Renntagebuch: Jedermann Team Corratec bei der 2. International Cycling Tour of North Cyprus

Renntagebuch: Jedermann Team Corratec bei der 2. International Cycling Tour of North Cyprus

Das Jedermann Team Corratec ist vergangene Woche bei der 2. International Cycling Tour of North Cyprus in die Saison gestartet. Velomotion hat die ambitionierte Mannschaft zum Saisonauftakt begleitet. In einem Rennfahrertagebuch gewähren die Fahrer interessante Einblicke in die Geschehnisse während der vier Etappen auf Zypern.

Im Vorfeld ging leider nicht alles nach Plan, kurz vor Abflug musste leider der Ötzisieger Bernd Hornetz aus gesundheitlichen Gründen passen. Bernd hatte aber mit Robert Müller einen hochwertigen wie sympathischen Vertreter parat, der für ihn ins Rennen ging. Am Tag der Abreise musste leider auch noch Wolfgang Hofmann kurzfristig absagen. Nichtsdestotrotz ging unser Team Corratec hoch motiviert in die Rennen.

Etappe 1 – 16.02.17 
Das erste Rennen im Jahr 2017 war gleich ein Etappenrennen mit einem sehr starken internationalen Fahrerfeld. 18 Teams mit 169 Fahrern und vielen Profis aus 11 Nationen stehen hier in Zypern am Start. Die erste und mit 181 km zugleich längste Etappe war die ersten 2 Rennstunden – bei unerwartet kalten Temperaturen und etwas Regen – vom ständigen harten Windkantenfahren geprägt. Um genau zu sein: Nach 5 km neutraler Fahrt explodierte das Rennen direkt von Beginn an. Insbesondere die Pro Teams Astana CT, Turko oder Willier Selle Italia suchten bei ständig heftigem Wind von schräg vorne sofort erste Entscheidungen herbeizuführen. Wie hart diese Aktion gestaltet wurde zeigte, dass nach ca 5 km bereits über 20 Fahrer aus dem Feld und kurz darauf auch aus der nachfolgenden Wagenkolonne fielen. Im Team Corratec hatten wir alles erwartet und uns darauf mental wie taktisch eingestellt. Aber dass die ersten 20 km so heftig wurden, erwischte uns dann doch unterwartet. Jeder musste gleich an seine Grenzen gehen, mit ständigen Pulswerten über 170 Schlägen war man ganz schön gefordert. Ein Corratec Fahrer erwischte dabei dann doch die Führungsgruppe, zwei weitere Fahrer des Teams kämpften sich in die erste Verfolgergruppe. Mit maximalem Effort schafften die weiteren Fahrer dann doch den Sprung in die zweite Verfolgergruppe und konnten sich dort festbeißen. In der Spitzengruppe tat sich beim Beschleunigen aus einem Kreisverkehr eine tückische Lücke auf, die unsere Teamkollege Robert Müller aus eigener Kraft nicht mehr schließen konnte. Vorne wurde das Tempo von den 5 Ausreisern extrem hochgehalten und in der jetzt 1. Verfolgergruppe bemühten sich – gerade im Finale – nur noch wenig Fahrer um das Tempo. Wer sich nach dieser heftigen ersten Phase nicht in einer vorderen Gruppe befand, fiel in der Folge auch bald wieder hinten aus der Wagenkolonne der über 25 Teamfahrzeuge heraus. Da hieß es gegen das Ausscheiden aus der Rundfahrt ankämpfen. Alle Team Corratec Fahrer konnten sich jedoch in einer Gruppe festbeißen und erreichten das Ziel ohne Gefahr. Dieses Rennen unterschied sich sehr stark von den Jedermann-Rennen, die wir in den letzten Jahren gefahren sind. Unsere Devise, möglichst aufmerksam viel Erfahrung mitzunehmen, gerade auch in Sachen Renntaktik, war wohl mehr als angebracht. Nach der ersten Etappe konnte leider der Glocknerkönig- und Alpencupsieger von 2016, Johannes Berndl, etwas „grippisch“ mit dickem Hals und Halsschmerzen, die Rundfahrt nicht mehr fortsetzen. Berndl wechselte ins Betreuerteam und zeigte echten Teamgeist, indem er seine Kollegen weiterhin unterstützte.

 

Etappe 2 – 17.02.17
Der Wind hatte nachgelassen und die Sonne schien, also ein perfekter Renntag für uns. Heute gelang es allen, sich deutlich weiter vorne im Feld zu behaupten. Das war natürlich nicht sehr einfach, da wir die ersten 10 km einem 50er Schnitt unterwegs waren. Leider gab es in dieser Phase einen fürchterlichen Massensturz im vorderen Feld. Mit viel Glück konnten fast alle Team Corratec Fahrer irgendwie ausweichen. Leider hat es aber auch unseren Team Leader Bart Bury erwischt, er konnte den knapp vor ihm gestürzten Fahrern an der Spitze des Feldes nicht mehr ausweichen. Bury stürzte dabei so unglücklich, dass er sich das Schlüsselbein brach –ein Schock für das gesamte Team.  Bis ca. Kilometer 120 konnte sich alle verbliebenen Fahrer an der Spitze behaupten, wobei einige sehr harte Tempoverschärfungen einige Körner kosteten. Auf dem Weg zur Bergwertung bei ca.700 m über Null  konnte nur noch wenige Fahrer dem hohen Tempo an der Spitze folgen und so bildeten sich mehrere kleine Gruppen. Robert Müller und Stefan Oettl konnten aber weit vorne mithalten. In der anschließenden Abfahrt gab es weitere Selektionen. Wer hier nicht dran bleiben konnte, verpasste schnell die Gruppe für die letzten 25 km. Robert Müller war noch immer an der Spitze des Feldes, von der sich nur zwei Bergfahrer von Willier Selle Italia absetzten konnten. Etwas überraschend, schafften diese beiden Profis es dann auch alleine ins Ziel. Im Feld ging es somit um Platz 3. Robert konnte sich stark in Szene setzten und wurde 3. des Verfolgerfeldes. Dies bedeutet Platz 5 im Etappenklassement: einfach stark und einmalig, für Robert und für das gesamte Team.

Etappe 3 – 18.02.17
Bei dieser Etappe waren alle Team Corratec Fahrer lange geschlossen an der Spitze, nur einer von uns konnte an der Bergwertung knapp nicht mehr folgen. Das Rennen war gerade nach der ersten Bergwertung immer wieder mal hektisch. Aber alles war überschaubarer, so hatten wir das Gefühl. Landschaftlich war diese Etappe mit Abstand die Schönste, man fühlt sich hier echt stark an Mallorca erinnert. Die ersten Kilometer waren diesmal einigermaßen entschärft. Bei der Abfahrt in den sehr schönen Küstenort Girne wurde das Tempo dann verschärft. Und durch die engen Gassen war höchste Konzentration geboten – wie immer eigentlich – ehe es dann 400 hm bergauf zur nächsten Bergwertung ging. Auf den nächsten meist hügeligen 90 km hatten drei unserer Team Corratec Fahrer ihren Platz in der Spitzengruppe gefunden. Nur einer der Teamkollegen war in der ersten Verfolgergruppe, die aber kurz hinter dem Spitzenfeld das Ziel erreichte. Zwangsläufig wurde es auf den letzten 5 km wieder hektisch Robert Müller erzielte im dann in einem superschnellen Massensprint mit Etappenplatz 7 wieder einen erneut mehr als erstaunlichen Erfolg.

Etappe 4 – 19.02.17
Um 14:30 Uhr startete die letzte Etappe – ein Kriterium über 50 km mit 45 Runden mit a 1,5 km. Mit Robert, Stefan und Martin standen noch 3 Team Corratec Fahrer am Start. Michael musste leider kurz vor dem Start abreisen, sonst hätte er nicht mehr rechtzeitig an seinen Arbeitsplatz am Montag erscheinen können. Es gab, obwohl alle 10 km Zwischensprints ausgeschrieben waren, letztendlich doch keine Wertungen, alles wurde somit im letzten Sprint entschieden. Immer wieder konnte sich kleine Gruppen absetzen, Robert war aber sehr aufmerksam und schaffte jedes mal den Sprung in die richtigen Gruppen. Zum Schluss befand sich neben Robert Müller noch Stefan Oettl in der Spitze, wo dann im Massensprint die letzte Etappe entschieden wurde. Für Robert und unser Team sprang erneut ein toller 11. Platz raus. So neigt sich für unser Team Corratec das erste Rennen der Saison auch schon dem Ende zu. Im Großen und Ganzen eine tolle Erfahrung, leider waren wir nicht immer glücklich unterwegs. Ab jetzt heißt es aber nach vorne schauen und die Form mitnehmen. An dieser Stelle auch noch Gute Besserung an unseren verletzten Teamkollegen Bury. Übringens wurden wir zum Abschied gleich wieder für die Rundfahrt im nächsten Jahr eingeladen.

über den Autor

Florian Nowak

Florian Nowak ist Radprofi auf EuropeTour Ebene und war schon bei vielen internationalen Rennen am Start. Er fühlt sich aber nicht nur auf dem Rennrad wohl, immer wieder zieht es ihn auch ins Gelände sowohl mit als auch ohne Rad. Neben dem Sport arbeitet er an seinem zweiten Standbein und verfolgt sein BWL Studium an der LMU München.

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