Test: Riese und Müller Charger Mountain – SUV oder Offroader?
Foto von Michael Faiß

Test: Riese und Müller Charger Mountain – SUV oder Offroader?

Wir haben uns das Riese und Müller Charger Mountain für einen Test besorgt. SUV oder Offroader? Über 100 Kilometer auf Wald, Schotter und Radwegen habe ich das Charger beweg,t um ihm auf den Zahn zu fühlen.

So beschreibt R+M Marketing Mann Tobias Spindler die Zielgruppe des Riese und Müller Charger Mountain: Preis-, Design- und Qualitätsbewusste Käufer, die ein hochwertiges E-MTB Hardtail suchen, das vielseitig einsetzbar ist. Kurz überlegen… ok, kann man klar als gelungen deklarieren. Vor allem von seiner Vielseitigkeit bin ich überzeugt. Auf den ersten Kilometern hatte ich den Eindruck man wäre sich bei der Bestückung des Rades nicht ganz schlüssig gewesen, mit jeder Stunde im Sattel verstand ich aber das Konzept hinter dem Bike als schlauen Kompromiss aller Anforderungen, die ein Fahrer an so ein Rad stellen könnte.

Riese und Müller Charger Mountain

Der Aluminium Rahmen ist durchdacht. Er dient als Plattform für einige Charger Modelle für verschiedene Einsatzbereiche. Es gibt vom 45 km/h Speedpedelec auch City und Trekking-taugliche-Varianten, das GX für lange Touren und eben das Charger Mountain, das im MTB Revier wildert. Vertrauen erweckt der Rahmen schon damit, dass ein maximales Systemgewicht von 140 Kilo für unser Testbike angegeben werden. Hochgezogene Kettenstreben erlauben auch den Aufbau mit Antriebs-Riemen und es fiel beim Abfahren im Gelände auf, dass die Kette nicht lautstark die Kettenstrebe malträtierte. Dazu trug auch das Shimano XT Schaltwerk bei, welches es ermöglicht die Spannung auf der Kette per Hebeldreh zu erhöhen.

Es wechselte zusammen mit dem SLX Schalthebel die Gänge recht geschmedig, wenn man nicht all zu hart dabei in die Pedale trat. Sonst erkennt man jeden Gangwechsel schon an der Geräuschkulisse, das ist aber nicht ungewöhnlich, und wir kennen es von praktisch allen Mittelmotor E-Bikes mit Kettenschaltung. Die KMC 11-fach Kette und die Shimano SLX 11-42 Kassette schalten unter geringer Last hervorragend und immer sicher und liefern eine sehr gute Bandbreite. Wer damit und mit dem Bosch CX Antrieb Berge scheut, der kommt auch mit keinem anderen Bike hoch.

Lässt man seinen Blick weiter auf dem Heck des Riese und Müller Charger Mountain, so fällt auch auf, dass man die Hinterbaulänge variieren kann. Im Mountain Aufbau macht aber nur die maximale Länge von ca. 490mm Sinn, weil die Reifenfreiheit mit den üppigen Schwalbe Pneus sonst sehr knapp ausfällt. Sowohl die Ausstattung mit Rohloff ermöglichen die Ausfallenden, als auch die Montage eines Seitenständers. Und das alles optisch wie auch funktionell sehr schön integriert. Man setzt auf Schnellspanner, nicht auf Steckachse. Der Hinterbau erlaubt übrigens auch die Anbringung von Gepäckträger bzw. Schutzblech.

Als weiteres tolles Detail ist die Zugführung in den Sitzstreben bzw. unter dem Oberrohr. Das Rad sieht damit sehr aufgeräumt aus, aber im Reparaturfall kommt man überall schnell ran, nicht so wie bei einer Verlegung im Unterrohr, die den Mechaniker oft Nerven und den Besitzer Geld kostet. Neben den diversen Rahmendetails verdient natürlich auch die Geometrie des Rades Beachtung. Beim ersten Aufsitzen fühlt man sich gleich wohl. Die Front ist relativ hoch und der Lenker breit. Das kommt trotz des nicht zu kurzen Oberrohrs durch ein mit 150mm recht langes Steuerrohr zu Stande.

Durch diese Höhe sitzt man nicht nur Komfortabel, man fühlt sich auch stets als Herr der Lage. Das Klettern funktioniert mit dem Charger Mountain auch souverän. Mit dem nicht ungewöhnlichen Sitzwinkel von 73 Grad und dem langen Hinterbau war das zu erwarten und bestätigt sich in der Praxis auch voll. Insgesamt ist das Rad in seinem Fahrverhalten recht gutmütig und berechenbar. Als Kurvenräuber macht es nur bedingt Karriere, hier braucht es etwas Nachdruck, die Kettenstrebe ist zu lang. Für den Einsatz auf wilden Trails würde ich wohl auch eher das Delite Mountain aus der Riese und Müller Familie empfehlen. Da bieten die Reifen mehr Traktion. Der hier verbaute Schwalbe Nobby Nic in 2,35 glänzt mit gutem Profil auf Schotter, Waldboden und rollt auch auf festem Untergrund gut.

Auf nassen Wurzeln und sehr anspruchsvollen Untergründen hätte ich mir eine andere Gummimischung gewünscht als die der verbauten Performance Reifen. Ob aber sehr viele Käufer sich mit ihrem Bike dann an diesen Bereich herantasten werden bleibt fraglich. Die robusten und wertigen Felgen geben mit einer Innenweite von 23mm schon mal gute Voraussetzungen um irgendwann aus dem Riese und Müller Charger Mountain ein echtes Trailbike zu machen. Denn viel bräuchte es nicht um aus dem Allrounder ein echtes Gelände-Sport-Gerät zu machen. Die Bremshebel der Deore Bremse in der Trekking Ausführung habe ich einfach weit nach innen geschoben um sie nur mit zwei Fingern außen zu greifen. (auf dem Bild sieht man die Ausgangsstelung)

Je nach Geschmack eben ein anderer Reifen, eventuell ein kürzerer Vorbau und eine Teleskopstütze. Letztere ließe sich bei externer Ansteuerung übrigens gut verlegen, denn man könnte die Leitung unter dem Oberrohr verstauen. Damit wäre das Rad schon ein echter Trailräuber. Für diejenigen, die eher gemäßigt unterwegs sind, würde ich ergonomische Griffe und eventuell eine Federsattelstütze empfehlen. Diese Anregungen zu Änderungen am Rad können als Kritik verstanden werden. Aber gemeint sind sie als Ideen zur Personalisierung eines eben sehr vielseitigen E-MTBs, welches ein bisschen die Brücke zwischen Trekking und Trail-Segment spannt.

Insgesamt gibt es an der Ausstattung nix zu meckern. Positiv hervorheben möchte ich noch die Suntour Aion Gabel, die sich toll auf jeden Fahrer und Einsatzbereich anpassen lässt. Sie arbeitete anfangs etwas zäh, das besserte sich aber im Fahrbetrieb und ist den Temperaturen um den Gefrierpunkt geschuldet. Aus Erfahrung können wir die Gabel nur empfehlen und klar sagen. Es ist wirklich schade, dass die Produkte von SR Suntour von vielen Herstellern und Käufern noch immer unterschätzt werden. Natürlich macht auch der Bosch CX Antrieb wieder wahre Freude, das ist aber ja keine Überraschung gewesen. Das einzige, was ich nicht sinnvoll fand, ist die Verwendung einer starren, 34,9mm starken Sattelstütze, die beim Fahren im echten Gelände ordentlich Rückmeldung über das Popometer gibt. Hier würde ich mir für entspannte Tourer zumindest eine dünnere, nachgiebigere Sattelstütze in 27,2 als Standard wünschen. Gerade bei einer Firma die so viel Liebe zum Detail beweist, dass sie sogar einen Acros BlockLock Steuersatz verbaut, der den Lenkeinschlag begrenzt und somit das Rad schützt.

Das mitgelieferte Zubehör zeigt ebenso die Kundenorintierte Firmenausrichtung. Recht wertige Touren Pedale, eine Federgabel-Pumpe und auch eine sehr gute eigene Anleitung zum Rad werden mitgeliefert. Sogar die Schlüssel kommen mit einem schicken Lederanhänger. Der Käufer kann verschiedene Optionen wählen: Möglich sind unter anderem Gepäckträger, das Bosch Nyon Display mit Navigation und vielen weiteren Features oder ein Abus Bordo Faltschloss, welches mit dem gleichen Schlüssel wie der Akku schließt. Wer richtig lange Touren fahren will bekommt sogar 2 Akkus ans Rad, also ganze 1000 Wattstunden. Was will man mehr?

Bei all den Optionen hier die Angaben zu dem Rad, welches wir im Test gefahren haben:
Rahmenhöhe: 49 cm
Rahmenfarbe: Weiß
Display: Intuvia
Akku: 500 Wh

Fazit: Riese und Müller Charger Mountain

Pro

+ Sehr Vielseitig
+ Großer Einsatzbereich
+ Insgesamt Hochwertige Ausstattung
+ Schön gemachter Rahmen
+ Viele Optionen

Contra

- Günstige Reifen
- Sehr starre Sattelstütze

Fakten

Modelljahr
2017
Rahmenmaterial
Aluminium
Laufradgröße
29 Zoll
Antriebstyp
Mittelmotor
Federweg
100
Gewicht

Preis
3499 Euro
Web
Fazit: Ich bin insgesamt mit dem Rad sehr zufrieden gewesen. Als Mountainbiker würde ich das Rad etwas mehr Richtung Trail verändern. Mein Dad, der eher Genussradler ist, fand das nicht. Er hätte es eher komfortabler gewollt. Richtig viel Spaß hatten wir damit aber beide. Das zeigt, dass mit dem Riese und Müller Charger Mountain vieles richtig gemacht wurde. Es ist ein sehr universelles Rad.

über den Autor

Christian Ettl

Christian Ettl ist Zweiradmechanikermeister und Mediengestalter. Er war Chefredakteur der Fahrrad News. Sein Herz schlägt für komplexe technische Sachverhalte rund um das Thema Fahrrad. Am liebsten fährt er Tagestouren auf dem Gravel-Grinder oder genießt gute Abfahrten, gerne auch im Bikepark.

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