Velomotion logo Velomotion small logo
Search icon
  • Produktnews
  • Radsport
  • Tests
    • Kompletträder
    • Komponenten
    • Zubehör
  • Ratgeber
    • Kaufberatung
    • Leasing
    • Recht
    • Werkstatt
    • Radreise

CargobikesE-Bikes Tour und AlltagKompletträderTests

Tern HSD Gen 3 im Test: Belastbares Alltagswunder auf 20 Zoll

15. Juli 2026 by Michael Faiß

Tern HSD

Test / E-Bike: Das Tern HSD geht in die dritte Generation. Ursprünglich 2019 als der kleine Bruder des extrem erfolgreichen GSD vorgestellt, hat sich das HSD über die Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Mit der neuesten Iteration, dem HSD Gen 3, verspricht der Hersteller noch mehr Zuladung, aktuelle Bosch-Antriebstechnik und durchdachte Features für den Alltag. Wir werfen einen detaillierten Blick auf die technischen Neuerungen und Modellvarianten und klären anschließend im ausführlichen Praxistest, wie sich das Topmodell HSD S9i im realen Einsatz bewährt – und warum wir es eigentlich gar nicht in die klassische Cargobike-Schublade stecken wollen.

Von Grund auf erneuert: Rahmen und Technik des Tern HSD Gen 3

Tern hat sich das Feedback der vergangenen Jahre zu Herzen genommen und das HSD tiefgreifend überarbeitet. Auf den ersten Blick bleibt sich das E-Bike treu: Es rollt weiterhin auf kompakten 20-Zoll-Laufrädern, was ihm optisch eine fast zierliche Note verleiht. Doch die inneren Werte sprechen eine andere Sprache. Das Rad ist nun offiziell auf ein maximal zulässiges Gesamtgewicht von beachtlichen 190 Kilogramm ausgelegt – 10 Kilogramm mehr als noch beim Vorgänger. Damit rückt das kompakte Bike in Sphären vor, die sonst ausgewachsenen Long-John-Lastenrädern vorbehalten sind.

Der Rahmen selbst wurde für dieses Plus an Zuladung massiv versteift. Laut Herstellerangaben ist die Frontpartie um sechs bis sieben Prozent steifer geworden, was sich besonders bei voller Beladung bemerkbar machen soll. Zudem erfüllt die Kombination aus Rahmen und Gabel nun die strenge Cargobike-Norm EN 17860 für die besagten 190 Kilogramm. Gleichzeitig wurde die Geometrie modernisiert: Ein längerer Radstand und ein tieferer Schwerpunkt sollen die Fahrstabilität, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten, spürbar verbessern. Der Einstieg bleibt mit 485 Millimetern erfreulich tief, was das Auf- und Absteigen im Alltag enorm erleichtert.



Die Antriebe: Bosch Smart System in zwei Leistungsstufen

Ein wesentliches Upgrade betrifft das Antriebssystem. Das Tern HSD Gen 3 ist nun vollständig in die Welt des Bosch Smart Systems integriert. Das bringt nicht nur Vorteile bei der Konnektivität via eBike Flow-App (wie Over-the-Air-Updates und Navigation), sondern auch bei der Sicherheit. Serienmäßig ist nun das Bosch ConnectModule verbaut. In Kombination mit einem (kostenpflichtigen) Flow+ Abonnement bietet das System GPS-Tracking, einen eBike-Alarm und digitale Sperrfunktionen – Features, die bei einem Rad dieser Preisklasse heutzutage fast obligatorisch sind.



Je nach Modellvariante kommen unterschiedliche Motoren zum Einsatz. Während die P-Modelle (P10e, P5i und P00) vom bewährten Bosch Performance Line Motor mit 75 Nm Drehmoment und 600 Watt Spitzenleistung angetrieben werden, spendiert Tern dem Topmodell S9i ein echtes Kraftpaket. Hier arbeitet der Bosch Performance Line PX. Dieser Motor schließt die Lücke zur CX-Variante, liefert starke 90 Nm maximales Drehmoment, 700 Watt Peak-Power und unterstützt die eigene Tretleistung um bis zu 600 Prozent. Positiver Nebeneffekt der neuen Motorengeneration: Sie ist rund 400 Gramm leichter, soll 30 Prozent weniger interne Reibung aufweisen und arbeitet deutlich leiser.



Bei der Energieversorgung setzt Tern weiterhin auf externe Akkus, konkret den Bosch PowerPack 545. Eine Entscheidung, die in Zeiten vollintegrierter Lösungen fast schon mutig wirkt, funktional aber immense Vorteile bringt.

Tern HSD: Vier Modellvarianten für unterschiedliche Ansprüche

Tern fächert das Line-up des HSD Gen 3 in vier Modelle auf, die sich primär im Bereich der Schaltung und Detailkomponenten unterscheiden:

Das Einstiegsmodell HSD P10e (UVP 4.999,00 Euro) kommt mit einer TRP E.A.S.I. A10 Kettenschaltung. Besonderheit hierbei ist das Bosch/TRP eShift-System. Die elektronische, kabellose Schaltung ermöglicht butterweiche Gangwechsel unter Last und bietet sogar einen vollautomatischen Schaltmodus. Statt eines Riemens kommt hier eine klassische Ketten in Verbindung mit einer Shimano Linkglide Kassette zum Einsatz, die für eine höhere Haltbarkeit konzipiert wurde.



Für den gleichen Preis gibt es das HSD P5i (UVP 4.999,00 Euro). Hier verbaut Tern eine Shimano Nexus Inter5-E Nabenschaltung in Kombination mit einem leisen, wartungsarmen Gates CDX Riemenantrieb.

Wer eine stufenlose Übersetzung bevorzugt, greift zum HSD P00 (UVP 5.399,00 Euro). Dieses ist mit der für hohe Lasten ausgelegten Enviolo Heavy Duty Nabe und ebenfalls mit dem Gates-Riemen ausgestattet.

Die Speerspitze bildet das HSD S9i (UVP 6.699,00 Euro). Neben dem bereits erwähnten stärkeren PX-Motor glänzt dieses Modell mit der neuen 3×3 Nine-Nabenschaltung aus Deutschland, auf die wir im Praxisteil noch genauer eingehen werden. Zudem verfügt das S9i über ein Kiox 300 Display (statt Purion 200), eine hochwertigere SR Suntour MobiE34 Federgabel und eine gefederte Cane Creek Thudbuster Sattelstütze.



Das Tern HSD S9i im Praxistest: Mehr als nur ein Lastenrad

Kommen wir zur Praxis. Im Vorfeld der Testfahrten positioniert Tern das HSD Gen 3 ganz klar als kompaktes Cargobike. Betrachtet man die reinen Zuladungsdaten – bis zu 80 Kilogramm auf dem Heckgepäckträger und bis zu 20 Kilogramm an der Front –, gibt es dafür auch exzellente Argumente.

Dennoch fühlen wir uns nach den ersten Testkilometern genötigt, dieser Kategorisierung ein wenig zu widersprechen. Das HSD ist auf den Straßen und Wegen schlichtweg kein behäbiges Lastenrad. Der Radstand ist nicht größer als bei einem regulären E-Bike, die Handlichkeit ist famos. Es fährt sich leichtfüßig, agil und durch die kleinen 20-Zoll-Laufräder ungemein flink. Ganz ehrlich: Eigentlich gehört dieses Bike in die Kategorie der ultimativen Alltags- und City-Bikes. Ein Cargobike impliziert für viele Fahrer noch immer eine gewisse Sperrigkeit. Das HSD ist das exakte Gegenteil. Es ist ein normales Fahrrad, das im Zweifelsfall einfach unfassbar viel Gepäck schlucken kann.



Geometrie und Ergonomie: One-Size, das wirklich passt

Das Geometriekonzept des HSD basiert auf einem One-Size-Fits-All-Ansatz. Der Rahmen muss Fahrern von 1,50 Meter bis 2,05 Meter Körpergröße (und einem Fahrergewicht bis 130 kg) passen. Oftmals sind solche Konstruktionen faule Kompromisse, doch Tern hat hier einige clevere Kniffe angewandt.

Für großgewachsene Fahrer im Test (knapp 1,90 Meter) funktionierte das Setup hervorragend. Die eigens entwickelte, doppelstufige Teleskop-Sattelstütze (mit wuchtigen 40 mm Durchmesser für hohe Stabilität) ermöglicht enorme Auszugslängen. Gleichzeitig lässt sie sich für kleine Personen weit im Rahmen versenken.



Das eigentliche Geheimnis liegt jedoch im flachen Sitzwinkel. Was bei sportlichen Mountainbikes heutzutage verpönt ist, ergibt bei einem Alltagsrad absolut Sinn. Durch den flachen Winkel wandert der Sattel beim Ausziehen nicht nur nach oben, sondern auch deutlich nach hinten. Dadurch wächst der effektive Abstand zu den Pedalen (für lange Beine), ohne dass die Sitzhöhe über dem Boden überproportional zunimmt. Das Resultat: Selbst bei korrekter Sattelhöhe für große Fahrer lassen sich die Füße beim Anhalten an der Ampel bequem und flach auf den Boden stellen. Gerade bei voller Beladung ist dieser sichere Stand Gold wert. Anpassungen an der Front erfolgen komplett werkzeuglos über den variablen Vorbau, der nicht nur in der Höhe, sondern auch in der Reichweite verstellt werden kann. Als Familienrad, das von mehreren Personen genutzt wird, ist das HSD damit kaum zu schlagen.



Motor, Akku und die 3×3 Nine Nabenschaltung

Der externe Bosch PowerPack 545 mag optisch nicht ganz so elegant wirken wie ein im Unterrohr integrierter Akku, doch im Alltag überwiegt der pragmatische Nutzen. Wer sein Rad am Bahnhof stehen lässt oder den Akku mit ins Büro nehmen muss, wird die leichte Erreichbarkeit lieben. Die 545 Wattstunden sind für ein Rad dieser Kategorie, das eher auf Kurzstrecken und den urbanen Raum ausgelegt ist, völlig ausreichend – selbst bei voller Beladung in hügeligem Terrain.

Der Bosch Performance Line PX Motor konnte ebenfalls überzeugen. Mit seinen 90 Nm Drehmoment hat er keinerlei Mühe mit schweren Lasten, reagiert dabei aber deutlich harmonischer und weniger nervös als ein klassischer Bosch CX. Er bleibt angenehm leise und passt perfekt zum souveränen Charakter des Rades.



Viel Spannung lag im Test auf der 3×3 Nine Nabenschaltung. Neun Gänge klingen zunächst nach wenig, doch die Übersetzungsbandbreite von sagenhaften 554 Prozent lässt eine Enviolo mühelos hinter sich und wildert im Revier einer Rohloff-Nabe. In Verbindung mit Boschs eShift-Funktion schaltet das System kabellos via Trigger. Der Motor nimmt beim Schaltvorgang kurz die Last heraus, der Gang rastet ein, und die Kraft ist wieder da.

Das Schaltgefühl ist direkter und sportlicher als das mitunter teigige Feedback einer stufenlosen Enviolo. Das System erlaubt zudem die Definition eines Startgangs für automatisches Herunterschalten an der Ampel. Ein paar kleine Abstriche gibt es dennoch: Die Schaltvorgänge werden von einem vernehmlichen Klackern begleitet, das System gönnt sich spürbare Gedenksekunden zur Drehmomentreduzierung, und vereinzelt wurden Schaltbefehle im Test erst beim zweiten Drücken des Triggers umgesetzt. Dennoch überwiegen die Vorteile der enormen Bandbreite und der Wartungsarmut deutlich.



Eine ärgerliche Schwäche

Die Bremsanlage, bestehend aus Magura MT4 Stoppern auf 2,0 mm dicken Bremsscheiben, verrichtet unauffällig und solide ihren Dienst. Die kleinen 20-Zoll-Räder übertragen die Bremskraft gut auf den Asphalt. Erst wenn das Systemgewicht die 190-Kilo-Marke ankratzt und es steil bergab geht, dürften die Bremsen an ihre thermischen Grenzen stoßen. Für den Alltag sind sie jedoch mehr als ausreichend.

Tern HSD

Beladen zeigt das HSD seine wahren Stärken im Zubehör-Ökosystem von Tern. Egal ob „Clubhouse Mini“ für den Transport einer Getränkekiste, Euroboxen auf dem vorderen Front-Rack oder spezielle Transportboxen für Hunde – die Modularität ist unübertroffen. Voll beladen spürt man natürlich das Gewicht. Beim Anfahren wird das Bike naturgemäß etwas kippeliger. Wer freihändig fährt, wird ab ca. 15 km/h ein leichtes Flattern in der Front bemerken. Das ist den konstruktiven Grenzen und der Physik geschuldet, trübt den positiven Gesamteindruck bei normaler Fahrt mit Händen am Lenker aber nicht.



Ein Detail hat uns im Test jedoch regelrecht in den Wahnsinn getrieben: der Seitenständer. An einem Fahrrad, das am Heck bis zu 80 Kilogramm Zuladung erlaubt, ist ein einfacher Seitenständer an der Hinterradachse schlichtweg fehl am Platz. Steht das Rad nicht auf absolut topfebenem Untergrund, wird es beim Beladen zur Zitterpartie. Hier gehört zwingend ein robuster Mittelbauständer verbaut, wie man ihn von echten Cargobikes kennt.

Fazit: Tern HSD Gen 3

Pro

  • Extrem vielseitig
  • Kompakte Abmessungen
  • Flinkes Fahrverhalten
  • Durchdachtes Gesamtkonzept

Contra

  • Unterdimensionierter Seitenständer
  • Leichtes Flattern ab 15 km/h

Fakten

RahmenmaterialAluminium
AntriebstypBosch Performance Line PX
Gewicht29 kg
Preis6.699 Euro
Web www.ternbicycles.com
Das Tern HSD S9i Gen 3 glänzt mit einem exzellenten Fahrkomfort, getragen von der SR Suntour Federgabel, der Cane Creek Thudbuster Sattelstütze und voluminösen Schwalbe-Reifen. Die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau, das Zubehör-Angebot grenzenlos und praktische Details wie das vertikale Parken auf dem Heck oder das Abklappen des Lenkers runden das Paket ab. Tern hat das Rad sinnvoll weiterentwickelt, ihm mehr Zuladung und moderne Bosch-Systeme spendiert. Die Kategorisierung als Cargo-Bike wird dem HSD fast nicht gerecht, denn es fährt sich wie ein absolut normales, sehr agiles E-Bike, das bei Bedarf einfach den Wocheneinkauf oder den Nachwuchs schultert. Wer bereit ist, den tiefen Griff in die Tasche für die aufgerufenen 6.699 Euro zu tätigen, erhält mit dem HSD S9i einen echten Pkw-Ersatz für den städtischen und ländlichen Alltag.
Stichworte:CargobikeCitybikefeaturedTerntern hsd

Über Michael Faiß

Michael Faiß hat in München Englisch und Geschichte studiert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in England arbeitete er als Übersetzer unter anderem für das Magazin Procycling und das Degen Mediahouse. Außerdem ist er seit der Kindheit passionierter Radfahrer und –schrauber und fühlt sich vor allem abseits der asphaltierten Wege zuhause.

Bulls Machete RX 1 und EVO SX 1 im Test: Gemeinsam graveln mit E- und Bio-Bike

Rose Shave FFX Red AXS: Leichtes Aero-Racebike zum Spitzenpreis

Sixfinity zum Selbertreten: So fährt sich das neue Yeti LT

Neues Canyon Lux Trail

Leichter, progressiver und bereit für härtere Trails: Neues Canyon Lux Trail

Cervélo Soloist im Test: Allrounder für die Flucht nach vorne

BH iLynx+ DL Trail

Vielseitiger Trail-Shredder mit Avinox M2S Power: BH iLynx+ DL Trail

Konrad Cross Trekking: Fahrkultur mit Heckmotor und Tretlagerschaltung

Van Rysel RCR-F Pro: Mit Kampfpreis zum Etappensieg

Drei davon gibt es für unter 30 Euro: Fünf Dinge, die dir das Mountainbiken erleichtern

Fahrradreifen gesucht? Die gängigsten Begriffe schnell erklärt: Von Addix Race bis Double Defense: Das steckt in den Reifen von Schwalbe

Mondraker Arid Gravel: Neue Modelle in Alu und Carbon

Osram TYREinflate 1600 Essential: Akku-Kompressorpumpe für Radfahrer mit digitaler Druckkontrolle

Bremsperformance und exklusives Design: Formula Cura 4 Kashima und Avinox-kompatible Bremsscheibe

Crankbrothers Trail-Vent-Schuhe

Luftige Performance an heißen Tagen: Crankbrothers Trail-Vent-Schuhe

Ähnliche Beiträge

  • Ca Go CS: Das Stadtrad von morgen?
  • Velo de Ville Loady: Fahrspaß mit viel Gepäck an Bord
  • Tarran T1 Pro im Test: Das Smart-Car unter den E-Cargobikes?
  • Zemo ZE FS P12 im Test: Das komfortabelste E-Bike mit Pinion MGU?
  • Stabiler Fahrspaß dank Neigetechnik: Johansson Oscar S im Test
  • Velomotion Team
  • Mediafacts
  • Impressum
  • Datenschutz/ DSGVO

© 2026 · Velomotion GmbH