Fans der Marke Yeti haben es bereits vermutet, nun gibt es Gewissheit: Nachdem im vergangenen Jahr nicht nur das LTe, sondern auch das MTe vorgestellt wurde, war es lediglich eine Frage der Zeit, bis nach der Präsentation des neuen Yeti-Enduros, des LT, auch ein MT-Modell das Licht der Welt erblickte. Nun ist es hier – und wir haben das 140-mm-Fully gleich auf die Probe gestellt. Warum uns das Bike so begeistert hat, lest ihr hier.
Schneller Trail-Ripper – Yeti MT Eckdaten
Das brandneue Yeti MT ist trotz des identischen Federwegs von 140 mm am Heck und 160 an der Front kein Ersatz für das SB140, sondern darf als Addition zum Line-Up der Premium-Marke aus Colorado gesehen werden. Als Galionsfigur im Segment Trailbike / Light-Enduro kommt das MT ausschließlich in Yetis hochwertigster „Turq“-Carbonklasse. Nicht nur vom Namen her teilt es sich einige Gemeinsamkeiten mit dem großen Bruder, dem LT (hier gehts zum ersten Test). So findet sich auch am MT der Flipchip zur Anpassung der Federkennlinie; und natürlich kommt der neue Sixfinity-Hinterbau zum Einsatz, welcher das Switch-Infinity-System bisheriger Yetis ersetzt.
Über das Fahrgefühl des neuen Sechsgelenkers sprechen wir gleich, zuerst aber noch einige Unterschiede zum LT: Die auswechselbaren Ausfallenden sucht man am MT vergeblich, ebenso wie die Möglichkeit, ein kleineres 27,5-Zoll-Laufrad zu fahren – das MT ist 29er-only. Zudem ist das größenspezifische Carbonlayup etwas leichter ausgelegt, um gegenüber dem Enduro noch etwas mehr Gewicht zu sparen. Heraus kommt ein im getesteten Spec 14,85 kg leichtes Bike, für das Yeti 9.900 Euro aufruft – die Preisrange liegt insgesamt zwischen 7.200 und 11.500 Euro (UVP).
- Federweg 160 / 140 mm
- Rahmenmaterial Carbon (Turq)
- Laufradgröße 29 Zoll only
- Gewicht 14,85 kg (Gr. L, tubeless, o.Rahmentasche & Pedale, m. Flaschenhalter)
- Laufradgewicht 2,35 / 2,76 kg (v/h)
- Hinterbau Sechsgelenker
- Besonderheiten Rahmenstaufach, Progressionschip, AirTag-Halter
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 7.200-11.500 Euro


Fahreindruck
Wir hatten nicht nur im Yeti-Pressecamp über den Dächern von Brixen, sondern auch auf den Velomotion-Hometrails, d.h. v.a. im Bikepark Geisskopf, sowie im Bikepark Arber, reichlich Gelegenheit, um das neue Yeti MT standesgemäß auszuführen. Sowohl auf bekannten als auch auf unvertrauten Trails war das MT immer ein berechenbarer und zuverlässiger Untersatz, der sich sehr souverän fahren ließ. „Blinde“ Abfahrten meistert man mit viel Selbstvertrauen; noch besser wird es, wenn man in bekanntem Gelände so richtig pushen kann. Denn: Das MT holt aus den 140 mm Federweg am Heck enorm viel heraus und schreit dir selbst über den Fahrtwind hinweg deutlich hörbar zu, dass der Trail noch ein Stück mehr Speed bereithält!
Uphill
Aber von vorne: Als Trail- oder Light-Enduro-Bike will das MT auch aus eigener Kraft den Berg hochgekurbelt werden. Als nächstgrößtes Hindernis nach der Schwerkraft stellen sich im Uphill die Schwalbe Radial-Reifen heraus – allerdings erst mit einigem Abstand. Der Rollwiderstand der Trail-Karkasse ist vertretbar, gerade für das Mehr an Downhill-Performance, welches man erhält; dennoch ist klar, dass hier Tuning-Potential für ein schnelles Hometrail-Bike da ist.
Yeti kommuniziert einen Anti-Squat-Wert von um die 204 % im relevanten Federwegs- und Gangwahlbereich. Gibt man Zug auf die Kette, spürt man, wie der Hinterbau sich verhärtet und die Kraft willig ans Hinterrad überträgt. So fühlt sich das MT nicht nur wegen seines Gewichts von 14,85 kg, sondern vor allem dank seiner Hinterbau-Performance richtig schnittig an und drängt nach Vortrieb. Völlig wippfrei ist das Heck allerdings nicht; in technischen Anstiegen ist genug Traktion für Uphill-Spielereien da.
Mit dem MT ist man bergauf also tendenziell eher flott als gemütlich unterwegs und hat durchaus Spaß am Höhenmeter-Sammeln – ein Grund, der für die starken Allround-Eigenschaften des Bikes spricht.
Wenn Fahrwerks-Nerds über Hinterbau-Kinematiken an Fullys diskutieren, geht es oft um diese Begriffe. Was bedeuten sie überhaupt? Und wie vergleichbar machen sie verschiedene Bikes?
Anti-Squat
Wird in % angegeben und beschreibt die Tendenz des Hinterbaus, unter Kettenzug ein- oder auszufedern. Ein Wert über 100 % besagt, dass der Hinterbau ausfedert, bei einem Wert unter 100 % tendiert der Hinterbau dazu, einzuknicken. Der Anti-Squat-Wert hängt nicht nur von der Gangwahl ab (konkret von der Ritzel- und Kettenblattgröße bzw. ihren Durchmessern), sondern ändert sich auch beim Durchlaufen des Federwegs. Ein Anti-Squat-Wert von 100 % bedeutet übrigens, dass der Hinterbau gar nicht auf Kettenzug reagiert und sich frei bewegen kann, als ob keine Kette vorhanden wäre. Höhere Werte fühlen sich zumeist effizienter an, lassen aber auf ruppigen Anstiegen Traktion vermissen; niedrige Werte können in einem Wippen des Hinterbaus resultieren.
Anti-Rise
Wird ebenfalls in % angegeben und ist eine Kennzahl für das Verhalten des Hinterbaus, wenn Bremskräfte wirken. Werte über 100 % weisen auf ein geometrieerhaltendes Fahrwerk mit der Neigung, bei Hinterradbremsungen einzusacken, hin. Der verfügbare Federweg sinkt damit, solange man bremst. Werte unter 100 % lassen das Heck steigen. Wie auch beim Anti-Squat hängt die Berechnung der Werte u.a. von stark variierenden Parametern wie dem Schwerpunkt des Fahrers auf dem Rad ab. Die Werte basieren daher auf vereinfachten Modellen und lassen sich zwischen verschiedenen Herstellern kaum zuverlässig vergleichen, da oft unterschiedliche Ausgangsparameter in die Berechnungen eingehen.
Downhill
Die oben beschriebene Leichtfüßigkeit behält das Yeti MT auch bergab. Kurve verpatzt und jetzt musst du so richtig in die Pedale hämmern? Das MT geht willig voran. Fette Querwurzeln oder ein paar fiese, felgenverschlingende Felsen voraus? Mit einem beherzten Bunnyhop segelst du einfach drüber. Dem Trailbuilder stand der Sinn nach engem Kurvengehacke? Auf dem Yeti zirkelst du spielerisch durch. Das wirklich Beeindruckende ist aber, dass Yeti diese Leichtfüßigkeit mit den Nehmerfähigkeiten eines Enduros kombiniert. Okay, den letzten Satz muss ich vielleicht etwas entschärfen, denn auch dem MT sind Grenzen gesetzt und ein ausgewachsenes Enduro-Bike hält in jedem Fall mehr Sicherheitsreserven bereit. Aber das neue Yeti geht definitiv in diese abfahrtslastige Richtung und präsentiert sich als potenteres Bike, als die 140 mm Federweg vermuten lassen würden.
Überhaupt: Dieser Hinterbau! Fast möchte man behaupten, dass hier Zauberei im Spiel ist. Die nominellen 140 mm am Heck bieten fast schon ein „bottomless feel“. Bestimmt, aber immer angenehm und niemals harsch, dämpft der Hinterbau Impacts weg, kommt auch mit schnellem Gerumpel gut klar und behält einen definierten Pop bei, der Bunnyhops und Sprüngen zu luftigen Flugkurven verhilft. Hier ist eher der niedrige Stack, womöglich auch in Kombination mit dem 50-mm-Vorbau, ein kleines Hindernis; zumindest ich musste durch die Cockpithöhe etwas stärker mit der Front arbeiten, um selbige in die Luft oder sauber über einen Sprung zu bekommen. Der Vorteil des niedrigen Stacks: Man kann mit dem Oberkörper tief über die Front gehen und das Bike ins Gelände pushen.
Schlussendlich war es definitiv die richtige Entscheidung von Yeti, dem 140-mm-Hinterbau eine 160-mm-Federgabel an die Seite zu stellen, denn das Sixfinity-System holt hier sehr viel aus den Trailbike-Zahlen heraus. Auch Ausstattungsentscheidungen wie die kräftigen SRAM Maven-Bremsen und die traktionsstarken Schwalbe Radial-Reifen ergeben vor diesem Hintergrund absolut Sinn.
Quick Hits
Die Kettenstrebe sowie die antriebsseitige Sitzstrebe des Yeti MT sind großzügig abgedeckt, sodass hier nichts klappert – top!
Yeti verzichtet darauf, die Kabel durch den Steuersatz zu führen. Stattdessen treten die Leitungen im Steuerrohrbereich in den Rahmen und werden dort über einlaminierte Röhren geführt. An den Eingängen sind die Kabel geklemmt, sodass nichts klappert – wieder sehr lobenswert.
Die Progression der Federkennlinie lässt sich über zwei verschiedene Flipchip-Paare ändern – 10, 15 und 20 % Progression sind möglich. Die Anpassung gelingt in wenigen Minuten, sogar neben dem Trail, und ist durchaus spürbar. Über die kleine Öffnung schräg darunter kann Wasser aus dem Bereich der Dämpferaufnahme fließen, eine kleine Matschfalle ist es trotzdem.
Zwar nicht die Schuld von Yeti, wohl aber ein Problem für den Fahrer: Die Gabelkrone der Fox 36 knarzte im Test stark hörbar und müsste von Fox in den Service genommen werden; Yeti bietet momentan keine RockShox-Kits für das MT an.
Immer gerne gesehen an Testbikes sind die Schwalbe Radial-Reifen – in diesem Fall ein Albert vorne und eine Romy hinten, jeweils mit Trailkarkasse und vorne sogar in der weichsten UltraSoft-Mischung. Die Reifen bringen viel Grip und Dämpfung mit und sind ein kleiner Game-Changer im MTB-Segment.
Der Hersteller aus Colorado hat sich viele Gedanken darüber gemacht, wie der Fahrer maximal viel Hub an seiner Dropperpost fahren kann. Auf der Website sind umfassende Infos zu möglichen Nachrüst-Dropperposts verfügbar; an Fullys muss nicht nur die maximale Einstecktiefe, sondern auch das untere Limit für Kollisionen zwischen Sattel und Hinterrad beim Einfedern bedacht werden.Ausstattung
Fünf Ausstattungsvarianten gibt es zum Start des MT, alle sind mit einer Fox 36 und einem Fox Float X-Dämpfer sowie DT Swiss Laufrädern und SRAM-Komponenten bestückt. Zum restlichen Ausstattungspaket gehören zumeist Carbonlenker mit 35 mm Rise sowie ODI Reflex-Griffe und WTB Solano Chromoly-Sättel an allen Modellen. Alle Kurbelgarnituren verfügen über 165 mm kurze Kurbelarme und kleine 30t-Kettenblätter. Spannend für Individualisten ist die Möglichkeit, das XT Di2-Modell sowie das X0 / 90-Modell gegen einen Aufpreis von 1.200 Euro mit DT Swiss XMC 1700 Evo-Laufrädern inklusive DEG DF-Hinterradnaben zu upgraden. Ausgeliefert werden die DT Swiss-Naben mit Anti-Pedal-Kickback-System übrigens in der Null-Grad-Einstellung, wir haben es in der 20°-Einstellung getestet.
- Federgabel Fox 36 Performance
- Dämpfer Fox Performance Float X
- Schaltgruppe SRAM Eagle 90 Transmission
- Bremsen SRAM Maven Base 200/180 mm
- Laufräder DT Swiss M1900
- Vorderreifen Schwalbe Albert Trail Pro 2,5 Radial Ultra Soft
- Hinterreifen Schwalbe Romy Trail Pro 2,5 Radial Soft
- Lenker Burgtec Ride Wide Alloy Enduro 35 x 780 mm 30 mm Rise
- Dropperpost Crank Brothers Highline/ SM: 150 mm, MD: 170 mm, LG-XL: 200 mm
- Gewicht (Herstellerangabe) 14,8 kg
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 7.200 Euro
- Federgabel Fox 36 Factory Grip X2
- Dämpfer Fox Factory Float X2
- Schaltgruppe SRAM X0 / 90 Transmission
- Bremsen SRAM Maven Silver 200/180 mm
- Laufräder DT Swiss M1900
- Vorderreifen Schwalbe Albert Trail Pro 2,5 Radial Ultra Soft
- Hinterreifen Schwalbe Romy Trail Pro 2,5 Radial Soft
- Lenker Yeti Carbon 35 x 780 mm 35mm Rise
- Dropperpost Crank Brothers Highline/ SM: 150 mm, MD: 170 mm, LG-XL: 200 mm
- Gewicht (Herstellerangabe) 14,7 kg
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 8.200 Euro
- Federgabel Fox 36 Factory Grip X2
- Dämpfer Fox Factory Float X2
- Schaltgruppe Shimano XT Di2
- Bremsen Shimano BR-M8200 203/180 mm
- Laufräder DT Swiss M1900
- Vorderreifen Schwalbe Albert Trail Pro 2,5 Radial Ultra Soft
- Hinterreifen Schwalbe Romy Trail Pro 2,5 Radial Soft
- Lenker Yeti Carbon 35 x 780 mm 35mm Rise
- Dropperpost Crank Brothers Highline/ SM: 150 mm, MD: 170 mm, LG-XL: 200 mm
- Gewicht (Herstellerangabe) 14,6 kg
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 8.900 Euro
- Federgabel Fox 36 Factory Grip X2
- Dämpfer Fox Factory Float X2
- Schaltgruppe SRAM X0 Transmission
- Bremsen SRAM Maven Silver 200/180 mm
- Laufräder DT Swiss XMC 1700 Evo DEG DF
- Vorderreifen Schwalbe Albert Trail Pro 2,5 Radial Ultra Soft
- Hinterreifen Schwalbe Romy Trail Pro 2,5 Radial Soft
- Lenker Yeti Carbon 35 x 780 mm 35mm Rise
- Dropperpost Fox Transfer 31.6mm / SM: 150 mm, MD: 180 mm, LG-XL: 210 mm
- Gewicht 14,85 kg (Größe L)
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 9.900 Euro
- Federgabel Fox 36 Factory Grip X2
- Dämpfer Fox Factory Float X2
- Schaltgruppe SRAM XX Transmission
- Bremsen SRAM Maven Ultimate 200/180 mm
- Laufräder DT Swiss XMC 1700 Evo DEG DF
- Vorderreifen Schwalbe Albert Trail Pro 2,5 Radial Ultra Soft
- Hinterreifen Schwalbe Romy Trail Pro 2,5 Radial Soft
- Lenker Yeti Carbon 35 x 780 mm 35mm Rise
- Dropperpost RockShox Reverb AXS / SM: 150 mm, MD: 180 mm, LG-XL: 200 mm
- Gewicht (Herstellerangabe) 14,4 kg
- yeticycles.com
- Preis (UVP) 11.500 Euro
Geometrie
| S | M | L (getestet) | XL | |
|---|---|---|---|---|
| Reach in mm | 430 | 460 | 480 | 505 |
| Stack in mm | 617 | 625 | 635 | 650 |
| Effektive Oberrohrlänge in mm | 572 | 604 | 627 | 655 |
| Lenkwinkel in Grad | 64.5 | 64.5 | 64.5 | 64.5 |
| Effektiver Sitzwinkel in Grad | 77 | 77 | 77 | 77 |
| Tatsächlicher Sitzwinkel in Grad | 69.8 | 70.5 | 71.5 | 72.6 |
| Frontcenter | 758 | 792 | 817 | 849 |
| Kettenstrebenlänge in mm | 436 | 440 | 446 | 452 |
| Radstand in mm | 1194 | 1232 | 1263 | 1301 |
| Geschätzte Tretlagerhöhe in mm | 342 | 342 | 342 | 342 |
| Überstandshöhe in mm | 726 | 733 | 737 | 739 |
| Sitzrohrlänge in mm | 375 | 420 | 430 | 460 |
| Steuerrohrlänge in mm | 91 | 100 | 111 | 127 |
| Vertikaler Gabelfederweg in mm | 144 | 144 | 144 | 144 |
| FC-2-RC | 1,74 | 1,8 | 1,83 | 1,88 |

















