Vorschau Tirreno – Adriatico: Die Weltelite gibt sich in Italien die Ehre
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Vorschau Tirreno – Adriatico: Die Weltelite gibt sich in Italien die Ehre

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Radsport: Tirreno – Adriatico, in wenigen Tagen fällt der Startschuss für das erste WorldTour-Rennen der Saison auf italienischem Boden. Fahrer und Fans erwarten sieben interessante und spannende Etappen, die das Peloton vom Thyrrhenischen Meer bis zur Adria führen wird. Wir blicken auf die Strecke, das Starterfeld und die Favoriten.

Mit Vincenzo Nibali (Astana), Fabian Cancellara (Trek-Segafredo), Tony Martin (Etixx – Quick-Step), Edvald Boasson Hagen (Dimension Data), Tejay van Garderen (BMC), Thibaut Pinot (FDJ) und Domenico Pozzovivo (AG2R) steht auch in diesem Jahr am 9. März ein international hochkarätig besetztes Feld am Start von Tirreno-Adriatico.

 

Tirreno-Adriatico 2016: Strecke

Tirreno – Adriatico 2016 stage 1: Lido di Camamaiore (MZF):

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Datum: Mittwoch, 9. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 23:05 – 00:10 Uhr
Länge: 22,7 km
Profil: Flach, MZF

Strecke

Der letztjährige Prolog am Lido di Camaiore wurde von den Veranstaltern für 2016 mit einem Mannschaftszeitfahren ersetzt. Die Strecke führt entlang der Strandpromenade am Tyrrhenischen Meer. Die einzigen technischen Schwierigkeiten könnten in den vier 90° Wenden bestehen – uns erwartet also wahrscheinlich ein sehr hohes Tempo. Zu einem Faktor könnte wie immer in unmittelbarer Küstennähe auch der Wind werden.

Hintergrund

Das Rennen Tirreno – Adriatico erhält seinen Namen von den beiden Seeregionen die es verbindet. Das Tyrrhenische Meer wurde nach dem Etruskerprinzen Tyrrhenus benannt (Tyrrheni war der römische Name für die Etrusker). Auch der Name Adria ist etruskischen Ursprungs: So hieß eine frühe Siedlung der italienischen Siedler um 200 v. Chr. Mit Adria Mobil gibt es sogar ein Continental Team aus Slowenien, das nach der Mittelmeerküste benannt wurde. Dort wurden unter anderem Janez Brajkovic, Simon Spilak, Grega Bole, Robert Kiserlovski und Marco Kump groß.

Redaktionstipp

Wie eigentlich bei jedem Mannschaftszeitfahren geht auch hier der Sieg nur über die zweifachen Zeitfahrweltmeister von BMC. Daniel Oss, Taylor Phinney und Manuel Quinziato waren alle Teil des Teams, das letztes Jahr in Richmond zum Titel fuhr und das Trio wird auch bei Tirreno – Adriatico am Start stehen. Tinkoff, Etixx – Quick-Step und Orica GreenEDGE werden den Auftakt in das Rennen aber sicherlich nicht einfach abschenken.

Tirreno – Adriatico 2016 Etappe 2: Camaiore – Pomarance

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Datum: Donnerstag, 10. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 18:40 Uhr – 17:15 Uhr

Länge: 207 km
Profil: Wellig

Strecke

Nach dem ersten Massenstart des Rennens geht es für das Feld in Richtung Süden durch die Touristenhochburg Pisa und weiter durch die Vororte von Livorno. Nach ungefähr 100km geht es weiter in Richtung Osten in die Toskanischen Berge. Dort wartet 60km vor dem Ziel ein 6,5km langer Anstieg mit durchschnittlich 4,1% – der eine oder andere Sprinter wird hier sicherlich leiden und sich danach wieder nach vorn arbeiten müssen. Eventuell bietet sich hier auch die Gelegenheit für eine späte Fluchtgruppe.

Hintergrund

Die Toskana ist nicht nur für Radfahrer eine Traumhafte Region, sondern auch für die Weinliebhaber. Chianti, Brunello di Montalcino, Vino Nobile di Montepulciano und Vin Santo sind einige der wohl bekanntesten Tropfen aus den Weinbergen Norditaliens. Übrigens: Aus Italien kommt rund ein Drittel der jährlichen Weinproduktion – zwischen 450 und 500 Millionen Liter.

Redaktionstipp

Auf dieser Etappe könnte Peter Sagan seinen ersten Sieg in den Farben des Weltmeisters feiern, doch auch Edvald Boasson Hagen könnte nach seinen starken Leistungen in Katar und im Oman um den Tagessieg mitfahren. Diego Ulissi und Tony Martin besitzen Außenseiterchancen.

Tirreno – Adriatico 2016 Etappe 3 Castelnuovo Val Di Cecina – Montalto di Castro

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Datum: Freitag, 11. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 19:35 Uhr – 20:45 Uhr
Länge: 176 km
Profil: Flach

Strecke

Und weiter geht es gen Süden auf der dritten Etappe. Das Peloton passiert unter anderem die Kommune Grosseto und das Etappenziel liegt in Lazio. Die beiden kleinen Anstiege sollten auch für die Sprinter keine allzu große Schwierigkeit sein.

Hintergrund

Am 11. März feiert auch Astana-Profi Tanel Kangert Geburtstag. In Italien zeigte der Este in den vergangen Jahren seine besten Leistungen und wurde zwei Mal in Folge 13. beim Giro – 2013 verhalf er Vincenzo Nibali zum Gesamtsieg und 2015 sorgte er mit großartiger Unterstützung für Aru und Landa auf Zwei und Drei für ein sehr gutes Teamergebnis. In diesem Jahr startet Kangert allerdings bei Paris – Nizza – ob das angesichts dieser Vorgeschichte die richtige Entscheidung war?

Redaktionstipp

Der zurzeit wohl stärkste Sprinter, nämlich Marcel Kittel, startet beim Konkurrenzrennen Paris – Nizza und so avanciert Mark Cavendish (Etixx – Quick-Step) zum Topfavoriten für das Sprintfinale dieser Etappe, auch wenn in den letzten Wochen noch etwas Sand im Getriebe des Dimension Data Sprintzuges war. Vielleicht beflügelt den Briten ja sein WM-Titel bei der Bahn Weltmeisterschaft im Madison? Cavs Konkurrenz kommt aus Italien: Giacomo Nizzolo war bereits in Katar in bestechender Form und auch Sacha Modolo und Matteo Pelucchi sind Kandidaten auf den Tagessieg.

Tirreno – Adriatico Etappe 4: Montalto di Vastro – Foligno

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Datum: Samstag, 12. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 18:30 Uhr – 19:25 Uhr
Länge: 216 km
Profil: Wellig

Strecke

Zeit, sich vom Tyrrhenischen Meer zu verabschieden – es geht nach Osten. Das Profil ähnelt dem der letzten Tage und es geht eher flach-wellig über die 216km an deren Ende ein Rundkurs um das Städtchen Foligno wartet. Dieser Rundkurs wird mit seinen kurzen Steilstücken nochmals richtig Körner kosten und wohl auch die reinen Sprinter aus der Verlosung um den Tagessieg nehmen.

Hintergrund

Das Peloton beschreitet mit der vierten Etappe heiligen Boden. Der Zielort Foloigno liegt nur 20km vor Assisi, der Ort wo Franz von Assisi, der Begründer des Franziskaner Ordens 1181 geboren wurde. Der derzeit amtierende Papst (José Mario Bergoglio) trägt als Ehrerweisung ebenfalls den Namen Franziskus.

Redaktionstipp

Wieder einmal stehen Peter Sagan und Boasson Hagen ganz oben auf dem Zettel der Tagesfavoriten. Doch das Profil der finalen Kilometer könnte auch leichte Beute für einen starken Ausreißer werden – hier kommen Cannondale-Neuzugang Simon Clarke und die Lokalmatadore Kristian Sbaragli und Matteo Trentin in den Sinn.

Tirreno – Adriatico 2016 Etappe 5: Foligno – Monte San Vicino

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Datum: Sonntag, 13. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 17:45 Uhr – 19:00 Uhr
Länge: 178 km
Profil: Bergetappe

Strecke

Die Königsetappe von Tirreno – Adriatico 2016 wartet am vorletzten Tag. Der finale Anstieg am Monte san Viciono wird mit durschnittlich 6% über 14,1km ein Fall für die richtig starken Kletterer im Feld. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass hier auch die Entscheidung um den Gesamtsieg fallen wird – wieder einmal werden die Apenninen wohl zum entscheidenden Faktor bei Tirreno – Adriatico.

Hintergrund

Am 13. März 2013 wurde auch Papst Franziskus gewählt – er wird hoffentlich ein Auge auf das Peloton haben, damit den Fahrern am Monte san Vicinio ähnliche Wetterverhältnisse wie am Terminillo im letzten Jahr erspart bleiben. Damals gewann Nairo Quintana im wüsten Schneetreiben bei Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt.

Redaktionstipp

Vincenzo Nibali zeigte bereits im Oman eine ordentliche Form und möchte sich in seiner Heimat sicherlich keine Blöße geben. Doch auch Tejay van Garderen, Thibaut Pinot, Domenico Pozzovivo oder Alejandro Valverde sind Fahrer, die ihre Klasse am harten Schlussanstieg zeigen möchten. Geheimfavoriten sind der Kolumbianer Esteban Chaves von Orica GreenEDGE, der bei der Vuelta im letzten Jahr große Leistungen an schweren Bergen zeigte, und eventuell auch Bauke Mollema, der im letzten Jahr bei der Königsetappe Zweiter wurde.

Tirreno – Adriatico 2016 Etappe 6: Castelraimondo – Cepagatti

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Datum: Montag, 14. März
TV-Übertragung: Eurosport, 14:30 Uhr – 16:15 Uhr
Länge: 210 km
Profil: flach

Strecke

Nach den Strapazen des Vortages erwartet die Fahrer heute eine flache Etappe an der Adriaküste. Die letzten 150km des Tages werden das Peloton direkt an der Küste entlangführen und sicherlich für einige grandiose Bilder und Aussichten sorgen. Ob die Fahrer die Szenerie aber genießen können? Abwarten, schließlich bedeutet Küste auch immer: Vorsicht vor dem Wind. Einige kurze bergauf-Passagen gegen Ende könnten zudem noch für ein wenig Würze sorgen.

Hintergrund

Der Italienische Fußballer Marco Verratti wurde im Zielort Pescara geboren, wuchs dann aber im 100km entfernten L’Aquila auf. Das Städtchen an der Adria war 2009 weltweit in den Schalgzeilen, als es von einem heftigen Erdbeben heimgesucht wurde, bei dem 17.000 Menschen ihre Häuser verloren. Unvergessen auch der Kommentar des damaligen Premierministers Silvio Berlusconi, der meinte, die Menschen in L’Aquila sollten es einfach als Campingwochenende betrachten. In Folge dieses Unglücks machte auch der Giro 2010 halt in dem Ort – die mit 262km damals längste Etappe dürfte dem einen oder anderen noch wegen der mit 54 Fahrern riesigen Fluchtgruppe im Gedächtnis sein.

Redaktionstipp

Die Etappe erinnert ein wenig an das Etappenziel in Fiuggi Terme beim Giro 2011. Francisco Ventoso gewann damals vor Alessandro Petacchi. Für die Sprinter könnte es heute schwierig werden, deshalb dürften Cavendish und Nizzolo allenfalls Außenseiterchancen haben. Es könnte wieder ein Fall für Straßenweltmeister Peter Sagan werden.

Tirreno – Adriatico 2016 Etappe 7: San Benedetto del Tronto (EZF)

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Datum: Dienstag, 15. März
TV-Übertragung (Aufzeichnung): Eurosport, 14:30 Uhr – 16:15 Uhr
Länge: 10.1 km
Profil: Flach (EZF)

Strecke

Das 10km lange Zeitfahren in San Benedetto de Tronto war fast ohne Veränderungen bereits in den letzten Jahren Bestandteil von Tirreno – Adriatico. Dass das Zeitfahren eher kurz ausfällt, dürfte wohl nur die echten Spezialisten stören – alle anderen werden nach einer harten Woche froh darüber sein. Das Profil ist flach und die 90° Kehren sind wie bereits beim MZF zum Auftakt die einzigen wirklichen Schwierigkeiten. Im letzten Jahr war Fabian Cancellara hier mit durchschnittlich 52,708km/h unterwegs. Abhängig davon, wie die Königsetappe lief, könnte das Zeitfahren zum Zünglein an der Waage werden. Im letzten Jahr verlor der spätere Gesamtsieger Quintana hier beispielsweise 24 Sekunden auf Contador und Nibali.

Hintergrund

Stefano Garelli war der erste Fahrer, der den berühmtem Dreizack als Siegertrophäe für Tirreno in Empfang nehmen durfte. Das war 2010 – seitdem erfreut sich die markante Trophäe bei Fans wie Fahrern großer Beliebtheit.

Redaktionstipp

Wie bei so vielen Einzelzeitfahren der vergangenen Jahre könnte uns auch hier wieder ein Showdown zwischen Fabian Cancellara und Tony Martin erwarten. Cancellara war hier in den vergangenen Jahren besonders stark und zeigte erst vergangenes Wochenende mit seinem Triumph bei der Strade Bianche, dass er auch in seinem letzten Jahr als Profi das Siegen nicht verlernt hat.

Tirreno – Adriatico 2016: Favoriten

Die einzigen beiden ehemaligen Tirreno-Sieger am Start des Rennens 2016 sind Vincenzo Nibali und Fabian Cancellara. Für den Schweizer dürfte die Königsetappe in diesem Jahr jedoch deutlich zu schwer sein – Nibali hingegen könnte hier seine Qualitäten ausspielen und auch seine Klasse im Zeitfahren sollte dem Sizilianer entgegenkommen. Auch wenn der Sieger aus dem letzten Jahr, Nairo Quintana, 2016 nicht starten wird, muss sich Nibali starker Konkurrenz des spanischen Movistar-Teams erwehren: Alejandro Valverde zählt nämlich zweifellos auch wieder zum engeren Favoritenkreis, ebenso wie Tejay van Garderen und die beiden Kolumbianer Esteban Chaves und Rigoberto Uran.

Tirreno – Adriatico 2016: TV Übertragung und Livestreams

Bilder von Tirreno – Adriatico wird es hierzulande auf Eurosport zu sehen geben – leider sorgen die Terminkollisionen mit Paris – Nizza und der Biathlon-WM dazu, dass sich die deutschen Radsportfans mit Ausnahme der letzten beiden Etappen mit Wiederholungen begnügen und auf Livebilder aus Italien verzichten müssen. Sehr schade!

Im Netz lassen sich die entsprechenden Aufzeichnungen natürlich auch im (kostenpflichtigen) Eurosport Player ansehen. Fans, die außerhalb Deutschlands auf das Internet zugreifen, könnten einen passenden Livestream auf cyclingfans.com finden.

über den Autor

Erik Markussen

Erik Markussen studiert Jura in Oslo. Als Fahrrad-Verrückter hat er in der Vergangenheit schon für verschiedene Norwegische Zeitungen gearbeitet. Er ist außerdem passionierter Langläufer und selbsternannter Kevin Réza-Fan.

Übersetzt und bearbeitet von Michael Faiß