Test Ergon SR Allroad Pro Men: Der breit aufgestellte Sportsattel überzeugt am Gravelbike mit einer Formgebung, die wirkungsvoll Druck und Reibung reduziert. Auch Preis und Gewicht stimmen, dazu gibt es alle Varianten in speziell auf Frauen abgestimmter Form.
Es gibt wohl kein Bauteil am Fahrrad, bei dem die Meinungen so auseinandergehen wie beim Sattel. Dabei lohnt es sich kein bisschen, zu diskutieren, jemanden überzeugen oder gar umzustimmen zu wollen. Welcher Sattel sich gut anfühlt und „passt“, ist nämlich so individuell, dass man die Wahl ganz alleine treffen muss. Was gerade so geht, ist jemandem einen Sattel zu empfehlen – zum Beispiel den Ergon SR Allroad Pro Men, dessen Name schon einen breiten Einsatzbereich von Rennrad bis Gravelbike andeutet.
Was macht den Sattel des Anbieters aus Koblenz zu etwas Besonderem? Der Name des Herstellers verspricht bereits, dass dessen Produkte nach ergonomischen Prinzipien entwickelt werden, was sich aber natürlich von selbst versteht. Allerdings sind die Sättel von Ergon etwas anders aufgebaut als viele Modelle des Wettbewerbs – und sehen auch etwas anders aus.

Breite Längsrinne und weiche Polsterung
Los geht’s beim Ergon SR Allroad Pro Men mit der Längsrinne, ohne den heute kaum noch ein sportlicher Sattel auskommt. Diese Öffnung ist mal breit, mal schmal, mal kurz, mal lang, soll aber immer dasselbe bewirken: Druckentlastung im Bereich des Perineums, wo man(n) beim Sitzen auf dem Fahrrad besonders empfindlich ist.
Ergon SR Allroad Pro Men: die Highlights
- Ergonomischer Sattel für Männer mit breiter Längsrinne und ausgeformter Sattelschale
- Angenehm weiche Polsterung
- „Gleitflanken“ verhindern seitliche Reibung beim Pedalieren
- Zwei Breiten (142 / 151 mm), Länge 248 mm
- Gewicht 259 Gramm (schmale Version)
- Preis 129,95 €
- Auch auf die weibliche Anatomie angestimmt erhältlich
Das funktioniert mal besser, mal weniger gut – und beim Ergon SR Allroad Pro Men sehr überzeugend. Erst einmal fällt auf, dass die Öffnung bei diesem Sattel vergleichsweise klein ausfällt; die Rinne in Längsrichtung ist dagegen ziemlich lang und breit. Die Sattelschale unter der Polsterung ist nicht wie sonst üblich flach, sondern weist ebenfalls in Längsrichtung eine Vertiefung auf. Das bedeutet, dass die Rinne des Sattels tief genug ausfallen kann und dazu gepolstert ist. Und was noch wichtiger ist: Im Vergleich zu vielen Sätteln mit zentraler Öffnung gibt es beim Ergon keine harten Kanten, wie sie oft genug besagte Öffnung einfassen.
Ist dies der Fall, kann nämlich folgendes passieren: Erst einmal fühlt sich so ein Sattel recht bequem an, dann jedoch wird das empfindliche Perineum durchs Körpergewicht auf diese harte Kante gepresst. Und so kann ein Konzept, das eigentlich für Druckentlastung sorgen soll, zusätzlichen Stress beim Sitzen erzeugen. Die Rinne des SR Allroad Pro Men ist dagegen rundum weich gepolstert und dazu ziemlich breit, und damit ist man vor unangenehmem Druck gut geschützt.
„Gleitflanken“ gegen seitliche Reibung
An anderer Stelle fällt eine reibungsmindernde Maßnahme auf: Die weiche Polsterung des Sattels ragt seitlich über die harte Sattelschale heraus, was bedeutet, dass die Oberschenkel beim Pedalieren nicht am Seitenrand der Schale reiben. Ohnehin fällt beim Radfahren auf, dass die Oberschenkel viel Platz haben, sodass man ungehindert nach unten durchtreten kann – „Gleitflanken“ nennt Ergon das.
In der getesteten Variante Medium/Large ist der Ergon 151 mm breit; die S/M-Version misst 142 mm. Die Länge beider Modelle beträgt 248 mm, womit der Allroad ein typischer kurzer Sattel moderner Bauart ist. Viel Platz zum Vor-zurück-Rutschen hat man also nicht; allerdings gibt es auch wenig Grund, die zentrale Sitzposition zu verlassen. Und wenn man sich an einem Steilstück nach vorne bewegt, wird klar, dass die Sattelnase immer noch lang genug ist und dazu angenehm weich ausgeführt.
Nach gut 1.200 Kilometern auf dem Gravelbike ist die Bilanz uneingeschränkt positiv: Der Ergon SR Allroad Pro Men überzeugt mit durchdachter Formgebung und weicher, dabei nicht plüschiger Polsterung. Auch das Gewicht von knapp 260 Gramm mit Titangestell geht voll in Ordnung, und mit 129,95 Euro ist der in Europa gefertigte Sattel keineswegs teuer. Ergon bietet das Modell in knapp 200 Gramm leichter Carbon-Ausführung für knapp 200 Euro an; dazu gibt es eine Variante mit etwas einfacherer Polsterung für 89,95 Euro. Außerdem bietet Ergon das komplette Programm auch für Frauen an, mit an deren Anatomie angepasster Formgebung.



