Test: Cube Cross Race Pro – Moderner Alucrosser zum attraktiven Preis
Foto von Alexander Rothe

Test: Cube Cross Race Pro – Moderner Alucrosser zum attraktiven Preis

Test: Mit dem Cube Cross Race Pro 2017 hatten wir rechtzeitig zum Beginn der Cross-Saison einen preisgünstigen Alu-Crosser im Test, der zum Preis von unter 1.500€ (fast) alles bietet, was das Crosser-Herz begehrt. 

Das Cube Cross Race ist ein alter Bekannter: Schon in den Vorjahren fand sich der Alu-Crosser im Portfolio des deutschen Herstellers und wusste gerade durch sein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis zu überzeugen. Um es vorweg zu nehmen – an letzterem ändert sich auch im Modelljahr 2017 nichts, doch davon abgesehen hat man im Hause Cube beim Cross Race keinen Stein auf dem anderen gelassen und präsentiert ein komplett neues Rad.

Cube Cross Race Pro: Rahmen und Gabel

Beim Herzstück des Crossers, dem Rahmen und der Gabel, hat sich im Vergleich zum Vorgängermodell einiges geändert. Gleich auf den ersten Blick fallen die Leitungen bzw. Außenhüllen ins Auge – oder besser gesagt, nicht ins Auge; beim neuen Cross Race setzt Cube nämlich konsequent auf eine interne Verlegung. Die Leitung der Vorderradbremse verläuft im Inneren der ebenfalls neuen Carbongabel, die Außenhüllen der Schaltung und der Hinterradbremse verschwinden im Unterrohr. Das trägt im Falle eines Crossers nicht nur zu einer schöneren Optik bei, sondern erhöht auch den Tragekomfort, der – um es vorweg zu nehmen – eine der großen Stärken des neuen Cube-Crossers ist.

Cube Cross Race Pro

Doch natürlich ist nicht nur die Zugverlegung neu, auch technisch hat sich vieles getan. So kommen nun vorn und hinten Steckachsen zum Einsatz. Das verbessert nicht nur die Steifigkeit des Gesamtsystems spürbar, sondern erleichtert auch die schleiffreie Montage der Laufräder erheblich. Gefertigt wird der im Falle der Pro-Version hellgrau-orangefarbene Rahmen aus der von anderen Rädern bekannten Superlite 6061 Legierung. Viel Arbeit haben die Konstrukteure in die Formgebung des gerade im Cross-Bereich so wichtigen Oberrohrs gesteckt. Dank abgeflachter Unterseite und dem Verzicht auf scharfe Kanten soll dieses deutlich ergonomischer sein, als noch am Vorgängermodell: Das schont die Schultern während der Tragepassagen.

Cube Cross Pro Geometrie

50cm54cm56cm58cm61cm
Sitzrohr (in mm)500540560580610
Oberrohr horizontal (in mm)518536554570588
Steuerrohr (in mm)115140160180205
Kettenstrebe (in mm)430430430430430
Radstand (in mm)10131009102110271040
Lenkwinkel (in °)70.570.87272.573
Sitzwinkel (in °)757473.57373
Reach (in mm)376377383387397
Stack (in mm)530555578599625

Auch bei der Geometrie hat man an einigen Stellschrauben gedreht, doch der ursprüngliche Charakter des Cube Cross Race als komfortabler Crosser mit Race-Genen bleibt auch 2017 erhalten. Geändert haben sich insbesondere Tretlagerhöhe und Stack: Ersteres liegt beim neuen Modell ganze 8mm tiefer als zuvor: So dürfte das Rad satter auf der Strecke liegen, jedoch ist etwas mehr Vorsicht bezüglich Pedalaufsetzern geboten. Während man hier also das Pendel etwas mehr in Richtung Race schwingen lässt, sorgt der je nach Rahmengröße um bis zu 30mm gewachsene Stack für eine etwas aufrechtere und komfortablere Sitzposition. Insgesamt liegen die Rahmenmaße ziemlich nahe am ‚Sweet-Spot‘ für diejenigen, die einen racetauglichen Crosser suchen, der jedoch auch während längerer Ausfahrten nicht unbequem wird. Apropos Komfort: Die stark abgeflachten Sitzstreben sollen durch ihre flexenden Eigenschaften die materialbedingte Unnachgiebigkeit des Alu-Crossers spürbar zähmen.

Cube Cross Race Pro

Etwas schade finden wir, dass das Cross Race auch 2017 wieder nur in fünf Rahmengrößen erhältlich sein wird: Gerade im Bereich zwischen 56 und 61cm sind die Sprünge doch recht groß und der eine oder andere Fahrer dürfte hier zwischen den vorgegebenen Maßen liegen. Zwar sind natürlich Anpassungen über Vorbau bzw. Lenker möglich, aber eine zusätzliche Rahmengröße wäre die perfekte Lösung gewesen.

Neben dem Rahmen hat man auch der Gabel eine Frischzellenkur verpasst: Steckachse, Flatmount-Aufnahme für die Scheibenbremse und abgeflachte Blätter unterstreichen den modernen Charakter des Bikes. Der Schaft aus Aluminium treibt das Gewicht zwar um ein paar Gramm in die Höhe, ist jedoch angesichts des günstigen Komplettpreises durchaus zu verschmerzen.

Cube Cross Race Pro: Ausstattung

Rahmen
Aluminium Superlite X12
Gabel
Cube Cross Race Disc Carbob
Laufräder
Fulcrum Racing 77 CX Disc
Reifen
Schwalbe Rocket Ron 33
Schaltwerk
Shimano 105
Schalthebel
Shimano 105
Kurbel
Shimano FC-RS500
Umwerfer
Shimano 105
Bremse
Shimano BR-RS505
Sattelstütze
Cube Performance Post 27.2
Sattel
Cube RP 1.0
Vorbau
Cube Performance Stem Pro
Lenker
Cube Compact Race Bar

Kommen wir nun zur Ausstattung des Cube Cross Race Pro: Dass man hier angesichts einer UVP von 1.399€ keine Edel-Gruppe und Carbonlaufräder erwarten kann, sollte klar sein; doch Cube beweist bei den Specs ein feines Händchen und setzt auf durchweg solide, pragmatische Komponenten. Der Inbegriff dessen ist wohl die 105er Gruppe von Shimano, die auch an dem deutschen Alucrosser zum Einsatz kommt. Sicherlich gibt es leichtere, optisch schönere und edlere Lösungen, doch seit jeher besticht die 105er durch ihr hervorragendes Preis-/Leistungsverhältnis, das sich auch im Jahr 2017 nicht ändern wird. In puncto Funktionalität und Komfort muss sie sich nämlich nicht vor deutlich teureren (mechanischen) Pendants verstecken.

Wie wohl so ziemlich alle Crosser im Modelljahr 2017 kommt auch das Cube Cross Race Pro mit Scheibenbremsen. Wie auch beim Antrieb setzt man mit der RS505 auf japanische Technik aus dem Hause Shimano. Die im letzten Jahr vorgestellte hydraulische Scheibenbremse wird mit dem modernen Flatmount-Standard platzsparend montiert und sorgt im Zusammenspiel mit 160mm großen Scheiben vorn und hinten für die nötigte Bremskraft.

Italienische Expertise kommt bei den Laufrädern zum Tragen: Die Fulcrum Racing 77 CX sind ausgewiesene Cyclocross-Laufräder mit einer inneren Felgenbreite von 17mm und einigen Stabilitätsreserven für den harten Crosser-Alltag. Mit etwas mehr als 1.900g zählen sie leider zu den etwas schwereren Vertretern ihrer Art, können jedoch mit doppelt gedichteten Lagern und hoher Steifigkeit punkten.

Dass man mit den Schwalbe Rocket Ron in der EVO-Variante auch in dieser Preisklasse sehr gute Reifen verbaut, rechnen wir Cube hoch an: Viele andere Hersteller sparen auch bei erheblich kostspieligeren Modellen an dieser Stelle und beschneiden das Rad damit erheblich. Etwas schade ist jedoch die fehlende Tubeless-Kompatibilität von Reifen und Laufrädern.

Sämtliche Anbauteile kommen von Cube selbst und sind farblich perfekt auf das Gesamtdesign abgestimmt. Die Ergonomie des verbauten Lenkers ist gelungen, doch hier entscheiden letzten Endes vor allem individuelle Vorlieben und Anforderungen.

Cube Cross Race Pro: Auf der Strecke

Beim ersten Antritt mit dem Cross Race Pro sind die etwas mehr als 10kg Gesamtgewicht ohne Pedale zwar spürbar, machen sich aber nicht gar so negativ bemerkbar wie wir befürchtet hatten. Dass sich der Cube Crosser trotz des eher hohen Gewichts so spritzig gibt hat seinen Grund zweifellos auch an der insgesamt sehr steifen Charakteristik: Ob Steuerbereich, Tretlager oder Hinterbau – wir hatten zu keiner Zeit auch nur ansatzweise ein schwammiges Gefühl und unsere Energie landete ohne Umschweife immer direkt auf dem Trail. Top!

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Wieder einmal waren wir von Shimanos 105er Gruppe äußerst angetan: Geschmeidige Schaltvorgänge auch mit ordentlich Dreck auf Kette und Kassette, gelungene Hebelergonomie und eine insgesamt einfach zuverlässige, solide und unauffällige Performance wussten zu überzeugen. Ähnlich verhält es sich mit den Bremsen: Gut zu dosieren und mit ordentlich Power-Reserven unabhängig der äußeren Einflüsse waren eine Freude. Lediglich im Sand und bei extrem schlammigen Ausfahrten trugen die Scheibenbremsen mit häufigem Schleifen unangenehm zur allgemeinen Geräuschkulisse bei.

Richtig gut gefallen haben uns die Reifen: Die Rocket Rons bestätigten ihren hervorragenden Ruf als potente Allrounder und finden einen guten Mittelweg zwischen geringem Rollwiderstand auf festem Untergrund und genügend Grip wenn es tief und nass wird.

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Der Komfort ist für ein Rad mit Aluminiumrahmen gut: Die Carbongabel und die speziellen Sitzstreben scheinen im Zusammenspiel mit der 27.2mm Stütze Vibrationen und kleinere Schläge ganz ordentlich zu dämpfen, auch wenn hier Carbonrahmen konstruktions- und materialbedingt die Nase vorn haben. Unser Tipp: Mit einer Carbonstütze dürfte sich der Komfort für eine überschaubare Mehrinvestition erheblich verbessern. Apropos Komfort: Das neu konstruierte Oberrohr überzeugt während Tragepassagen auf ganzer Linie und das Cross Race Pro lässt sich problemlos und bequem schultern.

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Fazit: Cube Cross Race Pro

Pro

+ Sehr steif
+ Steckachsen vorn und hinten
+ gute Trageeigenschaften

Contra

- Kein Leichtgewicht
- Reifen und Laufräder nicht tubeless-fähig

Fakten

Modelljahr
2017
Rahmenmaterial
Aluminium
Bremse
Scheibenbremse Hydraulisch
Gewicht
10,2kg
Preis
1.399€
Web
Zum Preis von 1.399€ schnürt Cube mit dem Cross Race Pro ein sehr attraktives Gesamtpaket, das nicht nur für (Wieder-)Einsteiger und Schnäppchenjäger interessant sein dürfte. Die Geometrie des Alurahmens ist sehr gelungen und bewegt sich im Bereich zwischen Race und Komfort. Die Ausstattung ist durchweg solide und es wurde nicht an den falschen Stellen gespart. Das insgesamt doch recht hohe Gesamtgewicht von über 10kg ohne Pedale und die fehlende Tubeless-Fähigkeit der Laufräder sind sicherlich verschmerzbar, aber dürften den Fahrspaß für den einen oder anderen doch ein wenig trüben. Dennoch: Gerade angesichts des tollen Preis-/Leistungsverhältnisses ist uns das Cube Cross Race Pro eine Empfehlung wert!

über den Autor

Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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