Cyclingworld 2025: Fahrradkultur, Technik und mehr in historischen Industriehallen – mit diesem Rezept wird die Düsseldorfer Frühjahrsmesse von Jahr zu Jahr beliebter. Wir waren vor Ort und haben interessante Produkte von Marken wie Leeze, Rose, Ampler, Specialized oder Diamant mitgebracht.
Die Düsseldorfer Frühjahrsmesse ist ein Phänomen. Sie ist ebenso B2C-Event für Verbraucher wie Radkultur-Ausstellung und Neuheiten-Show, zu den Ausstellern zählen ebenso kleine Manufakturen mit fahrradspezifischen Accessoires wie große Marken, die sich teils durch lokale Händler vertreten lassen. Und während der eine oder andere Messestand mit Dutzenden von Quadratmetern schon fast Eurobike-Format hat, zeigen viele große Marken auf winzig kleiner Fläche Flagge – Hauptsache man ist präsent mit seinen Laufrädern, Komponenten und Bauteilen, kann interessierte Nutzer informieren oder brancheninterne Fachgespräche führen.

Ein wichtiges Merkmal sind auch die umfangreichen Testmöglichkeiten, durch die man E-Bikes, Lastenräder, Rennmaschinen und Gravelbikes en masse „erfahren“ kann – die 27.000 Besucher brachten es auf ganze 12.000 Testfahrten; zum Rahmenprogramm gehörten unter anderem die Verleihung der Cyclingworld Awards, Talks und sogar ein staubiges Querfeldeinrennen. 330 Aussteller waren mit 480 Marken vor Ort, und wenn etwas die Freude trübt, ist es die Tatsache, dass die Messe im historischen Areal Böhler bereits jetzt an ihre Grenzen stößt, so groß ist das Interesse bei der Industrie wie beim Publikum. Ein Besuch lohnt sich – und wer nicht da war, kann sich hier eine Auswahl interessanter Produkte anschauen.
Ampler: Laden war nie so einfach
Die innovative E-Bike-Marke aus Estland bleibt ihrer Philosophie treu: Auch die dritte Generation der schlichten Elektroräder setzt auf den harmonischen Schub eines Heckmotors und die schlanken Linien, die ein integrierter 336-Wh-Akku erlaubt. Eine interessante Neuheit ist die USB-C-Buchse, die das Laden des Akkus veeinfachen soll – beim neuen Ampler reicht selbst ein Notebook-Charger aus, um den Speicher zu füllen. Dabei sollen 80 % Ladung in recht kurzer Zeit erreicht sein.

Sogar mit einer Powerbank soll es funktionieren – eine solche kann dann als Range Extender dienen. Andersherum kann man sein Handy an das Bike anschließen und vom Antriebsakku laden lassen. Nach wie vor bietet Ampler seine Modelle als Singlespeeder mit Zahnriemen sowie mit Kettenschaltung an; die gut 16 Kilo leichten Bikes sind ab 2.790 Euro verfügbar.
Rose Hobo: Stahlrad mit Rennlenker und Cyclingworld-Award für Tourenbike
Mit Stahl geben sich sich nur noch wenige große Hersteller ab. Umso überraschender kam das Hobo von Rose; und noch einmal interessanter ist dessen neue Dropbar-Variante.

Mit relaxter Geometrie auf Radreisen und lockere Touren zugeschnitten, bietet das Hobo zahlreiche Montagepunkte für Träger und Zubehör; ab Werk kommt es mit einem recht großen Frontträger für Taschen etc. Der supersolide Stahlrahmen wird mit einer Carbongabel kombiniert; am Rahmen fallen bei Stahl ungewöhnliche Details wie die Leitungsführung im Unterrohr und das UDH-Schaltauge auf. Ebenfalls selten, aber hier durchaus sinnvoll sind die 650B-Laufräder mit 47 mm breiten Reifen. Mit einem Preis von knapp 1.900 Euro ist dies eines der ungewöhnlichsten Bikes im Portfolio des Versenders und ein interessantes Angebot für Klassik-Freunde.
Mit einem Messepreis in Silber bedachte die Cyclingworld das Rose Sneak 1 EQ, das für ein sportliches Touren/Trekkingbike interessante Details bietet. Integrierte Leitungen sorgen für einen sauberen Look; die Frontleuchte scheint zu fehlen und wird nach einigem Suchen im Lenker entdeckt – laut Anbieter hell genug für die Stadt und Touren bei schlechtem Licht. Hünsch ist auch das verdeckte Steckachgewinde in der Gabel. Das Sneak 1 EQ ist mit Shimano Cues 2×10 für 1.699 Euro erhältlich; mit Pedalen wiegt es rund 14 Kilo.
Diamant Nhoma: Randonneur mit viel Komfort
Wo das klassische Reiserennrad diverse Nachteile des sportlichen Renners mitbrachte – gestreckte Sitzhaltung, schmale Reifen –, zeigt sich das neue Diamant Nhoma deutlich zeitgemäßer. Der mit Supernova-Strahler, breit abgestufter Shimano GRX 1×12 (10-51 Zähne) und Brooks-Sattel hochwertig komplettierte Tourer gefällt mit hohem Sitzkomfort, ohne dabei unsportlich oder wuchtig zu wirken. Zahlreiche Montage-Optionen machen das Nhoma uneingeschränkt reisetauglich, dabei ist es auch als sportliches Alltags- oder Pendlerbike ideal. Gefallen kann auch der Preis von 1.999 Euro.

Specialized Turbo Vado mit Sonderlack
Ein ungewöhnliches Sondermodell des Vado war die Hauptattraktion am Stand von Specialized: Das SL 2 Carbon LTD ist auf 250 Exemplare limitiert und mit speziellen Bauteilen auf minimales Gewicht optimiert. So ist ein Carbon-Radsatz der Eigenmarke Roval verbaut, und auch eine Carbonstütze darf nicht fehlen. Für Komfort sorgt die Future-Shock-Gabel, für Sicherheit die Lichtanlage, wobei die Rückleute in den Sattel integriert wurde. Das Specialized Turbo Vado SL 2 Carbon LTD wiegt rund 15 Kilo und wird für 9.000 Euro gehandelt – falls man noch eins bekommt.

Cyclowax: So schnell und sauber wie die Profis
Keine klebrigen Finger mehr beim Auflegen der Kette oder beim Hinterradausbau, nie mehr mit schwarzer Schmiere kontaminierte Klamotten – alleine das ist das beste Argument dafür, die Kette zu wachsen statt zu ölen. Anbieter Cyclowax führt weitere Vorteile an, so 4 bis 8 Watt Leitungseinsparung und eine bis zu dreimal längere Nutzungsdauer von Kette, Kassette und Zahnkränzen.

Mit vorgewachsten Ketten will das belgische Unternehmen Einsteigern die Sache schmackhaft machen (10-fach ab 75 Euro, 12-fach ab 80 Euro); wer dem Zauber von Sauber verfallen ist, bekommt für 140 Euro das Komplettset zum Heißwachsen der eigenen Kette. Dazu noch das Entfetter-Kit für 40 Euro, und es kann losgehen. Wir gerantieren: Wer es einmal versucht hat, will nie mehr zurück.
Das schönste Mini-Peloton
… kommt vom Briten Rowley Haverly. Die zentimeterhohen Figuren sind bekannt, was er aus ihnen macht, ist außergewöhnlich: Seine handgemalten Trikots mit feinsten Details, Brillen, Bärte und Kopfbedeckungen sind in diesem Genre einzigartig, und die Diorahmen klassischer Rennszenen, die er fertigt, lassen einen einfach nur staunen. Im Angebot sind auch diverse Druckerzeugnisse, und auch individuelle Wünsche können umgesetzt werden. Aber auch Standards wie Andy Hampsten am Gavia werden die Herzen der Fans höhe schlagen lassen.
Velo de Ville: Cargobike im Kleinformat
Als Alternative zum Kindersitz bietet der Custom-made-Hersteller Velo de Ville einen extralangen Heckträger an, der mit Haltestange und Kissen für größere bestimmt bequemer ist als ein klassische Kindersitz. Die klappbaren Fußrasten erleichtern das Aufsteigen, sodass das Kind nicht mehr hochgehoben werden muss, und die großflächige Speichenabdeckung sorgt für Sicherheit. Klar, ein richtiges Lastenrad wie Velo de Ville Loady (Longtail) oder FR8 (Long John) ist diese Variante nicht. Zur Erweiterung eines konventionelles E-Bikes taugt der Spezialträger aber allemal.
Drössiger: Solides Material mit individuellem Touch
Achtgangnabe und Scheibenbremsen, ein schlanker Alu-Rahmen und pannenfeste Reifen: Das ist für viele das archetypische Alltagsrad, und im Konfigurator von Drössiger kann man es nach Lust und Laune lackieren lassen. Die Schutzbleche in Rahmenfarbe oder in Kontrastfarbe? Dezentes oder knalliges Dekor? Wer sich solche Fragen hat, ist bei der westdeutschen Manufaktur an der richtigen Stelle – und zahlt etwa für das gezeigte Modell knapp 1.450 Euro.
3T: farbenfroh und schnell im Wind
Beim italienischen Hersteller 3T ist es wie überall dort, wo ein Produkt in unterschiedlichen Farbtönen gezeigt wird: Man will sie einfach alle haben! Die Serienausführungen des Racemax sind allerdings nicht ganz so bunt; wobei die Investition des Anbieters in eine Lackiererei vielleicht ja mal zu auf Wunsch gefärbten Einzelstücken führt.
Nur zwei Farboptionen und derzeit nur eine Ausstattungsveriante sieht 3T für die Aero-Rennmaschine Strada vor: schwarz oder weiß, mit Shimano 105 Di2 und hauseigenen Carbonlaufrädern – dennoch ist der aerodynamisch optimierte Renner auch durch seine lange Tradition ein sehr attraktives Modell, wenn auch mit 5.755 Euro nicht ganz günstig.
Leeze CH 50 Basic Allroad: Schneller Radsatz für breite Reifen
Der Laufradbauer aus dem Müsnterland hat seine Basic-Serie modernisiert und deutlich am Gewicht gespielt. Die neuen Leeze CH 50 Basic Allroad mit 50 mm tiefem Profil wiegen nur noch gut 1.400 Gramm; die Hookless-Felgen sind dabei mit 25 mm Maulweite und 33 mm Außenbreite auf Gravel-Reifen zugeschnitten und mutmaßlich sehr aerodynamisch. Bereits 30er Reifen dürfen montiert werden, sodass der Radsatz durchaus auch ans Rennrad passt. Neu sind die Straightpull-Speichen, günstig nach wie vor der Preis: Für 999 Euro dürfte vergleichbares Material nur schwer zu finden sein.

The Vandal: Retro-Look und Radbekleidung aus Belgien
Vom belgischen Nationaltrikot bis zum klassischen Simplex-Schaltwerk setzt The Vandal typische Radsportmotive gekonnt in coole T-Shirts um. Dazu gibt es funktionelle Radbekleidung, Accessoires und sogar Babykleidung, alles „Fair Wear“-zertifiziert und überwiegend in Westeuropa gefertigt. Hiermit kann man sich guten Gewissens als Radsportfan outen!
Bombtrack Munroe Cargo: ungewöhnlich transportieren
Der Kölner Anbieter ist gekannt für Bikes abseits des Mainstreams, was auch das Munroe Cargo zeigt. Mit 50er Reifen und 650B-Hinterrad und 20-Zöller vorne ist die Silhouette des kompakten Lastenbikes ungewöhnlich; 30 Kilo Belastbarkeit sprechen für die Stabilität des tief angebrachten Frontträgers. Mehr als 2×9-Schaltung, Hydraulikbremsen und ein Doppelständer sind aber nicht dran am Alu-Rahmen, zumindest einen großen Heckträger würde man sich wünschen. Ein Cyclingworld Award gab’s trotzdem für das knapp 1.700 Euro teure Bike.
Scott Silence E-Ride: Wirklich ein E-Bike?
Im Road-Bereich wird es immer schwieriger, Bio- und Elektrobikes auseinanderzuhalten. Erstere wirken heute mit aerodynamischen Rohrformen oft recht voluminös; letztere profitieren von immer kompakteren Motoren. Das zeigt auch das Scott Silence E-Ride: Im Carbonrahmen stecken TQ-Mittelmotor und 360-Wh-Akku, was man freilich nur an Details wie der Ladebuchse und dem Display auf dem Oberrohr erkennt. Nicht vertun kann man sich jedoch beim kräftigen Schub, die ein Drehmoment von 50 Nm liefert.

Der kleine Frontträger packt bis zu sieben Kilo; Lichtanlage und Parkständer sind an Bord und für Eleganz sorgt das Carbon-Cockpit mit integrierten Leitungen. Mit all dem kostet das Silence 7.499 Euro; wer auf die elektronische Schaltung verzichten kann, steigt bereits für 5.999 Euro auf.
Orbea Avant H30: Günstiger Einsteiger mit Upgrade-Optionen
Ein solider, schön gemachter Alu-Rahmen mit glatten Schweißnähten, eine mechanische Shimano 105 mit 2×12 Gängen – wer mit dem Radsport anfangen will, braucht nicht mehr. Der baskische Hersteller bietet ein solches Paket in Form des Avant H30 für angenehme 2.099 Euro und sorgt mit kommoder Sitzhaltung sowie Reifenfreiheit bis etwa 38 mm für vielseitige Einsatzbereiche von der Pendelstrecke bis hin zu „Gravel light“.

Orbea liefert eine Carbongabel und komplett integrierte Leitungen vom Vorbau bis zur Kettenstrebe; interessant ist die Möglichkeit, eine Transportbox für Zubehör unters Unterrohr zu montieren. Auf der Homepage bietet Orbea außerdem gleich ein paar Upgrades an: Für 150 Euro Aufpreis kann man das Avant mit Carbonstütze ordern; für 200 Euro mehr kommt es mit Carbonlenker und wer 1.000 Euro dazugibt, rollt ab dem ersten Kilometer auf einem leichten Carbon-Laufradsatz.
Van Rysel: Großer Auftritt mit schnellem Rad
Die Radsport-Marke von Decathlon ging auf der Cyclingworld mit einem weiträumigen Messestand in die Vollen. Zentrales Ausstellungsstück: das neue Aero-Rennrad Race RCR-F Pro CF, das gegenüber seinem Vorgänger um 13 Watt windschnittiger und um 7 % steifer sein soll. Was man dem Boliden mit seinen flächigen Formen auch ansieht – ergänzt durch die tiefen SwissSide-Laufrädern, ist man auf so einem Rad sicher schnell unterwegs.

Zu den Highlights des RCR-F Pro CF gehört ein spezielles Cockpit, das eigens vom Spezialhersteller Deda für Van Rysel gefertigt wurde; sehr hochwertig ist natürlich die Komplettierung mit Shimano Ultegra Di2. Als kleiner Trost für die Wettbewerber kann man den Preis des neuen Profi-Renners anführen: Mit 6.499 Euro bewegt sich Van Rysel inzwischen in den Regionen der etablierten Fachhandelsmarken. Beste Aerodynamik gibt es auch in Lille nicht zum Mini-Preis.
