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Straßen-WM: Alle Sieger & alle Geschichten der Weltmeisterschaft

30. September 2019 by Michael Behringer

Straßen-WM Radsport Yorkshire

Radsport: Regen, Stürze, Tränen & Triumphe. Die Straßen-WM 2019 hat uns Fans einiges geboten. Nach etwas mehr als einer Woche haben die Profis die Strapazen in Yorkshire überstanden. Wir blicken zurück auf eine eindrucksvolle Weltmeisterschaft.

Es war eine WM der Überraschungen

Wer hätte damit gerechnet, dass Mads Pedersen das Straßenrennen der Herren gewinnt? Hat irgendjemand darauf getippt, dass Chloe Dygert im Einzelzeitfahren der Damen die Niederländerinnen bezwingen kann? Für wie wahrscheinlich haben wir es gehalten, dass die Entscheidung bei einem Rennen durch ein Solo über mehr als 100 Kilometer fällt? Vermutlich haben wir mit all diesen Dingen nicht gerechnet.

Die Straßen-WM in Yorkshire kann daher als Weltmeisterschaft der Überraschungen bezeichnet werden. Selbst während der Rennen wurden wir immer wieder von Wendungen überrumpelt, welche ein spannendes Radrennen ausmachen. Mathieu van der Poel sah wie der sichere Sieger aus, bevor bei ihm wie aus dem Nichts plötzlich der Stecker gezogen wurde. Bei den Zeitfahr-Wettbewerben haben sich die Teilnehmer ihre Kräfte teilweise so unterschiedlich eingeteilt, dass sich die Abstände von Zwischenzeit zu Zwischenzeit drastisch verändert haben.



Gewinner der WM: Die Niederlande, USA & Italien

Wie bei jedem sportlichen Wettbewerb gibt es auch bei der Straßen-WM 2019 Gewinner und Verlierer. Obwohl sich die Niederländer vermutlich sogar noch mehr erhofft hatten, müssen sie auf Grund ihrer Ausbeute zu den erfolgreichen Nationen gezählt werden. Wie erwartet haben vor allem die Damen abgesahnt. Annemiek van Vleuten sicherte sich Gold und Bronze, Anna van der Breggen zweimal Silber. Außerdem gewann die orangefarbene Nationalmannschaft das Mixed-Mannschaftszeitfahren souverän. Dass man sich auch in Zukunft keine Sorgen machen muss, zeigen die Medaillengewinne von Lieke Nooijen, Shirin van Anrooij und Enzo Leijnse. Dass der Medaillenreigen noch hätte besser ausfallen können, zeigt die Disqualifizierung von Nils Eekhoff und der überraschende Einbruch von Mathieu van der Poel.

Neben der Niederlande darf man sich auch in den USA und in Italien auf eine rosige Zukunft im Radsport freuen. Nachdem es in den vergangenen Jahren nur wenige starke US-Amerikaner und Italiener zu bewundern gab, wird sich das in den kommenden Jahren wieder ändern. Während Silbermedaillen-Gewinner Matteo Trentin schon zu den älteren Eisen zählt, gehört Samuele Battistella, Antonio Tiberi, Alessio Martinelli und Filippo Ganna die Zukunft. Interessant: Bis auf eine Medaille gewann die Niederlande alle Medaillen bei den Damen. Die Italiener hingegen waren nur bei den Herren erfolgreich. Besser aufgeteilt hat man die Erfolge in den USA. Chloe Dygert, Megan Jastrab und Quinn Simmons sicherten sich Gold, Ian Garrison Silber und Brandon McNulty sowie Magnus Sheffield Bronze.

NationGoldSilberBronzeGesamt
USA3126
Niederlande2427
Italien2215
Dänemark22
Australien112
Russland11
Belgien22
Deutschland112
Schweiz112
Großbritannien33


Rohan Dennis wird Weltmeister und erhält die Kündigung

Obwohl bei der Straßen-WM „nur“ elf Wettbewerbe ausgefahren wurden, gibt es zahlreiche kuriose Geschichten zu erzählen. Im Nachhinein darüber lachen können werden Aigul Garejewa und Antonio Tiberi. Während die Russin beim Einzelzeitfahren der Juniorinnen kurz vor der Ziellinie falsch abbog und der Straße für die Begleitfahrzeuge folgte, erlitt das Rad des Italieners direkt nach dem Start des Junioren-Zeitfahrens einen Kurbelbruch. Die beiden 18-Jährigen ließen sich davon jedoch nicht aus dem Konzept bringen und durften am Ende über Gold jubeln.

Bereits über Gold gefreut hat sich Nils Eekhoff nach dem Straßenrennen in der Klasse U23 – aber nur für 15 Minuten. Danach teilte ihm die Jury die Disqualifikation mit. Der Niederländer ließ sich nach einem Sturz über mehrere Minuten hinweg durch den Windschatten des Teamwagens wieder nach vorne bringen.

Zu den kuriosen Geschichten zählt sicherlich auch die Saga von Rohan Dennis. Schon bei der Tour de France überwarf er sich mit seiner Mannschaft Bahrain – Merida. Da der Australier in seinen Augen von seinem Team nicht das beste Material zur Verfügung gestellt bekommt, stieg er noch vor dem Zeitfahren aus. Bis zum WM-Zeitfahren bestritt er kein Rennen mehr. Jetzt meldete er sich zurück – und wie! Der 29-Jährige verteidigte souverän seinen Titel. Allerdings war Rohan Dennis fast ausschließlich mit Material von Unternehmen unterwegs, welche nicht zu den Sponsoren seiner Mannschaft Bahrain – Merida zählen. Dort reagierte die Teamleitung sofort: Dem alten und neuen Weltmeister wurde direkt gekündigt.



WettbewerbGoldSilberBronze
Straßenrennen
Elite Herren
Mads Pedersen
(Dänemark)
Matteo Trentin
(Italien)
Stefan Küng
(Schweiz)
Einzelzeitfahren
Elite Herren
Rohan Dennis
(Australien)
Remco Evenepoel
(Belgien)
Filippo Ganna
(Italien)
Straßenrennen
Elite Damen
Annemiek van Vleuten
(Niederlande)
Anna van der Breggen
(Niederlande)
Amanda Spratt
(Australien)
Einzelzeitfahren
Elite Damen
Chloe Dygert
(USA)
Anna van der Breggen
(Niederlande)
Annemiek van Vleuten
(Niederlande)
Straßenrennen
U23
Samuele Battistella
(Italien)
Stefan Bissegger
(Schweiz)
Thomas Pidcock
(Großbritannien)
Einzelzeitfahren
U23
Mikkel Bjerg
(Dänemark)
Ian Garrison
(USA)
Brandon McNulty
(USA)
Straßenrennen
Junioren
Quinn Simmons
(USA)
Alessio Martinelli
(Italien)
Magnus Sheffield
(USA)
Einzelzeitfahren
Junioren
Antonio Tiberi
(Italien)
Enzo Leijnse
(Niederlande)
Marco Brenner
(Deutschland)
Straßenrennen
Juniorinnen
Megan Jastrab
(USA)
Julie De Wilde
(Belgien)
Lieke Nooijen
(Niederlande)
Einzelzeitfahren
Juniorinnen
Aigul Garejewa
(Russland)
Shirin van Anrooij
(Niederlande)
Elynor Backstedt
(Großbritannien)
Mannschaftszeitfahren
Mixed-Staffel
NiederlandeDeutschlandGroßbritannien
Stichworte:NewsStraßen-WMStraßenrad-WMWeltmeisterschaftWMYorkshire

Über Michael Behringer

Radsport mit all seinen Taktiken, Etappenanalysen, Platzierungen und Prognosen sind die große Leidenschaft von Michael Behringer. Im Jahr 1996 hat er seine erste Tour de France verfolgt. Seitdem beobachtet er nahezu jedes Rennen. Seine Passion Radsport begleitet ihn also seit über zwei Jahrzehnten. Ein Ende ist nicht in Sicht.

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