Test: Bulls Black Adder Team – High End zum fairen Preis
Foto von Leo Binder

Test: Bulls Black Adder Team – High End zum fairen Preis

Über Jahre hinweg ist das Bulls Black Adder ein fester Bestandteil der Pelotons bei namhaften Cross-Country und vor allem Marathon Rennen. Nachdem wir bereits das aktuelle 2016er Modell kurz auf dem Eurobike Demo Day testen konnten, konnten wir uns jetzt einen detaillierteren Eindruck vom Carbon-Boliden verschaffen.

Bulls Black Adder Team – Rahmen:

Das Bulls Black Adder Team wird nur mit leichten Modifikationen so beim Team Bulls, einem der erfolgreichten deutschen Mountainbike Teams im Rennalltag eingesetzt. Das Team um Marathon Legende Karl Platt besteht nicht nur aus Marathon Fahrern wie Urs Huber sondern auch aus Cross-Country Fahrer wie Simon Stiebjahn oder Nachwuchstalent Niklas Schehl. So viel Variabilität und so viel Erfahrung ist jedoch nicht nur für das Team, sondern auch für Bulls selbst ein Segen: So arbeitete man bei der Entwicklung Hand in Hand mit den Teamfahrern, deren Feedback sich direkt auf die Konstruktion auswirkte.

Profimaterial aus erster Hand: Der Carbon-Rahmen entsteht durch eine Monocoque-Bauweise, die einen sehr steifen, aber auch sehr leichten Rahmen ermöglicht. Der von uns getestete Rahmen in der Größe L bewegt sich bei etwa 1000g. Auch der Komfort soll bei einem Race-Hardtail natürlich nicht zu kurz kommen – gerade angesichts der immer anspruchsvolleren Strecken in diesem Bereich – so werden dünne Sitzstreben mit flachen Querschnitt am Bulls Black Adder verbaut. Auch auf gängige Standards muss man nicht verzichten: Am Hinterrad sorgt eine 12 mm Steckachse für hohe Steifigkeit, die Züge sind allesamt im Rahmen verlegt und es findet sich im Sitzrohr zudem noch Platz für eine absenkbare Stütze oder eine Di2-Nachrüstung – samt der dazugehörigen Zug- und Leitungsverlegung. Auch der Sattelstützen-Durchmesser wurde auf 31,6 mm erweitert, um den Dropper-Post Trend nachzukommen und dafür eine größere Auswahl zu bieten, da 27,2 mm Variostützen eher Exotenstatus besitzen.

Bulls Black Adder Team Seitenansicht

Bulls Black Adder Team – Geometrie

Die vorherigen Black Adder Geometrien waren eher lang und auf Vortrieb ausgelegt, was aber zu Lasten der Downhill-Performance ging. Die Marathon- und Cross Country-Strecken um den Globus werden allerdings immer technischer und spektakulärer, so dass ein moderne XC-Bike auch bergab in technischen Passagen genug Reserven bieten sollte. Darauf haben die Bulls-Entwickler bei der Neuentwicklung des Black Adders geachtet und den Rahmen auf diese Bedürfnisse angepasst. Zum einen fällt die Sitzposition weniger gestreckt aus, durch das richtige Verhältnis von Reach und Stack sitzt man aber trotzdem sportlich über dem Tretlager. Die Kettenstreben sind um 2 cm geschrumpft, um die Agilität des Bikes zu verbessern. Zudem wurden Steuerrohr und Sitzrohr kürzer, damit man ein tieferes Cockpit erreicht und die Überstandshöhe sinkt. Generell ist die Geometrie eher kompakt gestaltet, aber dennoch sportlich, um eine möglichst gute Perfomance im Up- und Downhill zu bieten.

Bulls Black Adder Team Geometrie

Bulls Black Adder Team – Ausstattung

Für 4899 € bekommt man bei Bulls einen leichten Carbonrahmen mit fürstlicher Ausstattung. Ein Highlight am Rad ist die RS-1 Upside-Down-Gabel mit hydraulischem Lockout von Rock Shox: Leicht und polarisierend in der Szene, aber dazu später mehr. Antrieb und Verzögerung wird komplett von der soliden, ergonomischen und leichten Shimano XTR-Gruppe übernommen. Bulls setzt beim Black Adder Team auf einen in dieser Klasse fast schon selten gewordenen 2×11 Antrieb mit 36 und 26 Zähnen an der Kurbel und einer 11-40er Kassette. Bei den Laufrädern werden auch keine Abstriche gemacht und es kommen leichte, aber auch stabile DT Swiss XR 1501 Spline mit spezieller Nabe für die RS-1 Gabel zum Einsatz. Shifter und Bremse sind an einer Schelle montiert und dadurch ist das Cockpit sehr aufgeräumt. Vorbau und Lenker sind aus Carbon und kommen aus der FSA K-Force Serie, wobei der Lenker mit 690 mm eher schmal ausfällt. Für den nötigen Grip am Lenker sorgen T-One Griffe aus Silikon. Die Sattelstütze kommt ebenfalls von FSA und stützt einen Fizik Tundra M7 Sattel. Bei den Reifen setzt Bulls vorne auf einen 2,25er Rocket Ron und hinten auf einen 2,25er Thunder Burt mit leichten Schwalbe Extralite Schläuchen.

Auf dem Trail: Bulls Black Adder Team

Gleich auf den ersten Metern merkt man die schwarze Natter will beschleunigt werden und dies gelingt aufgrund des Gewichts von 9,2 kg spielend leicht. Lockout aktivieren und in der Ebene kommt fast schon Rennrad-Feeling auf. Durch die große Übersetzungsbandbreite des 2×11 XTR-Antriebs steht Tempobolzerei im Flachen und leicht abschüssigen Gelände nichts im Weg. Auch jenseits der 35 km/h kommt man noch mit einer guten Trittfrequenz voran. Im Uphill egal ob steile Rampe oder langer Anstieg, das Black Adder klettert spielend leicht und zeigt keine Schwächen. Man sitzt sehr kompakt auf dem Rad, aber dank des 100 mm langen Vorbaus und des lediglich 690 mm breiten Lenker dennoch durchaus sportlich. Durch die kompakte Sitzposition bleibt das Vorderrad auch bei steilen und zuweilen sehr technischen Uphills am Boden und das Bike dadurch gut manövrier- und beherschbar. Ein kleines Härchen in der Suppe haben wir aber natürlich wie immer gefunden: Der Schwalbe Thunderburt am Hinterrad ist bei Nässe schnell überfordert und muss dosiert gefahren werden.

Uphill mit dem Bulls Black Adder Team

Das Ziel beim neuen Black Adder Rahmen war vor allem die Downhill-Performance des Bikes zu verbessern – dieses Ziel haben die Entwickler erreicht. Die Geo ist insgesamt nicht zu lang, generell kompakt mit kürzeren Kettenstreben. Das Bike ist zwar nicht unbedingt verspielt, aber es lässt sich schnell und kontrolliert auf der Ideallinie bewegen, so wie es bei einem Race Hardtail sein sollte. Dabei machen sich auch die kürzeren Kettenstreben positiv bemerkbar: Das Bike reagiert schnell auf Richtungswechsel und lässt leicht um enge Kurven manövrieren. Der Hinterbau und die Sattelstütze sorgen für ausreichend Komfort und dämpfen leichtere Schläge und Wellen, so dass nicht jeder Schlag gleich an das Gesäß des Piloten weitergeleitet wird. Das Black Adder liegt sehr satt auf dem Trail, was vor allem mit der Performance der Rock Shox RS-1 Upside-Down-Gabel zusammenhängt. Die Gabel spricht sensibel an, steht gut im Federweg und sackt nicht weg. Auch vereinzelte gröbere Schläge steckt das Leichtgewicht sehr progressiv weg. Klar merkt man im Stand oder auf gerader Strecke bei schnellen Lenkbewegungen, dass sich die RS-1 in puncto Seitensteifigkeit eher hinten anstellen muss. Allerdings fiel uns persönlich diese fehlende Steifikeit auf dem Trail im “normalen” Gebrauch nie negativ auf. Im Gegenteil. In ruppigen Steinpassagen konnten wir feststellen, dass durch die fehlende Steifigkeit weniger seitliche Schläge an den Lenker bzw. Fahrer übertragen werden und dadurch das Rad in solchen Passagen deutlich ruhiger wirkt. Einziges Manko an der Gabel: Beim Ein- und Ausbauen des Vorderrads kann es passieren, dass die Holme der Gabel verdrehen. Dies kann insbesondere in stressigen Rennsituationen sehr fummelig sein und wertvolle Sekunden kosten. Abzüge im Downhill gibt es wieder wegen des Schwalbe Thunder Burt Reifens am Heck, der eher weniger Grip bietet. Außerdem hätten wir uns ab und zu einen breiteren Lenker für mehr Kontrolle gewünscht. Die Silikon-Griffe überraschten uns, da diese auch bei Nässe genug halt bieten und sehr gut in der Hand lagen.

Bulls Black Adder Team im Downhill

Bulls Black Adder Team – Fazit:

Mit dem Bulls Black Adder gibt es keine Ausreden mehr: Ein echter Racer, der auch im Downhill seine Stärken zeigt. Ein breiterer Lenker und ein Hinterreifen mit mehr Reserven würden das Bike perfekt machen. Für 4799 € bekommt man hier absolutes Profi-Material aus erster Hand, das man aber trotzdem leicht beherrschen kann. 

Web

www.bulls.de

über den Autor

Joseph Kuchler

Joseph Kuchler war in jungen Jahren aktiver XC-Racer und hat zwischenzeitlich in München Medienmanagement studiert. Zurück in seiner niederbayerischen Heimat ist er wieder öfter auf den Trails im bayrischen Wald anzutreffen.

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