Test / Ratgeber: Der 4iiii Precision 3+ ist ein Powermeter, der in seiner MTB-Ausführung an Shimano E-Mountainbikes eine Lücke schließen kann: Die Antriebe EP8, EP6 und EP801 messen zwar die Fahrerleistung, geben sie aber nicht nach außen weiter. Wer auf dem E-MTB trainieren und seine Wattwerte sehen will, muss deshalb nachrüsten. Wir haben uns angesehen, wie gut das mit der Leistungsmesskurbel von 4iiii funktioniert – und wo die Grenzen liegen.
Alle Infos auf einen Blick
- Powermeter, einseitig, kompatibel mit Shimano Hollowtech II Kurbeln oder Shimano Mittelmotoren (EP8, EP6, EP801)
- Löst das Problem, dass Shimano EP8, EP6 und EP801 ihre Leistungsdaten nicht an Radcomputer ausgeben
- Sehr flach bauende Messeinheit – gut für die begrenzte Freigängigkeit an der Kettenstrebe
- MTB-Kurbelarme aktuell erst ab 170 mm Länge erhältlich
Leistungsmessung am E-MTB – wieso eigentlich?
Powermeter sind keine neue Technologie. An Rennrad, Gravelbike und vermehrt auch am MTB gehören sie längst zum Alltag, es gibt sie einseitig und zweiseitig, und wir haben die Funktionsweise bereits in einem ausführlichen Artikel erklärt. Am E-Mountainbike ist das Thema dagegen deutlich weniger präsent. Die naheliegende Frage lautet also: Warum sollte man ausgerechnet an einem Rad mit Motor die eigene Leistung messen wollen?
Die Antwort hat mit der Entwicklung der vergangenen Jahre zu tun. E-Mountainbikes waren lange vor allem ein Angebot für Fahrer, die sich nicht allzu sehr anstrengen wollten – das ist auch heute noch ein Teil der Zielgruppe. Dazu gekommen sind aber all jene, die in weniger Zeit mehr Trails fahren wollen: Leute unter Zeitdruck, die sich auf die Abfahrt konzentrieren möchten. Inzwischen fahren also auch sehr fitte Sportler E-MTB, und viele davon wollen auf dem Rad trainieren. Eigentlich ist ein modernes E-MTB dafür bestens gerüstet, denn jeder Antrieb muss die Fahrerleistung messen, um überhaupt dosiert unterstützen zu können.
Das Problem mit Shimano EP8, EP6 und EP801
Genau hier beginnt die Schwierigkeit. Die weit verbreiteten Shimano-Motoren EP8, EP6 und EP801 stecken in zigtausenden E-Mountainbikes weltweit und verfügen über eine integrierte Leistungsmessung – nur kommunizieren sie diese Daten nicht nach außen. Wer mit Garmin, Wahoo und Co. unterwegs ist, bekommt die eigene Eingangsleistung weder angezeigt noch aufgezeichnet. Trainingssteuerung nach Watt? Fehlanzeige. Für sportlich ambitionierte Fahrer ist das seit Langem ein Ärgernis. Dass Shimano nach so vielen Jahren seit der Markteinführung der Antriebe die Funktion nachliefert, dürfte ausgesprochen unwahrscheinlich sein.
Einen Powermeter am E-MTB nachzurüsten ist allerdings gar nicht so einfach. Eine Option sind Leistungsmesspedale, die sich grundsätzlich an jede Kurbel schrauben lassen. Bei unserer Recherche haben wir fürs Mountainbike allerdings ausschließlich Anbieter mit SPD-System gefunden. Das Klicksystem ist zwar weit verbreitet, aber eben nicht für jeden die richtige Wahl: Wer auf Flatpedals setzt oder ein anderes Klicksystem wie z.B. Crankbrothers fährt, steht mit Wattmesspedalen schlicht im Regen.
Leistungsmessung über den Kurbelarm
Bleibt die Messung im Kurbelarm. Praktischerweise nutzen die Shimano-Motoren dieselbe Achsaufnahme wie die etablierten Hollowtech II Kurbeln von Shimano. Wer einen einseitigen Powermeter wählt und ihn auf der Nicht-Antriebsseite montiert, kann dort alles verbauen, was auch an eine normale Shimano-Hollowtech-2-Kurbel passt.
Eine Einschränkung gibt es dennoch: Die Messtechnik sitzt bei allen Anbietern in einem kleinen Kästchen auf der Innenseite des Kurbelarms, in dem Dehnungsmessstreifen, Elektronik und Funkmodul untergebracht sind. Trägt dieses Kästchen zu dick auf, passt die Kurbel nicht mehr an der Kettenstrebe vorbei. Hier spielt der 4iiii Precision 3+ seine Stärke aus: Die Einheit baut mir rund 5 Millimetern sehr flach, sodass es an kaum einem E-MTB zu Platzproblemen kommen dürfte. Nachmessen sollte man trotzdem – auf der 4iiii-Seite gibt es dafür eine Schablone und Hinweise, wie man das am eigenen Rad korrekt ausmisst.
Preis und Einordnung
Der Preisvorteil gegenüber Leistungsmesspedalen ist ein weiteres Argument für die Kurbellösung. Je nach Variante liegt man beim 4iiii Precision 3+ für eine einseitige Messung bei rund 300 bis 400 Euro. Das ist nach wie vor viel Geld, für die Nachrüstung am E-MTB aber eben auch die einzige nennenswerte Investition – und für viele die einzige praktikable Option überhaupt.
Eine kleine Hausaufgabe bleibt: Da der Kurbelarm auf der Antriebsseite der originale E-Bike-Arm bleibt, muss man darauf achten, dass die Längen zueinander passen. Und genau hier liegt ein wunder Punkt: Die MTB-Kurbeln gibt es derzeit erst ab 170 Millimetern. Für ein modernes E-Mountainbike ist das fast schon zu lang; 165 Millimeter, wie sie 4iiii bei Rennrad- und Gravelkurbeln teilweise anbietet, wären hier das sinnvolle Minimum.
4iiii Precision 3+ im Test: So funktioniert es am Shimano E-MTB
Wir haben die Nachrüstung ausprobiert – und das Ergebnis ist erfreulich unspektakulär. Die Montage funktioniert Plug and Play, der Kurbelarm ist in wenigen Minuten verbaut, und anschließend arbeitet alles genauso wie an einer normalen Kurbel. Die Verbindung zum Radcomputer, egal ob Garmin, Hammerhead oder ein anderes Gerät, klappte ohne Komplikationen.
Auf dem Display stehen damit neben den üblichen Daten, die das E-Bike ausgibt – etwa dem Ladestand des Akkus – endlich auch die eigenen Wattwerte. Nach der Fahrt landen sie wie gewohnt in der Trainings-App und lassen sich auswerten. Genau das ist der Punkt, an dem sich der Aufwand für ambitionierte Fahrer auszahlt: Aus dem E-MTB wird ein Rad, auf dem sich strukturiert trainieren lässt.
Für wen sich der 4iiii Precision 3+ eignet
Aus unserer Erfahrung und aus den Diskussionen im Netz wissen wir, dass viele E-MTB-Fahrer nach genau so einer Lösung suchen. Wer an einem Shimano E-Mountainbike eine Leistungsmessung nachrüsten möchte, findet in den Kurbeln von 4iiii eine funktionierende, vergleichsweise bezahlbare und vor allem pedalunabhängige Antwort – ein echter Vorteil für alle, die nicht auf SPD festgelegt werden wollen.
Die Einschränkung bei der Kurbelarmlänge bleibt der einzige nennenswerte Kritikpunkt. Wer mit 170 Millimetern leben kann oder ohnehin damit fährt, bekommt eine valide Option. Wer kürzere Kurbeln bevorzugt, muss aktuell noch warten. Und in jedem Fall gilt: vor dem Kauf die Freigängigkeit an der Kettenstrebe prüfen, auch wenn der flach bauende 4iiii Precision 3+ hier erfahrungsgemäß wenig Probleme macht.



