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Das Bulls Gravelbike Programm: Vielseitig aufgestellt mit und ohne Motor

7. Oktober 2026 by Marcus Degen

Das Bulls Gravelbike Programm: Die Kölner Radmarke stellte schon vor zehn Jahren ihr erstes Gravelbike vor. Inzwischen ist das Portfolio breit aufgestellt und bietet Alltagsradlern wie Rennfahrerinnen speziell abgestimmte Modelle, und E-Gravelbikes gibt’s natürlich auch.

Natürlich weiß heute jede/r, was ein Gravelbike ist. Schließlich hat keine unmotorisierte Fahrradgattung in letzter Zeit so hohe Wellen geschlagen, und vom Sport bis zur Alltagsnutzung sind die Gelände-Rennräder inzwischen weit verbreitet. Doch vor zehn Jahren war das noch ganz anders. Zu jener Zeit hatten nur wenige Radhersteller das neue Konzept auf dem Schirm; Rennräder waren wegen ihrer Felgenbremsen noch auf schmale Reifen festgelegt und die für den Geländesport vorgesehenen Cyclocross-Bikes kamen aufgrund der ambitionierten Sitzgeometrie nicht aus ihrer Nische heraus.

Das Bulls Gravelbike Programm: vom E-Allrounder bis zum Carbon-Racebike

Eine Radmarke, die schon damals das Potenzial der neuen Gattung erkannte, ist Bulls. Die auf Mountainbikes spezialisierten Kölner hatten seit langem Rennräder im Programm, allerdings eher auf die Allround-Nutzung abgestimmte Modelle – und vielleicht war das genau der Punkt. Denn für den entspannten Breitensport sind Modelle mit mehr Reifenvolumen und leicht zu bedienenden Scheibenbremsen natürlich deutlich besser geeignet.



Und so montierte Bulls schon an die erste Version des Grinder 40 mm breite Reifen; diverse Gewindebohrungen zur Anbringung von Schutzblechen und Gepäckträger gab es auch bereits. Wie früh dran die Kölner damit waren, lässt sich auch daran ablesen, dass selbst fünf Jahre nach dem ersten Bulls Grinder viele sportliche Marken Cyclocross-Bikes mit 35-mm-Reifen zum Velomotion-Graveltest schickten.

Bulls Grinder 3: preiswerter Alleskönner mit solider Ausstattung.

Was hat sich seit dem ersten Bulls-Gravelbike getan? Das Bulls Grinder ist natürlich immer noch im Programm und wird inzwischen als „Adventure“-Modell in drei Varianten geführt. Nach wie vor basiert es auf einem Aluminiumrahmen, der sich in den vergangenen Jahren aber deutlich verändert hat: Zum Modelljahr 2021 bekam das Rad eine komplett neue Geometrie verpasst, die eine deutlich Abkehr vom am Rennrad orientierten Zuschnitt darstellte. Das Bulls Grinder 2.0 war mit steilerem Sitz- und flacherem Lenkwinkel deutlich am Mountainbike orientiert, und an diesem Konzept hat sich bis heute nicht viel geändert.



Bulls Grinder 3: Vielseitiges Alu-Modell im modernen Look

Das aktuelle Topmodell Bulls Grinder 3 wirkt natürlich deutlich moderner. Der Rahmen ist markanter geworden; zusätzliche Montagemöglichkeiten auf und unterm Oberrohr sowie an der Gabel sorgen für mehr Flexibilität. Die aktuelle Generation des Bulls-Gravelbikes kann außerdem mit bis zu 50 mm breiten Reifen gefahren werden; Züge und Leitungen sind komplett innenverlegt und die Hinterradaufnahme ist im zeitgemäßen UDH-Standard auslegt.

Bulls Grinder

  • Aluminiumrahmen und Carbongabel mit integrierten Leitungen, UDH-Hinterbau und Steckachsen
  • Zahlreiche Anbaumöglichkeiten für Taschen, Gepäckhalterungen und Schutzbleche
  • 50 mm Reifenfreiheit
  • Angenehm aufrechte Sitzhaltung
  • Drei Modelle von 1.099 bis 1.499 Euro
Die Bulls-Gravelbikes sind dank UDH-Aufnahme mit allen modernen Schaltsystemen kompatibel.
Ein schönes Detail an der Carbongabel ist das verdeckte Achsgewinde.


Bulls stattet das Grinder 3 mit Shimano GRX 1×12 aus und damit ziemlich modern; dazu gibt es einen soliden Alu-Radsatz und 45 mm breite Schwalbe-Reifen. Für das ganze Paket werden 1.499 Euro fällig, womit das Bulls im Vergleich zu früheren Modellgenerationen massiv im Preis reduziert wurde. Wer sich mit Zehngangschaltung und mechanischen Scheibenbremsen zufrieden gibt, ist beim Bulls Grinder 1 sogar mit 1.099 Euro dabei. Dazu gibt es den Daily Grinder mit alltagstauglicher Vollausstattung in drei Varianten ab 1.399 Euro.

Bulls Daily Grinder

  • Aluminiumrahmen und Carbongabel mit integrierten Leitungen
  • UDH-Hinterbau und Steckachsen beim Topmodell Daily Grinder 3
  • Komplettausstattung mit Dynamo-Lichtanlage, Heckträger und Schutzblechen
  • Drei Modelle von 1.399 bis 1.799 Euro
Mit dem Daily Grinder stellt Bulls die Vielseitigkeit seiner Gravel-Plattform unter Beweis.


Bulls Machete: Sportliche Plattform fürs Gelände wie für die Straße

Wer über die aktuelle Grinder-Generation spricht, darf auch jenes Bulls-Gravelbike nicht unerwähnt lassen, das für die neue Rahmengeometrie Pate stand: das Bulls Machete. Mit dem sehr progressiv gestalteten Bike, das aerodynamisch angehauchte Rahmenformen mit einer ausgewogenen Sitzhaltung und zahlreichen Montagemöglichkeiten vereinte, legten die Kölner ihr erstes Carbon-Gravelbike vor. Dieses Modell ist inzwischen vergriffen, hat aber einen Nachfolger erhalten, der eine ganz andere Richtung einschlägt.

Bulls-Profi Alban Lakata war ein wichtiger Einfluss bei der Verwandlung des Bulls Machete vom Trail-Modell zum Gravel-Racebike.

Das Bulls Machete RX reflektiert aktuelle Entwicklungen am Markt sowie die Wünsche von Teamfahrern wie Alban Lakata, der mit einer speziell aufgebauten Bulls Machete weltweit Gravel-Rennen bestritten hat. Allerdings geht die Marke die Sache etwas anders an als die Konkurrenz und hat sich damit in gewisser Weise auf ihre Gravel-Ursprünge besonnen.



Bulls Machete RX

  • Carbon-Rahmenset mit UDH-Hinterbau und integrierten Leitungen
  • Renntaugliche Rahmengeometrie mit steilem Lenkwinkel, kurzen Kettenstreben und aggressiver Sitzhaltung
  • 50 mm Reifendurchlauf
  • Aerodynamische Rahmendetails und reduzierte Anbaumöglichkeiten
  • Drei Modelle von 1.999 bis 4.999 Euro

Beim Bulls Machete RX steht das „R“ für „Race“ und das „X“ für – tja, wofür eigentlich? Schaut man sich die Geometrie des Carbon-Modells an, würde man auf „Cross“ tippen, denn eigentlich ist das Rad geschnitten wie ein typisches Querfeldeinrad. Der Lenkwinkel ist fast so steil wie am Rennrad, das Steuerrohr kurz und die Sitzhaltung gestreckt. Dazu kommen schnörkellose, aerodynamisch angehauchte Formen und immer noch mehr Anbau-Optionen als an vielen anderen Race-Gravelbikes.

Das Topmodell Machete RX 3 mit SRAM Force XPLR, Mavic-Radsatz und Carbon-Cockpit.
Das RX 2 mit SRAM Rival ist deutlich preiswerter.


So vielseitig, wie das Bulls Grinder im Bereich von Gepäcktour und Alltagsnutzung ist, so vielseitig ist das Machete im sportlichen Segment. Angesichts der großen Reifenfreiheit eignet es sich gerade im 1×13-Trimm hervorragend für den Gravel-Renneinsatz; auch für Cyclocross-Einsätze ist es angesichts der scharfen Lenkgeometrie prädestiniert. Und noch etwas geht mit dem Carbonrahmen des neuen Bulls Machete: das Rennradfahren.

Bulls Machete R: Rennrad mit breiten Reifen

Als Machete R bietet der Hersteller das Rad nämlich auch mit elektronischer Shimano Ultegra Di2 sowie mit mechanischer Shimano 105 an – typische Rennrad-Aufbauten mit 2×12-Schaltung also, wobei Bulls die Möglichkeiten des Rahmensets ausnutzt und beide Modellvarianten auf 38 mm breiten Schwalbe-Rennreifen rollen lässt.

Bulls Machete R



  • Vielseitiges Carbonrennrad auf Basis des Gravel-Rahmensets
  • Ausgewogene Allroad-Geometrie zwischen Rennrad und Gravelbike
  • Aufbau mit 2×12-Schaltung und 38-mm-Reifen
  • Zwei Modelle für 2.999 und 4.999 Euro
Bulls Machete R: Das Race-Gravelbike kann mit entsprechender Komplettierung auch als Rennrad gefahren werden.

Bulls Espresso Grinder: vielseitiges Dropbar-Bike

Ein Modelljahr älter als das Bulls Machete und in gewisser Weise sein Vorläufer ist das Bulls Espresso Grinder. So, wie die oben erwähnten Grinder-Modelle als Allround-Gravelbikes gelten können, ist das Espresso ein Allround-Rennrad: Die Rahmengeometrie ist etwas kompakter gehalten als am Graveller, der Lenkwinkel steiler und der Radstand kürzer – eben eine relaxte Rennrad-Geometrie. Die Möglichkeit, 40 mm breite Reifen zu fahren, macht dieses Rad ebenfalls interessant.

Bulls Espresso Grinder / Espresso Classico



  • Allroad-Rennrad mit Alu-Rahmen und Carbongabel
  • UDH-Hinterbau und integrierte Leitungen
  • Ausgewogen-sportliche Sitzgeometrie
  • Reifenfreiheit ca. 40 mm
  • Zwei Modelle für 1.999 Euro

Damit ist das Bulls Espresso Grinder nämlich eine Zwischenform von Rennrad und Gravelbike, dabei mit 22-Gang-Shimano-105 etwas stärker an ersterem orientiert. Dank UDH-Hinterbau könnte man den klar gestaltete Alu-Rahmen auch mit den modernen Gravel-Schaltgruppen von SRAM fahren, woraus ein Fahrradtyp entstünde, der aktuell sehr gefragt ist: das Allroad-Bike mit Reifenfreiheit um die 40 mm und One-by-Getriebe als sportlich-vielseitiges Dropbar Bike.

Bulls Espresso Grinder: mit 40er Reifen zwischen Rennrad und Gravelbike.
Das Espresso Classico ist hübsch, aber vergleichsweise teuer.

Mit 1.999 Euro in dieser Version sowie als Bulls Espresso Classico im Retro-Look ist das Alu-Modell allerdings vergleichsweise teuer – die topmoderne Carbon-Machete RX 1 mit Shimano GRX 1×12 kostet dasselbe.



Bulls E-Gravelbikes: schubstark und natürlich mit Bosch SX

Ohne E-Gravelbikes kommt heute keine Marke mehr aus, und auch Bulls hat diesen Schritt längst vollzogen. Die Kölner setzen dabei ausschließlich auf den Bosch-SX-Mittelmotor, der gegenüber den zeitweise eingesetzten Nabenmotoren diverse Vorzüge hat. Dank Drehmoment-Upgrade auf 60 Nm ist das kompakte Aggregat sehr schubstark, vor allem bei sportlich hoher Trittfrequenz. Dazu punktet der SX mit einem „natürlichen“ Charakter, was bedeutet, dass sich der Motor nicht so stark in den Vordergrund drängt wie bei den aktuellen, extrem hochgetunten MTB-Antrieben.

Bulls Machete Evo SX 1: Carbon-Bike mit Bosch SX und Federgabel.

Bulls bleibt seiner Nomenklatur treu und bietet Gravel-Modelle als Machete Evo SX mit Carbonrahmen sowie Grinder Evo SX mit Aluminiumrahmen an. Allen Ausführungen gemein ist der Bosch-SX-Motor mit entnehmbarem 400-Wh-Akku im Unterrohr. Mit den an allen Ausführungen verbauten Federgabeln – 60 mm Weg am Carbonrad, 40 mm am Grinder Evo – orientieren sich die E-Gavelbikes von Bulls stärker an den MTBs der Marke; das Trail Grinder Evo SX verfügt sogar über eine absenkbare Sattelstütze. Auch bei den Rahmengeometrien mit flachem Lenk- und steilem Sitzwinkel sind die Mountainbike-Anleihen unübersehbar. Alle Modelle sind mit integrierten Rückleuchten ausgestattet; an den Carbonrädern gibt es zusätzlich einen in den Lenker integrierten LED-Scheinwerfer.



Bulls Machete EVO SX

  • E-Gravelbike mit Carbonrahmen
  • Bosch-SX-Motor mit 400-Wh-Akku
  • Luftfedergabel mit 60 mm Weg
  • Komplett integrierte Lichtanlage
  • Zwei Modelle für 4.999 und 5.999 Euro
Bulls baut alle E-Gravelbikes um den Bosch SX herum auf.
Markentypisches Merkmal sind die TwinLights am Hinterbau.

Das Bulls Machete Evo SX 2 als Topmodell der Serie ist wie das beste unmotorisierte Bulls-Gravelbike mit SRAM Force XPLR und Mavic-Carbonradsatz komplettiert. Unterhalb des 13-Gang-Modells kommt das SX 1 mit mechanischer Shimano GRX 1×12; das einige Hunder Euro günstige Trail Grinder Evo SX läutet die drei Alu-Modelle ein. Hier ist besonders die „Urban“-Variante mit geradem Lenker und Vollausstattung interessant, die den Brückenschlag von Gravel zu E-Trekking schafft.



Bulls Grinder EVO SX

  • E-Gravelbike mit Aluminiumrahmen
  • Topmodell Trail Grinder mit absenkbarer Sattelstütze, Urban Grinder mit Flatbar und Vollausstattung
  • Bosch-SX-Motor mit 400-Wh-Akku
  • Luftfedergabel mit 40 mm Weg
  • Integrierte Rückleuchten
  • Drei Modelle von 3.299 bis 4.599 Euro
Mit dem Urban Grinder Evo SX legt Bulls ein sportliches E-Trekkingbike auf Basis des Gravel-Rahmens vor.

Nach zehn Jahren im Gravel-Business hat sich die Marke Bulls damit ein sehr breites Portfolio erarbeitet, das auch hin und wieder eine Überraschung bietet: Nahezu vergriffen ist das Bulls Mache-Ti mit exklusivem Titan-Rahmenset, auf 100 Exemplare limitiert und absolut Bikepacking-tauglich. Ob das edle Stück ein Einzelfall war, wird sich zeigen – jedenfalls lohnt es sich, ab und zu mal beim Kölner Hersteller reinzuschauen bzw. bei seinen vielen Radhändlern. Wer ein Gravelbike sucht, findet dort vielleicht genau das richtige Modell.



www.bulls.de

Bildschön, exotisch und hart im Nahmen: das fast ausverkaufte Bulls Mache-Ti.
Umfangreiche Prototypen-Tests mit den Werksfahrern gingen den neuen Rahmengeometrien voraus.

 



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Über Marcus Degen

Marcus Degen ist Chefredakteur und Geschäftsführer von Velomotion. Als Niederbayer aus Leidenschaft genießt er die Vorzüge der Region sowohl auf dem Fahrrad als auch kulturell und kulinarisch. Bereits 2003 gründete er das deutsche Radsportmagazins Procycling und war für neun Jahre dessen Chefredakteur. Während dieser Zeit gründete er auch die Magazine Fahrrad News und World of Mountainbiking. Er hat Physik und Ingenieurwesen in München studiert und war bereits als Schüler im Radsport und später als Triathlet aktiv. 2013 startete er mit dem digitalen Fahrrad-Magazin Velomotion.de.

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