Shimano SPD-SLR: Mit dem neuen Rennpedal verfolgt Shimano einen System-Gedanken – Schuhe und Pedal sind optimal aufeinander abgestimmt, und nur in der Kombination ergeben sich alle Vorteile der neuen Technik, zum Beispiel die deutlich reduzierte Bauhöhe. Doch auch die Einzelkomponenten bieten interessante Neuerungen.
Rennradpedale von Shimano gibt’s schon lange – ebenso die dazu passenden Schuhe. Und während der Komponenten-Spezialist mit dem SPD-Pedals fürs Mountainbike einen inzwischen branchenweit verbreiteten Standard schuf, lehnten sich die Straßenpedale der Marke an Look an, also an das System des französischen Klickpedal-Pioniers. Mit dem Shimano SPD-SLR gehen die Japaner nun den nächsten Schritt zu größerer Eigenständigkeit, indem sie Schuhe und Pedale als System zusammenfassen. Denn nur so lassen sich an dieser wichtigen Schnittstelle zwischen Rad und Fahrer/in noch merkliche Verbesserungen erzielen. Dabei zwingt Shimano niemanden, zum neuen SPD-Pedal auch neue Schuhe zu kaufen – die Kompatibilität zu anderen Marken und Fabrikaten bleibt erhalten, wenn auch nicht mit dem vollen Innovations-Umfang.

Reduzierte Bauhöhe, größere Auflagefläche und weniger Lagerreibung
Was ist neu am Shimano SPD-SLR? Der vielleicht wichtigste Aspekt ist die Reduzierung der Bauhöhe um 2,3 mm – d. h. um diesen Betrag sitzt der Fuß am Ende näher an der Pedalachse. Das klingt jetzt nicht nach viel, doch gerade angesichts des Trends zu kürzeren Kurbeln bringen auch wenige Millimeter etwas. Denn wer beispielsweise von 170 auf 167,5 mm Kurbellänge wechselt, muss den Sattel entsprechend höher stellen – und mit dem neuen Pedalsystem entfällt diese Eingriff in Sitzposition und Aerodynamik.
Möglich wird die flachere Bauweise einerseits durch ein kompakteres Pedal, andererseits durch flachere Cleats, die zusätzlich stärker „im“ statt auf dem Pedal sitzen. Diese Cleats müssen anders geformt sein als die bisherigen Modelle, und hier entsteht die Notwendigkeit einer neuen Sohlenkonstruktion: Beim Shimano S-Phyre SH-RC910 sowie dem Shimano SH-RC810 (also dem entsprechenden Schuh auf Ultegra-Level) fällt der im Vergleich zum Vorgängermodell längere Verstellbereich der Gewinde-Einsätze auf. Gerade bei den günstigeren Modellen verzichten viele Anbieter komplett auf verstellbare Gewinde in der Sohle.
Neue Pedalplatten in drei Varianten
Die entsprechenden Aussparungen in den neuen Pedalplatten sind dagegen kleiner als gewohnt; die Verstellbarkeit wird also stärker in den Schuh verlagert. Damit diese möglichst exakt erfolgen kann, hat Shimano auch die Skalierung auf der Carbonsohle weiter verfeinert. Hier kommt auch der System-Gedanke ins Spiel: Von der flachen Bauhöhe kann man nur im Zusammenspiel der neuen Pedale und Schuhe profitieren. Wer seine alten Rennradschuhe weiter nutzen will, kann das zwar tun, muss dafür aber andere (ebenfalls neue) Cleats nutzen, die auf klassische Weise verstellbar sind und höher bauen.

Optimal auf das neue System abgestimmt sind drei unterschiedliche Schuhplatten, die wie vom bisherigen Shimano-Pedal bekannt in drei Farben kommen. Rot steht für eine Fixierung des Schuhs im Pedal, was bei starkem Kraftaufwand die Sicherheit vergrößern soll; Gelb steht für +/– 3° Beweglichkeit und Blau für +/– 1°. Die grauen Platten für „Fremdschuhe“ haben ebenfalls +/– 3° Spiel. Mit allen Ausführungen kann man einen um 50 % reduzierten Einrastwinkel genießen, der das Einklicken ins Pedal deutlich vereinfachen soll. Zu guter Letzt sind die neuen Cleats um 22 % leichter als die bisherigen SPD-SL-Platten.
Shimano bietet das neue Pedalsystem in zwei Varianten an: als PD-R9300 auf Dura-Ace-Niveau sowie als PD-R8200 in Ultegra-Qualität. Der Pedalkörper besteht in beiden Fällen aus Carbon-Spritzguss; die breitere Bauform soll einerseits die Steifigkeit erhöhen, andererseits aber die Standsicherheit auf dem Pedal verbessern. Beim Dura-Ace-Modell wurden die Lagerungen optimiert, die nun über einen um die Hälfte reduzierten Widerstand aufweisen.
Neuer Leisten und drei Breiten
Viel Neues gibt es auch bei den Schuhen, dem edlen S-Phyre-Version SH-RC910 und dem SH-RC810. Interessant in Sachen Passform ist, dass der Hersteller mit dem „Dynalast 2.0“ genannten Leisten nun für mehr Platz im Vorderfußbereich sorgt. Dazu ist der Zehenbereich weniger stark angehoben, als bei vielen Radschuhen üblich ist, was die Spannung im Fuß reduzieren soll. Ein interessanter Aspekt ist, dass es beide Schuhmodelle in drei Breiten geben wird. Die „Carbon Hollow Core“-Sohle ist natürlich sehr steif; innenliegende Kanäle sollen Wärme und Feuchtigkeit abführen.
Der S-Phyre weist dazu eine verdrehsteife Carbon-Fersenkappe auf; das Obermaterial überlappt am Fußrücken und wird vom doppelten „BOA Li2“-Verschluss gleichmäßig um den Fuß gewickelt. Beide Schuhmodelle weisen neu gestaltete Perforierungen im Obermaterial auf; neben den klassisch schwarzen und weißen Varianten bietet Shimano den S-Phyre auch im typischen Electric Blue an und den SH-RC810 mit pink-pfirsichfarbenem Verlauf.
Dura-Ace- und Ultegra-Version von Pedal und Schuh liegen jeweils um 100 Euro auseinander: Das PD-R9300 kostet 274,95 Euro, der S-Phyre 419,95 Euro. Fürs PD-R8200 werden 174,95 Euro fällig und für den passenden Schuh 319,95 Euro. Damit ist das neue Schuh-Pedal-System erst einmal in der Oberklasse angesiedelt, wobei es natürlich sein kann, dass bald eine Shimano-105-Version folgt. Technisch interessant ist die Sache auf jeden Fall – und wer nicht auf den vollen Funktionsumfang des Systems Wert legt, kann erstmal mit den Pedalen anfangen.









