,,Manchmal vergesse ich, dass ich gar kein Profi mehr bin“ – Frank Schleck im Interview

,,Manchmal vergesse ich, dass ich gar kein Profi mehr bin“ – Frank Schleck im Interview

Zum Ende der Saison 2016 verabschiedete sich mit Frank Schleck ein großer Radsportler der letzten Jahre von der internationalen Radsportbühne. Allerdings ohne großen Wirbel sondern eher ganz still, so hatte man das Gefühl. Velomotion sprach mit dem Luxemburger Ex-Profi über seine sportliche Vergangenheit, seine Liebe zum Radsport und sein aktuelles Herzensprojekt: Der Schleck GranFondo.

Frank Schleck

Hallo Frank, danke dass du dir heute etwas Zeit für uns nimmst und wir uns ein bisschen unterhalten können. Wie geht es dir so als “Radsportrentner“? Erzähl doch mal!

Frank Schleck: (lacht) Danke mir geht es gut! Als Rentner würde ich mich noch nicht bezeichnen, ich fahre schon immer noch jeden Tag, um mich fit zu halten. Aber manchmal vergesse ich, dass ich gar kein Profi mehr bin. Gerade vorhin habe ich noch mit Laurent Didier getextet bevor er zum Training los ist und ich dachte kurz jetzt musst du auch los. Aber klar an so einem Tag wie heute, wo es kalt und nass ist gehe ich dann doch lieber auf die Rolle. Außerdem habe ich auch so noch einiges zu tun, mit meinen beiden Töchter wird es nie langweilig. Außerdem habe ich vor kurzem erst meine B – Trainerausbildung abgeschlossen und die Organisation für meinen GranFondo ist auch wichtig.

Das klingt nach vielen Aufgaben. Wie kamst du dazu eine Trainerausbildung zu machen ?

Frank Schleck: Das liegt besonders daran, dass ich meine Leidenschaft Radsport weitergeben möchte, als Trainer kann man das direkt an den Mann bringen und es ist mir sehr wichtig dem Radsport etwas zurückzugeben. 

Gehen wir nochmal kurz einen Schritt zurück. Du hast deine Karriere zum Ende der Saison 2016 beendet. Was war für dich der ausschlaggebende Grund zu sagen „Jetzt ist Schluss“ ? 

Frank Schleck: Einen wirklichen Grund gab es nicht, dass ist eher so ein Prozess. Aber genau, ich habe in Rio bei der Olympiade für mich den Entschluss gefasst, mit dem Profiradsport aufzuhören. Ich war über 15 Jahre Profi, habe viele Höhen und Tiefen gehabt, man selbst aber auch die Familie bringt sehr viele Opfer. Irgendwann ist es dann eben soweit. Mir war es nur immer wichtig auf einem hohen Niveau aufzuhören, denn das gibt einem die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wann Schluss ist und man wird nicht dazu gezwungen. Das war zuerst schon ein komisches Gefühl wenn du weißt, dass war’s jetzt. Aber ich bleibe dem Radsport ja verbunden.

Wenn wir schon bei deiner aktiven Zeit sind. Woran erinnert man sich am häufigsten zurück an die guten oder die schlechten Tage, oder vielleicht sogar an ein einzelnes Erlebnis ?

Frank Schleck: Wie gesagt, ich hatte eine lange Karriere mit Höhen und Tiefen. Ich hatte sehr viele tolle Erfolge, wobei jeder für mich einzigartig ist und ich diese eigentlich nicht miteinander vergleichen will. Aber wenn man vielleicht einen ganz besonderen Moment sucht, war das sicher als Brüderpaar auf dem Podium der Tour zu stehen. Da wird der Radsport sehr lange darauf warten müssen, bis es so etwas wieder gibt. Schlechte Tage gab es natürlich auch, an denen darf man sich aber nicht festhalten, sonst kommt man nicht weiter. Für mich zählen ganz klar die Erfolge und die guten Tage.

Du hast deinen Bruder Andy angesprochen. Man hatte bei euch nie das Gefühl, dass ihr Rivalen seid, obwohl so etwas zwischen Brüdern ganz normal ist. Gab es bei euch wirklich keine Rivalität oder musstet ihr das immer ausblenden ?

Frank Schleck: Früher als Kinder war es immer ein Wettkampf zwischen uns, egal wo. Aber auf dem Rad war das eigentlich nie so. Wir wussten immer, dass wir gemeinsam mehr erreichen können und hätten für den anderen alles gegeben. Das war unsere große Stärke, so ein Vertrauen gibt es nur zwischen Brüdern.

Dein neues und aktuelles Projekt heißt Schleck GranFondo. Was kann man sich darunter vorstellen, was ist geplant ?

Frank Schleck: Wie ich schon sagte, ist es mir wichtig dem Radsport etwas zurückzugeben. Daher habe ich mich dazu entschieden ein GranFondo Rennen zu veranstalten. Der Profiradsport macht ja nur einen kleinen Teil des gesamten Radsports aus, es gibt noch viel mehr. Durch mein Rennen versuche ich meine Leidenschaft der breiten Masse zu vermitteln, denn es ist für jeden etwas dabei vom ambitionierten Rennfahrer bis hin zum Jedermann oder Hobbyfahrer, der einfach eine schöne Ausfahrt durch Luxemburg genießen möchte. Geplant sind deshalb zwei Strecken: Die eine mit 162 km und 2.400 Höhenmetern hat es schon in sich und es gibt einige knackige Anstiege, fürs Auge ist auch etwas geboten die Landschaft ist wunderschön. Die zweite Strecke ist mit 89,5 kmund 1400 hm  wirklich gut machbar, wenn man zuvor ein paar Trainingsfahrten gemacht hat. Besonders toll finde ich, dass das Rennen zur UCI GranFondo World Series zählt, man kann sich also auch durch eine gute Performance für die GranFondo Weltmeisterschaft qualifizieren.

Was kann man sich darunter vorstellen GranFondo Weltmeisterschaft ?

Frank Schleck: Ich finde den Vergleich mit dem Ironman sehr treffend, man hat eben die Möglichkeit, sich als ambitionierter Rennfahrer für einen Saisonhöhepunkt zu qualifizieren. Wer das allerdings nicht zum Ziel hat kann ja, wie beim Ironman auch für sich selbst eine Challenge darin sehen die Distanz zu schaffen oder eine bestimmte Zeit zu erreichen. Das ist eben das Schöne daran, dass man viele verschiedene Sportler, die die Begeisterung Radsport teilen abholen, und ihnen eine tolle Erfahrung bieten kann.

Wirst du selbst auch am Start stehen ?

Frank Schleck: Klar, das lasse ich mir nicht entgehen, die Strecken sind ja auch auf meinen alten Trainingsrunden. Natürlich werde ich nicht um den Sieg mitfahren, da gibt es einige die sehr schnell unterwegs sein werden. Ich möchte einfach Spaß haben und viele Leute treffen, da freue ich mich schon drauf.

Web

http://schleckgranfondo.com/

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Bei der deutschen Meisterschaft 2017 war er bester nicht WorldTour Profi auf Platz 7 und konnte sich somit für die Tour de L’Avenir und die Weltmeisterschaften empfehlen. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und hat sein BWL Studium an der LMU München abgeschlossen.

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