Olympia: Van Avermaet vergoldet sein gelbes Jahr

Olympia: Van Avermaet vergoldet sein gelbes Jahr

Radsport: Greg Van Avermaet (Belgien) hat sich die Goldmedaille in Rio geholt! Nach über 240 km setzte er sich im Sprint einer Dreiergruppe vor Jakob Fuglsang (Dänemark) und Rafal Majka (Polen) durch. Vincenzo Nibali (Italien) und Sergio Henao (Kolumbien) sahen zunächst zusammen mit Majka wie die aussichtsreichsten Medaillenkandidaten aus, ehe ein Sturz die beiden vom Rad holte.

Tony Martin und Maximilian Levy steigen früh aus

Auf Grund der Zeitverschiebung zwischen Rio und Deutschland starteten die 143 Teilnehmer aus 63 Nationen erst am Samstagnachmittag um 14:30 Uhr unserer Zeit in das Abenteuer Olympia. Das Ziel sollten sie erst spät abends nach 20 Uhr erreichen, doch dazwischen lagen rund 240 sehr schwere Kilometer. Wie in der Vorschau auf das Straßenrennen bereits vermutet wurde, gingen Bahnspezialist Maximilian Levy und Zeitfahrspezialist Tony Martin zwar heute an den Start, doch beenden wollten sie das Rennen nicht. Levy stieg schon nach rund 30 Kilometern vom Rad, Martin konnte immerhin knapp die 100 Kilometer Marke knacken. Das Rennen machte ein anderer aus deutscher Sicht: Simon Geschke war in der Spitzengruppe des Tages vertreten. Zusammen mit Jarlison Pantano (Kolumbien), Michal Kwiatkowski (Polen), Pavel Kochetkov (Russland) und Sven Erik Byström (Norwegen) löste er sich recht früh im Rennen. Sie alle spekulierten auf ein höchst taktisches Rennen, geprägt von Unstimmigkeiten zwischen den Nationalteams und vor allem auch innerhalb der jeweiligen Mannschaften. Die Italiener und die Spanier jedoch ließen sich nicht beirren und fingen schnell an, das Heft in die Hand zu nehmen und das Tempo im Feld zu kontrollieren. So kam die Spitzengruppe zwar auf über acht Minuten weg, aber realistisch an den Medaillen schnuppern lassen wollte man sie nicht.

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Die Fahrer konnten auf der langen Strecke einen tollen Ausblick genießen.

Die chancenlose Gruppe wird weit vor dem Ziel gestellt

Nachdem die Gruppe vorne rausgefahren war und sich einen vorerst passablen Vorsprung sichern konnte, nahm die Hektik im Fahrerfeld etwas ab. Vermutlich auch deshalb, da die ersten No-Names bereits hinten raus gefallen waren. Wirklich Ruhe kehrte aber dennoch nicht ein, da die kurzen Kopfsteinpflaster-Passagen mehrmals für ein zerrissenes Feld sorgten. Kurzzeitig forcierte sogar das gesamte vierköpfige Tschechische Team das Tempo, um für Zdenek Stybar eine erste Selektion herbeizuführen. Doch der Plan wollte ihnen nicht gelingen, auch wenn Vincenzo Nibali (Italien) und Alejandro Valverde (Spanien) für einen Moment im hinteren Teil des Feldes zu sehen waren. Als es dann zum ersten mal den Anstieg Vista Chinesa hinaufging, dünnte sich die Gruppe um die Favoriten mehr und mehr aus. Die Spanier kontrollierten das Tempo, während Wout Poels (Niederlande) überraschend schon nicht mehr folgen konnte. Nägel mit Köpfen machte dann auch Kwiatkowski vorne in der Spitzengruppe zum Leidwesen von Simon Geschke. Der Pole gewann schon einmal die Weltmeisterschaft als Solo-Angreifer und stand heute am Start, um seine verkorkste Saison doch noch zu retten. So distanzierte er seine Mitstreiter, wurde dann jedoch wenig später von einer Verfolgergruppe gestellt. Geraint Thomas (Großbritannien), Andrey Zeits (Kasachstan), Greg van Avermaet (Begien), Sergio Henao (Kolumbien) und Damiano Caruso (Italien) schlossen auf, hatten aber allesamt nur rund 30 Sekunden Vorsprung auf das Hauptfeld. Dort ereignete sich durch die Rennsituation eine interessante Konstellation: Da die Briten, die Kolumbianer und die Italiener jeweils einen Fahrer vorne in der Gruppe hatten, waren die Spanier nun zur alleinigen Tempoarbeit verdammt.

Italienischer Großangriff die Vista Chinesa hinab

Auf der zweiten Abfahrt hinab von der Vista Chinesa traten jedoch die Italiener zum Großangriff an, obwohl sie vorne mit Caruso jemanden hatten. Das italienische Duo Fabio Aru und Vincenzo Nibali schloss zusammen mit Rafal Majka (Polen), Adam Yates (Großbritannien) und Jakob Fuglsang (Dänemark) zur Spitze auf. Als es die Vista Chinesa zum letzten Mal hinauf ging, zerbröckelten alle Gruppen. Nibali attackierte mehrmals und distanzierte Einen nach dem Anderen. Kwiatkowski konnte endgültig nicht mehr folgen, genauso wie Yates und Caruso. Aus dem Hauptfeld heraus attackierten Joaquim Rodriguez (Spanien) und Louis Meintjes (Südafrika), die den Anschluss tatsächlich noch einmal herstellen konnten. Auch Chris Froome (Großbritannien) attackierte. Seinem Angriff konnte weder Romain Bardet (Frankreich), noch Bauke Mollema (Niederlande) folgen. Lediglich Julian Alaphilippe (Frankreich) kämpfte sich zunächst wieder an sein Hinterrad und ließ ihn wenig später sogar fernab der Fernsehkameras irgendwo stehen. Der Franzose gesellte sich ebenfalls zur Spitzengruppe hinzu, doch Froome schien einzubrechen und das Unterfangen schließlich aufzugeben.

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Greg Van Avermaet jubelt über den Olympiasieg. Im Hintergrund weiß Jakob Fuglsang noch nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern soll.

Nibali, der tragische Held – Van Avermaet profitiert

Währendessen attackierte Nibali erneut und er konnte sich diesmal tatsächlich mit Majka und Henao absetzen. Doch in der gefährlichen Abfahrt hinunter kamen der Italiener und der Kolumbianer zu Fall und alle Medaillenhoffnungen lösten sich in Luft auf. Auch Thomas lag am Boden. Dadurch war Majka plötzlich als Solist vorne. Hinter ihm formierte sich eine mehrköpfige Verfolgergruppe, in der Aru als einziger Italiener verblieben war. Das Taktieren begann und Greg Van Avermaet und Jakob Fuglsang wurde es zu bunt. Die beiden machten sich auf die Verfolgung von Majka, holten ihn ein und so konnten die drei Spitzenreiter die Medaillenränge unter sich ausmachen. Wie erwartet setzte sich der Belgier Greg Van Avermat durch. Fuglsang holte sich Silber und Majka Bronze. Damit konnte Van Avermaet sein sowieso schon gelbes Jahr noch weiter vergolden. Emanuel Buchmann kam auf einem respektablen 14. Rang ins Ziel – zeitgleich mit Toursieger Chris Froome.

Das Straßenrennen der Olympischen Spiele 2016 in Rio

PlatzFahrerLandZeit
1.Greg Van AvermaetBelgien6:10:05
2.Jakob FuglsangDänemark+0:00
3.Rafal MajkaPolen+0:05
4.Julian AlaphilippeFrankreich+0:22
5.Joaquim RodriguezSpanien+0:22
6.Fabio AruItalien+0:22
7.Louis MeintjesSüdafrika+0:22
8.Andrey ZeitsKasachstan+0:25
9.Tanel KangertEstland+1:47
10.Rui CostaPortugal+2:29

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