Test Zipp 303 SW: Das auffälligste Merkmal der Allroad-Laufräder ist die integrierte Luftdruckmessung, doch auch sonst liefert der US-Hersteller mit diesem Modell keinesfalls Standard-Material. Mit ihren breiten Felgen liegen die 303 SW irgendwo zwischen Straße und Gravel, und wer passende Reifen auswählt, kann sich über beste Funktion mit Zusatznutzen freuen.
Laufräder von Zipp waren einst kaum bezahlbares Profi-Material, doch diese Zeiten sind zum Glück vorbei. Wurden die Felgen des Herstellers früher ausnahmslos in den USA gefertigt, findet die Produktion einiger Modelle inzwischen in den Fabriken von SRAM in Taiwan statt, was sich deutlich auf die Preise auswirkt. Das günstigste Modell Zipp 303 S kostet nur gut 1.200 Euro, und knapp unter 2.000 Euro geht’s mit den legendären „Dimples“ los, die nicht nur Golfbälle, sondern auch Laufräder schneller machen.
Zipp 303 SW: In die Felge integrierter Luftdrucksensor
Mit glatt 1.900 Euro ausgepreist ist der Zipp 303 SW, mit Dimples und einer weiteren Besonderheit: Diese Felgen können den Luftdruck messen, wozu Zipp seinen „TyreWiz“ getauften Drucksensor zum Nachrüsten komplett in die 40 mm tiefe Felge integriert hat. Wobei das nicht die einzige Besonderheit dieses Radsatzes ist.

Interessant ist erst einmal die Positionierung der Laufräder, die mit 1.455 Gramm (VH 666 g / HR 789 g) anständig, aber nicht extrem leicht ausfallen. Der Zipp 303 SW ist kein reiner Aero-Gravel-Radsatz – dafür gibt es beim US-Hersteller den 303 XPLR mit 32 mm Maulweite und 40 mm Außenbreite. Ein klassischer Rennrad-Radsatz ist er jedoch auch nicht. Eher trifft das Prädikat „Allroad“ auf den Radsatz zu, der bei 40 mm Profiltiefe über eine Außenbreite von ganzen 33 mm verfügt. Auffälligstes Merkmal der hakenlosen Felgen sind die 4 mm breiten Felgenschultern, die dafür sorgen, dass die Innenweite mit 25 mm eher moderat ausfällt. Es können also Reifen ab 30 mm Breite montiert werden.
Zipp 303 SW: die Highlights
- Hookless-Felgen mit 25 mm Maulweite
- Felgen 40 mm tief, 33 mm breit
- 20/20 Sapim CX Sprint Speichen
- Nabensatz Zipp ZR1, Klinkenfreilauf mit 66er Teilung
- Gewicht 1.455 g (VH 666 g / HR 789 g)
- UVP 1.900 Euro
Wobei die Sache eigentlich bei 32 mm Reifenbreite so richtig interessant wird. Dann nämlich hat man einen Punkt erreicht, an dem der Reifen minimal schmaler ist als die Felge selbst, und das gilt als Garant für eine optimale Aerodynamik des Gesamtsystems – Stichwort 105-%-Regel. Goodyear hat für Zipp eigens Reifen entwickelt, die in 30 und 35 mm angeboten werden, aber so richtig überzeugen sie nicht: Der 30er bringt es mit einer Karkassenbreite von unter 70 mm gerade mal auf 29 mm Breite, außerdem ist er nur 2,5 cm hoch. Jeweils 3 mm breiter und höher ist der solide Pirelli P-Zero Race TLR, mit dem wir die ersten Kilometer auf den Zipp 303 SW absolvieren. Doch selbst dieser Reifen zeigt noch deutlich den breiten oberen Felgenrand, der übrigens bei harten Schlägen ebenso die Stabilität der Felge gewährleisten wie Reifenschäden vorbeugen soll.
Der Gamechanger für den Zipp-Radsatz ist dann der neue Pirelli P-Zero TLR SL-R, dessen spezielle Karkassenform den Übergang vom Reifen zur Felge optimieren soll – was hier hervorragend funktioniert. Auch dieser Pirelli ist minimal schmaler als die Felge, sorgt aber für einen sicht- und fühlbar glatten Übergang zwischen beiden Bauteilen. Der Tubeless-Reifen lässt sich einfach montieren, sodass die Zipp schnell fahrfertig sind – vorm Losrollen muss natürlich noch die Druckmessung aktiviert werden.

Wie funktioniert das eingebaute Manometer? Die Sensorik befindet sich in einem kleinen Kasten, der in die Felge geschoben wird. Von innen wird das spezielle Tubeless-Ventil durchgeschoben; dessen Rändelmutter hält die ganze Sache zusammen. Der Ventilschaft ist mit Bohrungen versehen, durch die der Reifendruck an den Sensor übertragen wird. Diese dürfen nicht durch Dichtmilch verstopft werden, weshalb Zipp einen eigenen „Injektor“ mit langem Röhrchen beilegt. Auch spezielle TPU-Schläuche werden vorgehalten, ebenfalls mit perforiertem Ventilschaft.
Wie alle elektronischen Bauteile im SRAM/ZIPP-Kosmos kommuniziert die Luftdruckmessung mit der AXS-App, in der sich die Laufräder einem Fahrradprofil hinzufügen lassen. Alternativ (etwa weil man den Radsatz an unterschiedlichen Bikes verwenden will) kann man auch ein neues Profil anlegen und es beispielsweise „Zipp 303 SW“ nennen. Hier wird nun der Druck von Vorder- und Hinterrad angezeigt; außerdem kann man Minimal- und Maximaldruck auswählen. Bzw. muss, denn ohne diese Angaben verschenkt man einen großen Vorteil der Messapparatur: Wird diese durch Bewegen der Laufräder aktiviert, fängt die Kontrollleuchte an der Felge an zu blinken – grün, wenn sich der Druck im ausgewählten Bereich befindet, rot, wenn er zu niedrig oder zu hoch ist.
So muss man vorm Losfahren nicht mal auf die App schauen – nur kurz am Fahrrad rütteln, schon zeigen die Leuchtdioden an, ob man vorm Start noch pumpen muss. Falls das nötig ist, weiß man, dass man den gewünschten Druck erreicht hat, wenn das Blinksignal von rot auf grün wechselt.
Spezielle Schläuche mit gelochtem Ventilschaft
Schritt zwei ist, die beiden Drucksensoren mit dem Radcomputer zu koppeln. Schließlich will man ja auch unterwegs über Veränderungen des Reifendrucks informiert werden. Mit der Wahoo-App geht das vergleichsweise einfach, allerdings mit einem kleinen Nachteil: Der Druck kann nur in psi angezeigt werden, nicht in bar. Und jetzt? Muss man sich halt merken, dass 4 bar 58 psi entsprechen und 4,5 bar 65 psi. Mehr darf in die 30er Reifen ohnehin nicht gefüllt werden. Die psi-Anzeige auf dem Tacho dient in erster Linie der Kontrolle: Wer das Gefühl hat, einen Schleicher zu haben, kann den Druck nun überprüfen, ohne anzuhalten.
Punktgenau pumpen ohne Blick aufs Manometer
Und die integrierte Druckmessung hat noch weitere Vorteile: Wer den Reifen mit der Manometer-losen Handpumpe befüllt, sieht genau, wie viel Luft drin ist, und muss sich nicht mehr auf die ungenaue Daumenprobe verlassen. Und natürlich kann man etwa beim Gravelbike mit unterschiedlichen Drücken experimentieren und sich das Optimum einfach merken. Gerade im Hookless-Betrieb ist außerdem das Thema „Maximaldruck“ wichtig – etwa wenn das Rad längere Zeit in der Sonne gestanden hat.

Abgesehen von seinem besonderen Feature ist der Zipp 303 SW aber natürlich auch einfach ein Laufradsatz – was kann er als solcher? Mit seinem 40-mm-Profil wirkt er erst einmal nicht wie ein reinrassiger Aero-Radsatz, doch was ihm an Tiefe fehlt, macht er mit seiner enormen Breite wett. Dazu noch die „Dimples“, und man erhält ein System, das sich enorm schnell anfühlt und bei hohem Tempo im Vergleich zu ähnlich tiefen Modellen durchaus einen Vorteil zu haben scheint. In schnellen, kurvigen Abfahrten beweist der Zipp Stabilität bei wechselnder Windrichtung; dazu kommt die gefühlt hohe Steifigkeit des klassischen Aufbaus mit gekröpften Stahlspeichen. Bemerkenswert dabei ist, das Vorder- wie Hinterrad mit jeweils nur 20 Speichen auskommen, wo 24 üblich sind.
Die acht „fehlenden“ Speichen bedeuten 40 Gramm weniger Gewicht, wobei dieser Aspekt nicht die stärkste Seite des Zipp 303 SW ist. Im Zeitalter der Carbonspeichen haben manche Wettbewerber hier die Nase vorn, wobei man nicht vergessen darf, dass die Sensorik 17 Gramm pro Laufrad wiegt und die Felge entsprechend ausbalanciert sein muss, damit eine Unwucht vermieden wird. Die von Zipp betonte höhere Schlagfestigkeit der Felge mit dem breiten Rand gibt es natürlich auch nicht umsonst. Die sehr angenehmen Fahreigenschaften und das Manometer-Feature rücken einen etwaigen Gewichtsnachteil aber klar in den Hintergrund.
Schnell mit Race-Reifen, stabil mit Allroad-Pneus
Am Ende stellt sich nur die Frage, mit welchen Reifen man die breiten Zipps kombinieren sollte. Der teure Pirelli P-Zero TLR SL-R ist mit seiner optimierten Form aerodynamisch vielleicht die beste Wahl, außerdem mit extrem geringem Rollwiderstand zusätzlich schnell. Wer den Radsatz auf schlechten Strecken einsetzen will, dürfte mit einem pannensicheren Allroad-Reifen wie dem Specialized Mondo in 32 mm immer noch eine gute Aerodynamik erzielen. Und natürlich kann der Radsatz bedenkenlos am Gravelbike gefahren werden. Dass der Zipp 303 SW in der Regel mit deutlichem Rabatt angeboten wird, macht ihn nur noch interessanter.










