Test Fizik Arione R1 Light: Der ikonische lange Sattel der frühen 2000er erlebt mit fünf neuen Varianten ein kleines Comeback. Eines der neuen Modelle ist leicht, straff und immer noch vergleichsweise lang. Kann es an den Erfolg des Urmodells anschließen?
Sättel gibt wie Sand am Meer – doch nur ganz wenige erreichen Legendenstatus. Concor und Rolls, Turbo und Flite sind die großen Namen der 1980er und 90er Jahre; das neue Jahrtausend stand dann im Zeichen dieses Sattels. Der 2003 vorgestellte Fizik Arione machte mit seiner ungewöhnlich langen, schmalen Form und der fast komplett planen Oberfläche auf sich aufmerksam und rückte die Sportmarke des italienischen Herstellers Selle Royal erstmals ins Rampenlicht. Gut zehn Jahre lang war dies eines der beliebtesten Modelle im Radsport, aufgelegt in zahllosen unterschiedlichen Varianten.
Fizik Arione R1 Light: die Highlights
- Klassische Form des ursprünglichen Modells, etwas kürzer
- Länge 284 mm, Breite ca. 132 mm
- Feste EVA-Polsterung ohne Bezug
- Gewicht 152 Gramm (schmale Version)
- Preis 199 Euro

Fünf Varianten mit 3D-, EVA- und PU-Polsterung
Nun ist er zurück und neben dem Fizik Arione R1 Light in vier weiteren Varianten verfügbar: Der Hersteller bietet zwei Adaptive-Modelle mit 3D-gedruckter Polsterung an, dazu R1 Light, R3 und R5 in „konventioneller“ Machart, wenn man das so sagen kann. In der Topversion ist der Sattel nämlich ziemlich reduziert, was mit einem geringen Gewicht von 152 in der schmalen Version belohnt wird. In der Form entspricht er fast 1:1 dem Original, dabei ist der neue Arione um fast 2 cm auf 284 mm verkürzt worden. Außerdem ist er nun minimal breiter, und zwar schon in der 135-mm-Version, die allerdings eher echte 132 mm misst. Zusätzlich gibt es den Fizik Arione R1 Light in 145 mm.
Ein prägendes Merkmal gab es schon bei früheren Ariones, nämlich die Längsrinne inklusive Aussparung im mittleren Bereich. Inzwischen sind alle fünf Modelle so aufgebaut. Neue Wege geht der R1 Light bei der Polsterung, die nicht mehr aus PU-Schaum und Sattelbezug besteht, sondern aus einem festen EVA-Kunststoff, der ohne schützende Außenhülle auskommt. Dies wie die Carbon-Nylon-Schale mit den heruntergezogenen Aufnahmen für das Carbon-Sattelgestell verleiht dem Fizik Arione R1 Light ein minimalistischen, cleanen Look. Dabei stören höchstens die zwei Gewindebohrungen an der Unterseite, die für einen speziellen Triathlon-Flaschenhalter gedacht sind. Hier könnte man sich natürlich auch die Befestigung anderer Zubehörteile vorstellen, etwa einer Rückleuchte, wie es sie einst zum Anklicken an den alten Arione gab. Doch so etwas bietet Fizik leider nicht an.
Ausrichtung: auf die Nase kommt es an
Die Montage mit den hochovalen Carbon-Rails gestaltet sich unkompliziert, nur bei der Justage muss man ein bisschen nachdenken: Wie positioniert man einen Sattel, der mit 284 mm gut 3 cm länger ist als derzeit übliche Modelle? Auch der erste Arione bediente sich eines kleinen Tricks, um seine Wirkung zu erzielen: Die hintere Spitze des Sattels eignet sich eigentlich nicht zum Sitzen; die Nase dagegen ist auch nicht länger ausgeführt als bei kürzeren Modellen. An dieser kann man sich also orientieren, wenn man den Sattel in Längsrichtung positioniert. Was die Winkelstellung angeht, kann man den Arione fürs Erste so ausrichten, dass die vordere Hälfte genau waagerecht ist.

So auf die Stütze montiert, fühlt sich der Fizik Arione R1 Light auf Anhieb ausgesprochen bequem an. Wobei das vielleicht nicht das richtige Wort ist, den plüschig ist er auf keinen Fall. Eher sehr neutral und druckfrei, dabei so schmal, dass er den Oberschenkeln beim Pedalieren viel Platz lässt. Bei aggressiver Sitzposition erweist sich der Sattel auch im vorderen Bereich als angenehm druckfrei.
Die straffe Polsterung muss man mögen
Auf längeren Strecken macht sich freilich die sehr straffe Polsterung bemerkbar. Im Bereich der Sitzknochen dämpft der neue Arione nicht allzu stark, was all jene bedenken sollten, die an dieser Körperstelle ein eher weiches Material bevorzugen. Für sie gibt es den Arione in der Adaptive-Variante mit nachgiebigem 3D-Polster, der auch nur 60 Euro mehr kostet als der R1 Light (und ca. 60 g schwerer ist). Die Form des Sattels ist jedoch auch nach über 20 Jahren noch aktuell – während die legendären Sättel der Vergangenheit irgendwann überholt waren…



