Kabeldurchführung für Kopfhörer – auch wenn wir selbst keine Fans von Musik auf dem Rad sind.

Der Schnitt ist wahrscheinlich mit sportlich-komfortabel am besten beschrieben. Lange Ärmel und eine verlängerte Hinterseite zeigen klar, dass die Endura-Jacke für den Einsatz auf dem Rad konzipiert ist, doch ist sie für wirklich sportlichen Einsatz eindeutig zu weit geschnitten und fängt bereits bei geringeren Geschwindigkeiten an zu flattern. Für Pendler, die eben auch ’normale‘ Klamotte unter der Jacke tragen müssen oder wollen, ist der Schnitt jedoch perfekt. Per Gummizügen lassen sich Kragen- und Saumweite auch individuell anpassen.

Endura Luminite 4 in 1: Innenjacke

Als Innenjacke dient bei der Endura Luminite 4 in 1 Kombination eine Fleece-Wendejacke, die auf ihrer eigentlichen Außenseite optisch der Regenjacke zum Verwechseln ähnlich sieht. Farblich kommt sie nämlich in demselben aggressiven Neongrün und auch die Fleecejacke weist großflächige Reflektoren von allen Seiten auf. So steht dem Einsatz der Innenjacke ohne ihre äußere ‚Schutzhülle‘ nichts im Weg: Sehr schön, da hat man bei Endura mitgedacht. Bei den Taschen muss man ein paar Abstriche machen: Die Innenjacke bietet nur eine Seiten- und eine Innentasche. Für den Alltagseinsatz dürfte dies aber problemlos ausreichen.

endura luminite 4 in 1

Ein besonderer Clou der Innenjacke ist die Option, sie zu wenden: So kommt das optisch schlicht-schwarze Fleecematerial nach außen und das grelle Grün verschwindet auf der Innenseite. Wir fanden den Tragekomfort jedoch verbesserungswürdig: Das liegt vor allem an dem glatten Außenmaterial, das sich bei der Verwendung als Wendejacke auf der Innenseite bzw. direkt auf der Haut etwas unangenehm anfühlt und auch schnell an der Haut klebt, wenn man etwas schwitzt. Als Casual-Jacke nach der Ausfahrt, wenn man vielleicht nicht unbedingt in Neongrün einkaufen möchte, macht die Wendefunktion jedoch durchaus Sinn. Nettes Detail: Die Innentasche der Windjacke wird nun zur Brusttasche.

Endura Luminite 4 in 1: Aus zwei mach vier

So kommt man also mit zwei Jacken auf vier Funktionen: Regenjacke, Fleece-Windjacke, Casual-Fleecejacke und wasserdichte Winterjacke. Wir haben die Jacke während des Winters meist auch als echte Winterjacke benutzt, sprich: Beide Jacken zusammen als warmer und wasserdichter Begleiter durch die dunkle Jahreszeit. In dieser Form machte die Endura Luminite eine sehr gute Figur: Die Außenjacke hielt auch starken Regen zuverlässig ab und uns wurde auch bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt nicht kalt – im Gegenteil: Etwas problematisch ist eher die Feuchtigkeitsregulierung bzw. Atmungsaktivität der Jacke. Die Belüftungsöffnungen unter den Achseln machen leider nur bedingt Sinn, da die Innenjacke dazwischen liegt und diese eben keine solche Möglichkeiten zur Belüftung bietet. Uns wurde zwar selten wirklich unangenehm warm bzw. schwitzig in der Jacke, doch das lag natürlich auch daran, dass wir sie nicht für ausgesprochen sportliche Aktivitäten eingesetzt haben – hierfür wäre die Jacke in dieser Form wohl schlicht zu warm.

endura luminite 4 in 1

Die beiden Jacken für sich genommen erfüllen ihren Zweck sehr gut: Lediglich der recht weite Schnitt der Außenjacke störte uns ab und zu – dies ist wohl der Preis für die Multifunktionalität der Jacke, schließlich muss sie genügend Platz für die Innenjacke bieten. Positiv überrascht hat uns die Windjacke: Bei trockenen Bedingungen schützte sie uns zuverlässig vor Wind und Kälte und trug sich insgesamt sehr angenehm. Von der Wendejacke waren wir hingegen wie erwähnt nicht sonderlich überzeugt, zumindest nicht als dezidierte Radjacke. Das dünne Material das dann auf der Innenseite liegt klebt unangenehm an der Haut, vor allem wenn es etwas wärmer wird.

Fazit: Schweizer Taschenmesser?

Ist die Endura Luminite 4 in 1 also eine Empfehlung wert? Durchaus! Man muss sich jedoch den Einsatzbereich vor Augen halten: Wer eine sportliche Jacke zum Wintertraining sucht, der sollte sich vielleicht besser nach Alternativen umsehen. Wer hingegen aber eine warme und vielseitige Jacke für den Arbeitsweg auf dem Rad sucht, der ist bei der Endura goldrichtig. Dank der auffälligen Farbe, der vielen Reflektoren und dem LED-Licht bietet sie zahlreiche sinnvolle Sicherheitsfeatures und macht auch als Jacke an sich eine gute Figur, auch wenn es hier und da einige kleine Kritikpunkte gibt.

Mit einem Preis von knapp 175€ ist die Jacke außerdem äußerst erschwinglich, vor allem wenn man bedenkt, dass man dafür zwei Jacken bekommt, die beide schon für sich genommen eine wirklich gute Figur machen.

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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