Test Marin Headlands 2: Die aktuelle Version des Trail- und Tourenbike aus Kalifornien bietet alle neuen Standards, dazu eine gut gewählte Geometrie und eine gelungene Optik. Die MTB-Wurzeln der Marke sind dem Rad deutlich anzumerken, wiewohl Marin auch deutlich extremere Gravelbikes anbietet.
Marin County in Kalifornien gilt als Wiege des Mountainbikings – so sehr, dass sich sogar ein Radhersteller den Namen der Gegend auslieh. Seit genau 40 Jahren tragen die Bikes der Marke Marin Stern und Bär der kalifornischen Flagge auf dem Steuerrohr, und vor zehn Jahren gab sich erstmals ein Dropbar-Bike die Ehre. Wobei letzteres bei Marin immer Gravelbike bedeutet, und zwar Gravelbike mit deutlich spürbaren MTB-Wurzeln. Dabei ist das neue Marin Headlands 2 in dieser Hinsicht noch sehr zurückhaltend; das Gestalt X kann derweil für sich in Anspruch nehmen, den wohl flachsten Lenkwinkel aller Gravelbikes zu haben.
Marin Headlands 2: Breit aufgestelltes Gravelbike für Tour und Trail
Mit seiner Ausrichtung mag das Marin Gestalt ein Nischenprodukt sein, für das Marin Headlands 2 gilt dies jedoch nicht. Das 2025 in einer aktualisierten Version vorgestellte Bike sollte mindestens eine Hälfte der Gravel-Gemeinde neugierig machen – all jene nämlich, die sich im Spannungsfeld von Tour, Trail und Reise bewegen. Denn das sind die Bereiche, in denen das Headlands seine Stärken hat und die letztlich auch perfekt zur Marke Marin passen.

Was zeichnet das kalifornische Gravelbike aus? Optisch macht es erst einmal mit seiner schlichten, dabei sehr gelungenen Lackierung auf sich aufmerksam. „Bone Grey“ heißt die Farbe, die – im Tretlagerbereich und unten an der Gabel etwas dunkler gehalten – an staubige Schotterstraßen und heiße Sommertage erinnert. Vielleicht um zu verdeutlichen, dass es auch in der Heimat des MTBs ab und zu mal regnet, sind an den dunkleren Rahmenpartien kleine Wassertropfen auflackiert, die man eher spüren als sehen kann – ein subtiles und ziemlich gelungenes Gimmick.
Stark abfallendes Oberrohr und Staufach
Unterm Lack steckt ein insgesamt eher schlanker Carbonrahmen mit deutlich abfallendem Oberohr, der ordentlich Gesprächsstoff liefert. Los geht’s mit zwei neuen Features des 2026er Modells, dem UDH-Hinterbau sowie einem Staufach im Unterrohr, das Marin „Bear Box“ nennt. Die linsenförmige Öffnung misst ca. 4,5 x 17 cm; im Rohr findet sich ein länglicher Beutel mit Reißverschluss. Zu beachten ist, dass der Deckel nicht ganz aufgeklappt werden kann, sondern ausgehängt werden muss, außerdem muss er so montiert werden, dass der aufgedruckte Pfeil nach oben zeigt.
Durch das Staufach fällt das Unterrohr ziemlich breit aus; es ist oben flach und an der Unterseite gerundet. Ober- und Sitzrohr sind teils abgeflacht, wobei letzteres durch seine Auskehlung den Reifendurchlauf vergrößert. Marin gibt 50 mm frei, doch auch ein echter zwei-Zoll-Reifen sollte Platz finden. Dennoch sind die hochkantigen Kettenstreben mit 420 mm vergleichsweise kurz, was der Wendigkeit zugutekommt – selbst bei Race-Gravelbikes sind 425 mm üblich. Der Lenkwinkel fällt mit größenübergreifend 70,5° eher flach aus. Ein Stack-to-Reach-Verhältnis um 1,5 deutet an, dass der Rahmen eher auf eine kommode Sitzhaltung zugeschnitten ist, wobei 2,5 cm Spacer und der 60 mm kurze Vorbau am 56er Testrad die Sache noch kompakter machen. Der Lenker ist oben 44 cm breit (Mitte-Mitte) und weitet sich an den Enden auf 53 cm auf.
Mit diesen Geometriedaten ist das Marin Headlands 2 klar auf eine eher aufrechte Sitzhaltung zugeschnitten, außerdem auf ein Maß an Handlichkeit, das ins Verspielte geht. Die massige, steife Gabel sorgt dabei für eine hohe Lenkpräzision; Unsicherheit kommt auf dem Bike auch bei höherem Tempo nicht auf. Wenn’s steil bergab geht, kann man sich außerdem auf die Vorzüge einer Dropper Post besinnen, die hier mit 110 mm Weg eine deutliche Absenkung des Fahrerschwerpunktes ermöglicht. Bedient wird sie mit dem linken Shimano-„Shifter“, womit ein Auslösehebel überflüssig ist, wie er bei vielen Gravelbikes mal besser, mal schlechter am Lenker positioniert ist.
Shimano GRX 820 mit MTB-Kassette
Marin verbaut am Headlands 2 eine mechanische Shimano GRX in kompletter 820er Top-Version mit hohlgeschmiedeter Kurbel. Stimmig ist die Verwendung der 10-51er Zwölffach-Kassette, die sehr leichte Berggänge bietet; statt des 42er Kettenblattes hätte aber auch das 40er gereicht, das Shimano alternativ anbietet.

Bis hierhin wird das Marin seinem Preis von knapp 3.300 Euro mehr als nur gerecht, zumal es mit einer Fülle von Anbau-Optionen für Trägersysteme, Taschen und Schutzbleche glänzt. Doch irgendwo muss man ja sparen, und das tut auch dieser Hersteller beim Laufradsatz. Der ist solide, aber schlicht ausgeführt mit Shimano-Naben und 28-Loch-Felgen, die immerhin tubeless genutzt werden können. Der Vee Tire Quickstyk, der hier in 45 mm Breite verbaut wird, ist ein echter OEM-Reifen, der es hierzulande noch nicht in die Radshops geschafft hat. Allerdings hinterlässt er einen durchaus positiven Eindruck; als Quasi-Slick mit deutlichen Schulterstollen ist er gut geeignet für den Wechsel zwischen Asphalt und Gelände, wobei Trails und Matsch sicher nicht zu seinen Stärken gehören.
Die schweren Laufräder bieten Upgrade-Potenzial
Der komplette Radsatz wiegt 4,4 Kilo, was sich natürlich auch aufs Gesamtgewicht des Marin Headlands 2 auswirkt, das bei 10,25 Kilo liegt. Angesichts des Einsatzbereichs – Tour, Trail, Bikepacking – muss man diesen Aspekt nicht überbewerten; wer aber ein leichteres Bike will, kann mit einem günstigen Alu-Radsatz à la DT Swiss G 1800 und leichteren Tubeless-Reifen locker 800 Gramm sparen. Das Nachrüsten lohnt sich jedoch nur bedingt – eher könnte man sich überlegen, für 1.999 Euro das von Marin in Rot/Lila angebotene Rahmenset zu kaufen und nach Wunsch zu komplettieren. Wer geschickt einkauft, könnte sogar den Preis des Headlands 3 unterbieten, das mit SRAM Rival XPLR und Carbon-Radsatz 4.500 Euro kostet. Dass Marin auf eine ab dem Cockpit integrierte Leitungsführung verzichtet, macht diese Option noch interessanter und das Rad noch sympathischer, verströmt es damit doch einen gewissen Oldschool-Charme.

Kritikern macht Marin das Leben definitiv schwer, und wer unbedingt etwas bemängeln möchte, kann höchstens darauf hinweisen, dass unterm Unterrohr eine Schutzfolie fehlt. Ansonsten gefällt das Headlands 2 so ausnehmend gut, dass sich jene, die eher sportlich graveln wollen, eine Erweiterung der Modellpalette um ein Race-Gravelbike wüschen werden. Das sollte die Marke aus der Wiege des Bikesports ja wohl auch hinkriegen.









