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Tour de France: Eine Absage wäre für den Radsport eine Katastrophe

30. März 2020 by Michael Behringer

Tour de France 2020 Coronavirus

Radsport: Die Tour de France 2020 findet vom 27. Juni bis 19. Juli statt – so der Plan. Doch je näher das Datum rückt, desto mehr geraten die Veranstalter wegen des Coronavirus unter Druck.

Der Profiradsport braucht die Tour de France

1946 konnte die Tour de France zum letzten Mal nicht ausgetragen werden. Frankreich und die Welt litten unter den Folgen des zweiten Weltkriegs. Jetzt sieht es so aus, als müsste auch die Tour de France 2020 abgesagt werden – wegen des Coronavirus. Die Olympischen Spiele wurden bereits verschoben, auch die Fußball-Europameisterschaft findet nicht statt. Doch auf eine Absage der Tour-Organisatoren warten wir noch heute. Dies hat finanzielle Gründe. Denn während zum Beispiel der Profifußball die finanziellen Einbußen stemmen kann, würde dem Radsport ein finanzielles Fiasko drohen. Wie die Bild-Zeitung vermutet, würde eine Absage bei der Amaury Sport Organisation ein Loch von rund 200 Millionen Euro hinterlassen. Diese Zahl macht klar: Der Profiradsport braucht die Tour de France. Und mit dem Verzicht von Gehältern können die Fahrer vielleicht ihre Mitarbeiter retten, nicht aber die gesamte Branche.

Roger Kluge rechnet mit einer Tour-Absage

Ganz und gar nicht angenehm ist die derzeitige Ungewissheit für die Profis. Denn während in Deutschland noch auf den Straßen trainiert werden darf, müssen die Fahrer in Spanien in ihren eigenen vier Wänden verharren. Selbst wenn die Tour de France also wie geplant stattfinden könnte, wäre eine Chancengleichheit nicht gegeben. Viel zu unterschiedlich sind die Möglichkeiten der Vorbereitung. Gegenüber Bild äußerte sich auch deshalb Roger Kluge eher skeptisch, was die Austragung der Frankreich-Rundfahrt betrifft. Er selbst rechne nicht mit der ursprünglich geplanten Durchführung. Schließlich müssten zuvor die Neu-Infektionen gen Null tendieren und auch eine Reisefreiheit sei noch nicht sicher.



Roger Kluge:
„Eine Rundfahrt abzusagen ist sicher einfacher als Olympia mit 11000 Teilnehmern. Ich würde noch warten, wie sich die Lage entwickelt. Wir trainieren alle und mir würde es reichen, wenn zwei Wochen vor der Tour die Absage kommt.“

Marcel Kittel spricht sich gegen eine Tour ohne Zuschauer aus

Auch wenn Marcel Kittel selbst nicht an der Tour de France 2020 teilnehmen wird, da er seine Karriere im vergangenen Jahr bereits beendet hat, befasst sich der Deutsche mit dem derzeitigen Thema. Gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe bezeichnete er den Plan als „unvernünftig“, die Frankreich-Rundfahrt ohne Zuschauer stattfinden zu lassen. Diesen Vorschlag machte jüngst die französische Sportministerin Roxana Maracineanu. Damit würden zwar die Verträge erfüllt werden, doch aus Sicht der betroffenen Städte ergibt auch diese Idee kaum Sinn. Denn was bringt es zum Beispiel Nizza, wenn der Grand Depart ohne Fans auskommen muss? Die Stadt hat dafür rund 18 Millionen Euro gezahlt.

Marcel Kittel:
„Das wäre völlig unvernünftig. Das hieße ja, wir denken über eine Tour nach, die in einer Zeit durch Frankreich rollen würde, in der sich das Coronavirus noch weiter ausbreiten würde. Sonst müssten die Zuschauer ja nicht geschützt werden. Wenn sich die Corona-Krise nicht schnell bewältigen lässt, dann wäre es gut, wenn die Tour im Sommer eine Pause macht und später ausgetragen wird. Man kann die Tour nicht mit allen Mitteln durchziehen.“



Stichworte:ASOCoronavirusMarcel KittelNewsRoger KlugeTour de France

Über Michael Behringer

Radsport mit all seinen Taktiken, Etappenanalysen, Platzierungen und Prognosen sind die große Leidenschaft von Michael Behringer. Im Jahr 1996 hat er seine erste Tour de France verfolgt. Seitdem beobachtet er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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