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FahrradwerkstattRatgeber

Warum Shimano Linkglide die Antwort ist, die die Industrie jetzt braucht: Robust, verschleißarm und erschwinglich

22. Juni 2026 by Lukas Mühlehner

Shimano Linkglide

Vor fünf Jahren hat Shimano ohne nennenswerten Medienrummel eine neue Schalttechnologie zur Marktreife gebracht: Linkglide. Heute findet man Linkglide innerhalb der Deore- und Deore XT-Gruppen sowie als Teil der neuen Shimano Cues-Linie. Wir haben uns Linkglide einmal genauer angeschaut – und sind überzeugt: Linkglide-Schaltungen sind genau das, was die Industrie jetzt braucht.

Es ist kein Geheimnis, dass wir bei Velomotion mitunter kritisch auf das Wattwettrüsten blicken, bei dem sich E-Bike-Motorenhersteller mit immer höheren Leistungswerten übertrumpfen. Das Nadelöhr für die Übertragung all der Leistung: Der Antrieb! Also nicht der E-Motor, sondern der klassische Antrieb: Kettenblatt, Kette, Kassette und Schaltwerk. Diesen Komponenten obliegt es, die brachiale Motorpower an das Hinterrad zu transferieren. Erschwerend kommt hinzu, dass bei E-Bikes im Vergleich zu anderen motorisierten Fahrzeugen Leichtbau gefragt ist; relativ gesehen jedenfalls, sonst würden Fahrräder 40 Kilogramm oder mehr wiegen. Zusätzliche Erschwernis: Der Antrieb ist ungeschützt vor Sand und Dreck, was den Verschleiß erhöht.

Selbst bei einem Rad ohne Performance-Boost kann der Antrieb vergleichsweise schnell verschleißen; die hohe Motorunterstützung verkürzt die Halbwertszeit von Kassette und Co. noch weiter. In der Velomotion-Werkstatt können wir ein Lied davon singen; unsere Flotte an elektrischen Testrädern bestätigt diesen Eindruck. Das kann nicht im Sinne der Fahrerinnen und Fahrer sein, die zu Recht einen langlebigen, wartungsarmen Antrieb wünschen. Mit Linkglide bietet Shimano hier eine echte Alternative zu den Hyperglide+-Topgruppen an. Letztere schalten zwar schneller und wiegen weniger, sind dafür aber auch schneller an der Verschleißgrenze.



Unsere Erfahrungen mit Shimano Linkglide

Die Linkglide-Schaltungen an unseren Testbikes dagegen beweisen, dass ein Antrieb nicht nach wenigen hundert Kilometern hartem E-Bike-Betrieb hinüber sein muss. Von der Erfüllung der extremen Forderung, dass eine Kassette die komplette Lebenszeit eines Fahrrades halten soll (wie sie der ehemalige Pinkbike-Redakteur Henry Quinney etwa vertritt), ist selbst Linkglide noch ein gutes Stück entfernt – aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Wir stehen mit unseren positiven Linkglide-Erfahrungen auch nicht alleine: Ein befreundeter Fahrradladen etwa berichtet Folgendes:

Dies ist der Box-Titel


Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das komplette Linkglide-System sehr verschleißschonend ist; an E-Bikes wie auch im Gebrauch an Fahrrädern, die viel zum Pendeln benutzt werden. Die Schaltgeschwindigkeit ist zwar deutlich langsamer als bei herkömmlichen Systemen wie Hyperglide+, allerdings ist dafür die Schaltqualität bei hohen Lasten deutlich besser. Die größeren Gangsprünge sind für den sportiven Bereich sehr groß und hierfür nicht optimal. Wir sehen die Linkglide-Schaltungen daher vor allem auch bei Vielfahrern, die pendeln und nicht allzu sportiv unterwegs sind.“

Was ist Shimano Linkglide überhaupt?

Im Kern handelt es sich bei Linkglide um eine Schaltungstechnologie, ähnlich wie das weitaus bekanntere Hyperglide, das bei Shimanos 12-fach-Schaltungen von Hyperglide+ abgelöst wurde. Während Hyperglide+ an race-orientierten Schaltgruppen dafür sorgt, dass die Kette schnell unter Last die Gänge wechselt, legt Linkglide den Fokus auf Verschleißarmut und sanfte Schaltvorgänge, gerade unter Last. Das wichtigste Bauteil, das sich Linkglide zunutze macht, ist übrigens die Kassette. An den Stahlritzeln der Linkglide-Kassetten finden sich neu gestaltete Zähne mit einer massiven Basis und einer speziell designten Fase, die das Wechseln der Kette auch unter Last bedeutend besser wegstecken. Schaltrampen heben die Kette von Ritzel zu Ritzel und federn den Schaltruck so deutlich ab – Linkglide-Gruppen punkten daher mit sanften, sauberen Schaltvorgängen, und das für eine lange Zeit.



Wie hebt sich Shimano Linkglide ab?

Das Besondere: Mit Linkglide priorisiert Shimano einen robusten und langlebigen Antrieb, der auf bewährte Materialien und unkomplizierte, aber effektive Designs setzt, um so die Lebensdauer von Kette und Kassette wesentlich zu erhöhen. Durch den Verzicht auf teure Materialien und Leichtbau-Konzepte sind Linkglide-Schaltungen nicht nur beim Kauf günstiger, sie lassen sich auch länger nutzen und sparen so zusätzlich Geld.

Die Priorisierung von Haltbarkeit und dauerhaft guter Schaltperformance geht sogar so weit, dass Shimano im Moment keine Linkglide-Schaltungen mit zwölf Gängen anbietet, anders als etwa die Hyperglide+-Schaltungen von Shimano. Stattdessen gibt es Linkglide-Gruppen mit neun bis elf Gängen. Eine ähnlich breite Gangspreizung verteilt auf weniger Ritzel heißt aber auch: Die Gangsprünge sind größer, als man es von Zwölffach-Schaltungen gewohnt ist. Am E-Bike ist das kein Problem, für sportive Fahrer ohne Motor ist es aber schwieriger, im „richtigen“ Gang zu treten.

Eine elektronische Di2-Schaltung gibt es dennoch auch mit Linkglide-Technologie – die Topgruppe richtet sich vor allem an (E-)Mountainbiker und Vielfahrer, die eine hochwertige Schaltung wünschen. Die eben erwähnte Bandbreite fällt ein Stück kleiner aus, was aber nicht schwer wiegt – wieder einmal dient hier der E-Bike-Motor als ausgleichender Faktor. Die Japaner verzichten auf übergroße „Rettungsritzel“ mit 51 Zähnen ebenso wie auf das ultrakleine 10t-Ritzel. Die Entfaltung wird damit am schnellen Ende der Kassette etwas kürzer, dafür verteilt sich die Last im schnellsten Gang auf mehr Zähne.



Wie sehen die Stärken von Shimano Linkglide aus?

Dass sich Linkglide-Schaltungen in Sachen Verschleiß merklich besser schlagen, haben wir hinreichend etabliert. Ein weiterer Vorteil liegt darin, wie der Verschleiß minimiert wird. Denn ein wichtiger Faktor dabei ist, wie sanft die Kette hinten von Ritzel zu Ritzel gleitet. Und hier hat Shimano große Mühen in möglichst weiche, ruckfreie und dennoch saubere Schaltvorgänge investiert. Die Kette braucht daher etwas Zeit, um auf das gewünschte Ritzel zu gelangen, tut das aber sehr präzise und ohne große Kraftsprünge. An sportiven Bikes ohne Motor ist die etwas niedrigere Schaltgeschwindigkeit spürbar, an E-Bikes hingegen fällt der Unterschied nicht auf. Unser Redaktionskollege und erfahrener Werkstattleiter Chris Ettl fasst die Shimano Linkglide-Experience kurz und knapp zusammen:

Linkglide schaltet sanft, sauber und präzise. Von den Vorteilen von Linkglide für E-Bikes bin ich überzeugt – was ich mir wünschen würde, wäre eine Erweiterung des Linkglide-Kosmos auf 12-fach oder zumindest eine breitere Abstufung der 11-fach-Kassette.“

Für wen ist Shimano Linkglide am besten geeignet?

In einem Satz: Für den Großteil der Fahrer. Klar, Leichtbauenthusiasten und Racer werden auf die High-Performance Schaltungen à la Hyperglide+ setzen, aber viele andere Fahrertypen sind in den allermeisten Fällen mit Linkglide gut beraten. Insbesondere E-Bike-Fahrer, Vielfahrer und Pendler erhalten mit Shimano Linkglide einen echten Mehrwert! Verschleißschonendes, aber sanftes Schalten unter Last lässt den drehmomentgeplagten Antrieb am E-Bike länger leben und schont Geldbeutel und Nerven.



Web: shimano.com

Stichworte:LinkglideLinkglide TechnologieRatgeberSchaltungShimano

Über Lukas Mühlehner

Als Niederbayer passt er perfekt ins Velomotion-Team; Lukas Mühlehner studierte in Regensburg Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaft und sammelte nebenbei in der Bike-Industrie und später bei mtb-news.de viel Erfahrung in der Branche und im redaktionellen Arbeiten. Vom Donau-Flachland ist er in den Bayerischen Wald gezogen, um seine Volontärstelle bei Velomotion anzutreten und auf den dortigen MTB-Trails zwischen Arber und Geißkopf auf ausgiebige Testfahrten zu gehen.

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