Test: VOTEC VRd – Gutmütiger Discrenner zum attraktiven Preis
Foto von Leo Binder

Test: VOTEC VRd – Gutmütiger Discrenner zum attraktiven Preis

Test: Disc-Renner stehen hoch im Kurs – mit dem VOTEC VRd haben wir einen preisgünstigen Vertreter dieser Klasse unter die Lupe genommen. Mit Komfort-orientiertem Rahmen aus Aluminium und einer durchweg soliden Ausstattung erweist sich das 1.499€ teure Endurance-Rad im Test vor allem für (Wieder-)Einsteiger als heißer Tipp.

VOTEC VRd – Rahmen und Geometrie

Mit seinem Rahmen aus Aluminium zählt das VOTEC VRd mittlerweile fast schon zu den Exoten unter den Rennrädern. Selbst im Einstiegsbereich bieten viele Hersteller inzwischen ausschließlich Carbonrahmen – zählt Alu deshalb nun endgültig zum so oft zitierten alten Eisen? Für die einen mag das eine Grundsatzdiskussion sein, doch gerade Räder wie der Discrenner von VOTEC zeigen, dass man auch mit Aluminium noch moderne Räder bauen kann – zu einem attraktiven Preis.

Votec VRd

Auch wenn wir das Thema Scheibenbremsen noch einen Moment außen vor lassen, unterstreicht der schwarze Rahmen des VRd seinen modernen Charakter. Besonders erwähnenswert sind hier die Steckachsen, die hinten wie vorn zum Einsatz kommen. Auch 2016 verzichten viele Hersteller noch auf den neuen Achsstandard – selbst in Verbindung mit Scheibenbremsen. Die Schraubachsen erhöhen nicht nur die Stabilität des Gesamtsystems, sondern bieten im Zusammenspiel mit den Scheibenbremsen auch den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass die Räder und damit auch die Bremsscheiben immer exakt an der gleichen Stelle sitzen. Ist der Bremssattel also einmal schleiffrei ausgerichtet, bleibt er das auch – egal wie regelmäßig die Räder ausgebaut werden.

Beim Design gibt man sich eher zurückhaltend: Die Farbe Schwarz dominiert, abwechselnde Matt- und Glanzoptik sorgt aber dennoch für etwas Abwechslung. Auf großflächige Decals und Logos verzichtet man, stattdessen ist Understatement angesagt – lediglich am Steuerrohr nimmt das VOTEC Logo ein wenig mehr Platz ein. Erwähnenswert neben dem Rahmen ist auch die Vollcarbongabel, die speziell für das VRd entwickelt wurde. Wie erwähnt kommt auch hier eine Steckachse zum Einsatz und dank des Flatmount Standards sind Montage und Ausrichtung des Bremssattels überhaupt kein Problem.

Der eine oder andere mag sich vielleicht an den außen verlegten Leitungen und Hüllen stoßen. Auch wenn diese recht unauffällig auf der Unterseite des Unterrohrs verlaufen, stören sie die ansonsten sehr cleane Optik des Rads doch ein wenig. Dafür fällt die Wartung durch den einfacheren Zugang etwas leichter.

Laut Hersteller ist das VOTEC VRd ein Rad für lange Tage im Sattel und eher auf Komfort als auf Race ausgelegt: Das klingt schon mal verdächtig nach Endurance und ein Blick auf die Geometriedaten bestätigt den Eindruck auch.

Geometrietabelle VOTEC VRD 2016

485154565862
Sitzrohr (in mm)460480500520540570
Oberrohr horizontal (in mm)518538554570585605
Steuerrohr (in mm)125135160190218230
Kettenstrebe (in mm)410410410410415415
Radstand (in mm)976992999101010251034
Lenkwinkel (in °)727272,572,572,573
Sitzwinkel (in °)7574,57473,57372,5
Reach (in mm)374386390392393404
Stack (in mm)540548572601626640

Die Sitzposition auf dem VRd ist dank des langen Steuerrohrs und des kurzen Oberrohrs eher komfortabel als racig und der mit 72,5° (an unserem Testrad in Größe 56) ziemlich flache Lenkwinkel sorgt für einen gutmütigen Charakter und einen stabilen Geradeauslauf.

VOTEC VRd – Ausstattung

Rahmen
VOTEC VR AL6061 ThruAxle
Gabel
VOTEC VRC Full Carbon
Laufräder
DT Swiss R24 Spline TLR
Reifen
Continental Grand Prix 4000s II 25mm
Schaltwerk
Shimano 105 RD-5800
Schalthebel
Shimano 105 ST-5800
Kurbel
FSA Gossamer Pro Compact 50/34t
Umwerfer
Shimano 105 FD-5800
Bremse
TRP HyRD / Shimano Icetech 160mm
Sattelstütze
Easton EA50
Sattel
Ergon SRX30
Vorbau
Easton EA50
Lenker
Zipp Service Course 80

Um es direkt vornweg zu nehmen: Die Ausstattung des VRd ist für den von VOTEC veranschlagten Preis von 1.499€ sehr gut und durchdacht. Beim Antrieb vertraut man auf bewährte Qualität von Shimano und verbaut eine 105er Antriebsgruppe. Lediglich bei der Kurbel ist man den Japanern untreu und setzt stattdessen auf die FSA Gossammer Pro Compact, die sich weder beim Gewicht, noch bei der Schaltperformance vor dem Shimano-Pendant zu verstecken braucht. Die 50/34 Abstufung an der Front bietet im Zusammenspiel mit der 11-32 Kassette eine sehr große Bandbreite und der kleinste Gang von 34/32 dürfte auch weniger trainierten Fahrern den Schrecken vor dem Anstieg nehmen.

Das namensgebende Highlight des VRd sind die Bremsen aus dem Hause Tektro, bzw. TRP. TRP steht für Tektro Racing Products und bezeichnet diejenigen Produkte des Bremsenspezialisten, die für den Einsatz unter Wettkampfbedingungen optimiert sind. Mit der HyRD+ hat man sich zudem eine der seit ihrer Einführung vor einigen Jahren spannendsten Scheibenbremsen ausgesucht: Spannend deshalb, weil es sich um eine Hybridbremse aus Hydraulik und Mechanik handelt – die Anlenkung erfolgt per klassischem Zug und ein Wandler im Bremssattel ‚übersetzt‘ den gemachten Seilweg für die Bremskolben, die per Mineralöl bewegt werden. Vorteile hat das System einige: Einerseits kann man damit klassische Bremshebel für Rennradbremsen verwenden und kommt dennoch in den Genuss der Bremspower von hydraulischen Bremsen. Außerdem minimiert man den Wartungsaufwand, da durch das wesentlich kleinere Flüssigkeitsvolumen Entlüften quasi überfällig wird. Ein kleiner Nachteil ist die etwas klobige Optik der Bremssattel, in denen neben den Bremskolben eben auch der Wandler Platz finden muss.

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Positiv überrascht waren wir angesichts des R24 Spline Laufradsatzes von DT Swiss – überrascht deshalb, weil der knapp 1.800g schwere Satz an Kompletträdern in dieser Preisklasse eigentlich nicht zu erwarten ist. Die 18mm breiten Felgen bieten genügend Reserven auch für 28mm Reifen und sind zudem Tubeless-Ready: Gerade im Endurance-Bereich werden Tubeless Systeme in den kommenden Jahren wegen ihrer überragenden Pannensicherheit sicherlich immer beliebter werden. Apropos Reifen: Hier macht man bei VOTEC keine Kompromisse und setzt mit dem GP 4000 SII von Continental auf einen Dauerbrenner und einen der wohl beliebtesten Straßenreifen überhaupt. Das Rad kommt mit Pneus in 25mm Breite – angesichts des Fokus auf Komfort würde dem VRd auch die 28mm Variante gut zu Gesicht stehen: Dank genügend Reifenfreiheit steht einer nachträglichen Nachrüstung zumindest nichts im Wege.

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Auch bei den Anbauteilen macht das VOTEC für ein Rad im unteren bzw. mittleren Preissegment eine äußerst gute Figur: Sattelstütze und Vorbau kommen von Easton, beim Lenker setzt man auf den bewährten ZIPP Service Course 80, dessen Allround-Ergonomie fast jeden Fahrer zufriedenstellen dürfte.

VOTEC VRd – Fahreindrücke

Die Sitzposition auf dem VOTEC VRd ist wie bereits nach der Lektüre der Geometriedaten zu erwarten gewesen war eher komfortabel als sportlich: Unser Tester nimmt mit Körpergröße 1,85cm (SL 88cm) auf dem Testrad mit Größe 56cm Platz. Die Körperhaltung ist mit Oberlenkergriff ziemlich aufrecht und entlastet so vor allem den unteren Rücken – gerade während längerer Fahrten oder für weniger trainierte Fahrer ist das eine Genugtuung. Der Antritt ist trotz des stattlichen Gewichts von über 9,5kg inklusive Pedalen (ohne Pedale bringt unser Testrad 9.322g auf die Waage) spritzig und macht schon auf den ersten Metern mächtig Laune.

Votec VRd

Das Handling des Alurenners ist mit dem Wort gutmütig wohl am besten beschrieben: VOTEC hat ein angenehmes Gleichgewicht zwischen Agilität und Laufruhe gefunden – mit einer spürbaren Tendenz zur Laufruhe. Das Rad verhielt sich zu keinem einzigen Zeitpunkt des Tests nervös und blieb immer berechenbar. Einen entscheidenden Anteil daran haben auch die hervorragenden Bremsen. Die semihydraulischen Disc-Stopper bieten Bremspower en masse, begeisterten uns aber vor allem durch ihre feine Dosierbarkeit, die auch erfahrenen Piloten zusätzliche Sicherheit verleiht. Ein weiteres Plus der Scheiben sind ihre unveränderte Charakteristik ungeachtet äußerer Bedingungen: Ob strahlender Sonnenschein oder strömender Regen, die HyRD Bremsen bleiben davon unbeeindruckt – auch wenn sie bei Nässe ein wenig zum Quietschen neigen.

Das VRd ist ein williger Kletterer, auch wenn man angesichts der eher entspannten Geometrie und des Gewichts ein klein wenig gemütlicher zu Werke geht als auf einem ausgesprochenen Bergrad. Dank der großzügigen Bandbreite ist das jedoch überhaupt kein Problem. Die übrigen Komponenten waren während unseres Testzeitraums unauffällig – im positiven Sinne. Die 105er Gruppe verrichtet wie gewohnt zuverlässig ihren Dienst und auch die FSA Kurbel war jederzeit auf der Höhe. Wir konnten bei der Schaltperformance jedenfalls keinerlei Unterschied zum Shimano-Pendant bemerken. Die Kombination aus Reifen und Laufrädern ist für diese Preisklasse hervorragend und es ist wirklich lobend zu erwähnen, dass VOTEC hier im Gegensatz zu dem einen oder anderen Rad der Konkurrenz den Rotstift nicht an der falschen Stelle angesetzt hat.

So komfortabel das generelle Fahrerlebnis auf dem VOTEC VRd jedoch sein mag, bei schlechten Straßen oder kurzen Schotter- bzw. Pflasterepisoden zeigt es sich von seiner schroffen Seite. Dort wird die eher geringe Eigendämpfung des Alurahmens im Vergleich zu modernen Carbonrahmen doch spürbar. Mit 28mm Reifen und damit verbunden etwas mehr Volumen lässt sich dieser kleine Makel jedoch deutlich verbessern.

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Fazit: VOTEC VRd

Pro

Steckachsen
Durchdachte Ausstattung
Sehr gute Bremsen
Attraktiver Preis

Contra

Kein Komfortwunder
etwas hohes Gewicht

Fakten

Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Disc Semihydraulisch
Gewicht
9,3kg (56cm)
Preis
1.499€
Web
EnduranceRace
 
Das VOTEC VRd ist eine runde Sache: Der gut verarbeitete Aluminiumrahmen passt hervorragend zur soliden Ausstattung und die semihydraulischen Scheibenbremsen machen einen tollen Job. Die eher komfortable Geometrie kommt vor allem Langstreckenfahrern entgegen. Bei schlechten Straßenverhältnissen hätten wir uns jedoch ein wenig mehr Dämpfung von Rahmen und Gabel gewünscht. Das Gesamtpaket aus gutmütigem Fahrverhalten, durchdachter Ausstattung und attraktivem Preis macht das VOTEC VRd vor allem für (Wieder-)Einsteiger zu einem echten Kauftipp.

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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