Test Salsa Flyway: Das neue Carbon-Modell des Gravel-Pioniers versteht sich als Allrounder von sportlicher Gangart bis Mehrtagestour. Für letzteres stehen diverse Montage-Optionen und große Reifenfreiheit; ersteres wird nach der Anpassung der Sitzposition deutlich. Vor allem aber punktet das schlanke Rad mit überragendem Fahrkomfort.
Salsa kann für sich in Anspruch nehmen, das allererste Serien-Gravelbike auf den Markt gebracht zu haben. Das Warbird stand ab 2012 in den Läden – ein Bike neuen Typs, das für schnelle Touren und lange Rennen über unbefestigte Strecken die bessere Lösung sein sollte als das wendige Cyclocross-Rad. Beim Salsa Warbird war der Lenkwinkel flacher und der Radstand länger, dazu verwende es von Anfang an Scheibenbremsen, während viele Crosser noch auf der Felge bremsten. Und auch die Sitzgeometrie sah anders aus: Im Sinne höheren Komforts auf langen Strecken saß man kompakter und aufrechter auf dem neuartigen Bike, während die Sitzgeometrie moderner Gravel-Racebikes wieder stärker an den klassischen Cyclocrosser erinnert.

Mit dem neuen Salsa Flyway schlägt die Marke nun eine etwas andere Richtung ein. Bei ähnlicher Lenkerhöhe fällt die Sitzlänge nun etwas größer aus, was aber teils durch kürzere Vorbauten ausgeglichen wird. Der Lenkwinkel ist minimal flacher geworden, der Sitzwinkel steiler und der Radstand größer, obwohl die Kettenstreben des Flyway etwas kürzer sind. Zusammengenommen führt das zu einer Allround-Geometrie, die unterschiedliche Einsatzzwecke zulässt.
Salsa Flyway: die Highlights
- Carbonrahmen mit vibrationsdämpfendem VRS-Hinterbau
- Vielseitige Geometrie für unterschiedliche Einsatzbereiche
- Reifenfreiheit 50/57 mm (v./h.)
- Gewicht 9,98 Kilo (Gr. M/L, ohne Pedale), Vorderrad/Hinterrad 1.720/2.650 Gramm
- Preis 3.499 Euro
Der schlanke Rahmen verzichtet auf aerodynamische Formen und ist stattdessen auf ein optimales Verhältnis von Seitensteifigkeit und vertikaler Nachgiebigkeit zugeschnitten. Ober und Unterrohr sind breiter, als sie hoch sind; der Tretlagerbereich mit den nach unten gezogenen Kettenstreben fällt ziemlich wuchtig aus. Dazu kommen dünne, leicht nach außen gebogene Sitzstreben, mit denen es eine besondere Bewandtnis hat: Sie sollen Vibrationen und Fahrbahnstöße dämpfen; die Abkürzung VRS dürfte dann auch „Vibration reduction system“ bedeuten. Das unten abgeflachte Sitzrohr dient als Flexzone, und da es ziemlich kurz ausfällt, wird die Sattelstütze weit herausgezogen und kann ebenfalls flexen.
Salsa Flyway: Gebogene Sitzstreben und Flexzone
Ein Staufach im Unterrohr hat das Salsa Flyway nicht, dafür aber zahlreiche Gewindebohrungen für Anbauteile. Wer einen Heckträger montieren will, bekommt eine spezielle Sattelklemmschelle namens „Rack-Lock“, an welche die horizontale Strebe des Trägers geschraubt werden kann. Die Gabel lässt einen 57 mm breiten Reifen durch, der Hinterbau einen 50er; Touren mit Gepäck sind also ebenso möglich wie Trail-Einsätze.
Auch das zeigt die Vielseitigkeit des Konzepts, wobei das Salsa Flyway im Reigen der zwölf (!) unterschiedlichen Gravel/Dropbar-Modelle des Herstellers immer noch am sportlichsten wirkt. Ob es sich auch so fährt? Die ersten Kilometer ergeben erst einmal, dass sich das Testrad in Größe M/L agil bis nervös anfühlt – kein Wunder bei 70,5° Lenkwinkel und 80-mm-Vorbau. Mit 35 mm Spacern unter diesem ist die Sitzhaltung außerdem fast schon zu aufrecht.
| XS | S | M | M/L | L | XL | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Oberrohrlänge (mm) | 510 | 535 | 555 | 575 | 600 | 620 |
| Stack (mm) | 540,5 | 549,9 | 568,8 | 592,3 | 625,3 | 644,2 |
| Reach (mm) | 375,2 | 387,7 | 391,9 | 405,2 | 420,7 | 435,3 |
| Sitzrohrlänge (mm) | 390 | 430 | 470 | 505 | 540 | 575 |
| Steuerrohrlänge (mm) | 90 | 100 | 120 | 145 | 180 | 200 |
| Lenkwinkel | 70,5° | 70,5° | 70,5° | 70,5° | 70,5° | 70,5° |
| Sitzwinkel | 76° | 75° | 74° | 74° | 74° | 74° |
| Tretlagerabsenkung (mm) | 76 | 76 | 76 | 76 | 76 | 76 |
| Tretlagerhöhe (mm) | 283 | 283 | 283 | 283 | 283 | 283 |
| Kettenstrebenlänge (mm) | 425 | 425 | 425 | 425 | 425 | 425 |
| Gabellänge (mm) | 420 | 420 | 420 | 420 | 420 | 420 |
| Gabelvorbiegung (mm) | 51 | 51 | 51 | 51 | 51 | 51 |
| Radstand (mm) | 1012 | 1027 | 1038 | 1060 | 1087 | 1108 |
Alles kein Problem angesichts der Komplettierung des Salsa. Die Marke verbaut nämlich einen konventionellen runden Lenkervorbau; für einen glatten Übergang zu den teilbaren Spacern sorgt eine Tülle, welche Bremsleitungen und Schaltzug ins Steuerrohr führt. Spacer zu entfernen und einen anderen Vorbau zu montieren ist mit diesem System ganz einfach, und so befindet sich der Lenker nach kurzem Umbau 25 mm tiefer und 2 cm weiter vorne. Das für zu einer merklich sportlicheren Sitzhaltung und beruhigt das Lenkverhalten gerade soweit, dass sich das Salsa Flyway immer noch sehr handlich anfühlt, aber ruhiger lenken lässt.
Auf Asphalt wie im Gelände gefällt das Rad mit sicherem Geradeauslauf unabhängig vom Tempo – auch an Steilstücken, wo der Tacho gerade mal 6 km/h anzeigt, kann man noch gut die Linie halten. Auf kurvigen Trails und verliert das Flyway aber auch mit 100er Vorbau nichts von seiner Lebendigkeit – schnelle Richtungswechsel sind kein Problem; dabei vermittelt das Salsa auf steilen Abfahrten viel Sicherheit. Eine Überraschung sind die 45er Teravail-Reifen mit Semi-Slick-Lauffläche und pfeilförmig angeordneten Schulterstollen: Bei rund 2 bar Druck sorgen sie für satten Kurvengrip und viel Traktion bergauf auf lockerem Untergrund.
Semi-Slick-Reifen mit viel Kurvengrip
Die auffälligste Eigenschaft des Flyway ist jedoch der extrem hohe Dämpfungskomfort am Heck. VRS-Streben plus Carbonstütze absorbieren Vibrationen und Stöße extrem wirkungsvoll und glätten selbst grobe Schotterpassagen, was auch Kraftübertragung und Traktion zugutekommt. Denn wo das Heck anderer Bikes zu springen anfängt und das Pedalieren erschwert, gleitet man auf dem Salsa regelrecht über holperige Strecken und kann die Kraft optimal aufs Pedal bringen. Auf langen Strecken dürfte der hohe Komfort die Ermüdung reduzieren und dafür sorgen, dass man länger frisch bleibt. Auch angesichts des dünnen Lenkerbandes erscheint die Front im Vergleich fast schon etwas hart.

Salsa stattet das günstigste Flyway mit Shimano GRX 610 1×12 aus, was immer eine gute Wahl ist. Die 10-51er Kassette bietet superleichte Berggänge, zumal das Testrad mit einem 38er Kettenblatt von WolfTooth ausgestattet ist – Shimano selbst bietet nichts kleineres als 40 Zähne an. Die Zweiersprünge im schnellen Bereich sind je nach Einsatzbereich aber nicht ideal. Hier fehlt dem Anbieter eine dezidierte Gravel-Kassette, die zugunsten enger gestufter Schnellgänge auf den leichtesten Berggang verzichten könnte.
Nicht allzu leicht, auch nicht sehr preiswert
Mit knapp zehn Kilo zuzüglich Pedalen ist das 3.499 Euro kostende Rad nicht allzu leicht, wobei der Laufradsatz fast 4,4 Kilo wiegt – an dieser Stelle ein rundes Kilo zu sparen ist durchaus möglich. Andere Modellvarianten sind sprunghaft teurer; so muss man für die Variante mit SRAM Apex/Eagle 1×12 einen Tausender mehr bezahlen. Mit Federgabel, Dropper Post und SRAM Rival XPLR kostet das Rad sogar 5.499 Euro. Ein Rahmenset zum Selbstaufbau gibt es auch, aber nur in der etwas leichteren „Deluxe Carbon“-Variante für 2.999 Euro. Preislich befindet sich das Salsa Flyway damit auf dem Niveau der US-Topmarken, und angesichts seines hervorragenden Fahrkomforts ist es sein Geld sicher wert. Vom hiesigen Marktgeschehen wirkt es dennoch etwas abgekoppelt.








