Produktnews Giant Contend AR: Mit dem neuen Aluminium-Modell erweitert der Großhersteller aus Taiwan sein Portfolio um ein Zwischending aus Rennrad und Gravelbike: komfortabler geschnitten als der hauseigene Allroad-Renner, dabei in Sachen Reifenfreiheit und Anbaumöglichkeiten zurückhaltender als aktuelle Offroader. Mit recht attraktiven Preisen zieht Giant gerade Einsteiger/innen an, dabei dürfte das Contend auch als Carbon-Modell funktionieren.
Mit einem neuen Allround-Modell spricht Giant Radsport-Interessierte an, die sich durch zwei Merkmale auszeichnen: Sie sind unentschieden, ob sie mit dem Rennrad oder mit dem Gravelbike unterwegs sein wollen, und sie wollen in den unteren Preisbereichen einkaufen. Beides ist typisch für Einsteigerinnen und Einsteiger, die noch nicht auf eine Disziplin festgelegt sind, und mit dem neuen Giant Contend AR müssen sie das auch nicht.

Was zeichnet das neue Modell aus? Bemerkenswert ist erst einmal die große Reifenfreiheit von 43 mm, die deutlich über jener der üblichen Allroad-Bikes liegt. Das bedeutet, dass man auch einen Radsatz mit großer Maulweite fahren könnte, der die Reifen etwas auseinanderzieht – ein nominell 40 mm breiter Reifen sollte auf jeden Fall in Rahmen und Gabel passen. Mit einem solchen Pneu kommt man im Gelände schon sehr weit – alles, was nicht wirklich Trail ist, erfordert eigentlich kein größeres Volumen. Andererseits wirken die ab Werk montierten Straßenreifen in Gabel und Hinterbau des Contend nicht verloren.
Giant Contend AR: die Highlights
- Aluminiumrahmen mit verschliffenen Schweißnähten, Steckachsen und UDH-Afnahme
- Carbongabel
- 43 mm Reifenfreiheit
- Drei Modellvarianten zwischen 1.600 und 2.000 Euro
Gelungener Alu-Rahmen mit entspannter Sitzgeometrie
Der Alu-Rahmen mit den glatten Rohrübergängen ist auf eine eher komfortable Sitzhaltung zugeschnitten; bei in etwa gleicher Sitzlänge (Reach) wie beim schon recht komfortablen Allroad-Rennrad Giant Defy Advanced ist der Lenker des Contend ca. 2 cm höher positioniert. Damit ist das neue Modell rundum Einsteiger/innen-tauglich. Diesen kommt auch das etwas tiefer positionierte Tretlager zugute, durch das der Boden leichter zu erreichen ist. Mit Lenkwinkeln um 72° sowie recht kurzen Kettenstreben verspricht das neue Allround-Modell eher handlich zu sein – in dieser Hinsicht ist das Contend AR ganz Allroad-Bike
| Rahmengröße | XS | S | M | M/L | L | XL |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge (mm) | 430 | 465 | 500 | 535 | 555 | 585 |
| Sitzwinkel | 75° | 74° | 73,5° | 73° | 73° | 73° |
| Oberrohrlänge (mm) | 515 | 535 | 550 | 565 | 580 | 595 |
| Steuerrohrlänge | 115 | 135 | 150 | 170 | 190 | 215 |
| Lenkwinkel | 71,5° | 71,75° | 72° | 72,5° | 72,5° | 72,5° |
| Stack (mm) | 539,2 | 559,1 | 574,3 | 595,3 | 614,4 | 638,2 |
| Reach (mm) | 370,5 | 374,7 | 379,9 | 383 | 392,2 | 399,9 |
| Gabelvorbiegung (mm) | 53 | 53 | 53 | 53 | 53 | 53 |
| Nachlauf (mm) | 62,9 | 61,3 | 59,6 | 56,4 | 56,4 | 56,4 |
| Radstand (mm) | 994,4 | 1002,8 | 1010,6 | 1015,4 | 1030,6 | 1045,8 |
| Kettenstrebenlänge (mm) | 422 | 422 | 422 | 422 | 422 | 422 |
| Tretlagerabsenkung (mm) | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 | 80 |
Für Komfort sorgt die bewährte Carbonsattelstütze mit D-förmigem Querschnitt, die Giant auch an deutlich teuereren Modellen verbaut. Auch die optisch gelungene integrierte Sitzklemme des Rahmens kennt man bereits von der Radmarke. Ohnehin weist das Contend deutliche Ähnlichkeit mit dem Alu-Gravelbike Giant Revolt auf, wobei dieses noch über außen liegende Züge und Leitungen verfügt. Das neue Modell ist außerdem mit einer UDH-Hinterradaufnahme ausgestattet, wie sie inzwischen Standard ist. Auch über eine Carbongabel verfügt das Giant Contend, die Gewindebohrungen für ein Schutzblech aufzuweisen scheint, aber definitiv nicht auf die Anbringung von Gepäckhalterungen zugeschnitten ist.

Zwischen Rennrad und Gravelbike
Die Positionierung des neuen Giant Contend AR zwischen Rennrad und Gravelbike zeigt sich auch in den Ausstattungsvarianten. Das Topmodell, genannt AR 0, ist mit mechanischer Shimano 105 klar als Roadbike zu erkennen. Die 2×12-Gruppe bietet mit 50/34er Kettenblatt-Kombination und 11-36er Kassette einen großen Übersetzungsumfang; die Funktion der Komponenten ist seit Jahren bewährt. Das AR 1 ist dagegen mit Shimano Cues 1×11 eher aufs Graveln ausgerichtet. Die 11-50er Kassette, kombiniert mit einem 42er Kettenblatt, ist noch einmal etwas bergtauglicher, dafür ist der schnellste Gang deutlich kürzer als am 105-Modell. Die 1×11-Schaltung ist natürlich einfacher zu bedienen als ein 2×12-Getriebe, sodass das AR 1 für Einsteiger/innen, die noch keine Dropbar-Erfahrung gesammelt haben, eine gute Wahl ist.
Das günstigste Modell namens Giant Contend AR 2 kommt wiederum mit Zweifach-Kettenblatt – vorne 50/34 Zähne, hinten 11-39. Hier ist die Abstufung nicht ganz so fein, dafür bietet die Shimano-Cues-Schaltung einen sehr leichten Berggang. Bis auf die Komponentengruppen sind alle drei Modelle identisch ausgestattet: Giant spezifiziert einen Aluminium-Radsatz und 32 mm breite Tubeless-Reifen; der Lenker mit um 7° abgewinkelten Bögen ist ein guter Kompromiss zwischen stark „geflarten“ Gravel-Lenkern und konventionellen Rennrad-Bügeln. Hydraulische Scheibenbremsen und Steckachsen vorne und hinten sind bei allen drei Modellen an Bord.
Mit Preisen in Höhe von 2.000, 1.700 und 1.600 Euro ist das Giant Contend AR nicht allzu knapp kalkuliert; gerade die zwei oberen Modelle haben allerdings einiges zu bieten. Angesichts des hochwertigen, modern konzipierten Rahmens könnte man außerdem auf die Idee kommen, irgendwann eine hochwertigere (elektronische) Komponentengruppe nachzurüsten. Angesichts seiner Positionierung zwischen Rennrad und Gravelbike ist das neue Rad aber in jedem Fall interessant – und man kann sich fragen, ob Giant mittelfristig auch ein Carbon-Contend auf die Beine stellen wird.

