Test / E-Bike: Das Moustache Lundi 27 ist seit über einem Jahrzehnt das urbane Aushängeschild von Moustache. Für 2026 haben die Franzosen ihren Tiefeinsteiger nicht komplett neu konzipiert, dafür aber an der entscheidenden Stelle umgebaut: Erstmals arbeitet in einem Moustache kein Mittelmotor, sondern der neue Bosch Hub Line Nabenmotor im Hinterrad. Das Rad wird dadurch leichter, einfacher und deutlich günstiger. Wir sind das Moustache Lundi 27 einen Tag lang durch Stuttgart gefahren.
Moustache Lundi 27: Ein urbaner Klassiker in neuem Gewand
Die Baureihe reicht bis ins Jahr 2012 zurück, als Moustache mit dem Lundi 26 einen Tiefeinsteiger auf 26-Zoll-Laufrädern vorstellte. 2022 folgte der Wechsel auf das heutige Format mit 27,5-Zoll-Laufrädern, und für 2026 steht nun die neueste Generation samt einer limitierten Launch Edition in den Läden. Für die Marke aus den Vogesen ist das Lundi mehr als ein Modell unter vielen: Er ist das Bike, mit dem Moustache das Thema Alltagsmobilität besetzt.
Moustache wurde als reine E-Bike-Marke gegründet, entwickelt und montiert alle Räder in Frankreich und leitet den eigenen Namen von einer historischen Lenkerform ab, die bis heute als Erkennungsmerkmal dient, beispielsweise auch beim Lundi 27. Der Leitgedanke? Das Auto möglichst in der Garage stehen zu lassen: viele Kurzstrecken mehrmals am Tag, längere Arbeitswege im städtischen Umfeld und Pendler, die den Weg zur Arbeit sportlich angehen. All das lässt sich meist auch bequem per E-Bike erledigen.
Mit der Neuauflage verfolgt Moustache nach eigener Aussage vor allem ein Ziel: Menschen erreichen, die ihr erstes E-Bike kaufen, und den Einstieg zu einem attraktiveren Preis ermöglichen. Das lässt sich am Portfolio ablesen. Mit 2.399 Euro ist das Lundi 27 das günstigste Komplettrad im urbanen Sortiment; die Mardi-27-Familie startet erst bei 3.399 Euro, das Lastenrad Lundi 20 Cargo bei 3.799 Euro, nach oben reicht die Palette bis knapp 6.000 Euro. Das Lundi 27 ist damit die Eintrittskarte, und der Wechsel auf den Nabenmotor ist der Hebel, mit dem dieser Preis überhaupt erst möglich wird.
Was bleibt und was sich ändert
An der Grundformel hat Moustache wenig angetastet. Das Lundi 27 bleibt ausschließlich als Tiefeinsteiger erhältlich, der Aluminiumrahmen mit dem markanten Moustache-Lenker ist optisch eine wohltuende Abwechslung. Die aufrechte, komfortorientierte Sitzposition bleibt ebenso erhalten wie die Kompatibilität mit dem kompletten hauseigenen Zubehörprogramm und das zulässige Gesamtgewicht von 150 Kilogramm inklusive Fahrer, Gepäck und Anbauteilen. Entwickelt und montiert wird weiterhin in den Vogesen.
Neu ist neben dem Antriebskonzept auch die Größenstruktur: Das Lundi 27 kommt in zwei Rahmengrößen, XS/S für Körpergrößen von 155 bis 165 Zentimetern und M/L für 162 bis 190 Zentimeter. Beim Gewicht verspricht der Hersteller bis zu 3,5 Kilogramm Ersparnis gegenüber dem Vorgänger, außerdem ein harmonischeres und leiseres Fahrverhalten sowie einen sehr geringen Tretwiderstand oberhalb der 25-km/h-Marke. Letzteres ist bei einem Nabenmotor ein wichtiger Punkt, denn anders als ein Mittelmotor sitzt er nicht im Kraftfluss der Kette und muss beim Fahren ohne Unterstützung nicht mitgeschleppt werden.
Bosch Hub Line: der erste Nabenmotor des Marktführers
Der eigentliche Kern des Updates ist der Bosch Hub Line, der erste Nabenmotor aus Reutlingen. Er ist Teil des Bosch Smart System und damit in die bekannte Peripherie eingebunden, was für Händler und Kunden vor allem eines bedeutet: gewohnte Diagnose- und Servicewege statt der oft mühsamen Ersatzteilsuche, die viele Nabenmotoren kleinerer Anbieter begleitet.
Die technischen Eckdaten
Der Hub Line stellt maximal 45 Nm Drehmoment und 400 Watt Maximalleistung bereit, wiegt 2,4 Kilogramm und baut mit rund zehn Zentimetern Durchmesser vergleichsweise kompakt. Bosch selbst stellt die 45 Nm in seinen Unterlagen mit 65 Nm eines Mittelmotors gleich; das ist eine Aussage über das Fahrgefühl und keine physikalische Äquivalenz, hat aber einen realen Hintergrund, weil die Kraft direkt am Hinterrad und nicht über die Übersetzung eingeleitet wird.
Sensor Fusion statt Drehmomentsensor
Der interessanteste Punkt steckt in der Steuerung. Der Hub Line besitzt keinen Drehmomentsensor am Tretlager, wie ihn Mittelmotoren und hochwertige Nabenmotoren nutzen, um die tatsächliche Tretkraft des Fahrers zu messen. Stattdessen setzt Bosch auf ein Konzept, das der Hersteller Sensor Fusion nennt: Die Signale von Geschwindigkeitssensor, Trittfrequenzsensor und einer inertialen Messeinheit werden kombiniert, um daraus die passende Unterstützung zu errechnen. Am Tretlager sitzt dafür eine feingliedrige Lochscheibe, die die Kurbelbewegung sehr engmaschig abtastet.
Zur Verfügung stehen die vier Modi Eco, Tour, Auto und Turbo, wobei der Auto-Modus die Unterstützung situationsabhängig regelt. Weitere Unterstützungsstufen befinden sich laut Bosch derzeit in der Evaluierung. Wie gut dieses Konzept in der Praxis funktioniert, ist die entscheidende Frage bei diesem Rad, und wir kommen weiter unten ausführlich darauf zurück.
Akku, Peripherie und Ausstattung
Als Energiequelle dient der neue PowerTube 360, mit 2,1 Kilogramm der leichteste Akku im Bosch-Programm. Er sitzt entnehmbar im Unterrohr und lässt sich über einen einstellbaren Moustache-Tragegurt bequem mitnehmen. Damit wird das Lundi 27 zwar nicht zum Ganztages-Tourer, aber für den Alltagseinsatz sollte der Akku ausreichend dimensioniert sein. Am 4-Ampere ist der Akku nach 54 Minuten wieder halb und nach 1:56 Stunden komplett voll. Wem die Reichweite dennoch zu knapp ist, kann den Range Extender PowerMore 250 nachrüsten.
Als Bedieneinheit dient das Purion 200, ein großes Display fehlt. Optional lassen sich ein Smartphone Grip am Lenker sowie das Connect-Modul mit GPS-Tracking-Funktion ergänzen. Serienmäßig an Bord sind ein MIK-HD/QL3-kompatibler Gepäckträger, ein Abus-Rahmenschloss samt Bügelschlosshalterung, eine gefederte Sattelstütze sowie eine Beleuchtungsanlage. Gebremst wird von einer Shimano MT200 mit 180 Millimetern vorn und 160 Millimetern hinten, auf den Felgen sitzen Schwalbe Super Moto-X in 27,5 × 2,4 Zoll. Eine Federgabel gibt es nicht.
Zwei Antriebsvarianten, zwei Preisschilder
Das Moustache Lundi 27 gibt es in zwei Antriebsausführungen. Die Version mit Gates-Riemen und Singlespeed richtet sich an flaches Terrain, ist praktisch wartungsfrei und mit 23,5 Kilogramm die leichtere der beiden. Die Variante mit Shimano-Cues-Schaltung in 9-fach-Ausführung zielt auf hügelige bis moderat bergige Topografie und wiegt 24,1 Kilogramm. Beide kosten 2.399 Euro und sind in glossy black, glossy stone grey, matt lavender und glossy avocado erhältlich.
Darüber rangiert die auf 270 Stück limitierte Launch Edition für 2.899 Euro. Sie kommt in der Sonderfarbe Chromatic blue mit reflektierenden Stickern, fährt mit einer 10-fach-Cues-Schaltung und bringt praktisch das gesamte Originalzubehör mit: Bosch Connect Modul, Smartphone Grip, Hinterradabdeckung, Bügelschlosshalterung sowie einen MIK-Frontgepäckträger mit versetzt montiertem 80-Lux-Scheinwerfer. Der Aufpreis von 500 Euro ist angesichts des Zubehörumfangs fair kalkuliert. Marktstart ist September 2026.
Das Moustache Lundi 27 in der Praxis
Für den Praxistest waren wir mit der Cues-Variante einen kompletten Tag in Stuttgart unterwegs, gefahren wurde in der größeren Rahmengröße M/L. Die Stadt ist weder für ein flaches Höhenprofil noch für herausragende Radwege bekannt und damit ein passendes Test-Terrain für ein Rad dieser Klasse.
Sitzposition und Rahmengrößen
Der Einstieg ist tief, die Sitzposition aufrecht und entspannt, der geschwungene Moustache-Lenker liefert nicht nur Wiedererkennungswert, sondern auch eine angenehm handgelenkschonende Griffposition. In einem Segment, in dem sich die Räder optisch oft bis zur Verwechselbarkeit ähneln, tut der eigenständige Look zudem wirklich gut.
Etwas kritischer sehen wir die Größenstruktur. Zwei Rahmengrößen sind grenzwertig, denn es fehlt eine wirklich große Option. Unser 1,87 Meter großer Tester bewegte sich am oberen Ende dessen, was M/L abdeckt. Nach zehn bis zwanzig Minuten fiel das nicht mehr negativ auf, eine Nummer größer wäre aber die bessere Wahl gewesen. Wir würden uns wünschen, dass Moustache hier in Zukunft noch nachlegt.
Komfort ohne Federgabel
Auf den ersten Blick klingt der Verzicht auf eine Federgabel nach einer Sparmaßnahme, gerade im Citybike-Segment steht sie bei vielen Käufern auf der Wunschliste. In der Praxis fehlte sie uns auf Stuttgarter Pflaster, welligem Asphalt und wurzelaufgeworfenen Radwegen jedoch kaum. Verantwortlich dafür sind zwei Bauteile: die sehr voluminösen Schwalbe-Reifen, die mit passendem Luftdruck erstaunlich viel schlucken und bei hochfrequenten Erschütterungen sogar besser funktionieren als eine einfache Federgabel, sowie die serienmäßige gefederte Sattelstütze. Deutlich spürbar wird die Grenze erst bei harten Einzelschlägen, also abgesenkten Bordsteinen oder Schlaglöchern. Für den Einsatzzweck ist das dennoch ein guter Kompromiss, der zudem Gewicht und Wartungsaufwand spart.
Apropos Gewicht: Trotz der Ersparnis gegenüber dem Vorgänger bewegt sich das Moustache Lundi 27 mit rund 24 Kilogramm nicht im leichten Bereich. Wer sein Rad regelmäßig Treppen hinauftragen muss, sollte das einkalkulieren.
Der Nabenmotor im Alltag
Auf dem Papier liegt der Hub Line bezüglich Leistung ein gutes Stück unter dem schwächsten Bosch-Mittelmotor, der Active Line Plus. Beim Fahren ist dieser Unterschied kaum zu spüren. Die direkte Krafteinleitung am Hinterrad lässt den Antrieb subjektiv kräftiger wirken, als es die Zahlen vermuten lassen; in der Praxis spielt er ungefähr in derselben Liga. Für den städtischen Einsatz reicht die Leistung aus.
Bemerkenswert ist, wie gut Bosch das klassische Problem beim Verzicht auf einen Drehmomentsensor gelöst hat. Üblicherweise schieben solche Antriebe beim Anhalten noch ein Stück nach, weil das System eine Weile braucht, um zu registrieren, dass der Fahrer aufgehört hat zu treten. Verzögerungen von bis zu einer Sekunde sind keine Seltenheit. Beim Hub Line tritt dieser Effekt schlicht nicht auf, die Unterstützung endet unmittelbar. Das ist im Stadtverkehr, wo alle paar hundert Meter eine Ampel oder ein Zebrastreifen wartet, ein echter Sicherheitsgewinn.
Die fehlende Drehmomentmessung lässt sich allerdings nicht vollständig kaschieren. Ist man erst einmal in Fahrt, genügt es, die Kurbel weiterzubewegen, damit das System weiter unterstützt. Wer in einen sehr leichten Gang schaltet und die Füße einfach mitlaufen lässt, ohne nennenswert Kraft aufzubringen, wird trotzdem geschoben. Natürlich fühlt sich das nicht an, und wer Radfahren als Bewegung versteht, wird sich daran stören. Andererseits: Viel bequemer kann man mit einem modernen E-Bike kaum unterwegs sein.
Bei der Lautstärke fällt das Urteil zwiespältig aus: Der Hub Line ist leiser als praktisch alle Bosch-Mittelmotoren, für einen Nabenmotor aber vergleichsweise laut. Es gibt Antriebe dieser Bauart, die deutlich zurückhaltender arbeiten. Im Stadtverkehr mit Fahrtwind, Autos und Passanten geht das Geräusch allerdings vollständig unter.
Riemen oder Kette?
Die Wahl der Antriebsvariante sollte man ernst nehmen, denn sie ist entscheidender als der nicht vorhandene Preisunterschied vermuten lässt. Für eine topografisch anspruchsvolle Stadt wie Stuttgart würden wir die Singlespeed-Version mit Gates-Riemen nicht empfehlen. An steilen Rampen muss man hier wohl spürbar kräftig zutreten, und genau das widerspricht dem Anspruch eines komfortorientierten Alltagsrads. In flachen Städten dagegen spielt der Riemen seine Stärken aus: kein Kettenöl, kein Verschleiß an Ritzeln, faktisch keine Wartung.
Zubehör und Ökosystem
Rund um das Lundi 27 hat Moustache ein durchdachtes Zubehörprogramm aufgebaut. Der MIK-kompatible Gepäckträger nimmt unter anderem eine Eurobox-kompatible Kiste aus dem eigenen Programm auf, die sich ohne Werkzeug aufklicken lässt. Dazu kommen ein Frontgepäckträger, eine Lenkertasche und der bereits erwähnte Smartphone Grip. Letzteren würden wir uns angesichts des fehlenden großen Displays sogar serienmäßig wünschen, denn für die anvisierte Zielgruppe ist das Smartphone ohnehin das naheliegende Navigations- und Anzeigegerät. Dass das zulässige Gesamtgewicht bei 150 Kilogramm liegt, gibt beim Beladen ausreichend Spielraum.


















