Peter Sagan nach Cavendish-Sturz von Tour de France ausgeschlossen

Peter Sagan nach Cavendish-Sturz von Tour de France ausgeschlossen

Radsport: Über den Sturz von Mark Cavendish (Dimension Data) auf der vierten Etappe der Tour de France wird in den Sozialen Medien heftig diskutiert. Jetzt hat die Tour-Organisation eine Entscheidung bekannt gegeben: Peter Sagan (Bora-hansgrohe) wird für den Unfall verantwortlich gemacht und von der Tour de France 2017 ausgeschlossen!

Peter Sagan Mark Cavendish Tour de France
Dieses Foto beweist eigentlich Sagans Unschuld: Cavendish will mit dem Kopf durch die Wand und lehnt sich an Sagan an.

Peter Sagan wird disqualifiziert

Der Weltmeister wird von der Organisation der Tour de France hart bestraft. Peter Sagan muss die Frankreich-Rundfahrt verlassen. Ihm wird die alleinige Schuld für den Sturz von Mark Cavendish gegeben. Ist diese Bestrafung fair? Die Meinungen gehen selbst bei ehemaligen Profis stark auseinander. Während Alessandro Petacchi im italienischen Fernsehen davon sprach, es sei nichts gewesen, forderte Rolf Aldag den Tour-Ausschluss von Peter Sagan. Auf Grund der unterschiedlichsten Äußerungen von Profis und Fans stellt sich die Frage, ob es bei einem solchen Vorfall überhaupt eine klare, eindeutige und faire Entscheidung der Jury geben kann.

Im Vergleich: Die Sprints von Arnaud Démare und Peter Sagan

Bezweifelt werden darf dies allein durch Betrachtung des heutigen Sprints. Durch die Vogelperspektive haben wir einen hervorragenden Blick auf die Fahrtlinien der betroffenen Profis. Jede kleine Welle ist erkennbar – wenn nicht gerade ein Baum dem Blick im Weg steht. Im Video erkennen wir ab Sekunde vier, dass der Tagessieger Arnaud Démare (FDJ) von ganz rechts nach links zieht und dabei seinen Intimfeind Nacer Bouhanni (Cofidis) schneidet. Nacer Bouhanni kommt dabei völlig aus dem Tritt und fast zu Fall. Arnaud Démare zieht weiter durch und gewinnt die vierte Etappe der Tour de France souverän. Zur gleichen Zeit ereignet sich der Sturz von Mark Cavendish auf der rechten Seite der Fahrbahn. Auf den ersten Blick sah es auf den TV-Bildern so aus, als hätte Peter Sagan seinen Kontrahenten mit dem Ellenbogen gegen die Bande gedrückt. Bei genauerer Betrachtung muss zumindest diese Behauptung angezweifelt werden.

Sagan Cavenish Tour de France
Oben: Unter dem gelben Kreis fahren Sagan und Cavendish beide immer näher aufeinander zu.
Unten: Cavendish kommt zu Fall, Sagan gerät aus dem Tritt. Der Ellenbogen hat mit dem Sturz nichts zu tun. Vermutlich gab es eine Berührung der Oberkörper.

Mark Cavendish vs. Peter Sagan: Auffahrunfall oder Ellenbogencheck?

In vielen weiteren Videos mit unterschiedlichen Kamera-Perspektiven ist zu erkennen, dass Arnaud Démare sehr deutlich eine extreme Welle gefahren ist. Peter Sagan und Mark Cavendish haben im Vergleich dazu kaum ihre Linie verlassen. Sagan fuhr bereits extrem weit rechts, als Cavendish den Versuch unternahm, noch zwischen dem Weltmeister und der Bande hindurchzuschlüpfen. Auf Grund des Windschattens war der Brite auch tatsächlich etwas schneller unterwegs, so dass er Sagan immer näher kam. Schließlich kam es zu einer Berührung der Oberkörper. In keiner Kameraeinstellung ist jedoch zu sehen, dass Sagans Ellenbogen Cavendish berührt hat. Vielmehr haben sich die versetzten Oberkörper berührt, weshalb beide Fahrer etwas das Gleichgewicht verloren haben. Daraufhin drückte Sagan den Ellenbogen nach außen. In diesem Moment war der Sturz von Cavendish jedoch bereits voll im Gange.

Tour de France Bouhanni
Man beachte allein die blau eingekreisten Erlebnisse von Nacer Bouhanni im Sprint der vierten Etappe:
Oben: Bouhanni (rechts) und Greipel kollidieren. Greipel stürzt fast.
Unten: Démare zieht von rechts komplett links rüber und schneidet Bouhanni extrem. Dieser kommt fast zu Fall.

Wer hat Schuld? Was ist grundsätzlich in einem Sprint erlaubt?

Die Schuld-Frage ist in diesem Vorfall enorm schwer zu klären. Klar ist, dass in einem Massensprint keine Welle erlaubt ist, um den Kontrahenten zu schneiden. Der Sprint von Arnaud Démare wäre also dementsprechend nicht in Ordnung gewesen. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass dem Gegner keine Tür zugemacht werden darf. Peter Sagan wirft man vor, er hätte Cavendish nicht genügend Platz gelassen. Da der Weltmeister aber wohl nicht auf der rechten Seite mit Cavendish rechnen konnte, ist eine Absicht nicht erkennbar. Mark Cavendish selbst muss sich einmal mehr fragen, ob er sich einen Gefallen damit tut, immer wieder in die kleinsten und gefährlichsten Lücken hineinzustoßen. Bereits zu Beginn seines Überholmanövers war für ein Überholen nicht genug Platz vorhanden, da sich die gesamte Gruppe konstant nach rechts bewegt hat. Peter Sagan ist nicht dazu verpflichtet, eine Tür aufzumachen, er darf sie lediglich nicht ruckartig schließen. Bei genauerer Betrachtung der Bilder könnte man also zu dem Schluss kommen, dass es sich um einen typischen Rennunfall handelt. Eine klare Schuldzuweisung scheint nahezu unmöglich zu sein – und ein Ausschluss ist sogar ein Skandal.

 

über den Autor

Michael Behringer

Im Jahr 1996 hat Michael Behringer seine erste Tour de France geschaut. Seitdem verfolgt er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

33 Kommentare

  1. Alexander Barth

    Als Rennrad-Laie sehe ich nach Jahren zum ersten Mal wieder die Tour. Im ersten Moment dachte ich auch das Sagan da unnötig (und damit unsportlich) viel Ellenbogen einsetzt, obwohl Cavendish offensichtlich in eine aussichtslose Position fährt. Nach der treffenden Analyse und meinem daraufhin wiederholten Studieren der TV-Bilder stimme ich Michael Behringer absolut zu.
    Einen Weltmeister so vorschnell zu disqualifizieren ist nicht weniger als ein Skandal!
    Wahnsinnig schade dass sich die Tour durch diese überhastete Aktion einem der spektakulärsten und charismatischsten Fahrer selbst beraubt.

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  2. Bernd Herrmann

    Rolf Aldag sollte ganz leise sein wenn er an seine Vergangenheit denkt.
    Der Unfall ist hier sehr gut analysiert und der Ausschluss ist völlig inakzeptabel !
    Die Tour verliert einen Zuschermagneten mit Sagan.
    Das wird auf jeden Fall die Einschaltquoten negativ beeinflussen.

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  3. Roadrunner

    Der Analyse zum Sprint von Demare kann ich nur begrenzt zustimmen. Da hat sich eine Lücke aufgetan und die hat er genutzt. Ich halte es für eine Übertreibung, dass Bouhanni fast zu Fall kommt. Mit Sagan hat das Ganze aber nix zu tun.
    Ich habe es live sofort für einen Ellenbogencheck gehalten, bevor auch nur der ARD-Reporter irgendetwas gesagt hat. Besonders die Hubschrauberperspektive zeigt dann deutlich, dass Sagan sich nicht in einer flüssigen Bewegung befindet, sondern seinen Körper nach rechts bewegt – und dann kommt der Ellenbogen Richtung Cavendish, der einfach schneller war.

    Und: es war völlig unnötig, da so auf Krawall zu fahren – für Sagan war an dieser Stelle die Etappe eh weg.

    Und eins ist ja wohl völlig klar – die Kommissare haben sich genügend Zeit gelassen für ihre Entscheidung. Die lassen eins der Zugpferde der Tour nicht einfach so gehen.

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  4. Bernhard

    Also ganz ehrlich, der Sturz beginnt vor dem Ellenbogencheck!???? Ganz klar wurde er durch den Ellenbogen nach außen gecheckt und kam deswegen zu Sturz. ,meinetwegen hat er sich mit dem Kopf gegen ihn gelehnt aber gestürzt wäre er dadurch keinesfalls. Bei cav already falling down hat er schon längst den Impuls durch den Ellenbogen bekommen. Sowas unsportliches gehört definitiv geahndet.

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  5. Michael Behringer
    Michael Behringer

    @Roadrunner:

    Sie haben Recht, dass Démare bei seinem Linienwechsel nach links eine offene Lücke nutzt. Dennoch schneidet er dabei Nacer Bouhanni extrem. Bouhanni wäre hier fast zu Fall gekommen, ebenso wie André Greipel in der Szene eine Sekunde früher. Bei solch hohen Geschwindigkeiten können kleinste Berührungen zu einem Sturz führen.

    Es ist auch richtig, dass sich Sagan nach rechts bewegt, doch dies tut er, nachdem sich Mark Cavendish durch eine Lücke drängeln will, die hier gar nicht mehr vorhanden ist. Daher schrieb ich in meinem Artikel auch von einem Auffahrunfall, denn nicht Sagan hat mit dem Ellenbogen Cavendish weggedrückt, sondern Cavendish hat sich mit seinem Kopf und seinem Oberkörper an Sagan angelehnt. Dass dieser dann – um das Gleichgewicht zu halten – dagegen drücken muss, ist doch selbstverständlich.

    So auf Krawall zu fahren, ist tatsächlich völlig unnötig, doch aus meiner Sicht ist Cavendish auf Krawall gefahren. Er fuhr mit einer höheren Geschwindigkeit in eine nicht vorhandene Lücke. Er rempelte Sagan an. Letztendlich tut es mir sehr Leid für Cavendish, dass er gestürzt ist, doch schließlich hat er diesen Sturz selbst verursacht. Wieso die Kommissare sich so entschieden haben … darüber möchte ich nicht spekulieren. Nach einer intensiven Sichtung der Bilder müssten sie ihre Entscheidung eigentlich wieder zurücknehmen.

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    1. Roadrunner

      Danke für Deine Antwort.
      Ich bin mit etwas Abstand heute morgen immer noch der Meinung, dass so Superzeitlupen und Standbilder ungeeignet sind, die Situation aufzuklären, da sie die Dynamik aus dem Geschehen nehmen. Mehrere Perspektiven sind jedoch hilfreich.

      Erstaunlich ist für mich, dass Andre Greipel seine Sicht der Dinge relativiert hat – er hat ja eigentlich zur umstrittenen Szene nix gesagt. Er meinte ja im Interview nur grundsätzlich, dass Sagan irgendwie oft „auf Krawall“ fährt. Aber nun muss ich wohl zur Kenntnis nehmen, dass die Jungs das eigentlich zum Berufsrisiko zählen.

      Sportliche Grüße
      Roadrunner

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  6. Katrin

    Ich kann mich nur anschließen – sehr gute Darstellung der Situation und Respekt dafür!!! Hier geht es um einen Sprint um den Sieg; Adrenalin pur … eine Absicht kann man Sagan nicht unterstellen und das wird offensichlich, wenn man die Bilder von oben sieht … ein Disqualifikation ist für mich ungerechtfertigt. Wie oft ist Cavendish eigentlich für die Verursachung von Stürtzen disqualifiziert?!

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  7. Philipp

    Sehe ich ganz genauso. Ich wünschte die Tour Jury würde deinen Artikel lesen. Vor allem steht diese Strafe überhaupt nicht in Relation zu vergangenen Strafen für ähnlich verursachte Unfälle. Paradoxerweise ist es Mark Cavendish höchstselbst, der wohl von nahezu jeder bisherigen Tour de France hätte ausgeschlossen werden müssen, wenn man dieses Strafmaß anlegt!

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  8. Mike

    Wenn Cavendish das Hinterrad von Demare gehabt hätte wäre alles klar. Alles andere ist Computerradsport mit zig Wiederholungen für Rennkommiseure. Endlich hats auch mal Cav erwischt. Ihr lieben Profis denkt an eure Gesundheit.

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  9. BN

    bärenstarker Artikel! Wenn die Jury nur halb so viel Radsportverstand hätte und sich auch nur halb so viel Mühe machen würden wie der Autor, hätten wir jetzt keinen Skandal

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  10. Joccen

    FEHLURTEIL
    Cavendish, der Neuzeit-Abduschaparow, hat’s immer noch nicht begriffen, das man nicht einfach überall reinhalten kann (siehe Tour-Start 2014 in England ! ! ! ) —
    wenn Sagan nicht so reagiert hätte, wie er reagiert hat, wäre er wohl von Cavendish auf die Straße geschickt worden ! ! !

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  11. Alfred Grudszus

    Was soll ich noch sagen: Michael Behringer hat im wesentlich einfach nur recht und die Situation korrekt analysiert. Als langjähriger aktiver Radrennfahrer kann ich vielleicht noch ein wenig zur Aufklärung des „Ellenbogen-Checks“ beitragen: Als Cav mit Schulter und Kopf in Sagan „hinein“ fuhr, saß Sagan sehr stabil auf dem Rad und die beiden lehnten sich nicht wie üblich „aneinander an“, was für einen Sekundenbruchteil beide stabilisiert und es ihnen ermöglicht, sich wieder voneinander abzulösen. Stattdessen „prallte“ Cavendish ab und konnte – möglicherweise weil er wie Sagan bei Paris-Roubaix auf einen Fuß des Absperrgitters fuhr, ab diesem Moment den Sturz nicht vermeiden.
    Sagan verlor dadurch, daß plötzlich rechts neben ihm die „Gegenkraft“ fehlte, für einen Moment das Gleichgewicht und machte die typische Bewegung – Arm rechts raus, Knie links – die man macht, wenn man nicht mit einer Lenkbewegung korrigieren kann. Dieselbe „Verrenkung“ macht man z.B., wenn man zu nah an eine unbefestigte Straßenbegrenzung kommt.

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  12. Thomas W.

    Sehr geehrter Herr Behringer!

    Vielen Dank für Ihre Analyse. Nun bietet sie ein wunderbares Beispiel für Wahrnehmungspsychologie, zumal im Vergleich zu Beiträgen in anderen Medien, dazu die dort haßerfüllten Kommentare – muß im Internet wohl so sein – gegen Peter Sagan. Ich halte den etwas aufgeflippen PS für einen großartigen Radsportler, Repräsentanten des Radsports, vergleichbar nur mit Mario Cipollini. Seine Leistungen sprechen für sich, auch dürfte er der Profi mit der besten Radbeherrschung sein. Ich selbst habe von 1968-2014 Radsport betrieben, war sogar ein ziemlich erfolgreicher Jugendfahrer, auch mit Sprintsiegen. Ich weiß also ansatzweise was da vor sich geht, die Tour verfolge ich seit weit über 50 Jahren.

    Dennoch: Die Jury besteht nicht aus Blinden und hat sich ihre Entscheidung zur Disqualifikation von PS sicherlich nicht leicht gemacht. Einen amtierenden Doppelweltmeister, fünffachen Gewinner des Grünen Trikots aus dem Rennen zu nehmen erfordert Mut. Ich habe heute Abend viele Bildsequenzen studiert und muß sagen: Im Zweifel für den Angeklagten. Es kam aber bei mir kein Zweifel auf. Das ist meine Meinung mit einer gewissen Sachkenntnis der Materie, vielleicht liege ich aber auch falsch. PS ist ein großes Vorbild für viele Nachwuchsfahrer – oder sollte es zumindest sein. Und auch einem Superstar darf man nicht alles durchgehen lassen, auch das sollte der Nachwuchs lernen. Vielleicht wurde gerade deswegen ein Exempel an PS statuiert, somit wäre er vielleicht auch ein wenig „Opfer“ seines Ruhms. Ein Mark Renshaw wurde aber in ähnlicher Situation 2010 ebenfalls disqualifiziert, vielleicht gilt einfach gleiches Recht für alle.

    Mark Cavendish, neben Degenkolb, war aber in dieser Situation mal wirklich das Opfer, meine ich. Ihm eine Schuld in diesem Fall zuzuweisen kommt mir vor wie einem Fußballspieler, dem gerade Schien- und Wadenbein zertreten wurden, den Vorwurf zu machen er habe sich zu nah am Gegenspieler aufgehalten. Ich habe auch oft gedacht, daß Cavandish bei deutschen Kommentatoren besonders schlecht wegkommt, weil er mal wieder Siege von Greipel, Kittel und Co. vereitelt hatte. Bilder und Kommentar wiesen für mich oft eine frappierende Diskrepanz auf wenn Cavendish siegte. Suggestivkommentare, alternative Fakten. Ja gut, ich mag den Kerl, weit mehr als etwa Marcel Kittel. Aber PS mag ich auch, ich habe meine Sympathie, ja Bewunderung eines Fahrers nie von dessen Nationalität abhängig gemacht. Und das Fahrmanöver von Arnaud Démare hat nun wirklich rein gar nichts mit dem was weiter hinten PS/Cavendish/Degenkolb machten zu tun.

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    1. StefanZ

      Pflichte der Meinung von Thomas W. absolut bei, bin zwar kein Profiradler, würde mir aber aus dem, was ich selbst gefahren bin, die Frechheit herausnehmen, zu sagen, daß der sog. ‚Ellbogencheck‘, da wo er sichtbar war, nicht mehr relevant für den Abflug war.
      Peter Sagan ist die 50m vorher nach rechts gezogen, Cavendish ist mit Risiko in die Lücke gestoßen, die aber definitiv da war.
      Wieso Sagan noch weiter nach rechts fuhr, wird er uns nicht erzählen, aber Cavendish war fast auf gleicher Höhe (50cm?), so daß er den ‚mitbekommt‘. Das Anlehnen von Cavendish war kein Kampfrempler, es war der Erkenntnis geschuldet, daß Sagan dauernd weiter nach rechts zog und das dann nicht mehr reichen wird.
      Ich würde denken, daß Sagan mitbekommen hat, daß da jemand noch rechts vorbei will und sich deshalb noch ein wenig breiter gemacht hat bzw. weiter nach rechts gezogen ist, das ist aber dann nicht mehr i.O.

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  13. Michael Fischer

    Der Analyse kann ich nur zustimmen. Auch in der Vergangenheit hat Cav sich oft mit Kopfstössen den Weg unverantwortlich freigeboxt. Also auch hier mit ein Auslöser des Sturzes.
    Was mich allerdings auch unabhängig von den Videos und Fotos stutzig macht, ist das offensichtliche Schuldbeweißtsein des Peter Sagans – zumindestens interpretiere ich seine sofortige Entschuldigung am Teambus von Data als solche.
    Ergo: Distanzierung und Zeitstrafe wäre ok – Ausschluß überzogen.

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  14. Udo G.

    Top detaillierte Analyse. Chapeau !!!!
    Ob das Sagan hilft ? Cavendish ist ja auch nicht unbedingt ein Heiliger, ohne PS ist die Tour nur halb so interessant.

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  15. Christian S.

    Die Disqualifikation ist absolut richtig. Man kann über vieles reden, aber die Ellbogengeschichte runterzuspielen geht nicht. Cavendish hat sich über die Fahrweise Sagans nicht beschwert, er weiß warum, seine Worte zu der Ellbogenaktion und der Ankündigung darüber unter Freunden noch reden zu müssen, spricht aber auch Bände.

    Egal wie stark oder schwach die Berührung war, die kann keiner als normal bezeichnen. Für mich war das sogar in dem Moment absolute Absicht und dem gilt Einhalt zu gebieten.

    Und das sage ich zähneknirschend als riesen Fan von Peter Sagan und Bora. Sagan hat überzogen und muss raus aus der Tour, sonst erleben wir irgendwann, wenn sich sowas weiter verselbstständigt, noch mal Totesfälle nach überharten Fouls auf der Zielgeraden.

    Ein Tourausschluss ist hart für Sagan, hat aber genau das richtige Maß an abschreckender Wirkung. Das hat er sich leider selbst zuzuschreiben und provoziert, es war nur eine Frage der Zeit so skrupellos wie er gerade generell fährt.

    Ich hoffe man bleibt bei dem Urteil, ein Skandal ist es mitnichten!!!

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  16. Andreas D

    Ich stimme fast vollständig zu, nur finde ich nicht, dass irgend ein Fahrer hier übermäßig aggressiv gefahren ist. Die Lücke war definitiv zu klein, der Ellenbogen geht natürlich raus wenn sich einer anlehnt, alles in allem ein unschöner Rennunfall, aber Sprinter fahren nun mal am Limit.

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  17. Christian Z

    Sagan kann man keine Absicht unterstellen. Cavendish ist auch sehr eng an Sagan herangefahren. Es ist eben ein Zielsprint. Sagan musste sich außerdem ausbalancieren.

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  18. Tobi

    Herr Behringer – RESPEKT! Das ist eine nüchterne und vor allem faktenbezogene Analyse.
    Sagan ist hier wohl eher Opfer denn Täter.
    Beim netten Herrn Cavendish sollte man mal an seinen Menschenverstand appellieren. Dieser Typ fährt ohne Rücksicht auf Verluste und immer auf Kosten anderer Fahrer. Dass er gestürzt und sich verletzt hat, tut mir leid; dass das für ihn das Tour-Aus bedeutet ist jedoch mehr als gerecht und eine Quittung für seine jahrelang gezeigte Fahrweise. Und zu diesem Herrn Aldag … sage ich jetzt besser nix.
    Aber klar ist, der Fahrer eines Hauptausrüsters der Tour und gleichzeitigen Team-Sponsors (Dimension-Data) hat natürlich immer Recht. Geld regiert natürlich auch die Radsport-Welt.
    Für mich ist die Tour an dieser Stelle jedenfalls beendet.

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  19. Robert Obermaier

    Habe den Sprint gestern am TV gesehen und zunächst auch gedacht,, dass PS den Cav in die Bande geschickt hat…. nachdem ich jetzt den Artikel von Herrn Behringer gelesen habe und auch weitere Fotos gesehen habe, bin ich der Meinung, dass der Tour-Ausschluss von PS eine Fehl-/ bzw. zu harte Entscheidung war!

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  20. Seb

    Sagan’s Ellenbogen geht eh nur deswegen raus, weil Cavendish mit dem Lenker unter seinem Arm eingefädelt hatte und schon mit diesem am Arm zog. Sagan hätte also die Wahl gehabt, mit der Hand loszulassen und dabei selbst abzusteigen oder eben die Ausweichbewegung mit dem Arm/Ellebogen zu machen, wie er es gemacht hat. Punkt!

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  21. Ulrich Braun

    Die Situation ist kompliziert und ich bezweifle, dass sich eine „Schuld“ eindeutig feststellen lässt. Auch was eine mögliche Absicht oder die strafwürdige Inkaufnahme des Risikos, einen Konkurrenten ernsthaft zu verletzen, angeht, bin ich heute vorsichtiger als noch gestern Abend. Für die Beurteilung der Fahrweise von Peter Sagan gibt es belastende und entlastende Gesichtspunkte. Was seinen angeblichen Ellenbogencheck angeht, so ist der, wie hier richtig beobachtet und argumentiert wurde, wohl nicht ursächlich für den Sturz und vermutlich auch gar nicht als aggressive Handlung gemeint, sondern eher Teil einer Balancierbewegung, um nicht selbst zu Sturz zu kommen. Wenn man allerdings die Szene aus der Vogelperspektive anschaut, sieht man, dass Mark Cavendish auf einer Linie hinter Démare herfährt, dass dann (beinahe gleichzeitig) Peter Sagan von rechts nach links in die Fahrlinie von Démare wechselt und Démare im selben Moment nach links zieht. Da Mark Cavendish nicht unmittelbar am Hinterad von Démare fährt, sondern eine kleine Lücke von etwa einem halben Meter klafft, könnte Peter Sagan für einen winzigen Moment gemeint haben, er könne sich an das Hinterrad von Démare hängen. Das aber war ein Fehler, denn auf der Linie folgte Cavendish – und zwar mit einer Geschwindigkeit, die höher war als die von Peter Sagan. Der Vorwurf an Mark Cavendish, er habe in eine Lücke reingehalten, die gar nicht mehr da war, lässt sich damit auch nicht so richtig halten. Denn wenn Démare zunächst auf der rechten Seite durchzieht, musst Mark Cavendish damit rechnen dürfen, auf seiner Linie folgen zu können. Dass Peter Sagan sich da reinschiebt, ist nicht ok. Nur brutale Absicht ist das von Sagan wohl auch nicht gewesen. Nach seinem Eindruck, der eben in einem Sekundenbruchteil entstand, war die Möglichkeit da, Démare zu folgen. Als er die Welle nach rechts erstmal gefahren war, war das Unglück nicht mehr abzuwenden. Dass dabei dann auch noch sein Ellenbogen rausging, ließ es noch fieser aussehen. Die Ellenbogenbewegung war aber nicht ursächlich für den Sturz, sondern eine Folge im Ablauf des Unfallgeschehens. Der Spurwechsel in die Linie von Démare und Cavendish war aus dieser Sicht der Auslöser. Ob die Strafe auch dann angemessen ist, wenn man den Vorwurf der Absicht fallen lässt, ist eine andere Frage. Ganz unbegründet ist die Strafe nicht, nur eben sehr sehr hart.

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  22. Christian S.

    Nach etwas abkochend er Emotionen würde ich auch etwas zurückrudern, aber eben auch Herrn Braun zustimmen. Die Analyse wird der Dynamik nicht gerecht und sie wird auch nicht dem gerecht wie Peter Sagan bei dieser Tour drauf war.

    Erstmal ist Peter Sagan ein großartiger Sportsmann und Typ, was er auch bei seinem Abgang zeigt. Aber er ist auch ein extremer Draufgänger, der Risiken nimmt, die kaum ein anderer nimmt. Und wenn man sich seinen Fahrstil anschaut, dann war er bei dieser Tour, nett ausgedrückt, doch sehr überehrgeizig, übermotiviert und entsprechend draufgängerisch bis skrupellos unterwegs.

    Dies wiegt auch mit, wenn man über schuldig oder unschuldig mit wenig Klarheit entscheiden muss. Angeblich, dies habe ich aber noch nicht prüfen können, haben die Rennkommissare bei dem Sturz wenige Kilometer vor dem Ziel auch Sagan als verantwortlich bzw. mitverantwortlich auf dem Zettel und deshalb die ursprüngliche Strafe noch einmal verschärft. Diese Andeutung kam eben live auf ONE.

    Vielleicht ist ja hier jemand, der die Zeit hat das mal zu prüfen 😉

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  23. Hans

    Hier sollte man nicht zwei Sachen vermischen: Sagan hat den Unfall verursacht. Er hat Cavendish von Hinterrad Bouhannis glaube ich wars weggedrängelt und danach kam für Cavendish nur noch die Bande. Kann und sollte man bestrafen.
    Was ihm aber unterstellt wird ist dass er das mit einer Vorsätzlichkeit gemacht hat, die über das „normale“ Hauen und Stechen beim Sprinten weit hinaus geht. Und das ist da einfach nicht gewesen. Ellenbogen hin oder her ist der Tour-Ausschluss damit eine extrem seltame Entscheidung.

    Mich würde interessieren wie es dazu kam und wer da mit/gegen wen Politik betreibt.

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  24. Hobbyfahrer

    Für mich war die Entscheidung der Jury richtig.
    Dadurch, dass Sagan dieses Urteil nicht annimmt zeigt er und sein Team umso mehr, dass es keinerlei Mitgefühl für den verletzten Marc Cavedish gibt. Mich enttäuscht diese Haltung!
    Anstatt die Jury anzugreifen sollte man umdenken. Jeder Fahrer sollte damit beginnen fairer zu fahren.
    Die Jury hat ein Zeichen gesetzt und das ist für Sagan hart. Aber für Cavendish, der sicher eine kleine Mitschuld hat ist es noch härter.
    Alle sollen fairer fahren!
    Rempeleien und Ellbogeneinsätze will ich nicht sehen!

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