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Spektrum

Spektrum: Wem gehört der Wald?

30. November 2014 by die Redaktion

fahrradklima1

Seit jeher suchen und finden (Stadt-)Menschen in der Natur den Ausgleich zum Alltag. Dabei haben sich die Bewegungsformen verändert bzw. differenziert. Und so wandern, reiten oder biken heute die Menschen durch die Landschaft, um ihr Bedürfnis nach Erholung, Natur und Bewegung zu stillen.

Leider verursachen die unterschiedlichen Formen der Fortbewegung beim Aufeinandertreffen auch Konflikte. Vermehrt wird jüngst der Vorwurf laut, Mountainbiker belästigten Wanderer und zerstörten den Naturraum. Drei Redakteure des pressedienst-fahrrad beziehen dazu Stellung und plädieren für mehr Rücksichtnahme unter den Waldnutzern statt pauschaler Anfeindungen und Verbote.



Von Äpfeln und Birnen und sortenreinen Diskursen

von Gunnar Fehlau, Geschäftsführer pressedienst-fahrrad

Das Szenario ist stereotyp: Erholung und Ruhe suchende Städter in Wanderschuhen fühlen sich vom sportelnden Mountainbiker im Wald gestört und verweisen darauf, wie schädlich das Biken für Natur und Tierwelt sei. Ihre Beschwerde in der lokalen Verwaltung wird anschließend um den Aspekt erweitert, dass das Befahren des Waldes mitunter illegal sei.
Als Mountainbiker stelle ich mich gerne der Diskussion, inwieweit meine Art der Waldnutzung andere Waldbesucher stört. Als Mountainbiker stelle ich mich auch gerne einer Diskussion über Art und Umfang etwaiger Umweltbelastungen durch meine Art der Waldnutzung. Als Mountainbiker unterwerfe ich mich auch selbstverständlich der Gewaltenteilung in unserer Demokratie.
Aber das sind drei unterschiedliche Diskussionen, die nicht vermischt werden dürfen: Ich kann legal fahren und dabei Wanderer stören ohne die Umwelt zu schädigen. Ich kann illegal unterwegs sein ohne die Natur zu schädigen oder andere Erholungssuchende zu stören.
Also, mit welchem Thema fangen wir an? Ungestörte Erholung, Umweltbelastung oder Legalität? Eins nach dem anderen – und schon werden wir Lösungen zum Wohle aller finden. Diese sortenreine Diskussion sind wir uns (gegenseitig) schuldig, denn schließlich radle ich für meine Art der Waldnutzung an (also von zuhause zum Trail), während eine Vielzahl der Wanderer mit dem Auto bis zum Waldrand fährt. Und gegen die Bodenschäden einer Erntemaschine im Wald sind MTB-Reifen die berühmten Peanuts. Wie steht es doch so schön in der Bibel? Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein …

Eigenverantwortung statt Sippenhaft

von H. David Koßmann, Redakteur beim pressedienst-fahrrad



Die Grundlage der Diskussion über Mountainbikes in den Wäldern ist die Naherholung. Darauf hat erst einmal jeder ein Recht, ob sie joggt, er spaziert oder jene mit dem Fahrrad fahren.
Am stärksten stört mich daher die undifferenzierte Argumentation der Ämter und Medien über Mountainbiker, denn sie führt zu einer Sippenhaft. Doch wie überall gibt es auch unter Mountainbikern Egoisten und am Allgemeinwohl Interessierte. Von Einzelnen auf alle zu schließen, ist billig und polemisch. Mountainbiker sind ein einfaches Ziel, denn im Gegensatz zu anderen Interessengruppen wie Wanderern, Jägern oder Forstwirtschaft verfügen sie über keine seit Generationen gewachsene Lobby. Fluch und Segen!
Dabei steht außer Frage, dass ein vielfältig genutzter Stadtwald nicht der Ort sein kann, an dem deutsche Biker kanadische Videos nachstellen und sich Pisten zimmern, für deren Befahren Vollkörperschutz nötig ist. Vermummt-bunte Krieger mit Full-Face-Helmen können sich in der wachsenden Anzahl von Bikeparks tummeln, oder in Absprache mit kommunaler Forstverwaltung etwas abgelegenere Flecken betreuen als die Ziele grüner Fluchten müder Städter. Von beiden Seiten ist da leider häufig eine Sturheit zu spüren, die dem Konsens im Weg steht.

Wer hat hier eigentlich mit wem ein Problem?

von Thomas Danz, Redakteur beim pressedienst-fahrrad und Mountainbike-Guide im Harz

Manchmal überkommt mich das Gefühl, die Konflikte zwischen Wanderern und Mountainbikern, aber auch die negativen Auswirkungen des Radsports auf die Natur, sind künstlich geschaffen oder werden dramatisiert. Es liegt mir fern, hier eine Verschwörung dritter Nutzergruppen entlarven zu wollen, nur habe ich in meiner langjährigen Mountainbike-Karriere von den Konflikten wenig bis nichts mitbekommen. Wenn ich auf technischen Trails Wanderern begegnet bin, so war statt Entrüstung eher Begeisterung für „meine Künste“ auf zwei Rädern zu vernehmen. Natürlich habe ich das Tempo bei diesen Begegnungen bewusst verringert und mich stets fürs Vorbeifahren lassen beim Gegenüber bedankt. Denn wie man in den Wald hineinfährt, so fährt man auch wieder hinaus … so ähnlich heißt es doch? Selbst in Gesprächen mit der Wanderlobby im Harz war von einer Missgunst gegen Mountainbiker nichts zu spüren. Vielmehr erfuhr ich, dass viele Wanderer selbst ganz gern den Wanderstock gegen den Lenker tauschen. Die Zeiten und der Zeitgeist ändern sich, und es wäre unfair, Wanderern die Akzeptanz modernerer Formen der Wald- und Wegnutzung abzusprechen.



Der pressedienst-fahrrad ist Mitglied bei der Deutschen Initiative Mountainbike e. V.  und empfiehlt die Homepage des Vereins (www.dimb.de)  zur weiteren Information.

Stichworte:ForstMountainbikeNewsWald

Über die Redaktion

Velomotion ist euer Team aus Fahrrad- und E-Bike-Experten, Radprofis und begeisterten Radfahrer*innen. In unserem Magazin stellen wir Produktneuheiten, aktuelle und kritische Testberichte sowie News aus der Welt des Radsports vor. Wir stehen für Qualitätsbewusstsein, Know-How und gelebte Begeisterung für das Thema Fahrrad.

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