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GravelbikesTests

Ritchey Outback Gravelbike im Test: Gravel-optimierter Klassiker

1. Mai 2021 by Caspar Gebel

Test: Die Komponentenschmiede Ritchey wurzelt tief im Mountainbike-Sport und bietet seit jeher Stahlrahmen für unterschiedliche Disziplinen an – darunter das Ritchey Outback, das maßgeschneidert für Gravel-Langstreckenfahrer ist.

Tom Ritchey gehört zu den Urvätern des Mountainbikings, ist aber auch Rennradfahrer. Seine Komponentenmarke ist überall bekannt; nicht alle wissen jedoch, das Ritchey von Hause aus Rahmenbauer ist. Seit jeher setzt er vorwiegend auf Stahl, und dass ein Gravelbike aus diesem Material im Programm ist, passt natürlich perfekt zur Geschichte der Firma zwischen Straße und Gelände. Die Grundidee des Gravelns findet im Outback einen gelungenen Ausdruck, ist das Rad doch grundsolide und funktionell. Leichtbau ist hier kein Thema, dafür ist der schlanke Stahlrahmen nahezu unverwüstlich, vielseitig einsetzbar und dank außen liegender Züge und Leitungen einfach aufzubauen und zu warten.



Ganz anders als der Crosser

Legendär ist Ritcheys „Swiss Cross“-Querfeldeinrahmen, der 1997 von Thomas Frischknecht zum zweiten Platz bei der Cyclocross-WM gefahren wurde und bis heute angeboten wird, wahlweise mit Scheibenbremsen oder mit Cantileversockeln. Ein Crossrad muss handlich und wendig sein, und zahlreiche Hersteller übernehmen die entsprechende Geometrie für ihre Gravelbikes. Ritchey unterscheidet jedoch sehr genau zwischen Cross und Gravel. Die Sitzhaltung auf dem Outback ist etwas kompakter und der Gravel-Rahmen weist eine merkliche Sloping-Form auf, noch deutlicher sind jedoch die Unterschiede in der Lenkgeometrie. Der Hinterbau ist auffallend lang und der Lenkwinkel deutlich flacher als beim Crosser, außerdem weist der Graveller natürlich diverse Gewindebohrungen auf, die am Wettkampfrad fehlen. Vollwertige Schutzbleche und ein handelsüblicher Gepäckträger können ebenso angebracht werden wie Halterungen an der Gabel, die jeweils mit drei Kilo belastet werden können. Und natürlich bietet das Gravelbike deutlich mehr Reifenfreiheit: Bei 28 Zoll passen 48 mm breite Pneus, rein, außerdem 650B-Walzen bis zwei Zoll.

Typisch fürs Gravelbike sind die drei Bohrungen für Gepäckhalter.
So lässt sich ein Gepäckträger am sichersten anbringen.
Das schlanke Steuerrohr kontrastiert mit der bulligen Carbongabel.

Optisch gewöhnungsbedürftig sind die komplett außen verlegten Züge und Leitungen, wie man sie vom klassischen Crosser kennt. Natürlich ginge es auch anders, jedenfalls in Ober- und Unterrohr, andererseits ist die Montage von Bremsen und Schaltung so natürlich um einiges einfacher. Ebenfalls ungewöhnlich ist der extrem stark abgewinkelte Carbonlenker mit satten 36° Flare, dessen Oberlenker leicht zum Fahrer hin gebogen ist. Unten gegriffen, bietet er viel Kontrolle auf dem Trail und bietet dazu breiten Lenkertaschen Platz; wie alle Komponenten am Testrad ist er freilich nur beispielhaft zu sehen – Ritchey bietet keine Kompletträder an, sondern nur Rahmensets.



Zur kompakten Sitzhaltung führt auch der kurze Vorbau.
Der Lenker ist stark ausgestellt, was man in der Bremsgriffhaltung deutlich spürt.
Wie fast alles am Testrad stammt auch der Sattel von Ritchey.
Rahmen Ritchey Logic triple butted steel
Federgabel Ritchey Carbon Adventure Fork
Laufräder Ritchey WCS Zeta Disc
Reifen Ritchey WCS Speedmax
Schaltwerk Shimano GRX RX-810
Schalthebel Shimano GRX RX-600
Kurbel raxis Zayante Carbon 40 Z.
Umwerfer
Bremse Shimano GRX
Sattelstütze Ritchey WCS Link
Sattel Ritchey WCS Streem
Vorbau Ritchey WCS Toyon
Lenker Ritchey WCS Carbon Venturemax

Der Aufbau mit Shimano GRX 1×11 und edler Praxis-Carbonkurbel ist eher sportlich; die satte 42 mm breiten Reifen bieten viel Traktion und können wie die Felgen tubeless gefahren werden. Der WCS-Radsatz ist angesichts einer Felgenmaulweite von 21 mm nicht ideal fürs Graveln, besser wären Ritcheys WCS Trail Wheels mit 25 mm Innenweite.



Carbon findet sich am Stahlrahmen in Form dieses leichten Kurbelsatzes.
Wie an klassischen Crossern wird der Schaltzug auf dem Oberrohr geführt.
Der bissige, pannenfeste Speedmax ist etwas zu breit für die Felgen mit 21 mm Innenweite.

Laufruhig für Trail und Reisen

Die beschriebene Lenkgeometrie lässt bereits erahnen, dass das Outback als laufruhiges Langstrecken-Bike konzipiert ist. Es wirkt steif und lässt sich gut beschleunigen, ist jedoch eher gutmütig als wendig. Bei Touren mit Gepäck sind das die passenden Eigenschaften, und auch Trailfahrern kommt die hohe Richtungsstabilität zugute. Insgesamt kann das Ritchey als sportliche Variante des klassischen Randonneurs gelten, des Reise-Rennrades – wo es um rein sportliches Fahren geht, ist das Ritchey Swiss Cross die bessere Wahl. Zeitlose Klassiker sind beide.



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Fazit: Ritchey Outback

Pro

  • Reisetauglicher Stahlrahmen
  • Laufruhig und richtungsstabil
  • Viele Anbaumöglichkeiten
  • Preislich attraktives Rahmenset zum Selbstaufbau
  • Klassisch & zeitlos

Contra

  • Alle Züge und Leitungen außen verlegt

Fakten

RahmenmaterialStahl
BremseScheibenbremse Hydraulisch
Gewicht9,64 kg
Preis1.499 Euro (Rahmenset)
Web eu.ritcheylogic.com
Wer ein unverwüstliches Gravelbike für Langstrecken sucht, könnte am Ritchey Outback Gefallen finden, zumal sich das Rahmenset nach Gusto komplettieren lässt
Stichworte:BikepackingGravelGravelbikegraveltest2021RitcheyStahlStahlrahmen

Über Caspar Gebel

Caspar Gebel sitzt seit 40 Jahren auf dem Rennrad. Der Fachjournalist und Sachbuchautor arbeitet für Velomotion und auch für die Zeitschriften Procycling und Fahrrad News.

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