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Das Radon Regard 10.0 im Test: Preiswerter Gravel Racer mit vielen Anbau-Optionen

3. September 2026 by Caspar Gebel

Test Radon Regard 10.0: Das unlängst vorgestellte Carbon-Gravelbike des Bonner Anbieters macht mit markentypisch günstigem Preis auf sich aufmerksam. Doch das ist längst nicht alles – sein sportlicher Charakter, gepaart mit einer Fülle von Montage-Optionen, machen das neue Modell zusätzlich sympathisch.

Das Gravel-Programm von Radon besteht aus drei Modellplattformen: Seit 2022 gibt es das brave Regard AL, inzwischen in vier Varianten ab 1.199 Euro verfügbar, dann kam das exotische Titanrad „Tigard“ mit mechanischer wie elektronischer Shimano GRX. Und neuerdings haben die Bonner ein Carbonrad im Stall, das auch wieder Regard heißt und ebenfalls in vier Ausführen angeboten wird: als 7.0 mit Shimano GRX 1×12 (aktuell 2.199 Euro), als 8.0 mit SRAM Rival XPLR (2.799 Euro), als 9.0 mit elektronischer GRX Di2 (3.399 Euro) sowie als Radon Regard 10.0 mit SRAM Force XPLR für 3.999 Euro.

Radon Regard 10.0
Radon Regard 10.0: Preiswertes Racebike mit vielen Anbaumöglichkeiten.


Radon Regard 10.0: Topmodell zum attraktiven Preis

Die Alu-Modelle sind etwas in die Jahre gekommen und preislich nicht allzu interessant: Das AL 10.0 mit außen liegenden Zügen und Leitungen kostet auch nur 200 Euro weniger als das (reduzierte) Regard 7.0, das ebenfalls mit der 820er GRX kommt, dazu aber eben den Carbonrahmen, ein Carbon-Cockpit sowie einen ziemlich leichten Radsatz bietet. Bereits hier zeigt sich, wie viel man/frau beim Radon Regard Carbon für sein/ihr Geld bekommt – und im Falle des Topmodells sieht die Bilanz noch besser aus.

Radon Regard 10.0: die Highlights

  • Carbonrahmen mit sportlicher Sitzgeometrie und zahlreichen Montage-Optionen
  • SRAM Force XPLR inkl. Powermeter
  • Radsatz Newmen Advanced SL X.R. 36 Carbon, ca. 1.400 Gramm
  • Carbon-Cockpit und -sattelstütze
  • Gewicht 8,22 kg (o. P., Rh 56)
  • Preis 3.999 Euro

Interessant ist erst einmal die Positionierung des Radon Regard 10.0. Klar, wer nur ein einziges Carbon-Modell in der Range hat, sollte versuchen, unterschiedliche Geschmäcker anzusprechen. Bei Radon bedeutet das jedoch nicht, ein Gravelbike mit langweiliger Allround-Geometrie anzubieten. Stattdessen präsentiert sich das Regard durchaus sportlich mit kurzem Steuerrohr und entsprechend niedriger Bauhöhe (Stack), wobei die Sitzhaltung nicht übertrieben gestreckt ausfällt. Dazu trägt auch der mit 80 mm relativ kurze Vorbau bei.



Radon Regard 10.0
Mit ihren 1×13 Gängen und geringem Gewicht ist die SRAM Force XPLR die aktuell interessanteste Gravel-Gruppe.
Radon Regard 10.0
Radon verbaut die Force mit 42er Kettenblatt und Powermeter.

Mit der aktuell angesagten aerodynamischen Optimierung des Rahmens gibt sich Radon nicht groß ab; stattdessen sieht man schlanke Formen mit Ecken und Kanten, dazu eine eher stämmige Gabel. Diese steht für ein weiteres Merkmal des Bonner Bikes, das reisefreudige Gravelbiker/innen ansprechen dürfte: Das Radon 10.0 glänzt mit einer Fülle von Anbau-Optionen vom Dynamokabel-Kanal bis zum Heckträger. Wer will, kann das Rad also in einen reinrassigen „Randonneur“ verwandeln, was beim Topmodell freilich ein wenig mit der Ausstattung kollidiert, die wiederum ausgesprochen sportlich daherkommt. Ungewöhnlich sind die Montagepunkte für einen „Bashguard“ am Tretlager, der das Kettenblatt bei Aufsetzern schützen würde – so etwas sieht man normalerweise nur am Mountainbike.

Radon Regard 10.0
Die Gabel erlaubt Träger- wie Schutzblechmontage, auch ein Dynamokabel kann durchgeführt werden.
Radon Regard 10.0
Am Hinterbau findet sich ein klassischer Steg fürs Schutzblech sowie Gewinde für einen Heckträger.


SRAM Force mit Powermeter plus leichter Carbon-Radsatz

Die SRAM Force XPLR darf in Sachen Funktion und Preis-Leistung als derzeit beste Gravel-Gruppe am Markt bezeichnet werden; sie an einem 4.000-Euro-Rad zu finden, macht gleich nochmal so viel Spaß. Vor allem, da Radon die leichte 13-fach-Gruppe mit einem Powermeter verbaut, wie es an sportlichen Bikes heute nicht mehr fehlen darf. Dazu gibt es einen ziemlich leichten Semi-Aero-Radsatz mit 37 mm tiefen, außen 30 mm breiten Felgen, auf den die Bonner den schnellen Schwalbe G-One RX in 45 mm Breite ziehen (nebenbei bemerkt passen bis zu 50 mm breite Pneus durch Rahmen und Gabel).

Radon Regard 10.0
Am Tretlagergehäuse lässt sich ein Bashguard montieren, der bei Aufsetzern das Kettenblatt schützt.
Radon Regard 10.0
Gummikappen verhindern Beschädigungen an den Carbonkurbeln.

Am Testrad findet sich außerdem ein leichter Carbonsattel, der allerdings von der offiziellen Spezifikation abweicht; dazu gibt es eine runde Carbonstütze sowie das bereits erwähnte Cockpit. Letzteres fällt mit flachen, um satte 18° abgewinkelten Lenkerbögen auf – so kann man leicht von den Griffen an den Unterlenker wechseln, allerdings sitzt man dann ziemlich „breitarmig“ auf dem Rad. Interessant ist die von einem Magneten gehaltene Vorbaukappe aus Carbon, unter der sich Klemmschrauben und Vorbaudeckel verbergen. Einen von unten angeschraubten, langen Computerhalter gibt es auch.



Radon Regard 10.0
Eine formschlüssige Carbon-Kappe verbirgt die Klemmschrauben.
Radon Regard 10.0
Der stark ausgestellte Lenker könnte schmaler sein.

Viel Vortrieb und ausgewogener Charakter

Der Lenkwinkel des 56er Regard Carbon ist nicht allzu steil, die Kettenstreben mit 435 mm recht lang und auch der Radstand nicht gerade knapp bemessen. All das ist vergessen, wenn man zum ersten Mal in die Pedale tritt und feststellt, wie schnell sich das 8,2 Kilo leichte Rad auf Tempo bringen lässt. Das Lenkverhalten ist neutral und ausgewogen, ohne dass sich das sportliche Gravelbike langweilig fährt: Auf kurvigen Trails ist es in jeder Situation handlich genug und erlaubt quirlige Richtungswechsel. Bei hohem Tempo läuft es aber auch unbeirrbar geradeaus und lässt keinerlei Unsicherheit aufkommen.

XSSMLXL
Sitzrohrlänge (mm)440470500525560
Oberrohrlänge hor. (mm)510535560580600
Sitzwinkel eff.75°74,5°74°73,5°73,5°
Steuerrohrwinkel70,5°71°71,5°72°72°
Kettenstrebenlänge (mm)435435435435435
Steuerrohrlänge (mm)110125150170190
Radstand (mm)1008,41024,71040,81050,91071,4
Überstandshöhe (mm)757780808830858
Reach (mm)365380,5393401,2415,6
Stack (mm)541557582,6603,5622,5
Tretlagerabsenkung (mm)-75-75-75-75-75
Gabelvorbiegung (mm)4747474747
Gabellänge (mm)400400400400400
Vorbaulänge / Lenkerbreite (mm)70 / 40080 / 42080 / 42080 / 42090 / 440


Radon Regard 10.0
Das leichte Rad erlaubt zackige Beschleunigung und gefällt mit ausgewogenem Handling.

Dazu tragen auch die erstaunlich bissigen Schwalbe-Reifen bei, die mit eher geringem Druck viel Haftung auf lockerem Untergrund aufbauen, auf glattem Belag aber immer noch leicht genug laufen. Am Testrad sind sie bereits tubeless montiert, außerdem kommen die innenliegenden Ventile von Newmen zum Einsatz, die minimal luftwiderstandsgünstiger sein dürften. Wer sie nutzt, muss freilich immer die beiliegende Verlängerung mitführen, ohne die sich die Ventile nicht bedienen lassen. Neben den 45er Reifen sorgt auch die weit ausgezogene Carbonstütze für  angenehme Stoßdämpfung; der minimalistische Sattel erweist sich als überraschend bequem.

Radon Regard 10.0
An die 1.400 Gramm wiegt der Newmen-Radsatz mit 37 mm tiefen, breiten Felgen.
Radon Regard 10.0
Die innenliegenden Ventile sollen die Aerodynamik verbessern.


Was das Fahrvergnügen ein kleines bisschen trübt, ist der doch recht breite Lenker – zwei Zentimeter pro Seite könnten es locker weniger sein, aber das ist natürlich Geschmackssache. Abgesehen davon erweist sich das Radon Regard 10.0 als perfekt ausgewogene Gravel-Rennmaschine, und fast wünscht man sich eine Variante ohne die ganzen Anbaumöglichkeiten, was den sportlichen Charakter des Rades noch unterstreichen würde. Doch wahrscheinlich hat Radon wenig Interesse daran, sein Portfolio aufzublähen, was sicher auch für weitere Farbvarianten gilt…

www.radon-bikes.de

 



Radon Regard 10.0

 

Fazit: Radon Regard 10.0

Pro

  • Sportliche Rahmengeometrie
  • Hochwertig komplettiert
  • Preisgünstig
  • Viele Anbaumöglichkeiten

Contra

  • Recht breiter Lenker

Fakten

RahmenmaterialCarbon
Gewicht8,22 kg (o. P.)
Preis3.999 Euro
Web www.radon-bikes.de
Das erste Carbon-Gravelbike von Radon gefällt mit sportlicher Sitzgeometrie und ausgewogen-agilem Charakter. Gerade angesichts des aktuell reduzierten Preises ist die Ausstattung mit SRAM Force XPLR und Newmen-Radsatz top, dazu ist das Regard Carbon ziemlich leicht. Gegen die Racebikes der Konkurrenz kann es sich damit durchaus behaupten, wobei man sich als Nicht-Bikepacker eine Variante ohne die zahlreichen Montagemöglichkeiten wünscht. Doch erst diese machen das Rad so vielseitig und können erst wegfallen, wenn Radon ein zweites Carbon-Modell vorstellt.

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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