Probefahrt: BMC Roadmachine 01 – Traditionell modern
Foto von Michael Faiß

Probefahrt: BMC Roadmachine 01 – Traditionell modern

Probefahrt: Während der Eurobike Media Days in der vergangenen Woche hatten wir erstmals Gelegenheit, uns des neuen Allround-Renners aus der Schweiz, der BMC Roadmachine anzunehmen. Einige ausgiebige Proberunden mit dem Topmodell Roadmachine 01 später sind wir uns sicher, dass BMC damit ein wirklich großer Wurf gelungen ist.

Vor einigen Wochen hatten wir auf Velomotion den neuen BMC Renner, der auf den einprägsamen Namen Roadmachine hört, ausführlich vorgestellt. Mit dem neuen Allrounder besinnt man sich bei BMC in vielerlei Hinsicht zurück auf die Ursprünge des Rennrads, man verfolgt einen Back to the Roots-Ansatz, der nur auf den ersten Blick erstaunt. Noch vor 10-15 Jahren war ein Rennrad ein Rennrad – ein Fahrrad für die Straße, für längere Fahrten, für schnelle Sprints, auf guten wie auf schlechten Wegen. In der jüngeren Vergangenheit hat eine zunehmende Spezialisierung stattgefunden, mit den komfortablen Endurance Rennern einerseits und kompromisslosen Racern andererseits. Dass es auch dazwischen noch einiges mehr gibt, verrät der Blick in den Profibereich: Nicht selten wechseln die Teams zwischen vier oder fünf unterschiedlichen Rädern hin und her – je nach Fahrertyp, Strecke und Ausrichtung.

BMC Roadmachine-1

Vielen Hobby- und auch Amateurradfahrern fehlt jedoch die Bereitschaft, sich mehrere Straßenräder anzuschaffen: Wieso auch, schließlich möchten die meisten Fahrer einfach nur ein Rennrad – egal wie jetzt die Strecke genau ausschaut. Hier stoßen potenzielle Käufer jedoch bei vielen Portfolios der Hersteller auf ein Problem: Es gibt zwar mehr als genügend Auswahl, doch meist muss man sich zwischen den unterschiedlichen Einsatzbereichen entscheiden: Möchte man nun ein komfortables Endurance Rad für lange Fahrten, ein spritziges Leichtgewicht für die Alpenpässe oder ein steifes Renngefährt für den nächsten Zielsprint? Bei den Schweizern von BMC gab es bisher das Racebike Teammachine und den Langstreckenspezialisten granfondo. Genau dazwischen stößt man jetzt mit der neuen Roadmachine. In eine Nische, die eigentlich keine Nische ist, sondern die Grundlage dessen, worauf die meisten anderen modernen Renner heutzutage fußen.

BMC Roadmachine: Traditioneller Ansatz, moderne Umsetzung

Endurance, Race, Aero, Allround – für viele ist das alles nicht mehr als graue Theorie und worin unterscheiden sich diese verschiedenen Rennradkategorien überhaupt? Lässt man moderne Erscheinungen wie beispielsweise Scheibenbremsen außen vor, dann ist es vor allem die Geometrie, die das jeweilige Fahrverhalten beeinflusst. Ohne an dieser Stelle nun zu sehr ins Detail zu gehen, kann man grob vereinfacht sagen: Der Fahrer eines Endurance Rads sitzt aufrechter – ursächlich ist meist ein längeres Steuerrohr und ein kürzerer Reach. Um den Komfort weiter zu verbessern, passen außerdem meist breitere Reifen durch Hinterbau und Gabel, Sitzstreben und Gabel flexen mehr und dämpfen die Schläge des Untergrunds. Ein Racebike hingegen ist länger, steifer, leichter und agiler.

Vergleicht man nun die Daten der BMC Roadmachine mit seinen beiden Pendants Teammachine und granfondo wird der neue, alte Ansatz des Neuzugangs bei BMC deutlich. Wir haben einige markante Geometriedaten der drei Modelle in Rahmengröße 56 gegenübergestellt:

 BMC granfondoBMC RoadmachineBMC Teammachine
Stack (mm)580574565
Reach (mm)384393392
Steuerrohr (mm)177154163
Kettenstreben (mm)412410402
Radstand (mm)10081008988
Lenkwinkel (°)727272.5

Während die Teammachine durch kurze Kettenstreben, kleinen Radstand und einem kleinen Lenkwinkel auf Vortriebsstärke und Agilität ausgelegt ist, legt man beim granfondo den Schwerpunkt mit einem 177mm langen Steuerrohr, und deutlich längeren Kettenstreben eher auf Komfort und ein gutmütiges Fahrverhalten. Wenig überraschend liegt die neue Roadmachine in fast allen Bereichen genau zwischen den beiden bisherigen Platzhirschen.

BMC Roadmachine-3

Doch nur weil man sich bezüglich der allgemeinen Ausrichtung an Vorbildern vergangener Zeiten orientiert, bedeutet das nicht, dass die BMC Roadmachine kein modernes Rennrad ist, ganz im Gegenteil. Das Topmodell Roadmachine 01 kommt mit extrem leichten Carbonrahmen, der im Zusammenspiel mit dem von BMC entwickelten Vorbau eine vom Lenker bis zum Endpunkt komplett integrierte Kabel- und Leitungsverlegung ermöglicht. Auch die integrierte Stützklemmung und die Scheibenbremsen unterstreichen den modernen Charakter des Bikes.

Mehr Informationen zur BMC Roadmachine 01

Probefahrt mit der BMC Roadmachine 01 – Geht das Konzept auf?

Wie wir alle wissen, liegt die Wahrheit über die Qualitäten eines Rads nicht in Geometrietabellen oder Herstellerversprechen, sondern einzig und allein auf der Straße. Während unseres Testrides über die Straßen rund um das Fahrradparadies Kirchberg in Tirol wollten wir uns deshalb selbst ein Urteil über den neuen, edlen Renner bilden. Für unseren Test bekamen wir das Topmodell BMC Roadmachine 01 mit elektronischer Di2 Schaltung, leichtem Carbonrahmen, Carbon Laufrädern von DT Swiss und dem neuen BMC Vorbau. Kostenpunkt: 9.999€ – ein stolzer Preis für ein Rennrad, selbst im Jahr 2016.

Modellübersicht BMC Roadmachine 01

RM01_DuraAce-Di2

Rahmen: Premium-Karbon 920g
Antrieb: Shimano Dura Ace Di2
Laufräder: DT Swiss RC38 C Spline Carbon

Preis: 9.999€

RM01_Ultegra-Di2

Rahmen: Premium-Karbon 920g
Antrieb: Shimano Ultegra Di2
Laufräder: 3T Discus C35 Team Carbon

Preis: 6.999€

RM01_Ultegra

Rahmen: Premium-Karbon 920g
Antrieb: Shimano Ultegra
Laufräder: DT Swiss R32 Spline

Preis: 4.699€

RM02_Ultegra-Di2

Rahmen: Vollcarbon 1100g
Antrieb: Shimano Ultegra Di2
Laufräder: 3T Discus C35 Pro

Preis: 4.499€

RM02_Ultegra

Rahmen: Vollcarbon 1100g
Antrieb: Shimano Ultegra
Laufräder: DT Swiss R24 Spline

Preis: 3.599€

RM02_105

Rahmen: Vollcarbon 1100g
Antrieb: Shimano 105
Laufräder: Novatec 30 SL

Preis: 2.799€

RM03_105

Rahmen: Aluminium Smoothweld 1270g
Antrieb: Shimano 105
Laufräder: Novatec 30SL

Preis: 2.099€

RM03_Tiagra

Rahmen: Aluminium Smoothweld 1270g
Antrieb: Shimano Tiagra
Laufräder: Novatec 30

Preis: 1.799€

Unser erster Eindruck ist direkt sehr positiv: Die Roadmachine ist ein echtes Wohlfühlrad. Die Sitzposition ist ausgewogen und tendiert unserem empfinden nach etwas mehr in Richtung Komfort, ohne jedoch ‚Tourenradfeeling‘ aufkommen zu lassen. Der Vortrieb ist auch dank der tollen Laufräder phänomenal gut: Das BMC macht richtig viel Spaß, kommt auf unterschiedlichem Terrain gut zurecht und schlägt sich auch auf Anstiegen hervorragend. Während schnelleren Abfahrten auf teils nicht ganz optimalem Straßenbelag machen sich die etwas kürzeren Kettenstreben im Vergleich zum Endurance-Pendant granfondo bemerkbar: Das Rad lässt sich wunderbar um enge Kehren zirkeln, wer aber den Geradeauslauf moderner Endurance-Renner gewohnt ist, muss sich etwas auf das agilere, aber bisweilen etwas nervösere Handling der Roadmachine einstellen.

BMC Roadmachine-8

BMC Roadmachine 01 – Fazit

Experiment Back to the Roots: Geglückt! So könnte man die BMC Roadmachine vielleicht am besten zusammenfassen. Die traditionelle Geometrie funktioniert, die Features und die Ausstattung des neuen BMC-Allrounders ist gelungen und es dürfte für viele eben genau das Rad sein, wonach sie lange gesucht haben: Nicht zu speziell und dennoch hochwertig und modern. Einzig der hohe Preis könnte den einen oder anderen abschrecken.

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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