Paris-Nizza Etappe #6: Simon Yates attackiert im perfekten Augenblick

Paris-Nizza Etappe #6: Simon Yates attackiert im perfekten Augenblick

Radsport: Der Berg ruft! Und Simon Yates (Orica-Scott) hat eindrucksvoll geantwortet. Der Brite löste sich rund 15 Kilometer vor dem Ziel aus der Gruppe der Favoriten und gewann die 6. Etappe von Paris-Nizza. Dahinter konnte Sergio Henao (Sky) mit seinem zweiten Platz ein paar Sekunden auf Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) herausfahren. Der Franzose bleibt jedoch im Gelben Trikot. Vergeblich frühzeitig attackiert hat Alberto Contador (Trek-Segafredo).

Gleich 3 x der Col de Bourigaille

Nachdem die ersten fünf Tage bei Paris-Nizza den Sprintern und den Zeitfahrern gehörten, sollten heute die Bergfahrer in den Fokus rücken. Nicht weniger als sechs Bergwertungen galt es auf dem Weg von Aubagne nach Fayence über 193,5 Kilometer zurückzulegen. Dabei wurde der Col de Bourigaille – ein Berg der 1. Kategorie – am Ende gleich dreimal befahren. Einmal von beiden Seiten und im Ziel dann noch einmal ein kurzer Abschnitt davon. Doch bis der Col de Bourigaille erstmals angegangen wurde, mussten schon 146 Kilometer zurückgelegt werden. Dort bildete sich wie eine Spitzengruppe: Alessandro de Marchi (BMC), Jesus Herrada (Movistar), Winner Anacona (Movistar), Sylvain Chavanel (Direct Energie), Michael Valgren (Astana), Ben Swift (UAE), Eduardo Sepulveda (Fortuneo-Vital Concept) und Axel Domont (Ag2r) setzten sich ab. Die Truppe um den Gesamtführenden Julian Alaphilippe (Quick-Step Floors) ließ jedoch nichts anbrennen. Der Abstand durfte nicht auf über fünf Minuten ausgebaut werden.

Paris-Nizza 2017Paris-Nizza 2017 Herrada Chavanel

Alberto Contador versucht es früh – zu früh

Dann stand zum ersten Mal der Col de Bourigaille vor der Tür. Auch wenn es noch weit bis ins Ziel war, attackierte Alberto Contador (Trek-Segafredo) bereits frühzeitig. Sein Plan war klar: Julian Alaphilippe musste aus dem Trikot gefahren werden. Dies war jedoch im Schlussanstieg nicht sehr wahrscheinlich, da dieser der Mur de Huy gleicht – und diese liegt einem Fahrertypen wie Alaphilippe. So wollte der Spanier seinen französischen Konkurrenten also bereits frühzeitig bei einem längeren Anstieg in Bedrängnis bringen. Funktionieren wollte dies jedoch nicht. Vor allem das Team Sky machte Contador einen Strich durch die Rechnung. Er wurde gestellt und verzichtete auf einen erneuten Versuch bei der zweiten Überquerung. Probleme hatte Alaphilippe im Übrigen keine. Andere Fahrer hatten jedoch zu kämpfen. Philippe Gilbert (Quick-Step Floors) und Steven Kruijswijk zum Beispiel wurden abgehängt. Auch die Sprinter waren natürlich längst nicht mehr Teil des rund 40 Mann starken Feldes.

Paris-Nizza 2017 Alberto Contador

Simon Yates sah seine Chance – und griff zu

Durch die Contador-Attacke sank der Vorsprung der Ausreißer weiter in sich zusammen. Als Eduardo Sepulveda mit  Alessandro de Marchi auch noch seinen letzten Begleiter abschütteln konnte, betrug der Abstand schon nur noch wenige Sekunden. Sky erhöhte die Schlagzahl erneut und die Favoritengruppe wurde immer kleiner. Nur noch rund 15 Fahrer versammelten sich um das Gelbe Trikot. Da Sergio Henao (Sky) mit Mikel Nieve (Sky) nur noch einen Helfer an seiner Seite hatte, drosselten sie das Tempo wieder etwas. Dann stiefelte Simon Yates (Orica-Scott) davon. Der Brite sah seine Chance rund 15 Kilometer vor dem Ziel. Als es dann in die steile Schlussmauer hinein ging, betrug sein Vorsprung bereits über 40 Sekunden. Hinten attackierte Richie Porte (BMC), der in der Gesamwertung bereits weit zurück liegt und nur den Etappensieg vor Augen hatte. Doch er reagierte zu spät. Simon Yates konnte nicht mehr gestellt werden. Damit konnte er nicht nur den Tagessieg feiern, sondern sich in der Gesamtwertung auch gehörig nach vorn schieben. Nun belegt der Brite den achten Rang.

Paris-Nizza 2017 Simon Yates

Starke Helfer-Leistungen von Mikel Nieve & Dan Martin

Zweiter wurde Sergio Henao, der somit die großartige Arbeit von Helfer Mikel Nieve belohnen und in der Gesamtwertung etwas Zeit gutmachen konnte. Auch Daniel Martin (Quick-Step Floors) lieferte eine beeindruckende Helfer-Leistung ab. Er zog Julian Alaphilippe die letzten Meter hinauf zur Ziellinie und hielt den Rückstand in Grenzen. Alaphilippe bleibt im Gelben Trikot, doch vor allem Sergio Henao könnte ihm in den kommenden Tagen noch gefährlich werden. Dieser liegt nun hinter Tony Gallopin (Lotto Soudal) auf dem dritten Rang. Mit einem Rückstand von 46 Sekunden scheint für den Kolumbianer vom Team Sky noch alles möglich zu sein. Einen kleinen Rückschlag erlitt Alberto Contador. Nach seiner recht frühen Attacke fehlten ihm in der Schlussrampe die Kräfte. Im Gesamtklassement konnte er sich dennoch auf den siebten Rang verbessern. Etwas zu feiern gibt es auch für einen Ausreißer: Axel Domont hat sich das Bergtrikot gesichert. Er führt nun mit zwei Punkten vor Simon Yates.

Paris-Nizza 2017 Alaphilippe Henao Nieve

Paris-Nizza Etappe #6: Das Tagesergebnis

PlatzFahrerLandTeamZeit
1.Simon YatesGroßbritannienOrica-Scott4:37:51
2.Sergio HenaoKolumbienSky+0:17
3.Richie PorteAustralienBMC+0:26
4.Julian AlaphilippeFrankreichQuick-Step Floors+0:29
5.Daniel MartinIrlandQuick-Step Floors+0:29
6.Ion IzagirreSpanienBahrain-Merida+0:32
7.Jakob FuglsangDänemarkAstana+0:32
8.Alberto ContadorSpanienTrek-Segafredo+0:32
9.Ilnur ZakarinRusslandKatusha-Alpecin+0:32
10.Tony GallopinFrankreichLotto Soudal+0:32

Paris-Nizza Etappe #6: Die Gesamtwertung

PlatzFahrerLandTeamZeit
1.Julian AlaphilippeFrankreichQuick-Step Floors21:58:22
2.Tony GallopinFrankreichLotto Soudal+0:36
3.Sergio HenaoKolumbienSky+0:46
4.Gorka IzagirreSpanienMovistar+0:57
5.Daniel MartinIrlandQuick-Step Floors+1:20
6.Ilnur ZakarinRusslandKatusha-Alpecin+1:31
7.Alberto ContadorSpanienTrek-Segafredo+1:34
8.Simon YatesGroßbritannienOrica-Scott+1:37
9.Ion IzagirreSpanienBahrain-Merida+2:04
10.Warren BarguilFrankreichSunweb+3:08

über den Autor

Michael Behringer

Im Jahr 1996 hat Michael Behringer seine erste Tour de France geschaut. Seitdem verfolgt er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Erstelle einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.