Test: Shimanos Top-Schuh SH-R321 im Velomotion-Dauertest: Leichter und robuster Fuß-Schmeichler

Test: Shimanos Top-Schuh SH-R321 im Velomotion-Dauertest: Leichter und robuster Fuß-Schmeichler

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Test: Neben dem Sattel ist die Wahl des richtigen Schuhs für Radsportler von entscheidender Bedeutung für Kraftübertragung und Fahrkomfort. Velomotion hat Shimanos Topmodell für die Straße ausgiebig getestet.

Acht Monate lang war der SH-R321 – so die etwas sperrige Modellbezeichnung von Shimanos Top-Treter – im Dauereinsatz: Kilometer um Kilometer bei Wind und Wetter, bei Hitze ebenso wie klirrender Kälte, im Renn- sowie im alltäglichen Trainingsbetrieb. Das Ergebnis: Shimanos Nummer eins überzeugt mit einem angenehm leichten Tragegefühl, tadelloser Kraftübertragung und erstaunlicher Robustheit.

Beim SH-R321 verzichtet Shimano auf eine Schuh-Zunge. Statt dessen wird das Innenmaterial weit hinüber gezogen und seitlich mit einem elastischen Band fixiert, das Obermaterial in Gegenrichtung darüber gelegt. Mit zwei Klettverschlüssen und einem Ratschenverschluss ergibt sich so eine ebenso feste wie angenehm zu tragende Verbindung. Der Faltenwurf, den so manche Schuh-Zunge mit sich bringt, gehört somit der Vergangenheit an. Das Obermaterial, das Shimano Teijin Avail100 nennt, ist dünn, aber sehr robust. Es passt sich flexibel an den Fuß an, ist aber so stabil, dass man stets einen sehr festen Halt im Schuh hat und entsprechend effizient pedalieren kann.

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Zur guten Kraftübertragung trägt maßgeblich die steife Carbonsohle bei, die sich ebenfalls als robust erwies und kleinere Fußwege ebenso wie den ein oder anderen Abrutscher am Pedal beim Einklicken klaglos wegsteckte. Für eine gute Durchlüftung des Schuhs sorgen Öffnungen an der Front. Radsportler, die es gerne warm an den Füßen haben, sollten deswegen jedoch an kühleren Tagen auf Überschuhe oder zumindest Zehenwärmer nicht verzichten.

Das Ratschensystem ist auf den Kopf gestellt: Mit dem oberen Hebel zieht man die Ratschen fester, mit dem unteren lockert man sie wieder, also genau anders herum als bei den meisten anderen Anbietern. Nach kurzer Eingewöhnung geht dies jedoch problemlos von der Hand. Das Ratschensystem kann mittels eines zweiten Gewindes versetzt und somit an unterschiedliche Fußhöhen und -formen angepasst werden.

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Überhaupt bietet Shimano verschiedene Möglichkeiten, Schuh und Träger individuell aufeinander abzustimmen. Neben der ergonomischen Sohle gehören Einlegkeile zum Lieferumfang, mit denen die Stellung des Fußes im Schuh verändert werden kann. Ausgewählte Shimano-Händler bieten gegen Aufpreis sogar ein Verfahren, bei dem Schuh und Einlagen erwärmt und per Vakuum komplett individuell an den Fuß des Trägers angepasst werden. Angesichts des ohnehin schon angenehmen Tragegefühls ist dies aber wohl nur dann zu empfehlen, wenn hartnäckige Beschwerden an Fußsohlen oder Gelenken den Fahrspaß trüben.

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Der Fahreindruck war ausgesprochen positiv: In Shimanos SH-R321 lässt sich der Fuß fest fixieren, ohne dass es eng wird. Der Schuh ist spürbar leicht und zudem gut belüftet. Die Kraftübertragung war überzeugend, ohne dass die Steifigkeit von Sohle oder Obermaterial den Tragekomfort beeinträchtigten. Zudem präsentiert sich der Schuh nach acht Monaten intensiver Nutzung optisch und technisch nahezu im Neuzustand.

Doch rechtfertigt dies alles den recht hohen Preis? Im Internet wird der Shimano SH-R321 ab zirka 260 Euro gehandelt, im Laden dürfte er noch ein wenig teurer sein. Grundsätzlich gilt: Es ist wenig sinnvoll, den Rotstift ausgerechnet an den neuralgischen Kontaktpunkten zwischen Fahrer und Rad – Sattel, Radhose, Schuhe und Handschuhe – anzusetzen. Ob es gleich der Top-Schuh sein muss, muss jeder für sich beantworten. Doch im Vergleich zu einfacheren Radschuhen – auch aus dem Hause Shimano – ist ein Mehrwert an Tragekomfort und Kaftübertragung deutlich spürbar.

Web:

Shimano SH-R321

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über den Autor

Moritz Pfeiffer

Moritz Pfeiffer ist ein waschechtes Kind der Jan-Ullrich-Tour. Seit Sommer 1997 ist er bei Wind und Wetter, Lizenz- oder Jedermannrennen, Radmarathons oder RTFs auf schmalen Reifen unterwegs. Geschichte und Spanisch studierte er im Rennrad-Paradies Freiburg, aktuell lebt und arbeitet er in Tübingen.

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