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KomponentenTests

Qore Drive³ Peak im Test: Natürliches Fahrverhalten trotz hoher Leistung?

30. Juli 2026 by Michael Faiß

Test / Antriebssystem: Mit dem Qore Drive³ Peak schauen wir uns einen der ganz wenigen klassischen Mittelmotoren an, die noch das Prädikat „Made in Germany“ tragen. Hinter dem neuen Namen verbirgt sich geballte Erfahrung: Das Team und die Technologie entstammen der ehemaligen E-Bike-Sparte von Brose, die im August 2025 von Yamaha übernommen wurde. Ob der Qore Drive³ Peak mit 105 Nm und 800 Watt Spitzenleistung an die beliebten Stärken seines inoffiziellen Vorgängers – dem Brose Drive S Mag – anknüpfen kann, klären wir mit harten Fakten von unserem Prüfstand und ausführlichen Eindrücken vom Trail.

Historie & Hintergrund: Brose-DNA trifft auf Yamaha-Ressourcen

Im Normalfall sind Firmenübernahmen in unseren Tests eher eine Randnotiz. Im Falle des Qore Drive³ Peak müssen wir jedoch ein paar Worte mehr zur Historie verlieren, denn bei vielen Lesern dürfte angesichts des Namens „Qore“ zunächst ein imaginäres Fragezeichen über dem Kopf auftauchen. Die Menschen und die Entwicklungsarbeit hinter diesem Motor sind keine Unbekannten im E-Bike-Sektor: Es handelt sich um die ehemaligen Brose-Mitarbeiter.



Auf der Eurobike 2023 gab es erstmals einen frühen Prototypen des Motors zu sehen. Damals noch mit Brose Logo.

Rückblick: Brose. bzw. deren E-Bike Sparte, ehemals Entwickler des sehr erfolgreichen Drive S Mag, wurde im August 2025 von Yamaha gekauft. Seitdem firmiert der Bereich unter dem Namen Yamaha Motor eBike Systems GmbH (YMESG) mit Sitz in Berlin. Das ehemalige Brose-Team entwickelt die Produkte nun unter dem Markennamen Qore weiter. Für Endkunden ist diese firmenpolitische Gemengelage eher zweitrangig. Viel wichtiger ist die Botschaft, dass der Qore Drive³ Peak auf einer bewährten Basis steht, ein klares Bekenntnis zum Entwicklungs- und Produktionsstandort Deutschland abgibt und durch die Muttergesellschaft Yamaha eine langfristige Roadmap (inklusive Neuheiten für 2027) garantiert ist.



Die Hardware: Kompakte Maße, dicke Leistung

Betrachtet man das nackte Datenblatt, liefert der Qore Drive³ Peak eine grundsolide, wenn auch auf den ersten Blick unaufgeregte Vorstellung ab. Der Motor bringt 2,9 Kilogramm auf die Waage und wurde in ein recht kompaktes Gehäuse verpackt. Er baut rund 15 Prozent kleiner als noch der Brose S Mag und lässt sich formschön in moderne Rahmen integrieren.

Die Leistungswerte positionieren den Antrieb in der aktuellen Spitzenklasse der Full-Power-Motoren: Maximal 800 Watt Spitzenleistung und bullige 105 Nm Drehmoment stellt die Top-Version Drive³ Peak zur Verfügung. (Es wird auch eine per Software etwas gedrosselte Variante namens Drive³ Power mit 700 Watt und 90 Nm angeboten). Das Datenblatt verspricht zudem einen maximalen Unterstützungsfaktor von 600 Prozent.



Prüfstand & E-Bike Lab: Was der Motor wirklich leistet

Um graue Theorie in verlässliche Fakten zu verwandeln, haben wir das Waldbike Quercus 2.0, in dem der Motor verbaut war, auf dem Prüfstand von PT Labs durchgetestet. Alle detaillierten Graphen und weiterführenden Messdaten findet ihr wie immer in vielen interaktiven Grafiken auf https://www.ebike-lab.de

Die Basis-Leistungskurven haben wir bei einer festen Trittfrequenz (Kadenz) von ca. 75 Umdrehungen pro Minute abgefahren. Im regulären „Boost“-Modus macht der Drive³ Peak keine unberechenbaren Dinge, sondern ordnet sich leistungstechnisch nahtlos in die Riege moderner Top-Antriebe ein – mit Ausnahme der Avinox Motoren, die in ihrer eigenen Leistungsklasse spielen. Die gemessene Maximalleistung lag in diesem Bereich bei ziemlich genau 700 Watt, was ihn in Schlagdistanz zu anderen Konkurrenten von Bosch, Gobao und Co. bringt. Er erreicht diese hohen Werte jedoch schon bei etwas geringerer Fahrerleistung, da die Unterstützung eher hoch ausfällt. Seine absolute Spitzenleistung entfaltet das System bei einem Sweet Spot von etwa 100 Umdrehungen pro Minute – hier konnten wir dem Motor gut 740 Watt entlocken.



OneMode und Punch Mode: Charakterstark auf dem Trail

Viel interessanter als die reine Spitzenleistung sind jedoch die unterschiedlichen Unterstützungsstufen, denn hier drückt Qore dem Motor einen ganz eigenen Stempel auf. Neben den klassischen, linearen Modi (Eco, Tour, Boost) gibt es zwei Sonderstufen, die maßgeblich für den Charakter des Bikes verantwortlich sind.

Da wäre zunächst der Punch Mode. Dieser läuft abseits der regulären Schaltreihenfolge und wird durch einen seitlichen Klick an der Remote aktiviert. Der Name ist Programm: Der Motor feuert hier einen maximalen Unterstützungsfaktor ab, der laut unseren Messungen deutlich über den angegebenen 600 Prozent liegt und sogar die 800 Prozent knackt. Schon bei geringen 50 Watt Fahrerleistung liegt fast die Maximalleistung des Motors an. Das Ergebnis ist ein Modus, der sich perfekt als Shuttle für steile Uphills eignet. Zwar sinkt die feine Dosierbarkeit, doch der Punch Mode reißt einem nie unkontrolliert das Rad unterm Hintern weg. Er wartet stets auf den entscheidenden Pedalimpuls des Fahrers, ist dann aber kompromisslos zur Stelle.



Noch spannender für sportliche Fahrer ist der OneMode. Dieser dynamische Modus verbindet eine sehr hohe Progressivität mit einem fast schon fordernden Grund-Tuning. Das bedeutet: Wer nur locker pedaliert (unter ca. 130 Watt Eigenleistung), spürt eine Unterstützung, die sich eher zwischen Eco und Tour bewegt. Tritt man jedoch beherzt in die Pedale und aktiviert die Oberschenkel, entfesselt der Motor seine Leistung. Dieses dynamische „Gummibandverhalten“ – erst Widerstand spüren, dann pfeilschnell belohnt werden – macht auf dem Trail extrem viel Spaß, erfordert jedoch anfangs etwas Eingewöhnung.

Trittfrequenz und Thermische Stabilität

Die Kadenz-Kurve zeigt einen erfreulich stabilen Motor. Auch wenn der Sweet Spot bei etwa 100 RPM liegt, liefert das System schon ab rund 70 Umdrehungen pro Minute ordentlich Leistung. Nach oben hin hält der Motor bis zu einer Trittfrequenz von 135 RPM durch, bevor die Unterstützung rapide abfällt – ein Bereich, in den selbst ambitionierteste E-Mountainbiker nur selten vordringen dürften.



Ein kritischer Blick gebührt der thermischen Stabilität. Bei einer extremen Dauerlast von 250 Watt Eingangsleistung auf dem Prüfstand hielt der Motor zwischen 11 und 12 Minuten durch, bevor er (bei ca. 90 Grad Celsius Gehäusetemperatur) in das sogenannte Derating ging. Das Spannende hieran ist das „Wie“: Der Qore Drive³ Peak nimmt die Leistung dann ziemlich schlagartig um über 25 Prozent zurück, bevor er sich bei etwa 80 Prozent der Maximalleistung stabilisiert. Dieses abrupte Abregeln ist auf dem Trail als plötzlicher Leistungsverlust durchaus spürbar. Auf der Habenseite steht jedoch, dass die Akkuspannung zuvor außergewöhnlich lange stabil bleibt: Selbst wenn der Akku zusehends leerer wird, liefert der Motor beständig über 99 Prozent seiner Ausgangsleistung.

Akku und Ladegerät: Durchdachte Details

Energie bezieht unser Test-System aus dem hauseigenen InTube 800 Akku, der in Polen gefertigt wird. Mit einer Kapazität von 800 Wh und einem Gewicht von 3,8 Kilogramm platziert er sich mit einer Energiedichte von 211 Wh/kg im absoluten Top-Drittel des Marktes. Alternativ gibt es eine InTube 650 Variante, die im identischen Aluminiumgehäuse steckt, aber Zellen mit geringerer Kapazität nutzt (649 Wh bei 3,6 kg). Die Bauform des Akkus ist verhältnismäßig kurz und dick, was zwar ausladendere Unterrohre bei den Bike-Herstellern erzwingt, aber eine bessere Gewichtsverteilung im Rahmen begünstigt.



Ein echtes Highlight ist das Verriegelungssystem. Qore setzt auf einen Mechanismus mit kleinen Kunststoffflügeln an der Front. Der Akku klickt satt ein, die Flügel werden nach unten geklappt, und die Batterie sitzt bombenfest. Eine der besten Lösungen, die wir bisher auf dem Markt gesehen haben.

Das 48-Volt-System wird über den Smart Charger 250 geladen. Dieser liefert maximal 4,5 Ampere bei 54 Volt, was in einer Ladeleistung von etwa 250 Watt resultiert. Ein komplett leerer 800-Wh-Akku ist in gut viereinhalb Stunden vollgeladen (0-80% in ca. 3 Stunden). Das ist solide, fällt aber nicht in die Kategorie der absoluten Super-Fast-Charger. Richtig clever ist jedoch die Integration der Lademodi direkt am Netzteil: Über einen Button inklusive LED lässt sich bequem zwischen „Eco“, „Standard“ und „Fast“ wechseln. Der Eco-Modus lädt schonend mit 2,5 Ampere und kappt den Ladevorgang automatisch bei 85 Prozent. Ein Segen für die Lebensdauer der Zellen, ganz ohne lästige App-Einstellungen!



Display, Ergonomie und Connectivity

Apropos App: Die Qore eBike App bietet momentan eine solide Basis. Sie erlaubt das Tracken von Fahrten, dient als Display-Ersatz und lässt die Unterstützung der Modi prozentual (0 bis 100 %) anpassen. Hier ist die Roadmap für die Zukunft vielversprechend, denn Qore arbeitet bereits an einer feineren Justierung, etwa für die Progressivität des One Modes.

Der große Pluspunkt des Systems ist ohnehin die Autarkie: Nahezu alles lässt sich direkt über das Display am Rad einstellen. Die Bedieneinheit „Control Allround“ kombiniert ein 1,9 Zoll großes Farb-TFT-Display mit den Remote-Tasten. Zwar wirkt diese Lösung am Lenker eines sportlichen EMTBs etwas exponiert und klobig, punktet dafür aber mit einem integrierten USB-C-Port zum Laden des Smartphones, guter Ablesbarkeit und ordentlichen Druckpunkten. Wer sich an der Optik stört, darf sich auf das zweite Quartal 2027 freuen: Dann erscheint mit dem „Display Integrate“ ein aufgeräumtes Oberrohr-Display nebst kabelloser Remote.



Praxistest: Wie fährt sich der Qore Drive³ Peak?

Für den Praxistest waren wir in unterschiedlichstem Terrain unterwegs, um dem „Made in Germany“-Antrieb auf den Zahn zu fühlen. Wer befürchtet hat, die Brose-DNA sei auf der Strecke geblieben, kann aufatmen. Der Qore Drive³ Peak zeichnet sich durch ein unglaublich natürliches Fahrgefühl aus.

Natürlichkeit und Kraftentfaltung

Viele aktuelle Motoren schießen bei der kleinsten Pedalberührung fast schon nervös nach vorne. Der Qore-Antrieb geht hier deutlich entspannter zu Werke. Er schleicht sich sanft ins Fahrgeschehen ein und liefert dann erst seine massive Leistung ab. Im technischen Uphill bedeutet das zwar, dass man die Kurbel erst ein paar Grad bewusst bewegen muss, bis der Motor zupackt. Doch gerade diese Berechenbarkeit wird von vielen Fahrern enorm geschätzt, weil das Bike einem nicht das Zepter aus der Hand nimmt. Der exzellent abgestimmte dynamische Nachlauf fügt sich intuitiv in die Fahrweise ein und lässt sich rein über den Pedaldruck steuern. Wer Schwung für eine Wurzelstufe braucht, bekommt ihn; wer abrupt bremsen muss, wird nicht gnadenlos weitergeschoben.

Geräuschkulisse: Licht und Schatten

Der Vorgänger war berühmt für seinen flüsterleisen Riemenantrieb. Im Drive³ Peak rotieren nun klassische Zahnräder. Bis zu einer Trittfrequenz von etwa 70 RPM ist das System weiterhin beeindruckend leise – man nimmt den Motor akustisch kaum wahr. Erhöht man jedoch die Kadenz in Richtung 100 RPM, schwillt das Geräusch zu einem deutlichen, hochfrequenten Surren an. In puncto Bergauf-Lautstärke bewegt er sich in etwa auf dem Niveau eines aktuellen Bosch CX Gen 5.



Im Downhill kommt das Thema Getriebeklappern ins Spiel. Der Freilauf im Motor erzeugt auf ruppigen Abfahrten ein gewisses Scheppern. Es ist nicht extrem störend und geht oft in den Wind- und Trailgeräuschen unter, liegt aber wahrnehmbar auf dem Niveau eines Avinox M1 oder Mahle M40. Dennoch ist er deutlich leiser als ein Shimano EP801 oder ein Gobao P120.

Fazit

Der Qore Drive³ Peak ist ein E-Bike-Antrieb mit ordentlich Ecken, Kanten und vor allem Charakter. Anstatt die Konkurrenz auf dem Datenblatt mit Rekordwerten zu überbieten, besinnt sich Qore auf eine herausragende Fahrbarkeit. Das natürliche Ansprechverhalten, der belohnende OneMode, der brutale Punch Mode und kluge Detaillösungen wie das Akku-Schloss oder das Eco-Laden machen ihn zu einer echten Alternative auf dem hart umkämpften Markt. Erschienen ist das System zunächst bei Launch-Partnern wie Waldbike (im Fully Quercus 2.0) oder Campus. Wer auf der Suche nach einem kräftigen, gut berechenbaren Allrounder ist, sollte definitiv versuchen, eine Probefahrt mit dem neuen „Made in Germany“-Motor zu ergattern.

Stichworte:BROSEE-Bikefeaturedqore

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

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