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Tour de France: Wie hart würde eine Absage den Radsport treffen?

21. März 2020 by Michael Behringer

Tour de France 2020 Coronavirus

Radsport: Die Tour de France ist das Highlight einer jeden Radsport-Saison. Auch auf die Austragung in 2020 haben sich die Fans, Fahrer und Teams bereits gefreut. Doch auf Grund des Coronavirus machen sich einige nun Sorgen. Kann die Tour de France im Juli überhaupt stattfinden?

Stoppt der Coronavirus auch die Tour de France?

106 Mal wurde die Tour de France bereits ausgetragen. Zum ersten Mal war dies 1903 der Fall. Seitdem mussten die Organisatoren das wichtigste Radrennen der Welt nur elfmal ausfallen lassen. Zwischen 1915 und 1918 sowie zwischen 1940 und 1946 wüteten die Weltkriege. Im Jahr 2020 könnte es wieder soweit kommen. Zum Glück wird diesmal kein Weltkrieg dafür verantwortlich sein. Aber auch der Coronavirus schafft es derzeit, das öffentliche Leben in vielen Ländern einzuschränken. In vielen Bereichen steht die Wirtschaft still. Wie lange dieser Zustand noch andauert, weiß niemand. Da mittlerweile auch der Start des Giro d’Italia – geplant eigentlich Anfang Mai – auf ein bis dato ungewisses Datum verschoben wurde, müssen wir uns langsam aber sicher Sorgen um die 107. Tour de France machen.

Patrick Lefevere befürchtet eine totale Katastrophe

Seit Jahrzehnten im Radsport aktiv ist Patrick Lefevere. Als Chef des Teams Deceuninck – Quick-Step hat der Belgier schon fast alles erlebt. In seiner Kolumne für die Zeitung Het Nieuwsblad lässt er die Leser an seinen Gedanken teilhaben. Diese reichen von der positiven Aussicht, im Juni schon wieder fahren zu können, bis zur Absage der kompletten Saison und damit auch der Tour de France: „Und dann sprechen wir von einer totalen Katastrophe“.



Patrick Lefevere:
„Meine Maxime ist, immer von einem Best Case und einem Worst Case auszugehen. Im ersten Fall fahren wir im Juni erneut. Im schlimmsten Fall ist die Saison vorbei. Ich mag ein Pessimist sein, aber wer hätte es gewagt, vor drei Wochen vorherzusagen, dass die Hälfte Europas plötzlich unter Hausarrest stehen würde? Tour-Organisator ASO kann es aushalten, aber die Teams nicht. Wenn es keine Tour de France gibt, kann das gesamte Radsport-Modell zusammenbrechen.“

Ralph Denk: „Die Tour kann auch im September stattfinden“

Etwas positiver blickt Ralph Denk in die Zukunft. Der Teamchef von Bora – hansgrohe hat sich im Interview gegenüber radsport-news.com nämlich eher optimistisch geäußert. Wann es wieder weitergeht, weiß auch er nicht. Doch Ralph Denk könnte sich durchaus vorstellen, dass die Tour de France verschoben wird und die Profis damit immerhin das wichtigste Radrennen der Welt bestreiten können.

Ralph Denk:
„Ich hoffe, dass wir die Tour de France fahren können. Dann würden wir mit einem blauen Auge davonkommen. Man kann die Tour auch noch im September fahren. Bei dem Klima in Südeuropa ist das auch so spät im Jahr noch möglich. Ich glaube, dass die Saison bis Dezember dauern könnte.“



Den Teams könnte schlichtweg das Geld ausgehen

Dass der Profiradsport seit Jahren nicht gerade in seiner Blütezeit steckt, ist kein Geheimnis. Nach vielen Skandalen in den vergangenen Jahrzehnten ist die Szene noch immer dabei zu gesunden. Finanzielle Probleme gibt es in dieser Branche aber immer wieder. So mussten Rennen abgesagt und Teams aufgelöst werden, weil die Betroffenen schlichtweg nicht genügend Sponsorengelder auftreiben konnten.

Selbst wenn in diesem Jahr also noch viele wichtige Rennen nachgeholt werden würden, dürften vor allem die Teams und Veranstalter unter den Folgen des Coronavirus stark zu leiden haben. Denn auch ohne Virus müssen die Teamchefs oft monatelang daran arbeiten, die Sponsoreneinnahmen für die nächste Saison zu garantieren. Mit dem Wegfall so vieler Rennen und der damit verbundenen deutlich geringeren Medienwirksamkeit werden die Sponsoren nicht glücklich sein. Ob sie sich dann für die kommende Saison erneut dem Radsport verpflichten, können wir nur hoffen. Denn auch die meisten Unternehmen selbst werden die Folgen der Corona-Pandemie über kurz oder lang zu spüren bekommen.

Stichworte:CoronavirusNewsPatrick LefevereRalph DenkTour de France

Über Michael Behringer

Radsport mit all seinen Taktiken, Etappenanalysen, Platzierungen und Prognosen sind die große Leidenschaft von Michael Behringer. Im Jahr 1996 hat er seine erste Tour de France verfolgt. Seitdem beobachtet er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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