Schwalbe Clik Valve: Warum gibt es eigentlich drei Ventilstandards plus diverse Sonderformen? Und warum ist es oft so umständlich, einen Reifen aufzupumpen? Wer sich solche Fragen stellt, sollte sich das Schwalbe Clik Valve anschauen und wird feststellen: so einfach war die Sache noch nie.
Schaut man sich 50 oder mehr Jahre alte Rennräder an, kann man ein Bauteil finden, welches sich in all der Zeit kein bisschen verändert hat: das Sclaverand-Ventil (auch französisches Ventil genannt). Erfunden wurde es Ende des 19. Jahrhunderts, und da es mit seinem verschraubten Stößel hohem Luftdruck standhält, ist es bis heute der Standard am sportlichen Fahrrad. Die Bedienung erscheint simpel, doch wer einem Laien erklären will, wie’s funktioniert, stößt oft auf Unverständnis: Warum muss es so kompliziert sein, einen Reifen aufzupumpen?
Kein Wunder, dass viele Radfahrende das Autoventil bevorzugen (typisch für die unteren Preisklassen) oder das klassische Dunlop- bzw. Blitzventil. Doch auch sie sind nicht ohne Tücken: Beim Autoventil entweicht beim Aufstecken des Pumpenkopfes gerne mal Luft, da das Ventil beim Befüllen permanent geöffnet ist. Und das Blitzventil kann leicht gelöst oder entwendet werden, außerdem gilt es als nicht allzu dicht. Dazu kommt, dass es beim Pumpen anfangs ein hohes Losbrechmoment zu überwinden gilt – die Pumpe sollte also fest auf dem Ventil sitzen, was sie nicht immer tut.
Schwalbe Clik Valve: die Highlights
- Einheitliches System, das alle drei üblichen Ventiltypen ersetzen kann
- Sichere, feste Steckverbindung statt aufgeschraubter oder geklemmter Ventiladapter
- Deutlich vereinfachter Pumpvorgang ohne Luftverlust und zeitraubendes Aufschrauben
- Praktisch kein Verschleiß, kein regelmäßiger Austausch von Gummidichtungen nötig
- Umrüst-Kit ab 13,95 Euro

Zeit für etwas Neues also, und das gibt es seit rund zwei Jahren unter dem Namen Schwalbe Clik Valve. Erfunden wurde es vom US-Amerikaner John Quintana, dessen Kinder mit herkömmlichen Ventilen nicht gut zurechtkamen, und es ist keineswegs die einzige derzeitige Ventil-Innovation. Doch während Anbieter wie Muc-Off und Reserve der Frage nachgehen, wie das perfekte Tubeless-Ventil aussehen könnte (und damit die Modellvielfalt weiter vergrößern), hat das Clik Valve eine andere Zielsetzung: erstens das Aufpumpen zu vereinfachen und zweitens zum Einheitsventil für alle Fahrräder zu werden.
Einfach pumpen mit sicherer Steckverbindung
Wie funktioniert das Clik Valve? Der Clou des Systems steckt schon im Namen: Der Pumpenkopf wird weder aufgeschraubt wie der Schlauch mancher Minipumpen, noch wird er aufgesteckt oder mit einem Hebel festgeklemmt. Er wird schlicht und einfach aufs Ventil geschoben, bis es leise „klick“ macht – dann sitzen die vier federbelasteten Kugeln im Pumpenkopf unter dem Kragen des Ventils und halten beides sicher zusammen. Luftverlust beim Aufstecken bzw. Abziehen ist damit praktisch ausgeschlossen. Gerade im Vergleich zum Sclavenrand-Ventil wird das Pumpen per Schwalbe Clik Valve außerdem deutlich schneller, da das Ventil ja nicht auf- und zugeschraubt werden muss. Auch die Ventilkappe, die natürlich nicht unbedingt genutzt werden muss, wird „aufgeklickt“.
Zeit sparen beim Pumpen? Das erscheint nicht unbedingt als oberste Priorität, doch spätestens dann, wenn mehr als ein Fahrrad aufgepumpt werden muss, gewinnt dieser Aspekt an Bedeutung. Aus diesem Grund macht das Clik Valve derzeit auch im Rennsport Boden gut. Die simple Steckverbindung erfreut dazu vor allem im Vergleich zu Hebelsystemen durch bessere Handhabung, da man sich weder die Finger klemmen noch durch unsensibles Aufsetzen Luft verlieren oder den Ventilstößel beschädigen kann. Da die Klickverbindung außerdem nicht auf einer Gummidichtung basiert, ist sie praktisch verschleißfrei – Schwalbe spricht von 20.000 Klicks mit einem Ventilaufsatz.
Größerer Luftdurchfluss beim Pumpen per Kompressor
Und einen weiteren Vorteil spricht der Hersteller an, nämlich den um 50 % vergrößerten Luftdurchfluss. Den gibt es, weil der Pumpenkopfadapter das Ventil permanent geöffnet hält, was sich allerdings nur bei Verwendung eines Kompressors bemerkbar macht. Dieser Aspekt ist in erster Linie für die Tubeless-Montage von Bedeutung, wobei man dabei eh meist den Ventilkern entfernt – durch den leeren Ventilschaft muss man ja später die Dichtmilch einfüllen. Es gelingt übrigens, den SCV-Adapter auf einen Tubeless-Ventilschaft zu schieben, auch wenn es dabei nicht „klick“ macht. Andersherum lässt sich ein Clik Valve auch mit einer Pumpe bedienen, die für ein Sclaverand-Ventil konzipiert ist – aber nur dann, wenn es sich um eine Steckverbindung handelt, da das SCV ja kein Gewinde hat.
Was die Handhabung angeht, kann das neue System also in jeder Hinsicht punkten – zusätzlich interessant wird es jedoch, da es alle drei üblichen Ventiltypen ersetzen kann. Schwalbe bietet sein SCV nicht nur als Ventileinsatz für den Sclaverand-Ventilschaft an, sondern ebenso zum Tausch gegen Dunlop-Ventile und als Aufsatz fürs Autoventil. Wer seinen/ihren Fuhrpark umrüstet, kann jedes Fahrrad per Klickventil einfach und schnell aufpumpen und muss nicht mehr wie früher nach einer passenden Pumpe suchen. Das Problem ausgeleierter Gummidichtungen am Pumpenkopf ist auch passé.
Viel Zubehör rund ums Klickventil
Das Fahrrad an der Tankstelle aufzupumpen funktioniert mit dem SCV-Adapter nicht – sein Gewindeschaft ist zu schmal für den aufs Autoventil abgestimmten Aufsatz. Doch hier kommt die Zubehörindustrie ins Spiel, die in den vergangenen zwei Jahren seit der Präsentation des Schwalbe Clik Valve nicht untätig geblieben ist. Wolf Tooth aus den USA etwa fertigt einen speziellen AV-auf-SCV-Adapter, mit dem man besagte Tankstellen-Problematik aus dem Weg räumen kann. Und Pumpenspezialisten wie Lezyne und SKS haben sich auch schon auf das neue System eingestellt – so kann man vorhandene Lezyne-Minipumpen mit einem SCV-Schlauch auf den neuesten Stand(ard) bringen.
Ist das Umrüsten aufs Schwalbe Clik Valve teuer? Am Anfang steht ein „Conversion Kit“, bestehend aus zwei Ventileinsätzen und dem Pumpenkopfadapter, das Schwalbe in der Sclaverand-Version für knapp 14 Euro anbietet. Der Adapter alleine kostet 7,95 Euro; einen Satz Ventile gibt es ab 5,95 Euro. Die Version für Autoventile ist mit knapp 10 Euro deutlich teurer. Auch Schläuche mit dem neuen Ventil bietet Schwalbe bereits an; diese kosten ab ca. 10 Euro.
Inzwischen hat Schwalbe auch eine Kleinigkeit nachgeliefert, die bislang im Clik-Valve-Kosmos fehlte, nämlich einen Ventilschlüssel aus Metall. Das kleine Kunststoffteil, das den neuen Ventilen bisher beilag und das man bereits vom französischen Ventil kennt, ist nämlich zu weich und erlaubt es nicht, die SCVs mehr als handfest einzuschrauben. Dann kann es passieren, dass durchs Gewinde Luft entweicht. Ist dies der Fall, sollte man etwas Fett aufs Gewinde des Ventileinsatzes tun und die neue Alu-Variante des Schlüssels nehmen. Auch ein 5-mm-Gabelschlüssel tut es, wobei man mit diesem leicht an die Speichen stößt.
Noch zu geringe Nachfage im Handel
Nach zwei Jahren am Markt (und am Fahrrad) kann gesagt werden, dass das Schwalbe Clik Valve bestens funktioniert und eigentlich an jedem Fahrrad Vorteile bringt. Sonderlich weit verbreitet ist es freilich noch nicht, auch wenn erste Radhersteller ihre Bikes inzwischen mit dem SCV ausliefern. Fragt man im Fahrradladen nach dem neuen Ventil, hört man aber oft genug: nicht auf Lager, da keine Nachfrage. Dabei dürfte auch der Handel langfristig vom Einheitsventil profitieren, müssen aktuell doch Schläuche nicht nur in unterschiedlichsten Größen, sondern auch mit allen drei Ventiltypen vorgehalten werden. Wer das Clik Valve also ausprobieren möchte, sollte ruhig mal den örtlichen Fahrradhandel abklappern und damit für die neue Technik sensibilisieren.
Auch wenn man die Teile dort zu den offiziellen Verkaufspreisen abnimmt: Übermäßig ins Geld geht es nicht, auf den neuen Standard umzusteigen, und wer probeweise mit einem Fahrrad anfängt, könnte schnell „süchtig werden“ und gleich den ganzen Fuhrpark umrüsten. Denn was ist schöner als eine etwas nervige Routine, die plötzlich um ein Vielfaches leichter fällt?












