Test: Shimano STEPS E-8000 – der neue E-MTB Antrieb von Shimano im ersten Test
Foto von Michael Faiß

Test: Shimano STEPS E-8000 – der neue E-MTB Antrieb von Shimano im ersten Test

Test: Wir hatten kürzlich die tolle Gelegenheit, den brandneuen Shimano Steps E-8000 E-MTB Antrieb in heimischen Gefilden probezufahren. Erste Modelle mit dem Nachfolger des 2014 erschienenen E-6000 dürften wohl Anfang 2017 zu erwarten sein. E-MTB Fans dürfen sich schon einmal darauf freuen; wie unser Test zeigte, überzeugt der Antrieb nicht nur durch kleine Abmessungen und geringes Gewicht, sondern vor allem durch seine hervorragende Charakteristik.

Gerade einmal zwei Jahre alt ist der Shimano Steps E-6000, der erste E-Bike Antrieb des japanischen Fahrradriesen. In diesen 24 Monaten sammelte man Erfahrung, Feedback von Kunden und Industrie und arbeitete unermüdlich bereits an der nächsten Steps-Generation, die wohl Anfang kommenden Jahres erstmals an Kompletträdern zu finden sein wird. Der neue E-8000 Antrieb ist zwar der Nachfolger des E-6000, dabei jedoch eine komplette Neuentwicklung.

Gleich beim ersten Blick auf das Testrad an dem noch ein Vorserienantrieb verbaut ist, fallen die geschrumpften Abmessungen des Mittelmotors ins Auge: Schön kompakt sieht er aus, vor allem in der Breite fällt das kleine Kraftpaket im Vergleich zum Vorgänger deutlich kleiner aus. Zudem wanderte die Kurbelachse in den hinteren Bereich des Motors – das sieht auf den ersten Blick etwas gewöhnungsbedürftig aus, hat aber einen riesigen Vorteil: So schrumpft die effektive Kettenstrebenlänge, was der Agilität der Räder spürbar zu Gute kommt. Doch kommen wir nochmals zurück auf die Abmessungen: Der Motor ist nämlich nicht nur wesentlich kleiner als zuvor, sondern ebenso deutlich leichter: Der Prototyp an unserem Rad bringt gerade einmal 2,8kg auf die Waage – das ist ein sensationell geringes Gewicht. Auch wenn die finale Version eventuell ein paar Gramm mehr wiegen wird, sollte der neue Shimano Antrieb auch als Serienmodell noch unter der magischen 3kg-Marke liegen.

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Während also Gewicht und Abmessungen schrumpfen, legt der E-8000 andernorts zu, nämlich bei der Akkuleistung. Während die Steps Antriebe bisher ausschließlich mit 413Wh fassenden Energiespendern erhältlich waren, gibt es nun auch eine ausdauernde 500Wh Version. Wer seinen bestehenden Antrieb aufrüsten möchte, kann dies mit dem neuen Akku tun – die Anschlüsse sind kompatibel. Etwas Feintuning hat man bei der Ladecharakteristik der neuen Energiezellen betrieben: So sind die neuen Akkus nach ca. 2 Stunden bereits zu 75% geladen, nach 4 Stunden hat man volle Ladung.

Das Motto ‚Weniger ist mehr‘ stand Pate bei der Konzeption des Displays und der Bedieneinheit für den E-8000. Während der Vorgänger noch mit einer klassischen Display-Bedieneinheit-Kombination gesteuert wurde, setzt man beim neuen Antrieb auf Minimalismus: Ein kleines, unscheinbares Farbdisplay informiert über Unterstützungsstufe, gefahrenen Gang (bei Di2-Antrieben), Akkuladestand und einiges mehr. Die Zahlen und Symbole sind angenehm groß und die Unterstützungsstufe wird zusätzlich durch unterschiedliche Farben dargestellt: So reicht bereits ein flüchtiger Blick während der Fahrt, um die entsprechende Information zu erhalten.

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Bei der Bedienung greift man seitens Shimano auf die Erfahrung und das Know-How zurück, die man in den vergangenen Jahren im Bereich der elektronischen Di2-Antriebe sammeln konnte. So kommt keine spezielle Fernbedienung zum Einsatz wie bei den Antrieben der Konkurrenz, sondern ein Firebolt-Trigger mit dem bei XT(R) Di2 auch Schaltwerk und Umwerfer bedient werden. Anstelle eines Schalthebels für den Umwerfer bedient man an selber Stelle nun eben den Motor. Das ist nicht nur intuitiv und ergonomisch, sondern schaut obendrein noch super aus. Zudem sind sowohl Bedieneinheit wie Display während eines Sturzes sehr gut geschützt.

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Offen zeigt man sich bei Shimano gegenüber der Hersteller, die auf den neuen Antrieb setzen möchten: Beim Gehäuse verzichtet man bis auf wenige Details auf restriktive Vorgaben und selbst beim Akku lässt man den Herstellern die Wahl, ob man auf einen Akku am Unterrohr setzt wie bei unserem Prototypen oder aber die Energiezellen für eine cleanere Optik in den Rahmen integrieren möchte.

Fahrbericht Shimano Steps E-8000

Nun geht es ans Eingemachte. Bevor wir einige Worte zu den Fahreigenschaften des neuen Shimano E-MTB Antriebs verlieren, noch einige Details zu den inneren Werten: 80Nm bringt der E-8000 Maximal auf den Trail – das sind 20Nm mehr als noch beim Vorgänger. Da man nicht immer die volle Leistung braucht, lässt sich die Unterstützung in drei Stufen regeln: Eco, Trail und Boost. Bereits im Eco-Modus gibt es mehr als genug Leistung für Tourenfahrten und auch auf dem Trail kommen wir mit der Einstellung in den meisten Situationen bestens zurecht. Auffällig ist die stanfte Charakteristik: Sowohl beim Einsetzen der Leistung als auch beim Abriegeln über 25km/h fühlt sich der Antrieb nicht unnatürlich an.

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Sehr angetan waren wir vom Unterstützungsmodus Trail: Im Gegensatz zu den anderen beiden Modi Boost und Eco liefert der Antrieb die Leistung dynamisch, abhängig vom Druck, den Fahrer oder Fahrerin auf das Pedal gibt. Das klingt im ersten Moment kompliziert, doch in der Praxis ist es nach kurzer Eingewöhnungszeit herrlich intuitiv: Tritt man nur ganz sanft in die Pedale, dann gibt der Motor nur wenig Leistung ab und unterstützt den Fahrer sanft und fast unbemerkt. Schaltet man dagegen ein paar Gänge nach oben und gibt richtig Gas, entfaltet der Antrieb seine ganze Power. Diese Funktionsweise besitzt in der Praxis zwei ganz entscheidende Vorzüge: Einerseits agiert der Antrieb sehr natürlich und andererseits bleibt das Bike so auch auf technischen Passagen sehr viel besser kontrollierbar. Beispiel technischer Uphill: Hier führt die moderne Geometrie vieler MTBs gerne dazu, dass das Vorderrad etwas kippelig wird – schiebt der Antrieb zu sehr, wirkt sich das negativ aus und macht das Rad noch schwerer kontrollierbar als ohnehin schon. Im Trail-Modus kann man vorsichtig Druck auf das Pedal geben und der Motor schiebt nur sehr sanft, ohne die natürliche Charakteristik des Rads negativ zu beeinflussen.

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Der Boost-Modus verwandelt den Shimano Steps E-8000 schließlich in ein unglaubliches Kraftpaket. Die unbändige Power setzt zwar auch recht sanft ein, steigert sich dann aber rasch und bestimmt: Ideal für richtig fiese Steilstücke oder wenn man es einfach mal krachen lassen möchte. Für normale Trail-Abenteuer liefert der Motor so fast schon zu viel Leistung für unseren Geschmack. Die Bedienung ist intuitiv und geht uns sehr leicht von der Hand: Der Firebolt-Trigger ist sehr gut während der Fahrt erreichbar und über die beiden Hebel lässt sich die Unterstützungsstufe schnell und intuitiv anpassen.

Das Display ist auch bei Sonneneinstrahlung gut lesbar und mit der farblichen Codierung der Unterstützungsstufen zeigt man sich bei Shimano detailverliebt und beweist, dass man sich viele Gedanken gemacht hat. Gerade wenn es ruppiger zugeht lässt sich die aktivierte Unterstützungsstufe dank der verschiedenen Farben problemlos erkennen. Kombiniert man den neuen Antrieb mit einer Di2 Schaltung, zeigt das Display natürlich auch den gefahrenen Gang an.

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Fazit Shimano Steps E-8000

Alles in allem leistet sich der neue E-MTB Antrieb aus dem Hause Shimano während des Tests eigentlich keine Schwäche. Er ist klein, leicht, kraftvoll und überzeugt vor allem im Trail-Modus mit einer natürlichen Charakteristik. Die Bedienung per Schalthebel in Kombination mit dem minimalistischen Display richtet sich eher an diejenigen, die ein normales MTB ohne E-Antrieb gewohnt sind und weniger an versierte E-MTBler, die sich dank des intuitiven Konzepts jedoch ebenfalls schnell daran gewöhnen dürften.

Ab Oktober diesen Jahres werden die ersten Antriebe an die Hersteller ausgeliefert und damit sollten die ersten Kompletträder mit Shimano Steps E-8000 Anfang 2017 in den Handel kommen.

Web

www.shimano-steps.com
www.paul-lange.de

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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