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E-Bikes Tour und Alltag: Probefahrt: Klever X Serie – Guter Geschmack und viel Speed

5. Juli 2017 by Caspar Gebel

Probefahrt: Der Kölner Anbieter Klever Mobility mit dem starken Heckmotor stellt mit seiner Klever X Serie ein urbanes E-Bike vor, das sowohl als S-Pedelec wie als 25er viele gute Seiten hat und überzeugt.

Mit der neuen Klever X Serie will E-Bike-Hersteller Klever Mobility im Modelljahr 2018 durchstarten. Der Kölner Anbieter hat den Rückhalt einer starken Mutter: Kymco, der Zweirad-Riese aus Taiwan, der neben der Produktion von Millionen Motorrollern OEM-Projekte wie den Range Extender des BMW i3 stemmt. Kymco wirft eine beeindruckende Fertigungstiefe und extrem viel Knowhow in den Ring – kein Wunder also, dass der Heckmotor der Klever-Bikes aus eigener Fertigung kommt. Diese Antriebsvariante ist seit Bosch & Co. etwas aus der Mode gekommen, hat aber viele Vorteile: Klevers Biactron-Motor arbeitet völlig lautlos und sehr harmonisch; dazu kommen einige Besonderheiten, die Velomotion bei einem Pressetermin am Kölner Firmensitz ausprobieren konnte.



 

Als einer der ersten Hersteller hat Klever die aktuellen Bestimmungen für schnelle E-Bikes beim X Speed aus der Klever X Serie komplett umgesetzt. Dazu gehört neben Bremslicht und Kennzeichenbeleuchtung neuerdings auch eine Hupe; der automatisch einklappende Seitenständer ist dagegen erfreulicherweise nicht mehr vorgeschrieben. Außerdem dürfen schnelle Pedelecs jetzt über ganze 4 Kilowatt Leistung verfügen – angesichts der möglichen Akkukapazität und der begrenzten Höchstgeschwindigkeit wenig sinnvoll. Klever nutzt die neue Freiheit für einen 600-Watt-Motor, um die Beschleunigung zu verbessern.



 

Das Klever X Speed hält die 45 km/h problemlos

Speed-Pedelecs gelten bekanntlich als Kraftfahrzeuge, haben rechtlich also mehr mit der 50er Vespa als mit dem Fahrrad gemeinsam. Für das Radweg-Verbot, die Helmpflicht und andere Besonderheiten entschädigen sie mit höherem Tempo, und hier kann sich das Klever X Speed besonders hervortun: Nach einem kleinen „Turboloch“ auf den ersten Metern stiefelt es fulminant los und hält auch ohne übermäßige Eigenleistung des Fahrers mühelos ein Tempo von 45 km/h und mehr. Geübte Radfahrer, die auf langen Strecken flott vorankommen wollen, werden dieses E-Bike lieben, Einsteiger und unsichere Radler sollten jedoch die Finger davon lassen. Das Tempo des X Speed wird vom motorisierten Verkehr regelmäßig unterschätzt, brenzlige Situationen sind also vorprogrammiert.



Das Klever X Commuter rollt leichtfüßig ohne Reibungswiderstand

Ohnehin ist Vollgas nicht alles, und Klevers X Serie hat noch mehr zu bieten – zum Beispiel das X Commuter. Wie das schnelle Modell ist es mit dem auffälligen Schleifenrahmen ausgestattet, dazu kommen Starrgabel und 27,5-Zoll-Laufräder mit sehr gut dämpfenden und extrem griffigen Schwalbe-Reifen, die enorm viel Schräglage erlauben. Ein Rad, das schneller aussieht, als es ist? Keineswegs, denn das X Commuter bietet etwas, das sonst kein E-Bike hat: Oberhalb von etwa 27 km/h fällt zwar die Motorunterstützung weg, doch weiterhin liegt eine Restspannung an, die dem Nabenmotor jeden bremsenden Widerstand nimmt.

Und da es auch kein Getriebe gibt, das Reibung verursacht, rollt das X Commuter auch jenseits der Motorunterstützung ebenso leichtfüßig dahin wie ein normales Tourenrad. Das ist optimal für geübte Radler, die auf normalen E-Bikes stets an der Grenze der Unterstützung hängenbleiben. Mit diesem Rad können sie auch mal schneller fahren, sich die Motorunterstützung für das Anfahren, den Gegenwind und die Anstiege aufheben und Strom sparen – was angesichts des kleinen Akkus der Serienausstattung (360 Wh) auch nötig ist. Der intern „Beauty Case“ genannte Akku ist auch mit 470 und 570 Wh verfügbar, dazu soll bald ein 850-Wh-Speicher kommen, freilich zum knapp vierstelligen Preis. Alle Akkus sind abwärtskompatibel – wer also ein älteres Klever-Modell besitzt, kann es mit einem neuen, großen Akku modernisieren.



Klever X Serie: breite Palette mit viel Konnektivität

Klever startet mit diversen neuen Features ins Modelljahr 2018. Dazu gehört eine Rekuperationsfunktion, also Energierückgewinnung im „Schiebebetrieb“, sobald man zu treten aufhört. Das ist hilfreich bei längeren Abfahrten, da diese Motorbremse die Bremsen schont, heißt im Alltag aber, dass das Rad nicht so lange rollt. Die Elektronik wird um Navigationsfunktionen und ähnliches erweitert, das dezente Display am Lenker ist abnehmbar, was das Rad unbrauchbar macht und ein praktischer Diebstahlschutz ist.

Hilfreiches Zubehör gibt’s etwa in Form eines Schnellladegeräts, das den 470-Wattstunden-Akku in zwei Stunden füllt. Ein interessante Spielart des X Commuter ist das X Raw, ein E-Singlespeeder mit sehr reduziertem Design, der mit 3.299 € den preislichen Einstieg in die X-Serie bietet. Das Commuter kostet 300 € mehr, beim X Speed stehen 4.899 € auf der Rechnung – dann aber mit 570-Wh-Akku. Für diese stolze Summe erhält man bei der Klever X Serie nicht nur hochwertige Technik, sondern auch ausgezeichnete Gestaltung; dazu gehört etwa die Innenverlegung aller Kabel durch die Lenkachse, sodass nur ein kurzer Kabelstrang zwischen Gabelkopf und Unterrohr zu sehen ist. Die vom Karlsruher Designbüro Artefakt entworfene „rautenförmige Schleife“ kann sich mit IF Product Design Award sowie Red Dot Design Award schmücken. Also guter Geschmack, von Experten bestätigt.



Web:
klever-mobility.com

Stichworte:E-BikeHeckmotorKleverKymcoNewsProbefahrtX Serie

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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