Produktnews: Fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass Fox mit der ersten 38er-Gabel den Enduro-Markt ordentlich aufgemischt hat. Seit ihrem Launch im Jahr 2020 ist die Federgabel mit den namensgebenden, wuchtigen 38-Millimeter-Standrohren aus dem harten Renngeschehen kaum mehr wegzudenken. Bewiesen wird das nicht zuletzt durch die frischen EDR-Weltmeistertitel von Richie Rude und Ellie Hoskin im Jahr 2025. Doch im Mountainbike-Sektor dreht sich das Karussell bekanntermaßen schnell weiter. Um die Position an der Spitze zu verteidigen, hat Fox der 38 für das anstehende Modelljahr (MY27) ein großes Update verpasst. Ob die Rechnung der US-Amerikaner aufgeht und welche technologischen Finessen sich unter dem Lack verbergen, haben wir uns im Detail angesehen.
Das neue Chassis: Steifer ist eben nicht immer besser
Im Normalfall sind Ankündigungen zu neuen Federgabeln voll von Versprechen über noch mehr Steifigkeit. Im Falle der neuen Fox 38 müssen wir jedoch ein paar Worte mehr verlieren, denn die Entwickler schlagen hier einen erfreulich differenzierten Weg ein. Der markante Gabelbogen wurde mithilfe moderner, generativer Design-Tools komplett neu gezeichnet. Die Software optimiert dabei die Materialplatzierung exakt nach den auftretenden Belastungen. Das Resultat: Das Ausgangsgewicht bleibt mit 2.200 Gramm angenehm konstant, doch die Steifigkeitswerte wurden gezielt in verschiedene Richtungen manipuliert.
Während die Gabel in Längsrichtung um beachtliche 8,8 Prozent steifer wurde – was für höchste Bremspräzision und Stabilität in steilem Gelände sorgt –, hat Fox die Torsionssteifigkeit um 6,8 Prozent reduziert. Ein Fehler? Keineswegs. Eine zu steife Gabel kann in ruppigem Enduro-Geläuf schnell zu massiver Ermüdung in den Händen und Unterarmen führen. Durch den genau kalkulierten Flex in der Torsion soll die neue Fox 38 der Spur deutlich harmonischer folgen, Stöße besser verarbeiten und dem Fahrer auf langen, aggressiven Abfahrten ein fehlerverzeihenderes Fahrgefühl vermitteln. Wir finden diesen Ansatz – den idealen Kompromiss statt purer Härte zu suchen – absolut super.
Glidecore-Luftfeder: Abschied vom Tube-in-Tube-Design
Eine kleine Besonderheit an der Fox 38 war bislang das „Tube-within-a-tube“-System der Luftfeder. Damit ist nun Schluss. Im Inneren arbeitet fortan die zum Patent angemeldete „Glidecore“-Luftfeder, die sich sowohl vertikal als auch horizontal anpassen soll. Die Idee dahinter ist für jeden Trail-Piloten nachvollziehbar: Wenn die Gabel unter starker seitlicher Belastung (etwa in harten Anliegern oder schrägen Wurzelteppichen) flext, kann es bei starren Innereien zu Reibung an den Standrohren kommen. Glidecore ist so konstruiert, dass es die Verwindungen des Chassis mitmacht und so das Entstehen von systembedingter Reibung unterbindet. Das verspricht einen durchgehend feinfühligen und konsistenten Hub, da die auftretenden Kräfte ungestört direkt in den Dämpfer geleitet werden.
Gegen Ende des Federwegs – zur Wahl stehen üppige 160, 170 oder 180 Millimeter – schützt zudem ein neuer MCU-Bottom-Out-Bumper vor harten metallischen Durchschlägen. Dieser Elastomer-Puffer verleiht der Gabel eine kontrollierte Progression bei maximaler Kompression. Selbst die größten Einschläge im Bikepark oder auf der Rennstrecke dürften so souverän abgefedert werden.
Grip X2 Dämpfung: Feintuning für Setup-Nerds
Die Kontrolle über den Federweg übernimmt auf der Dämpfungsseite die Grip X2 Kartusche, die laut Fox weiterhin die Speerspitze für Gravity-Fahrwerke darstellt (alternativ wird die Gabel auch mit dem Grip X Dämpfer angeboten). Zwar bleibt der Aufbau in seinen Grundzügen bekannt, doch Fox hat entscheidende Details modernisiert. Das Herzstück des Updates ist ein komplett neues Mid-Valve-Kolbensystem mitsamt überarbeitetem Valve Stack.
Dabei wurde die Form der Ventile und der Kolbenöffnungen angepasst, um die Ölfluss-Charakteristik weiter zu verfeinern. In Kombination mit Verbesserungen am bekannten VVC-System soll die Gabel noch mehr Gegenhalt im mittleren Federweg bieten, ohne bei schnellen, aufeinanderfolgenden Schlägen harsch zu wirken. Für Fahrwerks-Tüftler bleiben ohnehin keine Wünsche offen: High-Speed- und Low-Speed-Compression sowie High- und Low-Speed-Rebound lassen sich völlig unabhängig voneinander justieren.
Weniger Reibung durch mehr Buchsen-Überlappung
Neben der Luftfeder und der Dämpfung bringt die Konstruktion der Tauchrohre noch weitere Besonderheiten mit sich, um das Ansprechverhalten zu pushen. Fox vergrößert die Überlappung der Gleitbuchsen um satte 20 Millimeter – von ehemals 120 auf nun 140 Millimeter. Eine größere Überlappung reduziert die Hebelkräfte im Inneren der Gabel drastisch. Das Resultat ist eine deutlich spürbare Reduktion der Reibung und eine verbesserte Längsstabilität unter Last.
In dieselbe Kerbe schlägt die Überarbeitung der sogenannten Bypass-Kanäle. Diese wurden um 90 Grad gedreht, um den Anpressdruck zwischen den Standrohren und den Gleitbuchsen zu optimieren, was langfristig auch den Verschleiß mindern soll. Das Ergebnis dieser Summe an kleinen Maßnahmen dürfte ein noch feinfühligeres Ansprechen bei hohen Geschwindigkeiten sein.
Praktisch: Schöne Features für Schrauber
Daumen hoch: Fox hat bei der neuen 38 auch an die Mechaniker und Hobbyschrauber gedacht. Auffällig ist die neue Luftkammer-Kappe, die nun über eine Werkzeugaufnahme mit 32 Millimetern verfügt und per handelsüblichem Kassettenabzieher bedient werden kann. Das macht das Hantieren mit riesigen Nüssen überflüssig und beschleunigt den Wechsel von Volumen-Spacern enorm. Ein Segen für jeden Schrauber!
Zudem wurden die bekannten Entlüftungsventile auf der Rückseite des Castings flacher gestaltet. Das sorgt für eine aufgeräumte Optik und minimiert das Risiko von Beschädigungen durch Steinschläge. Apropos Schutz: Die Gabel nutzt denselben Mudguard wie die Modelle 36 und 36 SL. Dieser wird über neue Befestigungspunkte sicher an der Gabelbrücke und unterhalb des Dichtungsflansches verschraubt, ohne dabei die Entlüftungsventile in Anspruch zu nehmen.
Eckdaten und Optionen im Überblick
Angeboten wird die Fox 38 für 29-Zoll- sowie für 27,5-Zoll-Laufräder. Bei den Offsets haben Fahrer die Wahl zwischen 44 und 37 Millimetern. Das Vorderrad wird von einer schwimmend gelagerten 15 x 110 Millimeter Boost-Steckachse in Position gehalten. Die Reifenfreiheit ist für Gummis bis 2,6 Zoll Breite großzügig bemessen.
Gebremst wird ab Werk mit 200-Millimeter-Scheiben (bei 29 Zoll) bzw. 180-Millimeter-Scheiben (bei 27,5 Zoll) im Postmount-Verfahren. Wer es richtig krachen lassen will, kann den Durchmesser auf bis zu 230 Millimeter erhöhen. Interessant für E-Mountainbiker: Fox bietet die Gabel künftig auch mit einer direkten ABS-Montagemöglichkeit an.
Ausblick: Die Fox 38 in der Praxis
Mit der neuen Generation der Fox 38 zeigen die US-Amerikaner eindrucksvoll, dass selbst ein extrem erfolgreiches und bewährtes Produkt noch Raum für technologischen Tiefgang bietet. Anstatt einfach blind Steifigkeit und Federwege hochzuschrauben, zeugen Details wie der gewollte Torsions-Flex, die mitflexende Glidecore-Luftfeder und die verlängerten Gleitbuchsen von einem tiefen Verständnis für die realen Herausforderungen im Enduro-Rennsport. Auf dem Papier klingen die Neuerungen jedenfalls nach einem spürbaren Upgrade für Grip, Traktion und Fahrerkomfort.
Ob die Rechnung jedoch auf dem Trail wirklich aufgeht und das Bike sich auf harten Abfahrten spürbar satter anfühlt, stellen wir für euch derzeit auf die Probe. Ein ausführlicher Praxistest der neuen Fox 38 wird in den nächsten Wochen bei uns erscheinen!









