Test Radon Regard 10.0: Das unlängst vorgestellte Carbon-Gravelbike des Bonner Anbieters macht mit markentypisch günstigem Preis auf sich aufmerksam. Doch das ist längst nicht alles – sein sportlicher Charakter, gepaart mit einer Fülle von Montage-Optionen, machen das neue Modell zusätzlich sympathisch.
Das Gravel-Programm von Radon besteht aus drei Modellplattformen: Seit 2022 gibt es das brave Regard AL, inzwischen in vier Varianten ab 1.199 Euro verfügbar, dann kam das exotische Titanrad „Tigard“ mit mechanischer wie elektronischer Shimano GRX. Und neuerdings haben die Bonner ein Carbonrad im Stall, das auch wieder Regard heißt und ebenfalls in vier Ausführen angeboten wird: als 7.0 mit Shimano GRX 1×12 (aktuell 2.199 Euro), als 8.0 mit SRAM Rival XPLR (2.799 Euro), als 9.0 mit elektronischer GRX Di2 (3.399 Euro) sowie als Radon Regard 10.0 mit SRAM Force XPLR für 3.999 Euro.

Radon Regard 10.0: Topmodell zum attraktiven Preis
Die Alu-Modelle sind etwas in die Jahre gekommen und preislich nicht allzu interessant: Das AL 10.0 mit außen liegenden Zügen und Leitungen kostet auch nur 200 Euro weniger als das (reduzierte) Regard 7.0, das ebenfalls mit der 820er GRX kommt, dazu aber eben den Carbonrahmen, ein Carbon-Cockpit sowie einen ziemlich leichten Radsatz bietet. Bereits hier zeigt sich, wie viel man/frau beim Radon Regard Carbon für sein/ihr Geld bekommt – und im Falle des Topmodells sieht die Bilanz noch besser aus.
Radon Regard 10.0: die Highlights
- Carbonrahmen mit sportlicher Sitzgeometrie und zahlreichen Montage-Optionen
- SRAM Force XPLR inkl. Powermeter
- Radsatz Newmen Advanced SL X.R. 36 Carbon, ca. 1.400 Gramm
- Carbon-Cockpit und -sattelstütze
- Gewicht 8,22 kg (o. P., Rh 56)
- Preis 3.999 Euro
Interessant ist erst einmal die Positionierung des Radon Regard 10.0. Klar, wer nur ein einziges Carbon-Modell in der Range hat, sollte versuchen, unterschiedliche Geschmäcker anzusprechen. Bei Radon bedeutet das jedoch nicht, ein Gravelbike mit langweiliger Allround-Geometrie anzubieten. Stattdessen präsentiert sich das Regard durchaus sportlich mit kurzem Steuerrohr und entsprechend niedriger Bauhöhe (Stack), wobei die Sitzhaltung nicht übertrieben gestreckt ausfällt. Dazu trägt auch der mit 80 mm relativ kurze Vorbau bei.
Mit der aktuell angesagten aerodynamischen Optimierung des Rahmens gibt sich Radon nicht groß ab; stattdessen sieht man schlanke Formen mit Ecken und Kanten, dazu eine eher stämmige Gabel. Diese steht für ein weiteres Merkmal des Bonner Bikes, das reisefreudige Gravelbiker/innen ansprechen dürfte: Das Radon 10.0 glänzt mit einer Fülle von Anbau-Optionen vom Dynamokabel-Kanal bis zum Heckträger. Wer will, kann das Rad also in einen reinrassigen „Randonneur“ verwandeln, was beim Topmodell freilich ein wenig mit der Ausstattung kollidiert, die wiederum ausgesprochen sportlich daherkommt. Ungewöhnlich sind die Montagepunkte für einen „Bashguard“ am Tretlager, der das Kettenblatt bei Aufsetzern schützen würde – so etwas sieht man normalerweise nur am Mountainbike.
SRAM Force mit Powermeter plus leichter Carbon-Radsatz
Die SRAM Force XPLR darf in Sachen Funktion und Preis-Leistung als derzeit beste Gravel-Gruppe am Markt bezeichnet werden; sie an einem 4.000-Euro-Rad zu finden, macht gleich nochmal so viel Spaß. Vor allem, da Radon die leichte 13-fach-Gruppe mit einem Powermeter verbaut, wie es an sportlichen Bikes heute nicht mehr fehlen darf. Dazu gibt es einen ziemlich leichten Semi-Aero-Radsatz mit 37 mm tiefen, außen 30 mm breiten Felgen, auf den die Bonner den schnellen Schwalbe G-One RX in 45 mm Breite ziehen (nebenbei bemerkt passen bis zu 50 mm breite Pneus durch Rahmen und Gabel).
Am Testrad findet sich außerdem ein leichter Carbonsattel, der allerdings von der offiziellen Spezifikation abweicht; dazu gibt es eine runde Carbonstütze sowie das bereits erwähnte Cockpit. Letzteres fällt mit flachen, um satte 18° abgewinkelten Lenkerbögen auf – so kann man leicht von den Griffen an den Unterlenker wechseln, allerdings sitzt man dann ziemlich „breitarmig“ auf dem Rad. Interessant ist die von einem Magneten gehaltene Vorbaukappe aus Carbon, unter der sich Klemmschrauben und Vorbaudeckel verbergen. Einen von unten angeschraubten, langen Computerhalter gibt es auch.
Viel Vortrieb und ausgewogener Charakter
Der Lenkwinkel des 56er Regard Carbon ist nicht allzu steil, die Kettenstreben mit 435 mm recht lang und auch der Radstand nicht gerade knapp bemessen. All das ist vergessen, wenn man zum ersten Mal in die Pedale tritt und feststellt, wie schnell sich das 8,2 Kilo leichte Rad auf Tempo bringen lässt. Das Lenkverhalten ist neutral und ausgewogen, ohne dass sich das sportliche Gravelbike langweilig fährt: Auf kurvigen Trails ist es in jeder Situation handlich genug und erlaubt quirlige Richtungswechsel. Bei hohem Tempo läuft es aber auch unbeirrbar geradeaus und lässt keinerlei Unsicherheit aufkommen.
| XS | S | M | L | XL | |
|---|---|---|---|---|---|
| Sitzrohrlänge (mm) | 440 | 470 | 500 | 525 | 560 |
| Oberrohrlänge hor. (mm) | 510 | 535 | 560 | 580 | 600 |
| Sitzwinkel eff. | 75° | 74,5° | 74° | 73,5° | 73,5° |
| Steuerrohrwinkel | 70,5° | 71° | 71,5° | 72° | 72° |
| Kettenstrebenlänge (mm) | 435 | 435 | 435 | 435 | 435 |
| Steuerrohrlänge (mm) | 110 | 125 | 150 | 170 | 190 |
| Radstand (mm) | 1008,4 | 1024,7 | 1040,8 | 1050,9 | 1071,4 |
| Überstandshöhe (mm) | 757 | 780 | 808 | 830 | 858 |
| Reach (mm) | 365 | 380,5 | 393 | 401,2 | 415,6 |
| Stack (mm) | 541 | 557 | 582,6 | 603,5 | 622,5 |
| Tretlagerabsenkung (mm) | -75 | -75 | -75 | -75 | -75 |
| Gabelvorbiegung (mm) | 47 | 47 | 47 | 47 | 47 |
| Gabellänge (mm) | 400 | 400 | 400 | 400 | 400 |
| Vorbaulänge / Lenkerbreite (mm) | 70 / 400 | 80 / 420 | 80 / 420 | 80 / 420 | 90 / 440 |

Dazu tragen auch die erstaunlich bissigen Schwalbe-Reifen bei, die mit eher geringem Druck viel Haftung auf lockerem Untergrund aufbauen, auf glattem Belag aber immer noch leicht genug laufen. Am Testrad sind sie bereits tubeless montiert, außerdem kommen die innenliegenden Ventile von Newmen zum Einsatz, die minimal luftwiderstandsgünstiger sein dürften. Wer sie nutzt, muss freilich immer die beiliegende Verlängerung mitführen, ohne die sich die Ventile nicht bedienen lassen. Neben den 45er Reifen sorgt auch die weit ausgezogene Carbonstütze für angenehme Stoßdämpfung; der minimalistische Sattel erweist sich als überraschend bequem.
Was das Fahrvergnügen ein kleines bisschen trübt, ist der doch recht breite Lenker – zwei Zentimeter pro Seite könnten es locker weniger sein, aber das ist natürlich Geschmackssache. Abgesehen davon erweist sich das Radon Regard 10.0 als perfekt ausgewogene Gravel-Rennmaschine, und fast wünscht man sich eine Variante ohne die ganzen Anbaumöglichkeiten, was den sportlichen Charakter des Rades noch unterstreichen würde. Doch wahrscheinlich hat Radon wenig Interesse daran, sein Portfolio aufzublähen, was sicher auch für weitere Farbvarianten gilt…










