Test Corratec Life CX8 Belt: Das zusammen mit dem Sportmediziner Dr. Ludwig Geiger entwickelte E-Bike bietet über einen großen Preisbereich hinweg hohen Komfort und starke Motorunterstützung. Mit komfortabler Geometrie und großer Belastbarkeit ist dieses Modell gut geeignet für all jene, die schonendes Fitnesstraining betreiben wollen.
Dass Radfahren gesund ist, versteht sich eigentlich von selbst – da muss man nicht erst den Arzt fragen. Doch wenn es um das „Wie“ geht, kann der Expertenrat nicht schaden, vor allem, wenn man sich nicht unbedingt in Bestform befindet, aber etwas für seine Gesundheit tun will. Zu den Fachleuten, die sich mit dem Thema Radfahren aus gesundheitlicher Sicht beschäftigen, gehört der Sportmediziner Dr. Ludwig Geiger – und ihn zog der Radhersteller Corratec bereits vor zehn Jahren zu Rate, als es darum ging, ein E-Bike für all jene zu entwickeln, denen das Radfahren etwas schwerer fällt: das Corratec Life CX8 Belt.

Corratec Life CX8 Belt: Ergonomie, Komfort und Sicherheit
Was muss ein E-Bike für diesen Kundenkreis können? Ergonomie, Komfort und Sicherheit sind die drei wichtigsten Stichworte, außerdem Belastbarkeit. Das Corratec Life will nämlich auch Personen ansprechen, für die das Radfahren aufgrund höheren Körpergewichts herausfordernd ist. Und das sind Fahrerinnen und Fahrer, die natürlich vom Elektroantrieb ganz besonders profitieren. Das Bike erlaubt eine Zuladung von 150 Kilo, was nur mit besonders stabilen Komponenten geht, und so basiert das Corratec auf solider MTB-Technik. Der Hersteller verbaut eine 100-mm-Luftfedergabel mit Steckachse und großem Standrohrdurchmesser; auch die Vierkolben-Bremsanlage ist auf ein hohes zulässiges Gesamtgewicht zugeschnitten.
Beim Laufradsatz, der den Namen der Corratec-Eigenmarke Zzyzx trägt, kommen die etwas kleineren 584-mm-Felgen zum Einsatz (27,5 Zoll), auf die 60 mm breite SUV-Reifen montiert sind; mit jeweils 36 Speichen pro Laufrad sollte man sich hier auf dauerhaften Rundlauf und eine hohe Steifigkeit verlassen können. Und natürlich sorgen die großvolumigen Reifen für ein hohes Maß an Komfort.
Aufrechte Körperhaltung, angenehme Lenkerform
Sehr angenehm ist auch die Sitzposition auf dem Life, die auf eine aufrechte Oberkörperhaltung zugeschnitten ist. Der Lenkervorbau kann verstellt werden; der Lenker selbst ist zum Fahrer hin gebogen, was eine ergonomisch günstige Position von Armen und Händen erlaubt. Die Griffe der Firma SQ Lab verfügen über eine große Auflage für den Handballen und fassen sich angenehm an. Eine Besonderheit von Corratec sind die Gummiüberzüge an den Bremshebeln, wobei der linke Hebel für die Vorderbremse rot ist. Das soll einerseits dazu anregen, nicht nur den hinteren Stopper zu verwenden, andererseits aber auch darauf hinweisen, dass die Vorderbremse stärker wirkt und vorsichtig dosiert werden muss.
Das Corratec Life CX8 Belt ist als Unisex-Bike in nur einer Rahmenform verfügbar, dabei freilich in vier Größen. Der Alu-Rahmen gefällt mit sehr glatten Rohrübergängen; für die nötige Stabilität sorgt das zweite Unterrohr, sodass das Rad als Tiefeinsteiger konzipiert werden kann. Dass man den Fuß zum Aufsteigen nur wenige Zentimeter übers Tretlager heben muss, gehört zu den Anforderungen, die der Hersteller in Kooperation mit Dr. Geiger herausarbeitete – wer Knie- oder Hüftprobleme hat, kommt mit solche einer Rahmenform gut zurecht.
Starke Motorisierung mit Bosch CX
Der Entlastung der Gelenke, aber auch des Herz-Kreislauf-Systems dient natürlich das Antriebssystem des E-Bikes. Ein Motordrehmoment von 90 Nm erlaubt eine schonende, kraftsparende Fahrweise, wobei man die Antriebsleistung natürlich nicht immer ausreizen muss. Für Menschen, die gezielt ihre Fitness verbessern wollen, liegt gerade in den unterschiedlichen Unterstützungsstufen des Bosch Performance CX die Chance, sich gezielt zu belasten: Wer etwa eine Pulsuhr trägt, kann immer im empfohlenen Herzfrequenzbereich fahren, was bedeutet, in der Ebene eine niedrige Motorstufe zu wählen und bei Gegenwind oder am Berg eine höhere. Wer den Ehrgeiz hat, selbst für Vortrieb zu sorgen, schont damit natürlich auch den Akku, der allerdings bei der Top-Ausführung des Corratec Life mit 800 Wattstunden sehr groß ausfällt. Und auch die günstigste Variante des Bikes ist mit einer Kapazität von 625 Wh für lange Strecken gut geeignet.

Egal, ob man sich nun etwas mehr oder etwas weniger anstrengt: Der Bedienungskomfort des Life ist in jedem Fall hoch. Das erreicht Corratec mit der stufenlosen Enviolo-Getriebenabe, die unter Last, im Stand und generell in jeder Situation betätigt werden kann. Zum großen Übersetzungsumfang kommt die Wartungsarmut solch eines Getriebes, und auch der Zahnriemen reduziert den Pflegeaufwand auf ein Minimum. In Sachen Funktionalität und Bedienung punkten auch die Bauteile des Bosch-Systems, zu denen das große, mittig angeordnete Kiox-500-Display gehört.
Es fehlt: die Parallelogrammstütze
Ein Bauteil, auf das Corratec seltsamerweise verzichtet hat, ist die gefederte Sattelstütze. Angesichts der aufrechten Sitzhaltung ist ein solcher Stoßdämpfer eigentlich unverzichtbar – vor allem, wenn der Fahrkomfort zu den wichtigsten Verkaufsargumenten gehört. Immerhin ist das Nachrüsten einer Parallelogrammstütze eine leichte Übung; ein Highend-Modell kostet an die 200, eine einfache Variante rund 70 Euro.
Auf Krankenschein gibt es das Corratec Life CX8 Belt natürlich nicht, dafür aber in unterschiedlichen Varianten, die sich an Privat- wie Kassenpatienten wenden. Dabei gestaltet der Hersteller aus dem Alpenvorland seine Leistungen sehr transparent und bietet auch in den günstigeren Preisklassen ziemlich viel. So sind alle fünf Modelle mit dem „Bosch Performance CX“-Antrieb ausgestattet, wobei allerdings unterschiedliche Modellgenerationen zum Einsatz kommen. Deren bedeutendster Unterschied liegt allerdings im Drehmoment, das hier 85, dort 90 Nm beträgt, und das spürt man höchstens im direkten Vergleich. Unterschiede gibt es auch bei den Akkus, wobei auch die 625-Wh-Batterie des günstigsten Life zeitgemäß groß ist. Und schließlich montiert Corratec unterschiedliche Displays, wobei auch die einfacheren Varianten aus dem Bosch-Sortiment sehr funktionell sind.
Auch die günstigen Modelle machen viel her
Erfreulich ist, dass alle fünf Modellvarianten mit derselben stabilen Luftfedergabel ausgestattet sind – hier wird gerne gespart und dann etwa eine einfache Stahlfedergabel verbaut. Und auch bei den Schaltungen gibt es Überraschungen: Die stufenlose Enviolo-Getriebenabe des hier vorgestellten Corratec Life CX8 Belt (5.499 Euro) gibt es auch am Life CX6 Classic Enviolo für 3.999 Euro, dann allerdings mit Kette statt Riemenantrieb.
Bei den drei Modellen mit Kettenschaltung macht das Life CX6 Classic mit SRAM 1×12 den Anfang, das günstige 3.699 Euro kostet. Das Life CX8 12S (4.999 Euro) kommt mit mechanischer Zehngangschaltung, das Life CX8 Automatic (5.499 Euro) mit elektronisch/automatisch schaltender Shimano DI2 1×11. Die letzteren zwei Modelle sind mit 800-Wh-Akku ausgestattet, außerdem ist hier eine Drehmomentsteigerung auf satte 100 Nm möglich – ein Extraschub, den man dann doch spürt.
Für welche Modellvariante man sich auch entscheidet: Den Ansprüchen von Dr. Ludwig Geiger hinsichtlich Ergonomie, Komfort und Sicherheit genügen alle, und bis auf die erwähnte Federsattelstütze muss man bei keinem Corratec Life etwas vermissen.









