Die Blend-Familie steht im Rose-Sortiment an der Schwelle zwischen Road und Gravel. Der Alu-Allrounder kommt in verschiedenen Ausstattungsvarianten, wechselweise für den Einsatz auf Schotter oder Asphalt. Ganz an der Spitze steht das 105-Di2-Modell für schwer schlagbare 2.000 Euro. Lohnt sich das Upgrade auf die elektronische Shimano-Schaltung? Nach 1.000 Testkilometern auf der Straße glaube ich, die Antwort zu kennen.
Rose Blend 105 Di2 – Die Eckdaten
Wer gerne mit Kategorien hantiert, hat es beim Rose Blend einfach: Es ist ein klassisches Endurance-Rennrad mit Aluminium-Rahmen für Einsteiger, das sich auch als Gravelbike eignet. Essentiell sind hierfür die 40 mm Reifenfreiheit und das entspannte Handling, mit dem sich das Blend auch auf ruppigem Untergrund gut steuern lässt. Die 105 Di2-Ausstattungsvariante ist aber wirklich nur für den Asphalt gemacht: Ab Werk wird das Bike nämlich mit 28 mm schmalen Reifen ausgeliefert. Ein sportliches Cockpit und Laufräder mit 27 mm Felgenhöhe unterstreichen den Road-Ansatz. Nicht nur dank des vielfältigen Einsatzbereichs, sondern auch dank der sechs fein abgestimmten Rahmengrößen und des günstigen Einstiegspreises dürfte das Blend viele Fans finden; das hier getestete Topmodell schlägt mit 2.000 Euro zu Buche, für 700 Euro weniger gibt es eine Shimano Cues-Schaltgruppe und 32 mm Reifen, aufgezogen auf Gravel-Laufrädern.
- Einsatzbereich Endurance / Allroad
- Rahmenmaterial Aluminium (Carbon-Gabel)
- Übersetzung 50-34t / 11-34t
- Größen XXS–XXL
- Farben Moss, Papyrus
- rosebikes.de
- Preis (UVP) 2.000 Euro

Shimano 105 Di2 – Gadget oder Gearhead-Traum?
Am Rose Blend 105 Di2 fällt vor allem auf, dass etwas fehlt – die Schaltzüge nämlich. An ihre Stelle sind der Akku und die Stellmotoren der namensgebenden 105 Di2-Schaltung getreten – es ist das günstigste Shimano Road Groupset, bei dem die Gänge elektronisch eingelegt werden. Die Nachteile? Alle paar Monde muss mal der Akku in der Sattelstütze über den Port im Schaltwerk geladen werden. Die Vorteile? Die Gänge werden sauber und mühelos eingelegt. Dank E-Shift sogar halbautomatisch, will man die 2×12-Schaltung wie eine 1×24-Schaltung behandeln. Das Resultat? Man schaltet lieber und öfter, als es bei einer mechanischen Gruppe der Fall wäre – das macht einfach Freude und bietet einen echten Mehrwert im Sattel.

Wie fährt sich das Rose Blend?
Das Bike ist sich seiner Rolle als Rennrad für Einsteiger und leicht Fortgeschrittene klar bewusst: Die Rahmengeometrie übertreibt es nicht mit der Sattelüberhöhung und der Schärfe der Winkel, sodass das Handling weniger spitz, sondern leicht zugänglich ausfällt. Komponentenentscheidungen wie die 27 mm hohen Laufräder resultieren in einer recht geringen Anfälligkeit für Seitenwinde. Verwunderlich ist aber die Entscheidung, lediglich 28 mm breite Reifen zu verbauen. Moderne (Endurance-)Rennräder setzen oft auf 32 mm breite Pneus; schmäler heißt weniger Komfort, mehr Luftdruck und geringere Kontrolle auf der Abfahrt. Genügend Reifenfreiheit würde der Aluminiumrahmen, der mit einer Carbongabel verheiratet ist, sowieso garantieren, denn in seinem Gravel-Alter-Ego kann das Blend bis zu 40 mm aufnehmen. Diese Reifenfreiheit auf den 19 mm breiten Felgen auszureizen, ist allerdings wenig sinnvoll.

Mit den 28-mm-Contis fliegt man auch so ganz formidabel über den Asphalt. Gerade für Rennrad-Neulinge hat es etwas Berauschendes, wie flott man mit dem Blend 105 unterwegs ist. Ich verbringe meine Zeit als Fahrradtester meist auf Bikes mit Stollenreifen, auf denen meine Durchschnittsgeschwindigkeit naturgemäß etwas niedriger ist. Der Endurance-Renner des Versenders erlaubt es mir, die umliegende Landschaft aus einem anderen Blickwinkel zu erleben. Es ist ein wahrer Genuss, die unzähligen Nebenstraßen zu erkunden und dabei mehr und schneller Strecke zu machen, als es auf einem Gravel- oder Mountainbike je möglich wäre. Das Rose Blend stellt sich hier als zuverlässiger Begleiter heraus, der keine Probleme macht und sich wie eine intuitive Erweiterung des Fahrers anfühlt.
Velomotion-Upgrade: 4iiii Precision 3+ Powermeter
Im Laufe des Testablaufs haben wir die Ausstattung am Rose Blend 105 um ein einseitig messendes Powermeter ergänzt. Der linke Kurbelarm wurde durch ein modifiziertes Modell des Herstellers 4iiii ergänzt. So lassen sich Daten wie Leistung und Trittfrequenz fast in Echtzeit am Headunit ablesen – sekündlich sendet der Kurbelarm ein Update. Wozu das Upgrade? Mehr Daten! Dank Leistungsmessung kann man sich selbst über längere Strecken besser pacen, Intervall-Training effektiver umsetzen und in Kombination mit einem Pulsmesser genauer die Entwicklung der eigenen Fitness nachvollziehen. Ein Muss ist das Powermeter gerade an einem Einsteigerbike nicht; einmal genutzt, möchte man auf die Daten aber schwer verzichten.

Die beste Ausstattungsversion des Rose Blend?
Der Versender aus Bocholt bietet das Blend in drei Konfigurationen an. Den Anfang macht ein Road-Modell für 1.300 Euro, das unseren einzigen wirklichen Kritikpunkt am Testbike ausräumt: Auf dem hier verbauten Gravel-Laufradsatz mit einer Maulweite von 25 mm sind 32 mm breite Reifen aufgezogen – das verspricht mehr Komfort und Kontrolle. Bei der 2×10-Schaltung aus der Shimano Cues-Reihe erhält man kleine Gänge für lange Anstiege, verliert aber am schnellen Ende eine optimale Übersetzung. Super für Einsteiger in bergigem Gelände, die womöglich auf Gravel umsteigen möchten – dann braucht es bloß andere Reifenmäntel.
- Schaltgruppe Shimano Cues U-6000 2×10
- Kurbelgarnitur Shimano Cues 46-32t
- Laufräder Rose G20 Fade
- Reifen Continental Ultra Sport III Performance 32 mm
- Cockpit Ritchey Road Comp Streem II
- rosebikes.de
- Preis (UVP) 1.300 Euro
Für 100 Euro mehr gibt es die einzige, dedizierte Gravel-Variante des Blend. Hier werkelt eine hochwertigere Shimano GRX-2×10-Schaltung, allerdings mit etwas weniger Bandbreite. Der Lenker hat eine Offroad-optimierte Geometrie, zudem sind auf den Laufrädern 40 mm breite Gravelreifen aufgezogen. Ideal für sportliche Offroad-Fahrer und Schotter-Enthusiasten.
- Schaltgruppe Shimano GRX RX-400 2×10
- Kurbelgarnitur Shimano GRX 46-30t
- Laufräder Rose G20 Fade
- Reifen Continental Terra Trail 40 mm
- Cockpit Ritchey Road COMP Butano II
- rosebikes.de
- Preis (UVP) 1.400 Euro
Last, but not least, gibt es mit dem getesteten Rose Blend 105 Di2 eine speziell auf den Road-Einsatz ausgelegte Konfiguration. Dank hoher Übersetzung und schmalen Reifen fallen Asphalt-Touren mit hoher Grundgeschwindigkeit leicht. Ein Umbau für mehr Gravel-Tauglichkeit braucht dafür etwas mehr Einsatz. Das 105 wählt man am besten, wenn man sich seiner Road-Karriere schon recht sicher ist – die Gravel-Hintertüre bleibt für das Allroad-Bike aber dennoch offen.
- Schaltgruppe Shimano 105 Di2 2×12
- Kurbelgarnitur Shimano 105 50-34t
- Laufräder Rose R25 (19 mm Maulweite, 27 mm Profilhöhe)
- Reifen Continental Ultra Sport III Performance 28 mm
- Cockpit Ritchey Road Comp Streem II
- rosebikes.de
- Preis (UVP) 2.000 Euro











