Test: VELOTRAUM Finder B+ – (Touren-)Allrounder auf breitem Fuß

Test: VELOTRAUM Finder B+ – (Touren-)Allrounder auf breitem Fuß

Velotraum Finder_Titel

Ein Bike für (fast) alles – für manche Radfahrer der lang gehegte Traum, für andere wiederum ist es das Schönste, immer wieder neue Räder für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke aufzubauen. Mit dem Finder B+ von Velotraum können jedoch beide Gruppen glücklich werden – die einen, weil das Rad mit seinen Eigenschaften der Vorstellung von einem Allroundbike für Straße, Gelände, den Arbeitsweg oder die Radreise sehr nahe kommt, die anderen, weil sich dank Baukastensystem samt Wunschfarboption ein individuelles Einzelstück zusammenstellen lässt. Wir haben uns den Finder in einer Version mit Rohloff Speedhub samt Riemenantrieb von Gates ein wenig näher angesehen.

Finder Rahmen

Die Basis des Finder: Der Rahmen

Beim ersten Blick auf den aus Aluminium gefertigten Rahmen des Finder, sticht sofort das dicke, massive Unterrohr ins Auge. Zusammen mit den großvolumigen Reifen wirkt es optisch jedoch keinesfalls deplatziert, sondern fügt sich harmonisch in das gesamte Erscheinungsbild des Bikes ein. Weniger auffällig, dabei jedoch nicht weniger bemerkenswert, sind die zahlreichen Details des Rahmens. Zu diesen gehören unter anderem ein exzentrisches Tretlagergehäuse, über das sich sie Kette bzw. der Riemen spannen lässt, das – für die Verwendung eines Gates Riemens zwingend notwendige – Rahmenschloss an der rechten Sitzzstrebe sowie die zahlreichen Gewinde für die Montage von Gepäckträgern, Anything Cages (Halterungen für Packsäcke mit einem Volumen bis zu etwa drei Litern) oder Flaschenhaltern. Aufnahmen für die beiden letztgenannten Träger bietet auch die Gabel, die darüber hinaus ebenfalls über Ösen verfügt, an die sich ein Lowrider-Gepäckträger anbringen lässt. Zudem bieten sowohl Rahmen als auch Gabel genügend Reifenfreiheit, um selbst um die dicken Schlappen herum noch Schutzbleche zu montieren. Ein klarer Pluspunkt für den Einsatz des Finders als Rad für das tägliche Pendeln ins Büro. Für diejenigen, die das Finder weniger in der Stadt, aber dafür aber in ruppigerem Gelände einsetzen wollen, bietet der Rahmen die Möglichkeit, eine Federgabel mit 100mm Federweg nachzurüsten, ohne, dass dadurch die Geometrie verändert wird. Dank Tapered Steuerrohr ist es möglich, sowohl ältere Gabeln mit durchgehendem 1 1/8″ Schaftrohr als auch modere Gabeln mit einem Tapered Schaftrohr zu verbauen. Allerdings ist für erstgenannte Gabeln die Umrüstung auf einen entsprechenden Steuersatz notwendig.

Detailaufnahme des exzentrischen Tretlagergehäusen zur Spannung der Kette bzw. des Riemens.

Der Antrieb

Dank Rohloff- und Riemenantriebskompatibilität liefert der Finder Rahmen die ideale Basis für den Aufbau eines leisen, sauberen und wartungsarmen Fahrrads. Die Rohloff Nabenschaltung bietet mit ihren 14 Gängen eine Bandbreite, die der einer 27 Gang Kettenschaltung entspricht: Anders ihr Kettenpendant verfügt die Rohloff Speedhub über keine doppelten und somit redundanten Übersetzungen. Beim Schaltvorgang müssen sich Kettenschaltungsfahrer umgewöhnen, denn die Speedhub erlaubt keine Gangwechsel unter Last. Dafür bietet sie jedoch die Möglichkeit, im Stand komplett durchschalten zu können – eine Eigenschaft, die sich besonders beim Anfahren an einer Ampel sehr angenehm bemerkbar macht, wenn vor dem Anhalten wieder einmal der Zeitpunkt zum Runterschalten verpasst wurde. Zudem fällt der Verschleiß des Antriebs – auch ohne Gates Riemen – im Vergleich mit einer Kettenschaltung geringer aus, da ein Schräglauf nicht vorhanden ist. Jedoch wird der Komfort und die Sorglosigkeit einer Rohloff Speedhub durch ein merkliches Zusatzgewicht am Heck erkauft.

Das Finder in der Frontalansicht.

Geometrie und Fahreindrücke

Die Geometrie des VELOTRAUM Finder  lässt sich am besten als sportlich-komfortabel charakterisieren. 450mm lange Kettenstreben sorgen auch dann noch für Laufruhe und Spurtreue, wenn das Rad mit Tourengepäck beladen ist, während der Lenkwinkel von 71,5° dem Finder das nötige Maß an Handlichkeit verleiht. Insgesamt ergibt sich so ein sehr ausgewogenes Fahrgefühl und das Finder weiß sowohl bepackt als auch „nackt“ mit seinen Fahreigenschaften zu überzeugen. Diese Ausgewogenheit trägt zudem wesentlich dazu bei, dass das Gesamtkonzept des Finders aufgeht und das Bike mit seinen Allroundeigenschaften zu überzeugen weiß. Das Finder ist ein Rad, bei dem es reicht, das Ziel einer Ausfahrt oder einer Tour zu kennen – der Weg dorthin ergibt sich unterwegs, womit der Name Finder durchaus programmatisch verstanden werden kann. Die Entscheidung, auf geteerten Nebenstraßen Kilometer zu schrubben, auf gekiesten Waldwegen im Genießertempo zu cruisen, einem Trail zu folgen, der fast unbemerkt vom Hauptweg abzweigt oder sich auf die Suche nach neuen Wegen zu begeben, kann mit dem Finder getrost auch spontan unterwegs getroffen werden. Der Rahmen zeigt sich dabei – anders, als es seine groß dimensionierten Rohre zunächst vermuten lassen – durchaus komfortabel. Von der Unnachgiebigkeit, die Aluminium als Rahmenmaterial (mitunter zurecht) nachgesagt wird, ist beim Finder kaum etwas zu spüren. Dies ist zu großen Teil ein Verdienst der Sitzposition, die einerseits komfortabel genug für Langstrecken, andererseits aber sportlich genug für überaus zügiges Vorankommen ausfällt.


Die Geometrie des Finder in der Übersicht (Quelle: Velotraum)

Auch bepackt (hier im eher minimalistischen Bikepacking-Setup) zeigt sich das Finder durchaus sportlich.

Laufradplattform und Bereifung 

Maßgeblichen Anteil an der zuvor beschriebenen Vielseitigkeit des Finder hat die B+ Reifenplattform, der der Spagat zwischen den Allterrain-Fähigkeiten eines Fatbikes sowie dem geringeren Gewicht und geringeren Rollwiderstand konventioneller 29er-Reifen sehr gut gelingt. (Der Vergleich mit 29er-Reifen bietet sich an, da B+ Reifen im Umfang mit diesen fast identisch sind.)

Reifen des Formats B+ bieten aufgrund ihrer größeren Auflagefläche einen Zugewinn an Grip, vermitteln dadurch mehr Sicherheit und verfügen wegen ihres Volumens und einem dementsprechend niedrigen Luftdruck (je nach Untergrund zwischen 0,8 und 1,5 bar) über eine hervorragende Dämpfung, die den Fahrkomfort besonders auf Untergründen wie Kopfsteinpflaster oder Kieswegen spürbar erhöht. Zudem ermöglichen sie abenteuerlustigen Bikerinnen und Bikern auch dort noch ein Vorankommen, wo schmalere Reifen in der Regel aufgeben müssen. So stellen beispielsweise gemäßigte Sandpassagen kaum mehr ein wirkliches Problem dar.

Besonders auf Strecken mit vielen kleineren Vibrationen spielt das B+ Format seine Stärken aus.

Der am Testrad montierte G-One von Schwalbe in den Dimensionen 27.5″*2.8″ passte sehr gut zu Charakteristik und Einsatzbereich des Finder. Mit seinen vielen flachen, in Querrichtung geschlitzten Stollen rollte er auf Asphalt ausgesprochen leicht – so leicht, dass es – langer Rohloff-Übersetzung sei Dank – sogar problemlos möglich war, mit einem Cyclocrossbike mitzuhalten. Auf Kieswegen (neudeutsch Gravelroads) machte der Reifen dem von „Gravel“ abgeleiteten „G“ in seinem Namen alle Ehre und wusste auch hier mit leichtem Lauf, Spurtreue und komfortabler Dämpfung zu überzeugen. Das sogenannte Self Steering, also die Eigenschaft des Reifens, auf Lenkbewegungen mit einem Ziehen in die eingeschlagene Richtung zu reagieren, war weder auf der Straße noch im Gelände ein Thema. Apropos Gelände: Auch hier fühlt sich der G-One durchaus wohl, solange es bei leichten Trails bleibt. Diese Trails sollten allerdings relativ trocken und nicht allzu matschig sein, denn unter diesen Bedingungen setzt sich das enge Profil des Reifens erwartungsgemäß rasch zu.

Zum  Format B+ Format im Allgemeinen sei an dieser Stelle noch gesagt, dass sich diese noch recht junge Laufradgröße mittlerweile fest auf dem Markt etabliert hat. Neben Schwalbe bieten beispielsweise auch WTB oder Maxxis Reifen für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke an. Diejenigen, die beim Kauf eines neuen Bikes auf die B+ Plattform setzen, können sich also bereits jetzt über eine breite Auswahl an Reifen freuen, die in naher Zukunft noch weiter wachsen wird.

Schwalbe G-One Closeup
Das Profil des Schwalbe G-One in der Detailansicht.

Verfügbarkeit und Preise

Das Finder kann seit Mai 2016 über die VELOTRAUM Homepage oder das VELOTRAUM Händlernetz bezogen werden. Der Preis für das Basisrad in der Variante FD1 mit einem Austattungsmix aus Shimano Deore/XT Schalt- und Antriebskomponenten, Laufrädern auf Basis der DT Swiss XM551 Felge sowie Magura MT4 Scheibenbremsen liegt bei 2.390,00 €. Die Preise für die Basisversion der FD2 Variante mit Rohloff Speedhub und Gates Riemenantrieb beginnen bei 3.450,00 €.

Weitere Informationen finden sich unter www.velotraum.de.

 

über den Autor

Fabian Baum

Fabian Baum wurde im frühen Teenager-Alter vom Fahrradvirus erfasst und seitdem nicht mehr losgelassen. Er ist zwar mittlerweile vorzugsweise auf großvolumigen Reifen und gerne mal mehr oder weniger lang mit Gepäck unterwegs, lässt sich aber auch problemlos zur Teilnahme an einem CX-Rennen oder einem Tag auf flowigen Bikepark-Strecken überreden. Darüber hinaus besitzt er einen Faible für exotische Bikes und Parts sowie für die kleinen Dinge, die das Radeln immer wieder noch schöner machen.

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