Vor eineinhalb Monaten besiegelte Shimano mit der Vorstellung der neuen Shimano Deore-Gruppe das Aus von SLX. Schafft es die Deore, die beliebte Mittelklasse-Gruppe zu ersetzen? Wir schauen uns an, was die neue Shimano 12-fach-Gruppe kann – und ob sich die überarbeitete Vierkolben-Bremse auch in 2026 noch behaupten kann.
Shimano Deore Schaltgruppe im Test
Eigentlich handelt es sich bei der neuen Deore um eine Zwei-Klassen-Gruppe. Die SLX ist nämlich nur dem Namen nach verschwunden; die 7000er-Artikelnummer bleibt nämlich weiterhin erhalten und wird in die Deore-Reihe eingegliedert. Daher müssen wir bei unserem ersten Testeindruck zur Deore spezifizieren, welche „Klasse“ wir getestet haben. In unserem Falle ist es die hochwertigere der beiden. So kommt die Deore M7200-Kassette mit einem großen Rettungsritzel aus Alu (wie früher die SLX), um Gewicht zu sparen. An Bord des getesteten Deore M7200-Schaltwerks befindet sich der neuartige Shadow ES-Kettenstabilisator, den man auch von XT und XTR Di2 kennt. Währenddessen arbeitet das Deore-Schaltwerk „eine Klasse darunter“ (erkennbar am M6200-Kürzel) noch mit der klassischen Kupplung, wie sie sich bei den früheren Shimano 12-fach-Gruppen bewährt hat. Nur beim Schalthebel ziehen beide Klassen an einem Seilzug, äh, Strang.

Eine Übersicht über alle Komponenten der neuen Deore-Gruppe inklusive Preisen findet ihr hier: Neue Shimano 12-fach-Gruppe vorgestellt
Schaltgefühl
Der von Shimano beworbene, verkürzte Hebelweg am neuen Deore-Schalthebel ist definitiv spürbar und eine positive Verbesserung. Gerade beim Hochschalten löst der Hebel sehr schnell aus und legt flott einen schnelleren Gang ein. Das knackige Feedback beim Schalten bleibt dabei erhalten. Dank Multishift lassen sich drei Gänge mit einem Hebeldruck überwinden (herunterschalten); will man einen schnelleren Gang einlegen, muss man einmal pro Gang schalten. Lobenswert ist außerdem die Riffelung an beiden Hebeln, die ein Abrutschen des Fingers verhindert. Insgesamt macht der Schalthebel also einen hochwertigen Eindruck.
Schalten unter Last
Wie sieht es mit dem Schalten unter Last aus? Hyperglide+, jene Schalttechnologie, die Shimano mit den 12-fach-Gruppen eingeführt hat und die ein belastbares Schalten ermöglichen soll, findet sich auch an der neuen Deore wieder. Selbst wenn mächtig Druck auf der Kurbel ist, manövriert das Deore-Schaltwerk die Kette souverän, aber auch deutlich hörbar über die Kassette – hoch wie runter. Praktisch, wenn im Anstieg ein zu hoher Gang eingelegt ist oder man im Sprint schalten möchte. Zerrt allerdings nicht ein Mensch, sondern zuerst ein E-Bike-Motor an der Kette, hat uns die Erfahrung gelehrt, dass eine Shimano Linkglide-Schaltung den 12-fach-Pendants überlegen ist. Was man von Shimano Linkglide in Sachen Verschleißfestigkeit und Schalten unter Last erwarten darf, könnt ihr hier nachlesen: Shimano Linkglide im Detail.

Neuer Kettenstabilisator
Und das vielzitierte Kettenklappern? Macht sich leider auch am Deore-Schaltwerk mit neuem Shadow ES-Kettenstabilisator bemerkbar. Bei der neuen Generation verzichtet Shimano nämlich auf die Reibungskupplung zugunsten eines Doppelfedermechanismus – angeblich, um das Schaltwerk schmäler konstruieren zu können. In der Konsequenz fehlt der initiale Widerstand, den der Schaltwerkskäfig überwinden muss, um nach vorne zu rotieren. Daher versetzen bereits kleine Erschütterungen den Käfig in Schwingung und die Kette kann sich stärker bewegen. Je nach Rahmen kann das zu einer unschönen Geräuschkulisse führen.
Ein weiteres Resultat der fehlenden Kupplung: Es gibt keinen Hebel mehr, mit dem die Käfigspannung zum Herausnehmen des Hinterrads herabgesetzt werden kann. Der Federmechanismus der neuen Schaltwerke ist ständig aktiviert und erschwert Arbeiten am Hinterrad etwas.
Wer die Reibungskupplung des Shadow RS+-Schaltwerks bevorzugt, hat allerdings Glück: In der Deore-Reihe haben Fahrer weiterhin die Wahl und können auch auf das günstigere M6200-Schaltwerk setzen, das praktisch identisch mit den 12-fach-Schaltwerken der vorherigen Generation ist.

So schlägt sich die Deore M6220-Vierkolbenbremse
Ebenfalls Teil unseres ersten Tests ist die neue Deore Vierkolbenbremse. Die Japaner haben das Hebeldesign ein wenig angefasst und in Richtung moderner Kabelführungen optimiert. Ansonsten schmeichelt der organisch geformte Griff dem Finger in gewohnter Manier. Die Servolink-Übersetzung lässt den Fahrer recht schnell einen Großteil der Bremskraft abrufen; für das Maximum an Bremskraft muss dann eben noch etwas stärker am Hebel gezogen werden. Überaus positiv: Dank der neuen, 2,2 mm dicken Scheiben hört man von der Bremse kein Klirren mehr, da die stabilen Bremsscheiben nach harter und langer Beanspruchung nicht mehr so leicht an den Belägen schleifen.
Das ewig propagierte digitale Bremsgefühl ist wie schon bei der M6100 ein Stück weit verschwunden; dosieren lässt sich die Bremse gut, grundsätzlich fördert die Shimano Deore das bewusste Setzen von starken Bremspunkten, um sie ideal auszunutzen. Letztendlich fühlt sie sich nicht so stark wie die stärksten Modelle auf dem Markt an, stellt aber dem Fahrer immer mehr als genügend Power zur Seite. Inwiefern das überarbeitete Mineralöl mit niedriger Viskosität ein Druckpunktwandern verhindern kann, können wir bislang nicht beurteilen – Probleme hatten wir jedenfalls keine. Insgesamt ist die Deore eine gewohnt intuitive Bremse und ist damit leicht zugänglich für alle Fahrer.





